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Über das Vorkommen von Orchis spitzelli [i.e. spitzelii] Koch im Wallis

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Academic year: 2022

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Bull. Murithienne 106 (1988): 75-78

ÜBER DAS VORKOMMEN VON ORCHIS SPITZELLI KOCH IM WALLIS

par Dietrich Hertel '

RÉSUMÉ Sur la présence de YOrchis spitzeln Koch en Valais

Le 2 juillet 1988, lors d'une excursion botanique, j'eus la joie de découvrir une population d'Orchis spitzelii Koch. Elle se trouve dans la vallée du Ganter, à l'est de Brigue, à 1950 m d'altitude. Il s'agit de la première observation jamais signalée de cette espèce en Valais et en Suisse.

Cette station se place entre celles du Jura français, de la basse vallée du Rhône et celles du Tyrol autrichien et italien. L'abondance de cette population suisse (environ 50 plantes), sa situation en terrain raide et escarpé pourront certainement assuré sapro- tection en Valais.

Wie in den zurückliegenden Jahren befand ich mich auch 1988 wieder zu verschiedenen Jahreszeiten im Kanton Wallis, wo vor allem das Studium der so reichhaltigen Flora des Kantons im Mittel- punkt stand. Neben diesem allgemeinen botanischen Interesse galt aber das Augenmerk auch speziell den Orchideenarten, um ent- sprechende Funde der Koordinationsstelle der Schweizer Orchideen- kartierung (Leitung: Walter Schmid, Pfàffikon, ZH) zu melden.

Bei einer der Erkundungen konnte ich am 2.7.1988 eine Popula- tion von Orchis spitzelii Koch entdecken, die bisher weder im Wallis noch in der übrigen Schweiz bekannt war. Sie ist damit die achte nachgewiesene Art der Gattung Orchis L. im Wallis.

Das Vorkommen ist aber nicht nur als Neufund für das Wallis und die Schweiz interessant, sondern stellt in dem äusserst disjunkten Gesamtverbreitungsbild von Orchis spizelii Koch ein Verbindungs- glied zwischen den weit voneinander getrennten Vorkommen im französischen Jura, in Österreich und in Norditalien dar.

1 Ostpreussenstr. 9, D-7500 Karlsruhe 41.

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Der neue Fundort liegt im Gebiet von Brig auf ca. 1950 m ü.M. An einem teilweise stark geneigten Hang (> 40°) nahe der Baumgrenze standen auf ei- ner Länge von etwa 50 m ver- streut ungefähr 50 Exemplar von Orchis spizelii Koch in Hochblüte. Der obere Teil des Standortes ist sehr unwegsam und wurde noch nicht genauer untersucht, sodass dort noch weitere Pflanzen der Art vor- handen sein können.

Orchis spitzelii Koch ist morphologisch eine sehr ein- heitliche Pflanze mit einer für Orchis-Arten relativ geringen Variationsbreite. Sie ist mittel- gross (am Standort ca.

15-25 cm hoch, andernorts auch grösser); sie besitzt 2-4 ungefleckte, am Stengelgrund rosettig gehäufte Laubblätter, die eiförmig-lanzettlich (bis zu

10 cm lang und bis 2,5 cm breit) sind. Der Stengel ist nach oben hin braun bis braunrot überlaufen. Der Blütenstand trägt wenige (ca. 5) bis zahlreiche (ca. 15) rosa oder hellrote Blüten, die oft fast etwas einseitswendig stehen. Die Perigonblätter bilden einen leicht zusammengeneigten Helm und sind olivgrün bis bräunlich gefärbt, aussen auch oft rot- braun überlaufen. Die Sepalen sind ausserdem charakteristisch rot punktiert und eiförmig (ca. 8 mm lang). Die Lippe (ca. 9 mm lang u.

11 mm breit) ist dreilappig mit nach hinten gebogenen Seitenlappen und oft etwas gespaltenem, längerem Mittellappen. Im Mittelteil ist sie meist rot punktiert und besitzt seitlich des Sporneingangs zwei typische Längsleisten. Genauso charakteristisch ist der steil nach unten gekrümmte, sackartige Sporn, der kürzer als der Frucht- knoten ist.

Fig. 1. Infloreszens von Orchis spitzelii Les fleurs de /'Orchis spitzelii.

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Fig. 2. Die Verbreitung von Orchis spizelii Koch in Europa. La repartition de /'Orchis spizelii Koch en Europe. Nach Baumann u. Künkele, 1982.

O Der Fundort im Wallis. La station valaisanne.

Insgesamt hat Orchis spitzelii Koch durch ihre seltsame Propor- tionierung und Farbenkombination ein recht merkwürdiges und in- teressantes Aussehen.

Wegen der erwähnten Steilheit des Geländes und der relativ hohen Anzahl der Pflanzen dürfte der Bestand für die nächste Zeit als gesichert gelten, falls der Standort nicht durch die leidige, hinlänglich bekannte Fotojagd «vermeintlicher Orchideenfreunde» heimgesucht wird.

ZUSAMMENFASSUNG

Im Wallis konnte zum ersten Mal Orchis spizelii Koch für die Schweiz nachge- wiessen werden. Dieser Bericht beschreibt u.a. die Morphologie der Pflanze sowie die ungefähre Lage des Standortes. Auf genauere Standortsangaben soll hier zum Schutze des einzigartigen Vorkommens verzichtet werden.

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Literatur

BAUMANN, H. & S. KÜNKELE. 1982. Die wildwachsenden Orchideen Europas.

Kosmos-Naturführer, Stuttgart.

BECHERER, A. 1956. Florae Vallesiacae Supplementum. Denkschrift d. Schweiz.

Naturf.Ges. Bd. 81.

BUTTLER, K.P. 1986. Orchideen. Die wildwachsende Arien und Unterarien Euro- pas, Vorderasiens und Nordafrikas. Mosaik Verlag München.

DELFORGE, P. & D. TYTECA. 1984. Europäische Wildorchideen. Benziger Verlag Zürich, Köln.

HESS, H.E., E. LANDOLT & R. HIRZEL. 1967. Flora der Schweiz und angrenzender Gebiete. Bd. 1 (Pteridophyta bis Caryophyllaceae). Birkhäuser Verlag Basel.

JACCARD, H. 1895. Catalogue de la flore valaisanne. Neue Denkschriften d.

Schweiz. Naturf Ges. Bd. 34.

SCHMID, W. 1979-1988. Orchideenkartierung in der Schweiz, in Mitt. Bl. Arbeitskr.

Heim. Orch. Baden-Württ. 11(1), 12-53; 12(2), 82-88; 13(1), 90-115; 14(3), 261-280; 15 (2), 292-303; 16(3), 425-451 ; 17(4), 497-507; 18(2), 117-191; 19(3), 757-768; 20(2), 217-248.

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