ÜBER DEN
«ORTSFESTEN » FREIEN FLUG
VON BIENEN IN EINEM SAUGKANAL
Sur le vol
«stationnaire
»libre de l’abeille
ensoufflerie
Werner NACHTIGALL Reinhardt WIDMANN Maximilian RENNER
Zoologische
Institute der Universität des Saarlandes, Saar6rücken, und der Universität München.SUMMARY
ON THE FREE ct STATIONARY » FLIGHT OF THE BEE IN A WIND TUNNEL
Bees were trained to
fly
from their hive to a feeding dish via a suction type of wind tunnel and to return to the hive via another route outside the wind tunnel. Whilegoing through
the tunnel the insect flew against the wind, the velocity of which could be
regulated
so thatit was
exactly equal
to theflight velocity
of the bee. As a result, the bee flew inplace
’.Some bees maintained this
flight
condition as long as 20 seconds. This behavior and theexperimental apparatus make
possible high-frequency
kinematicanalysis
offreely flying
bees. The maximal velocity of the bees in the wind tunnel did not exceed 5.5
m/s. Rhythmic
swings of the animal in aplane
perpendicular to the air stream were observed. Visual stimuliconsisting of green and yellow stripes moved in a direction opposite to the
flight
directionthus far have not influenced the
flight
behavior of the animals. Theangle
of inclination of the bees’ body and the variation in thisangle
decreasedsignificantly
with increasingvelocity
of
flight.
Parameters of theflight
behavior were discussed.ZUSAMMENFASSUNG
Bienen wurden darauf dressiert, in einem
Saugkanal
gegen dieLuftströmung
zu einemFutterschälchen zu
fliegen
und auf einem anderenWege,
außerhalb des Kanals, zum Stock zurückzukehren. DieStrömungsgeschwindigkeit
kann soreguliert
werden, daß dieFluggeschw- indigkeit
der Biene im Kanal entgegengesetztgleich
derWindgeschwindigkeit
ist, so daß das Tier ’ am Ort ’fliegt.
Einzelne Individuen halten diesenFlugzustand
bis zu 20 s durch, sodaß die
hochfrequenzkinematische Analyse freifliegender
Bienen mit der beschriebenen Ver-suchseinrichtung möglich
ist. DieMaximalgeschwindigkeit
der Bienen imSaugkanal
über-schreitet nicht 5,5
m/s. Rhythmische Seitschwankungen
treten auf.Gegenbewegte
optischeMarken haben bisher keinen Einfluß auf das Flugverhalten gezeigt. Der
Rumpfanstellwinkel
der Bienen und die
Streuung
des Rumpfanstellwinkels sinken statistich gesichert mitsteigender Fluggeschwindigkeit.
Die Parameter des Flugverhaltens werden diskutiert.EINLEITUNG
Als Standardverfahren für
flugbiophysikalische Untersuchungen
vonInsekten hat sich
folgende
Methodeherausgebildet :
Das Insekt wird an einerMehrkomponentenwaage
fixiert und von einem Windkanal laminar anges- trömt. Sobald dieAnströmungsgeschwindigkeit gleich
derFluggeschwindigkeit
ist,
und sobald dieKraftkomponenten
Auftrieb-Gewicht und Vortrieb- Widerstandjeweils entgegengesetzt gleich groß sind,
herrschenquasinatürliche
Verhältnisse. Man kann dann erwarten, daß die
Flügel
ingleicher
Weise schla-gen, als wenn das Insekt mit der
eingestellten Geschwindigkeit
horizontalgeradlinig
durch ruhende Luftflöge.
Mitgeeigneten,
auswertbarenRegistrier- verfahren,
etwastereographischen Hochfrequenz-Filmaufnahmen,
kann mandann die Kinematik der
Flügelschwingung
aufnehmen.Dieses
Prinzip
wurde u.W. von HOLLICK(1940)
an derFliege
Muscinastabulans das erste Mal
systematisch angewendet.
Imfolgenden
wurde esverbessert und
weiterentwickelt,
insbesondere vonJ ENSEN (1956)
bei derHeuschrecke Schistocerca
gregaria (zweidimensionale Filmaufnahmen),
vonN ACHT
rGALL
(1966)
bei derGlanzfliege
Phormiaregina (sterographische Dreitafelprojektion),
von VOGEL(1966)
bei derFruchtfliege Drosophila
virilis(zweidimensionale Photos)
und von ZARNACK(1970)
bei der Wanderheuschrecke Locustamigratoria (Stereo-Meßbildpaare).
Die Bienen haben insbesondere NEUHAUS und WOHLGEMUTH(1960),
WOHLGEMUTH(1962)
und HERBST und FREUND(1962)
mit Windkanal-Methoden untersucht. DerHauptnachteil
dieses Verfahrens ist die
Aufhängung
des Tieres. ThorakaleAufhängungen
müssen
Massenbeschleunigungen hervorrufen,
die im freienFlug
nicht auftre- ten, und diemöglicherweise
dieFlügelkinematik,
sicherjedenfalls
dieFlug- energetik
verändern. Allein mitAufhängungen
über ein sehr zartesHaltege- stänge
an der äußerstenAbdomenspitze (N ACHTIGALL (1966))
kann ein«
quasinatürlicher
»Flugzustand eingestellt
werden.Solche
Aufhängungen
sind aber methodisch sehr heikel. Es wäre deshalbvon
großem Vorteil,
wenn esgelänge,
Tiere imvollständig
freienFlug
zuuntersuchen. Für die
Analyse
derFlügelkinematik,
fürFragen
der Treibstoff-verwertung (Energetik)
und für dieUntersuchung
derFlugsteuerung
undder
Lageorientierung
ist einevöllig störungsfreie
Simulation des freienFlug-
zustandes sehr bedeutsam. Zur
Beobachtung
muß das Tier relativ zu seinerUmgebung
« ortsfest »fliegen.
Das läßt sich technisch dadurcherreichen,
daß man es aus einemSaugkanal herausfliegen läßt,
in den man so raschLuft
einsaugt,
daß dieSauggeschwindigkeit entgegengesetzt gleich
derFlug-
geschwindigkeit
ist.Nicht-dressurfähige Insekten,
wie zumBeispiel Fliegen,
sind für solche Versuche
ungeeignet.
Bienendagegen
können eslernen,
voneiner
Abflugrampe
in derlanggestreckten
Meßkammer einesSaugkanals
auszu einer
Futterquelle wegzufliegen.
Da bei denDressurexperimenten einige
methodisch interessante
Ergebnisse aufgetreten sind,
die insbesondere denBienenpraktiker
interessierendürften,
sei hier etwas näher daraufeingegangen.
METHODE
Die Versuche wurden in dem 6 m2 großen Bienenraum des Zoologischen Instituts der Universität München ausgeführt [RENNER, M. (1955,
1957)].
Die Wände des Raumes warenauf weißem Grund mit
gelben
und grünenOrientierungsmalen
versehen. Der Raum wurde künstlich beleuchtet, belüftet und auf 25° Ctemperaturkonstant
gehalten. Die relative Luft-feuchtigkeit
wurde durchVerdunstungsflächen
auf etwa 50 %eingestellt.
Die Leuchtstoff-röhren-Deckenbeleuchtung
wurde automatisch für eine Tageslänge von 14 Stunden (5 bis19 Uhr) mit
Dämmerungsphasen
von je 20 Minuten geschaltet. Während derTagesperiode
erzeugte sie in 1 m Höhe über dem Boden eine mittlere
Raumhelligkeit
von 500 Lux. Die abendliche Dämmerungsphaseermöglichte
den Bienen die Rückkehr zum Stock. Gefüttert wurde mit zweimolarem Zuckerwasser. Diese Konzentration wurde von den Bienen am bestenangeflogen. Die für die Brut nötige
eiweißhaltige
Nahrung bestand aus handelsüblichenHöselpollen.
Zur Förderung derKotabgabe
und um eineErkrankung
an Nosema zu verhindern,wurde
regelmäßig
süßer Sennesblätterteeeingefüttert,
dem pro 100 g 0,1 gFumagillin
zuge- setzt war.Der verwendete Windkanal ist in
Abbildung
1 maßstabsgetreuaufgezeichnet.
Eine kräftige, einstufige Achsialturbine, angetrieben von einem 2 PS-Drehstrommotor, saugt Luftaus der
Umgebung
durch eineaerodynamisch
günstig geformte runde Einströmdüse und durch die 80 cm lange und 12 X 12 cm im Querschnitt messendeBeobachtungsstrecke.
Wind-geschwindigkeiten
von max.6 m /s
wurden damit erreicht.Reguliert
wurde dieGeschwindigkeit
durch teilweises Schließen einer Schlitzblende am Ausströmende (Einschaltbild in Abb 1).
Die
Blendenstellung
wurde mit einemFlügelradanemometer
inGeschwindigkeitseinheiten
geeicht.Die Meßstrecke bestand aux Glas und konnte zum Reinigen leicht geöffnet werden.
Durch die Düse und mittles vorgespanneter Perlonsiebe der feinsten Maschenweite wurde die Raumturbulenz nahezu
ausgeschaltet.
Rauchfadenversuche zeigten bis zu mittlerenGeschwindigkeiten
parallele, unverwirbelte Stromfäden in der Meßstrecke. Der Kanal konnteum + 30° geneigt werden, wurde aber bei den hier beschriebenen Versuchen stets in horizon- taler Stellung benutzt. Vom Stock zog ein Gummischlauch zentral in die Meßstrecke und endete an einer Startplattform. Die Bienen wurden darauf dressiert, von der Startplattform
gegen den Wind zu fliegen, auf der Innenseite des innersten Siebes zu landen, nach oben zu einem seitlich an der Düse
angebrachten
Austrittsloch zu kriechen und von dort zu einem Futterschälchen zu fliegen. Das Schälchen stand in ca. 1 m Abstand von der Düse in Höhe der Kanalmittelachse und wurde von 2Niedervoltlampen
sehr hellangestrahlt,
so daß esals heller Fleck vom Kanal aus sichtbar war. Als besonders günstig erwies sich eine Blau-
färbung
des Schälchens.DAS VERHALTEN DER BIENEN UNTER VERSUCHSBEDINGUNGEN ENTWICKLUNG DER VERSUCHSEINRICHTUNG
Die
Versuchseinrichtung
wurde schrittweise im steten Test mit den Ver-haltensleistungen
der Bienen entwickelt.Anfangs
wurden Einzeltiere ver-wendet ;
sie sindjedoch
kaum zumAbflug
zu veranlassen. Deshalb wurde schließlich ein Bienenvolk verwendet. Die Tiere waren vorher schon an dieBedingungen
des Bienenraums und an die künstlicheFütterung gewöhnt
worden.
Stockausgang
undAbflugstelle
waren mit einem Gummischlauch von70 cm
Länge
und 2 cm Innendurchmesser verbunden. Ohne Dressur fanden sich die Bienen in dem Gummirohr nicht zurecht. Sie wurden deshalb mit Stutzen vonlo,
20 und 30 cmLänge
an die neue Art desStockausgangs gewöhnt
das Futter befand sich
jeweils
direkt am Schlauchende und war mit einer Duft- undLichtquelle
kombiniert. Von derStartplattform
im Kanal sollten die Tiere gegen den Wind aufNahrung
in einemstromlinienförmig
verkleidetenFuttergefäß
dressiertwerden,
das zunächst ganznahe, später
immer weiterentfernt,
schließlich außerhalb des Kanals stehen sollte. Die Bienenflogen
das Gefäß
jedoch
nicht an. Deshalb wurde das Gefäß außerhalb des Kanalsangebracht.
Das seitlicheAusflugsloch
wurde hellangestrahlt.
Die Tierefanden aber nicht ins Freie.
Zufällig
wurde einmal statt des Turbulenzsiebs eine licht-!zndströmungsundurchlässige Ringblende angebracht. Jetzt
landetendie Tiere am Grund der Einströmdüse und
akzeptierten
das kleineAusflugsloch.
Nach 3
Tagen
wurde die Blende gegen das Turbulenzsiebausgetauscht.
EineNiedervoltlampe projizierte
einenkreisförmigen
Lichtfleck ins Zentrum desSiebes;
die dunkle Randzoneentsprach
der vorher verwendetenRingblende.
Die Blende wurde somit
vorgetäuscht;
die Bienenakzeptierten
diese Situation.Nach weiteren 14
Tagen
konnte diekreisförmige Beleuchtung
des Siebes und dieAnleuchtung
desAusflugslochs wegfallen.
Die Bienen durchwandertennun
regelmäßig
den KreislaufStock-Gummischlauch-Abflugrampe-freier Flug
gegen den Wind(sehr langsames Vorankommen)
zum Sieb(Einschrän- kungen s.u.)
- aufwärts Laufen - Auskriechen aus demAusflugloch
-Flug
zur
Futterquelle
-Flug
direkt zum Stock zurück.Für Versuche dieser
Art
ist esausschlaggebend wichtig, ob Bienen lernen
können, auf getrennten Wegen
aus dem Stock zu gelangen (hier :
durch Schlauch
und Windkanal) und
inden Stock zurückzukehren (hier : durch Eingangs-
öffnung
am Stockselbst),
da es - bei dieserkomplizierten Versuchsanordnung
verständlicherweise - nicht
gelang,
die Bienen dazu zubringen,
« mitWind
»auf
umgekehrtem Wege
durch den Kanal in den Stock zurückzukehren. Sieflogen
nach demSaugen
am Schälchen direkt an den Stock und suchten ander Aussenwand nach einer
Öffnung.
Es wurdedeshalb
ein Loch von 15 mmDurchmesser in die Stockwand
gebohrt
und innen mit einem etwasgrößeren Plastikplättchen verschlossen,
das an der Oberseite drehbaraufgehängt
war.Dieses
Klapptürchen
konnte von den rückkehrenden Bienen miteinigen
Mühenaufgedrückt werden, infolge
derInnenlagerung jedoch
nicht von den im Stockbefindlichen Tieren. Es wurde bald von allen Sammlerinnen als
Stockeingang akzeptiert.
Eine
große Schwierigkeit lag darin,
daß viele Bienen im Wind nur ungernvon der
Startplattform wegfliegen
und lieber aufUmwegen
an der Kanalwandentlang
krabbeln und sich dann zu Fuß zumAusflugloch begeben. Folgende
Verfahren,
die die Bienen zumAbf l iegen
veranlassensollten,
wurdengetestet :
1. Start in ruhenderLuft; schlagartiges
Einschalten der Turbine nach dem Start. Die Bienen wurdenregelmäßig
von der Einschaltbö gegen die Kanalwandgeworfen
und insAuffangnetz zurückgetrieben.
Gleitendes Anlaufen überphotomechanische Selbststeuerung
könnte Abhilfebringen,
konntejedoch
nicht
getestet
werden.2.
Umgeben
derStartplattform
mitöligen, wässrigen, klebrigen,
wäch-sernen und
nadelpolsterartigen Überzügen,
die nicht überklettert werden können. Bei Wind laufen viele Tiere rasch undungerichtet
weg,verfangen
sich an dem Hindernis und fallen zu Boden.
3. Ein in bestimmter Weise
geformter Ausflugtrichter,
in dem die Wind-geschwindigkeit
vomStaupunkt
ausgraduell
zunimmt. Die Tiere laufenjedoch
bis zum Ende des Trichters.
4.
Schlagartiges Wegreißen
derStartplattform
über einenkräftigen
Elektromagneten
in ca. 3 ms. Die Tiere fallen daraufhin frei durch und könnten dabei reflektorisch starten. Die Fallstrecke reichte aber nicht aus.5.
Vergrößern
der Fallstrecke durch einengrößeren Kanalquerschnitt (30
X 30cm).
Trotz Start undFlügelbewegung
wurden die Tiereregelmäßig
rückwärts oder gegen die Seitenwände
abgetrieben.
Somit blieb nur der
Weg, diejenigen
Tiere abzuwarten und zubeobachten,
die
zufällig
spontan und gut starteten und weiterhin gutflogen.
Es waren etwa2 °/fl aller Tiere; die übrigen liefen meist die Glaswünde entlang zum
Ausflugloch
oderflogen
schlecht(Abb. 2).
DAS VERHALTEN DER BIENEN BEIM FREIEN FLUG IM SAUGKANAL
Tiere,
diegut gestartet
waren,flogen
mitgeschwindigkeitsabhängigen Rumpfanstellwinkeln (s.u.)
und in dertypischen Flughaltung
fürlangsame
bis mittlere
Geschwindigkeiten :
Vorder- und Mittelbeine mehrminder ange- zogen, Hinterbeineschräg
nach hinten - untenherabhängend.
Siebewegten
sich frontal gegen den Wind. Durch
Nachregeln
derWindgeschwindigkeit
vonHand konnten sie leicht vor- und
zurückgetrieben
werden. Sie können auch-
spontan
oderinfolge Regelung
- miteinigen wenigen
Zentimetern Schwan-kungsbreite
« am Ort» fliegen.
SolcheFlugzustände
warenjedoch
nichthäufig
und hielten meist nur 5 -10,
höchstens 20 Sekunden an. Bei einerFluggeschwindigkeit
von 5 inj 8 entspricht
eineFlugdauer
von 20 Sekundeneiner
zurückgelegten
Strecke von 100 m. Bereits 1 Sekunde einesderartigen
freien
Stationärflugs
reicht zur kinematischenAnalyse
derFlügelschwingungen vollständig
aus. Unter diesemGesichtspunkt
hat sich das Verfahren alserfolgreich
erwiesen. Fürenergetische Untersuchungen
müßte die genaueFluggeschwindigkeit, beziehungsweise
ihre zeitlicheÄnderung, präzise bekannt
sein.
Freifliegende
Bienen führen nun aber im Kanal sehrheftige,
offensichtlichspontane Richtungsschwankungen
aus, die sie oft in die Nähe der Kanalwände treiben und nicht selten anstoßen lassen. Auch imgrößeren
30 X 30 cm-Kanalwar das Verhalten nicht anders. Feste
optische
Marken am Außenrand dergläsernen
Meßstrecke[vergl.
HERAN und LINDAUER(1963)],
die verschieden hell beleuchtet werdenkonnten, verringerten
dieseSeitschwankungen
ebenfallsnicht. Die
Flugzustände
sind also nichtdefiniert,
so daß die Methode fürAnalysen
desEnergiehaushalts
nichtgeeignet
sein dürfte.Es ist nicht
bekannt,
ob die Bienen dierhythmischen Schwankungen
aktivausführen,
ob dieseBewegungen
durch eventuelle Restturbulenz im Kanal induziertwerden,
oder ob die nureinige wenige
Zentimeterbetragenden Schwankungen
auch beim freienFlug
in ruhender Luft als Normalverhaltenauftreten, möglicherweise
aberinfolge
der meistgroßen Beobachtungsent- fernungen
undFluggeschwindigkeiten
übersehen werden : die Seitschwan-kungs-Geschwindigkeiten
sind meist klein gegen dieFluggeschwindigkeit.
Fluggeschwindigkeiten
- hier identisch mitGegenwindgeschwindigkeiten
-von 0 -
5,5
mjs (20
km/Std.)
wurden im Kanal erreicht. Im freien Gelände sindGeschwindigkeiten
um8 m js (30
km/Std.)
und etwas mehr sicher nach-gewiesen.
Der Grunddafür,
warum die Bienen ihrephysiologische
Höchst-geschwindigkeit
im Kanal nichtausfliegen,
ist nicht bekannt.Möglicherweise
können die im Bienenraum
gehaltenen
Tiereinfolge
desZwangs
zumständigen
Schwirr- bis
Langsamflug
die höchstenGeschwindigkeiten
nicht mehr ent-wickeln. Eine weitere
Erklärungsmöglichkeit
wird am Schluß derMitteilung gegeben.
Die im
Saugkanal
auftretendeRelativgeschwindigkeit
Biene -Umgebung
ist beim stationären
Flug gleich
Null. ZurKompensation
für den fehlendenbewegungsoptischen
Reiz wurde ein Streifenbandgeboten (80
cmlang,
12 cmbreit, gelbe
undgrüne
Streifenje
5 cmtief),
das unmittelbar unter dergläsernen Bodenplatte
der Meßstrecke gegen dieFlugrichtung
lief und in verschiedenen Ausschnitten und verschieden hell beleuchtet werden konnte. Seine Relativ-geschwindigkeit
konnte derWindgeschwindigkeit angeglichen
werden. Eingesicherter
Einflußbezüglich
einerErhöhung
derFluggeschwindigkeit
undeiner
Stabilisierung
desFlugverhaltens
konnte mit der verwendetenAppa-
ratur bisher nicht
nachgewiesen
werden.RUMPFANSTELLWINKEL UND FLUGGESCHWINDIGKEIT
Als ein
Beispiel
für dieMeßmöglichkeiten,
die ein solchesKanalsystem erlaubt,
sei derRumpfanstellwinkel
als Funktion derFluggeschwindigkeit
betrachtet. Dieser Winkel sei hier definiert als Winkel zwischen der
Tangente
an die obere
Körperkontur
der Biene und derStrömungsrichtung (s.
Abb.1,
Einschaltbild).
Beigrößerer Fluggeschwindigkeit
muß mehr Vortrieb relativzum Auftrieb
erzeugt
werden. Setzt manhypothetisch
voraus, daß dieFlügel-
kinematik und die mittlere
Schlagbahnneigung
zurTierlängsachse
konstantbleibt,
so müssen dieRumpfanstellwinkel
mitsteigender Fluggeschwindigkeit abnehmen,
das heißt dieSchlagbahnneigung
zur Horizontalen muß steiler und derRumpfwiderstand
kleiner werden.Zusammen mit einer
strömungsparallelen Hintergrundmarkierung
wurdeein mittlerer Ausschnitt der exakt horizontal
eingestellten
Meßstrecke auf 16 mm — Filmgefilmt.
Dieoptische
Kameraachse stand horizontal und senkrecht zurKanallängsachse.
Beigroßer
Blende wurde mitfolgender,
fürdie
Analyse optimaler Einstellung gefilmt :
8 Bildern proSrkunde ;
Einzelbild-belichtungszeit
mittels Selctorenblende auf1 !32 s ein b estellt. Infolge
deroffenen Blende wurden nur zentral
fliegende
Bienen scharfabgebildet. Wegen
der relativ
langen Einzelbildbelichtungszeit
wurden weiter nurdiejenigen
Tiere scharf
erfaßt,
die stationärflogen.
StationäreFlugzustände
konntenweiter noch daran erkannt
werden,
daß dasvorhergehende
und das nachfol-gende
Filmbild die Biene ingleicher Raumlage,
zumindesten ingleicher Höhenlage zeigen
mußte.Schrägstellungen
zurStrömung
durch Gieren umdie Hochachse
(Schiebeflug),
dieAnstellwinkeländerungen
vortäuschenwürden,
konnten dadurch bemerktwerden,
daß die beidenschräg
herabhän-genden
Hinterbeine in solchen Fällen nichtdeckungsgleich
sind. Bilder voninstationären und nicht
strömungsorientierten Flugzuständen
wurden nichtverwertet. Bei
Geschwindigkeiten
von0, 2, 3,
4 und5m/s
wurdenjeweils
looEinzelbilder
ausgewertet,
die diegenannten
Kriterienpräzise
erfüllten. DieErgebnisse
sind in der Tabelle I und in derAbbildung
3zusammengefaßt.
Es hat sich
gezeigt,
daß derRumpfanstellwinkel
mit zunehmenderGeschwindigkeit gesichert
kleiner wird. Weiter hat sichergeben,
daß dieStreuung
desRumpfanstellwinkels
mit zunehmenderFluggeschwindigkeit gesichert
abnimmt. Die Ursachen für das letztere Verhalten dürften darinliegen,
daß die Tiere den für eine bestimmteFluggeschwindigkeit typischen (energetisch optimalen ?) Rumpfanstellwinkel
ausenergetischen
Gründen umso schärfer
einhalten, je größer
dieFluggeschwindigkeit
ist. Ist dieser Winkel einOptimum,
so mußjede Abweichung
um soenergiezchrender sein, je
schnellerdas Tier
fliegt :
Ausdrehmomente und Widerstandskräfte wachsen mit demQuadrat
derFluggeschwindigkeit.
Erwähnenswert ist
ferner,
daß die Bienen bereits bei5 m js
sehr flachfliegen ;
derRumpfanstellwinkel beträgt
dabei im Durchschnitt nur etwa9°,
in nicht
wenigen
Einzelfällen bereits nahe 0°.Möglicherweise
sind Geschwin-digkeiten
etwas über5 m js
die höchstenWerte,
die eine Biene durch Ver-ringerung
desRumpfanstellwinkels
einstellenkann,
der wiederum in direkter mechanischerBeziehung
zurFlügelamplitude
stehen dürfte.Geschwindigkeits-
messungen im Freien
ergaben
Höchstwerte von 8-9m js [HERAN (1959)].
11
m js
werden alsmögliche Höchstgeschwindigkeit
betrachtet. Weitere Steuer-komponenten —
zusätzlicheVeränderung
derSchlagebene,
derPhasenlage
zwischen
Biege-
undDrehschwingung
derFlügelschläge
etc. - könnten viel- leichtgerade
von der mit denKanalexperimenten
erzielbaren höchsten Ge-schwindigkeitsstufe (5 in/ s)
ab dazukommen. Sie könnten dieGeschwindigkeit
auch dann noch höher
treiben,
wenn derRumpfanstellwinkel gleich
Nullgeworden
ist. SolcheVerstellungen
kommen durch tonische Kontraktionen bestimmter direkter Stellmuskeln an derFlügelbasis
zustande(P RINGLE 1961).
Rückläufig argumentierend
könnte man also nichtausschließen,
daß unterden
Lebensbedingungen
des Bienenraumsdiejenigen
direktenFlugmuskeln geschädigt
werden oder zumindesten nichtoptimal arbeiten,
die bei hohenFluggeschwindigkeiten
besonders aktiv sind.Eine weitere
Erklärungsmöglichkeit,
warum die Bienen im Kanal keineso hohen
Fluggeschwindigkeiten
erreichten wie imFreiland,
wäre diese :Man muß
berücksichtigen,
daß dasFlugziel
auchoptisch
kontrolliert wird.Die Biene weiß also trotz des
Windes,
daß sie nicht 100 m sondern nur so undso viele cm zum Ziel
fliegen
muß. Sie befindet sich in derselben Situation wie eine Biene imFreien,
die bald landen wird. Dabei wird sie schon von verhält-nismässig
schwachen Windböen — die sie im vollenFlug
ohne weiteres über- windet -abgetrieben.
Beihäufigen,
starken Böenfliegt
dieselbe Biene manchmalihr
Flugloch
mehrmalsvergeblich
an. Sie hat ganz offensichtlich auf Grund deroptischen Signale
auf « Vorsichto geschaltet.
Dadurchentgeht
sie derGefahr,
beiplötzlichem
Aussetzen derStrömung
gegen die Wand zuprallen.
Die volle
Fluggeschwindigkeit
ist also nur zu erwarten, wenn diese(reflekto-
rischen
?) Hemmungen
aus demoptischen System
fehlen.(Ruttner,
F. pers.Mitt.)
Eingegangen
im Juni 1970 Regu pour publication en juin 1970RÉSUMÉ
Pour les recherches portant sur la
cinématique
du vol des insectes ceux-ci sont attachés par le thorax ou l’abdomen à une balanceaérodymanique
devant une soufflerie. Pour éviterces conditions de vol peu naturelles on a essayé de dresser des insectes susceptibles de dres-
sage - des abeilles - à effectuer des vols libres dans un canal
d’aspiration.
Les expériencesont été faites dans une chambre pour abeilles (6 m2, 25° C, température constante, humidité relative 50 %,
éclairage
fluorescent donnant 14 heures de jour avec phase crépusculaire de20
minutes).
La nourriture consistait en solution de sucre 2-molaire. La soufflerie utilisée(fig.
1) permettait d’atteindre une vitesse maximum du vent de 6 m par seconde dans la veine de 80 X 12 X 12 cm. Les abeilles furent dressées à voler contre le vent, à atterrir sur la face interne du dernier des filtres de turbulence, à ramper vers le hautjusqu’à
tbn orifice de sortie pratiqué latéralement dans la tuyère et, de là, à voler vers une coupelle de nourrissementplacée
à un mètre devant la tuyère et fortement éclairée. A partir de la coupelle, les abeilles rentraient à la ruche en volant à travers la chambre en utilisant une entrée latérale distincte de la sortie et munie d’un système automatique de sens unique.Lorsque la vitesse de vol de l’abeille est égale et de sens opposé à la vitesse du vent, l’abeille
est en vol stationnaire dans le canal et on peut l’observer et la filmer d’en haut, d’en bas ou
par le côté. Le moment critique est celui du
départ
de laplateforme
d’envol; seulement environ 2% des insectes s’envolent correctement et se maintiennent jusqu’à 20 secondes en vol libredans le canal. Elles y volent avec une vitesse de 0 à 5,5
m/s (0
- 20km /H)
avec une ten-dance prononcée à effectuer des mouvements de balancement latéraux. A l’air libre les vitesses sont plus élevées. Des marques éclairées, en forme de rayures align,ées dans le sens du vol, et placées sous la veine vitrée n’ont eu jusqu’ici aucune influence sur le comportement de vol.
Les abeilles en vol libre ont été filmées par le côté. On a pu montrer que
l’angle
d’inci-dence du corps diminue
lorsque
la vitesse augmente (résultats statistiquement confirmés;test t). La
dispersion
des valeurs del’angle
d’incidence du corps diminue lorsque la vitesseaugmente (résultats statistiquement confirmés; test F) (tableau 1). De toute évidence
l’angle
d’indicence du corps est, pour des raisons d’ordre
énergétique,
d’autantplus
exactementmaintenu que la vitesse est plus grande.
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beimFliegen
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45, 581-589(1962).
ZaaNncx W., 1970. Kinematik der Flügelschlagbewegung bei Locusta migratoria
(L.),
Zvergt. Physiol., (im
Druck;Arbeitstitel).
Anschriften der Verfasser :
Prof. Dr. W. NACHTIGALL, Zoologisches Institut der Universität des Saarlandes, 66 Saarbrücken.
R. WIDMANP1, 8 München 82, Lohnrösselerweg 15.
Prof. Dr. M. REPIP1ER, Zoologisches Institut der Universität München, 8 München 2, Luisenstrasse 14.