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CIMA (Centre of Image and Material Analysis in Cultural Heritage), Vienna

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Academic year: 2022

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COMSt Bulletin 1/1 (2015) 50

COMSt Bulletin 1 (2015)

Es gibt Dinge, die nicht einmal das geschulteste Auge von Wissenschaft- lerInnen sehen kann. Wenn der Kunsthistoriker das Geheimnis der Un- terzeichnungen eines Gemäldes erforschen möchte oder Altphilologen sich anschicken, den mit Schulp abgekratzten Urtext einer wiederbe- schriebenen Handschrift (eines sog. Palimpsests) zu entziffern, dann führt dies notwendigerweise zu einem fruchtbaren Austausch zwischen verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen.

Basierend auf einer nationalen und internationalen Kooperation wurde im Rahmen des HRSM-Programms (Hochschulraum-Strukturmittel 2013) des Österreichischen BM:WFW das interdisziplinäre Forschungszentrum für die Bild- und Materialanalyse von Kunst- und Kulturgut (<http://hrsm.caa.

tuwien.ac.at/>) zwischen der Wiener Akademie der bildenden Künste, der Universität Wien und der Technischen Universität Wien gegründet. CIMA ist eine interuniversitäre, international tätige Einrichtung, die im Spannungsfeld von Technik, Natur- und Geisteswissenschaften Forschung und wissenschaft- liche Beratung betreibt. Zu Jahresbeginn 2014 wurde im Rahmen des HRSM- Projekts Erschließung und Erhaltung von Kulturgut – Moderne bildgebende und materialanalytische Verfahren zur Visualisierung, Dokumentation und Klassifikation von Handschriften der Grundstein dafür gelegt.

Ausgezeichnet durch seinen interdisziplinären Zugang zur Erforschung von Kulturgut vereint CIMA die Expertise dreier Fachdisziplinen: der Philo- logie (Universität Wien), der Informatik (Technische Universität Wien) und der Chemie (Akademie der Bildenden Künste Wien).

Die Einrichtung ist spezialisiert auf die Entwicklung und Weiterentwick- lung von Verfahren zur Bildgebung (MultiSpectral Imaging), Bildverarbei- tung und Bildverbesserung sowie die chemische Untersuchung der zur Her- stellung historischer Objekte verwendeten Materialien und deren Verände- rungen mittels modernster technischer Geräte und stellt auftraggebenden For- scherInnen aus den Geistes- und Kulturwissenschaften neue, grundlegende Erkenntnisse zu archäologischen Artefakten, Gemälden, Handschriften und anderem Kulturgut zur Verfügung. Während die chemischen Untersuchungen Aussagen zur Beschaffenheit von Farbmitteln (Pigmenten und Farbstoffen), Tinten und dem Beschreibstoff liefern, führen Multispektralaufnahmen so- wie die anschließenden Bildverarbeitungs- und Bildverbesserungstechniken

CIMA (Centre of Image and Material Analysis in Cultural Heritage), Vienna

Ana Čamba und Heinz Miklas, Universität Wien

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CIMA (Centre of Image and Material Analysis in Cultural Heritage) 51

COMSt Bulletin 1/1 (2015)

durch versierte InformatikerInnen zur Sichtbarmachung von (durch mannig- faltige Beschädigungen) schwer oder nicht mehr sichtbarem Text- oder Bild- material. Alle eingesetzten Verfahren sind nicht-invasiv und eignen sich daher auch für äußerst fragile Untersuchungsobjekte.

Längerfristiges Ziel ist es, durch einen breit angelegten Vergleich der gewonnen Daten aus den Aufnahmen, Bildverbesserungen, den chemischen und philologischen Untersuchungen Korrelationen zwischen Daten aus unter- schiedlichen Modalitäten aufzudecken sowie allgemein, neue Entdeckungen auf den drei zusammengeschlossenen Gebieten zu tätigen.

Die Objektauswahl umfasst vorerst vor allem Pergamenthandschriften des 8.-14. Jh., die aufgrund von Beschädigung oder bewusster Texttilgung (Palimpseste) besondere Anforderungen an die Philologie stellen. Hinzu kom- men Handschriften, die aufgrund ihrer reichen oder vielfältigen Ausstattung (Miniaturen, Illustrationen, Initialen etc.) das besondere Interesse der natur- wissenschaftlichen Forschung wecken. Später wird diese Auswahl erweitert werden, und zwar sowohl innerhalb der Gattung Schriftgut (etwa durch den Einbezug von Inschriftenmaterial auf unterschiedlichen Media) als auch da- rüber hinaus (z. B. historische Gemälde).

Contact: Heinz Miklas, [email protected].

Fig. 1. Kyrillisches Palimpsest im Cod. Serd. slav. 880 aus dem 12. Jh.

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