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Evaluation der Kampagne "Künftige Nichtraucher” des Schweizerischen Apothekerverbands

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Academic year: 2021

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(1)

Soz.- Pr~ventivmed. 45 (2000) 73-84 0303-8408/00/020073-12 $1.50 + 0.20/0 9 Birkh~user Verlag, Basel, 2000

Soziai-und Pr~ventivmedizin

Madeleine

Wick 1, Ursula Ackermann-Liebrich 1, Olivier Bugnon 2, Cristina Cerise 2

t Institut for Sozial- und Pr~ventivmedizin der Universit~t Basel 2 Schweizerischer Apothekerverband (SAV)

Evaluation der Kampagne ,,KLinftige

Nichtraucher" des Schweizerischen Apotheker-

verbands

Zusammenfassung

Mit clem Ziel, die Bev6tkerung for das niederschwellige Beratungsan- gebot in Apotheken zu sensi[~ilisieren, organisierte der Schweizerische Apothekerverband in 616 Apotheken die Kampagne ,KOnftige Nicht- raucheff. Die Evaluation beurteilte die Beratungst#tigkeit der Apotheken im Bereich Tabakentw6hnung und untersuchte die Einsteflung der Pro- jektverantworttichen in den Apotheken gegenOber der Kampagne und der Tabakpr~vention. Die Dokumentation der Raucherberatunge-n erfolg- te mittels AktiviNtsstatistik eine Woche vor und w~hrend der Aktion. Ein standardisierter Fragebogen erfasste an deren Ende die Einstellung gegenOber der Kam'pagne und der Tabakpr~vention. 32 % der an der Kampagne teilnehmenden Apotheken fOhrten die Aktivit&~tatistik. Der ROcklauf des Fragebogens zur Erfassung der Einstetlung betrug 58 %. St&rkster Pr~diktor der Beratungsh~ufigkeit war die Variable ,,Apotheke mit mehrheitlich Passantenkundschaft". FOr die BeratungsintensiNt war es die Variable ,,Besuch des Workshops und Weiterbildung des Apothe- kenteams , d. h. die bestmdgfiche Weiterbildung vor der Kampagne. Die positivste Einstellung gegenOber der Tabakpr#ventien und das gr6sste Interesse an einer Weiteren Kampagne zeigten Verantwortfiche aus Apotheken mit mehrheitlich h~ufi~ter Und intensiver Beratungst~tigkeit. !

Mit der vorliegenden 5tudie kann gezeigt werden, class Raucherent- w6hnung in Apotheken durchfOhrbar ist, Hauptvoraussetzungen dafOr sind Motivation for die Prgvention sowie eingehende Weiterb#dung der Apothekerlnnen und des Apothekenteams.

Die Schweiz z/ihlt nach wie vor zu den industrialisierten L~indern mit dem weltweit h~Schsten Tabakkon- sum pro KopfL Die Zahl der Rau- cherInnen wurde 1996 auf ca. 1,7 Millionen Personen geschfitzt. Das sind 35% der 15- bis 75-Jfihrigen Bev/51kerung 2. Trotz vielffiltiger An-

strengungen im Bereich der Tabak- entw0hnung haben sich die Rau- cherraten bei Erwachsenen in den 1990er Jahren nur stabitisiert; der Anteil jugendlicher RaucherInnen ist sogar steigend 3. Diese Zahlen sind angesichts der gravierenden gesundheitlichen und 0konomi-

schen Folgeprobleme des Rauchens

eine Herausforderung ftir die Prfi- vention.

In der Schweiz engagieren sich seit rund 20 Jahren eine Vielzahl mehr- heitlich privater Akteure im Be- reich der Tabakpr~ivention. Seit 1995 unterstiitzt das Bundesamt ftir Gesundheit (BAG) mit dem Massnahmenpaket Tabak die Be- mahungen zur Reduktion des Tab- akkonsums in der BevNkerung. Zahlreiche Projekte sind initiiert und in den letzten Jahren zum Teil auch evaluiert worden 4-7. Grosse gesamtschweizerische Anstrengun- gen wurden dabei haupts~ichlich yon firztlicher Seite unternommen 4. In Anbetracht des Umfangs des Problems in unserer Bev61kerung ist ein m6glichst breites, auf alle Ge- sundheitsberufe abgestt~tztes An- gebot unerlfisslich. Ein aktives Engagement der Schweizer Apo- thekerschaft kann diesem Anlie- gen nfiber kommen. Zusammen mit europ~iischen KollegInnen hat sie 1996 unter Mitwirkung der Weltgesnndheitsorganisation einer Charta zugestimmt, welche die Ver- pflichtung zur Obernahme einer aktiven Rolle in der Tabakent- w6hnung beinhaltet 8. Amerikani- sche 9-n und europ~iische 12-~7 Unter- suchungen bestgtigen die Eignung der ApothekerInnen als Media- torInnen in der Tabakprfivention.

(2)

Aus der Schweiz liegt bisher die Evaluation der RaucherentwOh- nungskampagne ,,Tabak adieu" der ApothekerInnen beider Basel vor 7. Die Evaluation der 1996 im Sinne einer Pilotstudie durchgeffihrten Aktion best~itigt auf regionaler Ebene die Eignung der Apotheke als niederschwelliges Angebot ffir die Raucherentw0hnung. Inwie- weit dies auch national zutrifft, soll mit der Evaluation der ersten gesamtschweizerischen Raucher- entw6hnungskampagne, welche dutch Apotheken mit dem Titel Self Care ,,Kfinftige Nichtraucher" lanciert wurde, gekl~irt werden. Die vorliegende Arbeit beschreibt die Kampagne und insbesondere deren Evaluation.

Methodik

Die Kampagne

Self Care, ein Ausbildungs- und Gesundheitsf6rderungsprojekt des Schweizerischen Apothekerver- bands (SAV), ist ein Mittel zur beruflichen Aktivierung der Of- fizinapothekerlnnen 18. Im Rah- men yon Self Care organisierte der SAV yore 20.Oktober bis zum 29.November 1997 in 616 Apo- theken eine gesamtschweizerische Raucherentw6hnungskampagne. Die Teilnahme an der Aktion war freiwillig und kostenpflichtig. Die Self Care-Apotheken zeigten damit ihren Willen, zusammen mit dem B A G und der Arbeitsgemeinschaft Tabakprfivention (AT) eine aktive Rolle in der Tabakpr~ivention zu fibernehmen. Vorbilder der Ak- tion waren ausl~indische Erfahrun- gen 9-17 und ,,Tabak adieu", die Aktion der ApothekerInnen bei- der Basel 7. Mit der Kampagne sollte die Bev/51kerung auf die Apotheke als niederschwellige In- stitution im Bereich Raucherent- w6hnung aufmerksam gemacht werden. Weiter sollte in den Apo- theken die Nachfrage und das Angebot yon Raucherberatungen

erh6ht und das Konzept yon Phar- maceutical Care 19 gefibt und do- kumentiert werden. Im Vorfeld der Kampagne wurden verschiedene Weiterbildungsinstrumente ange- boten. Alle Self Care-Abonnenten erhielten eine unter Mitarbeit ei- her interdisziplinfiren ExpertInnen- gruppe erarbeitete Schulungsdo- kumentation zur Tabakentw6h- nung z~ und ein Projekthandbuch zur internen Schulung der Apo- thekenteams. Weiter konnten auf freiwilliger Basis halbt~igige, inter- aktive Workshops zur praktischen Umsetzung yon Pharmaceutical Care in Apotheken besucht wer- den 21. Die eigentliche Kampagne umfasste eine sechsw6chige Publi- kumsaktion in und ausserhalb der Apotheke mit Schaufenster, Bro- scht~ren, Informationsbussen, Vor- tr~igen u.a. 21. Nebst Beratung und Begleitung der RaucherInnen bo- ten ca. 20 % der Self Care-Abon- nenten auch die kostenlose Mes- sung des Kohlenmonoxydgehalts (CO-Messung) der Ausatmungs- luft an. Die ()ffentlichkeitswirkung der Self Care-Kampagne und die Medienarbeit wurden separat eva- luiert 21.

Pharmaceutical Care

Raucherberatung in der Apotheke kann in erweitertem Sinne als Pharmaceutical Care19 verstanden werden. Daffir muss der Blick yon der Medikamentenabgabe im tra- ditionellen Sinne gel6st werden. Raucherberatung nach Pharma- ceutical Care folgt Richtlinien 2~ und versteht sich als pers6nliche Beratung und Begleitung der Rat- suchenden aufgrund deren indi- viduellen Voraussetzungen. Sie um- fasst folgende Elemente: Erfassung des Motivationsgrades zum Aufh0- ren, FagerstrOm-Test 22, CO-Mes- sung, Abgabe eines Nikotinersatz- produktes (einschliesslich Hom6- opathika o.a.) bei Bedarf, Abga- be yon Informationsmaterial, Be- gleitung der RaucherInnen durch die ApothekerInnen: Festlegung

eines Rauchstopp-Termins, Ober- wachung des Fortschritts mittels Nachfolgeterminen.

Material und Methoden der Evaluation

Teilnahme an der Evaluationsstudie 195 (32%) der 616 Apotheken mit Kampagnenteilnahme ffihrten die far die Evaluation verlangte Akti- vit~itsstatistik. 194 konnten mittels Studiennummer identifiziert wer- den (siehe Resultate, Aktivitfits- statistik). 360 (58 %) retournierten am Kampagnenende den Fragebo- gen zur Erfassung der Einstellung gegent~ber der Kampagne und der Tabakpr~ivention sowie zur Cha- rakterisierung des Untersuchungs- kollektivs. 141 (23 %) der 616 Apo- theken beteiligten sich vollst~ndig (Aktivitfitsstatistik und Fragebo- gen). 54 (9 %), davon 53 mit Stu- diennummer, f0hrten lediglich die Aktivit~itsstatistik. 219 (36%) ffill- ten nur den Fragebogen aus. Untersuchtes Kollektiv

Der standardisierte Fragebogen am Kampagnenende erfasste folgende Charakteristika der Apotheke: Art der Kundschaft, Durchft~hrung der CO-Messung und Gemeindegr0s- se. Letztere wurde indirekt fiber die Anzahl Apotheken im Ort erfragt. Eine kleine Gemeinde ist definiert als ein Ort mit einer Apo- theke. Unter einer mittleren und einer grossen Gemeinde werden Orte mit zwei bis drei bzw. vier oder mehr Apotheken verstanden. Bei der Art der Kundschaft wird nach Apotheken mit mehrheitlich StammkundInnen (KundInnen mit Krankenkassendossier) und sol- chen mit mehrheitlich Passanten- kundschaft (KundInnen mit gele- gentlichem Apothekenbesuch und ohne Krankenkassendossier) un- terschieden. Folgende Charakte- ristika der Self Care-Verantwortli- chen in Apotheken wurden effasst:

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Soz.- Pr~ventivmed; 2 0 0 0 ; 4 5 7 3 - 8 4

Geschlecht, Alter, Beruf, Rauch- Care-Verantwortlichen aller 360 sowie der 219 Apotheken mit Fra- status, Art der Weiterbildung. Apotheken mit Fragebogen insge- gebogen allein. Apotheken mit Tabelle 1 beschreibt die Charakte- samt, der 141 Apotheken mit Ak- Aktivitgtsstatistik allein konnten ristiken von Apotheke und Self tivit~itsstatistik und Fragebogen nicht charakterisiert werden. Im

Self Care-Apotheken a Alle mit Fragebogen

(n = 360)

%

Aktivit~tsstatistik Nur Fragebogen

und Fragebogen b (n = 219)

(n = 141) %

% Art der Kundschaft:

- mehrheitlich Stammkundtnnen 88,8 - mehrheitlich Passantlnnen 5.9 - Stammkundlnnen/Passantlnnen 1 : 1 5,3 Gemeindegr6sse: - klein 27,0 - mittel 20,6 - gross 52,4 CO-Messung: - j a 40,1 92,1 5,7 2,1 29,8 15,6 54,6 54, 6 " * *

In den A p o t h e k e n f~ir Self Care v e r a n t w o r t l i c h e Personen

(n = 360) (n = 141) : : !(n = 219)

Frauen Manner Alter (in Jahren): Durchschnitt, Minimum, Maximum 19, 70 - < 3 0 - 3 0 - 4 4 - 4 5 - 5 9 - 60+ Beruf: - Apothekerln 62,8 67,2 37,2 32,9 39,1 . . . . 20, 65 19,2 20,3 51.5 55,1 24.7 21,0 4,7 3,6 91,5 92..8 7,2 65,9 66,9 19,6 19,4 14,5 13,7 - Pharma-Assistentln 8,5 Rauchstatus: - Nichtraucherln - Ex-Raucherln - Rauchertn Weiterbildung: - Serf Care-Workshop 48,4 - Interne Weiterbitdung 70,8 - Kombination Workshop und

interne Weiterbildun g - ohne Weiterbildung 35..4 16,1 6 0 , 0 " * * 8 0 , 0 " * * 5 0 . 7 * * * 1 0 , 7 " * *

Von den 414 Apotheken mit Studienteilnahme konnten jene m~t Aktivitatsstatistik allein nicht charakterisiert werden. b Referenzkategode: ABotheken mit Fragebogen Nlein, * p < 0,05; ** p < 0,01 ; *** p < 0,001.

T a b e l l e 1. Charakteristiken der Self Care-Apotheken und der in der Apotheke for die Kampagne verantwortlichen Personen.

(4)

Kollektiv aller 360 Apotheken mit Fragebogen waren hauptsfichlich Apotheken mit Stammkundschaft vertreten. Mehr als die H~ilfte lag in grossen Gemeinden. Knapp zwei Drittel der antwortenden Personen waren Frauen. Das Durchschnitt- salter betrug 39,1 Jahre (Minimum 19 Jahre, Maximum 70 Jahre). Rund die H~ilfte der Antworten- den befand sich in der Alterskate- gorie der 30- bis 44-J~ihrigen. Vier Ft~nftel waren zum Zeitpunkt der Befragung NichtraucherInnen. Hin- sichtlich der ft~r die Kampagne gemachte Weiterbildung gaben 48 % an, den Self Care-Workshop besucht zu haben. 71% hatten eine Apotheken interne Weiter- bildung zum Thema durchgeft~hrt. 35% hatten am Self Care-Work- shop teilgenommen und eine in- terne Weiterbildung organisiert. 16% nahmen an der Kampagne ohne besondere Weiterbildung teil. Apotheken mit vollst~indiger Studienteilnahme (Aktivitfitsstati- stik und Fragebogen) unterschie- den sich von solchen mit Frage- bogen allein hinsichtlich Angebot der CO-Messung und Weiterbil- dung.

Beurteilung der Beratungst~tigkeit

Die Dienstleistungen im Bereich Raucherentw6hnung wurden mit- tels Aktivit~itsstatistik erfasst (siehe Appendix). Eine Woche vor und wfihrend der sechs Wochen dau- ernden Kampagne wurden maxi- mal zehn Raucherberatungen pro Apotheke und pro Woche doku- mentiert. Um den R~icklauf der Aktivitfitsstatistik zu verbessern wurden die Apotheken in der Kampagnenmitte brieflich ge- mahnt. Mit Hilfe der Aktivitfitssta- tistik wurde der Verlauf wfihrend der Kampagne und der Einfluss der Kampagne auf die Inanspruch- nahme untersucht. Die Erfassung der Dienstleistungen eine Woche vor Kampagnenbeginn diente da- bei als Ausgangswert (Baseline). In Apotheken mit vollst~indiger Stu-

dienteilnahme (Aktivitfitsstatistik und Fragebogen am Kampagnen- ende) konnten Einflussfaktoren auf die Beratungshi~ufigkeit und die Beratungsintensitgit (Umsetzung yon Pharmaceutical Care) beurteilt werden. In einem ersten Schritt wurden die zwei Aktivit~itskriteri- en definiert: ,,Aktiv hinsichtlich Beratungshiiufigkeit" sind Apothe- ken mit > 29 dokumentierten Rau- cherberatungen im Kampagnen- durchschnitt, d.h. Apotheken im obersten Quartilbereich (75 Per- zentil = 29 dok. Raucherberatun- gen). ,,Aktiv hinsichtlich Beratungs- intensitiit" sind Apotheken mit mehrheitlich Raucherberatungen yon mittlerer oder hoher Bera- tungsintensitfit. Eine hohe Bera- tungsintensitat war dann gegeben, wenn mindestens vier der folgen- den Elemente der vertieften Rau- cherberatung im Sinne von Phar- maceutical Care durchgeft~hrt wor- den sind: Abkl~irung der Motiva- tion, Fagerstr6m-Test, CO-Mes- sung, Benutzung des Beratungs- schemas, Festlegung eines Nach- folgetermins, Festlegung des Ter- rains ft~r den Rauchstopp. Mittlere Beratungsintensit~it wurde definiert als Durchffihrung eines bis drei, tiefe beinhaltete keines der oben- genannten Elemente. In einem zweiten Schritt wurde der Einfluss verschiedener Faktoren auf die beiden Zielgr6ssen der Beratungs- aktivitfit untersucht.

Einstellung gegenOber

der Kampagne und der Tabak-

prevention

Diese wurde mit dem Fragebogen am Kampagnenende mittels Grad tier Zustimmung zu folgenden Aus- sagen beurteilt: ,,Aufgabe der Apo- theke Raucherberatungen durch- zuft~hren", ,,Gefahl far die Raucher- beratung gut ausgebildet zu sein", ,,Zufriedenheit fiber Kontakt mit ktinftigen Nichtrauchern w~ihrend der Kampagne", ,,Erh6hung der Nachfrage nach Raucherberatun- gen wfihrend der Kampagne",

,,Interesse an einer weiteren Rau- cherentw6hnungskampagne". Bei der Auswertung wurde bei Apo- theken mit vollstfindiger Studien- teilnahme nach dem Grad der Beratungsaktivit~it in der Apothe- ke differenziert. Die Antworten yon Self Care-Verantwortlichen aus Apotheken mit einem oder zwei Merkmalen der Beratungsak- tivitgt wurden dabei mit jenen aus Apotheken ohne ein solches Merk- real verglichen.

Statistische Auswertungen

Bei der bivariaten Beschreibung der Daten wurden signifikante Unterschiede zwischen Gruppen mittels Chi-Quadrat-Test getestet (Signifikanzniveau 0,05). Verlauf w~ihrend der Kampagne: ft~r jede einzelne Apotheke wurde mittels einfacher linearer Regression die durchschnittliche Verfinderung der Anzahl Beratungen fiber die Zeit (pro Kampagnenwoche) berechnet. In einem zweiten Schritt wurde mittels t-Test geprtfft, ob diese apothekenspezifischen Trends im Durchschnitt signifikant von Null verschieden waren. Einfluss der Kampagne auf die Inanspruchnah- me der Raucherberatungen: ft~r alle in Tabelle 2 dargestellten Va- riablen wurde zunfichst ftir jede Apotheke einzeln der w6chentli- che Durchschnittswert der Anzahl Beratungen wfihrend der Kampa- gne mit dem entsprechenden Aus- gangswert verglichen. Mit dem Vor- zeichentest bzw. dem t-Test wurde dann geprtfft, ob sich der Median bzw. der Mittelwert der Differenz signifikant yon null unterschied. Dassclbe Verfahren wurde auch ftir die Variable Beratungsdauer (Ta- belle 3) angewendet. Von der Ana- lyse ausgeschlossen waren Apo- theken ohne Dokumentation des Ausgangswerts. Als Effektsch~itzer far den Einfluss verschiedener Faktoren auf die beiden dicho- tomen Zielgr6ssen Beratungshiiu- figkeit und -intensitiit wurden zunfichst bivariate Odds Ratios

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Soz.- Pr~ventivmed. 2000; 45:73-84

(OR) mit 95 % Konfidenzinterval- len berechnet. Mittels multivaria- ter logistischer Regression wurde dann der Einfluss verschiedener Faktoren auf die beiden Zielgr6s- sen der Beratungsaktivitfit gleich- zeitig mitberticksichtigt. Ins Mo- dell aufgenommen wurden jene in Tabelle 1 dargestellten Variablen, welche entweder bivariat signifi- kante Zusammenhfinge mit der Zielgr6sse erkennen liessen oder aus inhaltlichen Grtinden wichtig erschienen. Die Auswertungen er- folgten mit dem Statistikprogramm SAS 23.

R e s u l t a t e

Aktivit~tsstatistik

Wghrend der Studie wurden ins- gesamt 3959 Raucherberatungen dokumentiert. 3792 (96%) konn- ten mittels Studiennummer 194 Apotheken zugeordnet werden. 62 Apotheken mit Studiennummer (32 % ) dokumentierten alle sieben Studienwochen, 80 (41%) doku- mentierten vier bis sechs und 52 (27 %) drei oder weniger Studien- wochen. W~ihrend der Kampagne wurden pro Apotheke mit Studien- nummer (N = 194) pro Woche durchschnittlich 2,9 Raucherbera- tungen, d.h. signifikant mehr als in der Ausgangswoche (2,2 Raucher-

beratungen), dokumentiert. Die Oberprtffung des Verlaufs w~ih- rend der Kampagne ergab ft~r alle Elemente der Raucherberatung eine sehr geringe durchschnittliche Verfinderung pro Kampagnenwo- che. Tabelle 2 gibt deshalb Durch- schnittswerte ftir die ganze Kam- pagnendauer wieder. Die meisten Elemente der Raucherberatung wurden wfihrend der Kampagne im Vergleich zum Ausgangswert signifikant h~iufiger durchgeftihrt. Nikotinersatzprodukte (einschliess- lich Hom6opathika o.a.) wurden signifikant weniger abgegeben und RaucherInnen seltener an die Arztin bzw. den Arzt weiterge- wiesen. Auf die individuellen Vor- aussetzungen der Ratsuchenden

Aktivit~tsstatistik A u s g a n g s w e r t (n ~ = 4 4 0 ) K a m p a g n e : g a n z e D a u e r (n b = 3519) H~iufigkeit H~iufigkeit % % M i t t l e r e Ver~inderung r 9 5 % K o n f i d e n z i n t e r v a l

Abkl~rung der Motivation 38,2

Fagerstr6m-Test 10,2

CO-Messung 8,0

Abgabe Nikotinersatzprodukt ~

- mit Rezept 5,0

- ohne Rezept 67,7

Anwend ungsbezogene Beratung 29,1

Benutzung des Beratungsschemas 10,5

Termin for Rauchstopp festge~egt 8,0

Raucherln w0nscht begteite~en 15,2

Ausstieg

Nachfolgetermin vereinbart 8,2

Weiterweisung an die ~,rztin bzw. 5,7 den Arzt

Abgabe Informationsmateriat 35,0

Aktueller Terrain = Nachfolgetermin 3,9

56,7 -0,25 -0,36; -0,14 **~ 22,6 -0,05 -0,12; 0,02 24,3 -0.03 -0,t; -0,04 5,8 - 0,03 55,3 -0,09 38,1 -0,12 24,6 -0,06 17,2 - 0,06 26,7 -0,1 -0,06; 0 -0,18; 0 -0,2; -0.04** -0,13; -0,01 -0,11; -0,01" -0,17; -0,04** 16,5 -0,06 -0,12; 0 ~" 4,4 -0,02 -0,05; 0 62,8 - O, 22 9,0 -0,07 -0,32; -0,12 ~** -0,12; -0,03"*

Raucherberatungen Baseline; ~ Raucherberatungen KamDagne nsgesamt; ~ pro Kamoagnenwoche; a mkt. Hom6ooathika o.a. * # < 0,05; * * p < 0,0t. * * * p < 0,001.

Tabelle 2. Aktivit~tsstatistik: HJufigkeit der DurchfiJhrung einzelner Elemente der Raucherberatung ,/or und

w~hrend der Kampagne und mittlere Ver~nderung pro Kampagnenwoche.

(6)

Tabelle 3. Aktivit#tsstatistik: Dauer der Raucherberatungen.

wurde am h~ufigsten (57 %) durch die Abkl~irung der Motivation zum Aufh6ren eingegangen. Der Fager- str6m-Test und die CO-Messung wurden in je knapp einem Viertel aller Ffille angewendet. Ein Viertel aller RaucherInnen wtinschten die Begleitung der ApothekerInnen beim Entw6hnungsprozess. Mit den Betroffenen wurde in 17 % der F~il- le ein Termin ft~r den Rauchstopp festgelegt nnd ein Nachfolgetermin vereinbart. Ein Viertel der Rau- cherkontakte wurde mit dem Be- ratungsschema dokumentiert. Die mittlere Beratungsdauer von Raucherberatungen w~ihrend der Kampagne betrug 8,8 Minuten und war signifikant l~inger als in der Woche vor Beginn (p < 0,001) (Ta- belle 3). Raucherberatungen yon hoher und mittlerer Beratungsin-

tensit~it dauerten durchschnittlich l~inger als solche von tiefer Be- ratungsintensit~it (p < 0,001). Der Anteil 6- bis 15-miniitiger Bera~ tungen nahm w~ihrend der Kam- pagne, im Vergleich zum Ausgangs- wert, um fiber 50% zu (Tabelle 4), der Anteil 16- bis 30-minfitiger Beratungen verdreifachte sich. Uber 30-mintitige Beratungen blie- ben w~ihrend der ganzen Studie selten.

Determinanten der Beratungs- aktivit~t in Apotheken

Beratungshiiufigkeit:

Aktiv hinsicht- lich Beratungshfiufigkeit waren 47 (24 %) der 194 Apotheken mit Ak- tivitfitsstatistik. Tabelle 5 gibt die Determinanten der Beratungsh~iu- figkeit wieder. Die h6chste unad-

Tabelle 4. Aktivit~tsstatistik: H~ufigkeit der Raucherberatungen nach Dau- er der Beratung vor und w~hrend der Kampagne.

justierte Odds Ratio (OR 8,0) land sich bei der Variable Zustimmung zur Aussage: ,,Gef(ihl, gut ausge- bildet zu sein fiir die Raucherbe- ratung". Wird im multivariaten logistischen Regressionsmodell ffir Gemeindegr6sse, Geschlecht, Al- ter, Weiterbildung und Rauchsta- tus ffir Self Care-Verantwortliche kontrolliert, vergr6ssern sich die Effekte der Variablen Apotheke mit mehrheitlich PassantInnen- Kundschaft (OR 12,7) und CO- Messung (OR 3,9). Der Einfluss des Faktors Zustimmung zur Aus- sage ,,Geft~hl gut ausgebildet zu sein fiir die Raucherberatung" ist nicht mehr signifikant.

Beratungsintensitiic

Aktiv hinsicht- lich Beratungsintensit~it waren 108 (56 %) der 194 Apotheken mit Ak- tivitfitsstatistik. Tabelle 5 gibt die Determinanten der Beratungsin- tensit~it wieder. Die hOchste unad- justierte Odds Ratio land sich bei der Kombination yon Workshop und interner Weiterbildung (OR 6,5). Im multivariaten logistischen Regressionsmodell mit Kontrolle ffir Art der Kundschaft, Gemeinde- gr6sse, Geschlecht und Alter des in der Apotheke ft~r Self Care-Verant- wortlichen, bleiben folgende signi- fikante Beziehungen unter Ver- gr6sserung der Effekte bestehen: kombinierte Weiterbildung (OR 9,3) und Rauchstatus ,,Ex-RaucherIn" (OR 4,0). Neu zeigt auch der Faktor ,,Durchffihrung der internen Wei- terbildung" einen Einfluss auf die Beratungsintensitgt (OR 5,0).

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Soz.- Pr~ventivmed. 2000; 4 5 : 7 3 - 8 4

Odds Ratios und 95% KI,

unadjustiert

Odds Ratios und 95% KI, adjustiert ~, b

Beratungsh~ufigkeit

Art der Kundschaft:

Mehrheitlich Passantlnnen ~ 5,3

CO-Messung 3,5

Zustimmung zur Aussage: 8,0 ,,GefON gut ausgebildet zu sein

for die Raucherberatung" a

1,2-23,3 ~ 1,5- 8,1 ** 1,0-62,4" 12,7 3,9 8;9 1,7-95,8" Beratungsintensit~t CO-Messung 2,0 Weiterbildung:

nur Self Care-Workshop ~ 0,8 0,1 - 4,6 nut interne Weiterbildung e 2,9 0,8-- 10,6 Kombination Workshop und 6,5 1,9-22,9"* interne Weiterbildung ~

Rauchstatus:

- Raucherln ~ 1,1 0,4- 2,9

- Ex-Raucherln f 3,4 1,3- 9,3 ~ Zustimmung zur Aussage g:

,,Zufriedenheit Ober Kontakt ml~ 2,5 1,3- 5,0** kOnftigen Nichtraucherlnnen"

,,Nachfrage nach Raucherberatung 2,4 1,2- 4,9" wahrend der Kampagne erhOht"

- ,,Interesse an einer weiterer 3,6 1,7- 7, 5 " * * Raucherentw6hnungskampagne" 1,0- 3,9" 1,3 0,5= ;3;4 1,1 0 , 1 - 8 , 5 5,0 1 , 0 - 2 4 S * 9,3 1,9-46,8 ~* 0,8 0 , 2 - 2 , 7 4,0 1,1-14,6" 1,6 0 , 6 - 4 , 3 1,6 0 , 5 - 4 , 6 2,3 0,9- 6,2 p < 0,05; ** p < 0 , 0 1 ; * * * p < O,OOl.

Beratungsh~ufigkeit: muttivariates Iogistisches Regressionsmodelt mit Kontrolle for Gemeindegr6sse sowie Geschlecht, Alter, Weit:erbildung, Rauchstatus aer ~eramwortlichen Person.

Beratungsintensit~it: multivariates IogistBches RegressionsmodetI mit Kontrotte for Art aer verant- worttichen Person.

Referenzkategorfen: c mehrheitlich Stammkundlnnen, d keine Zustimmung, e ohne besondere

Tabelle 5. Determinanten der Beratungsh~ufigkeit und der Beratungsintensitgt in Apotheken.

Einstellung gegenOber

der Kampagne und der Tabak- prevention

Alle Self Care-Verantwortliche der 21 Apotheken, aktiv hinsichtlich Beratungshfiufigkeit und -inten- sit fit, betrachten es als Aufgabe der Apotheke, Raucherberatungen durchzuftihren (Tabelle 6). Eben- falls alle f~ihlen sich ft~r die Rau- cherberatung gut ausgebildet. 121ber den Kontakt mit den zuktinftigen

NichtraucherInnen sind sie signifi- kant zufriedener, geben signifikant h~ufiger eine Zunahme der Nach- frage nach Raucherberatungen an und zeigen signifikant hfiufiger In- teresse an einer weiteren Raucher- entwOhnungskampagne im Ver- gleich zu Verantwortlichen aus Apotheken ohne Merkmale inten- slyer Beratungsaktivit~it. Von den Apotheken mit nur einem Akti- vitfitsmerkmal beantworten jene, die aktiv hinsichtlich Beratungsin-

tensitfit sind, Fragen zur Haltung gegentiber der Tabakprfivention und zur Einschfitzung der w~hrend der Kampagne gemachten Erfah- rungen hfiufiger positiv als jene, die aktiv hinsichtlich Beratungsh~iufig- keit sind und jene ohne Merkmale der Beratungsaktivitfit. Ein signi- fikanter Unterschied zur letztge- nannten Gruppe zeigt sich jedoch nur beim Interesse an einer wei- teren Raucherentw0hnungskam- pagne.

(8)

% E D Keines der beiden Merkmale (n = 46) (n = 16)

Aktiv hinsichtlich Aktiv hinsichtlich Kombination

Beratungs- Beratungs- der

h&ufigkeit a intensit~it ~ Merkmale

(n = 58) (n = 21)

stimmt stimmt stimmt

absolut oder absolut oder absolut oder

iJberwiegend ~iberwiegend % %b 87,0 stimmt absolut oder ilberwiegend %b 81,3 91,4 100,0 82,6 93,8 81,0 100,0 37,0 31,3 55,2 66,7" 31,3 63,8 85,7" 43,8 73,2* 90,0"*

Tabelle 6. Einstellung gegenElber der Kampagne und der Tabakpr~vention: Vergleich der Antworten von Self Care-Verantwortlichen aus Apotheken mit einem oder zwei Merkmalen der BeratungsaktiviNt mit jenen ohne ein solches MerkmaL

Diskussion

Die vorliegende Arbeit untersuch- te die Eignung der Apotheke als niederschwelliger Leistungserbrin- ger in der sekund~iren Tabak- prevention, lJber die Rolle der Schweizer Apothekerschaft in der Raucherentw6hnung ist noch we- nig bekannt. Aus den U S A 9-11 und verschiedenen europ~iischen L~in- dern 12-17 liegen Studien vor, welche die Eignung der ApothekerInnen als MediatorInnen in der Tabak- pr~ivention best~itigen. Der Erfolg der Interventionen wurde anhand der Zufriedenheit seitens der Rau- cherInnen und/oder der Beraten- den 9,14 oder der Aufh0rrate 12,14,16,17 beurteilt. Letztere betr~igt z.B. in einer dfinischen Studie 12, nach ei- nem sechsmonatigen Beratungs- programm in der Apotheke, 29 %

nach einem Jahr. In einer ameri- kanischen Untersuchung 11 waren nach ftinfw6chiger Nikotinersatz- therapie und Begleitung durch die bzw. den ApothekerIn 33% der Personen nach zehn Monaten rauchfrei. Die Ergebnisse obiger Untersuchungen sowie der einzi- gen fiJr die Schweiz vorliegenden Studie 7 werden im Folgenden, so- welt vergleichbar, mitdiskutiert. Da die Teilnahme an der Self Care- Kampagne freiwillig und kosten- pflichtig war, ist anzunehmen, dass sich hauptsfichlich motivierte Apo- theken, mit Engagement ftir Ge- sundheitsf6rderung und Pr~iven- tion, an der Aktion beteiligten. Trotz brieflichem Mahnverfahren in der Kampagnenmitte fahrten le- diglich 32 % aller Self Care-Abon- nenten die Aktivit~itsstatistik. 58 % retournierten den Fragebogen zur

Erfassung der Einstellung. Ein Viertel beteiligte sich vollstandig, d.h. mit Aktivit~itsstatistik und Fra- gebogen. Letzterer repr~isentiert vermutlich eine Selektion hochmo- tivierter Apotheken, welche auch yon der Notwendigkeit der Sicht- barmachung ihrer pr~iventiven Dienstleistungen iJberzeugt waren. Die festgestellte bessere Ausbil- dung und das Vorhandensein eines CO-Messgerfites k0nnen ebenfalls als Hinweise ftir Motivation ge- sehen werden. Gut ein Drittel aller Self Care-Verantwortlichen aus Apotheken mit Fragebogen hatte sich bestm/Sglich, d.h. durch Be- such des Workshops und mit Apo- theken interner Schulung, auf die Kampagne vorbereitet. Gut zwei Drittel der Apothekenteams wa- ren intern geschult worden. 16% der Self Care-Verantwortlichen

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ft~hrte die Kampagne ohne beson- dere Weiterbildung durch. In der Untersuchung yon Gschwend 7 war es rund ein Drittel.

Der Einfluss der Kampagne auf die Inanspruchnahme der Raucherbe- ratungen und der Verlauf wfihrend der Kampagne wurden anhand der dokumentierten Raucherberatun- gen untersucht. Aufgrund der be- schr~inkten Studienteilnahme und der Selektion motivierter Apothe- ken sind die gefundenen Pr~va- lenzen jedoch nicht ftir alle Self Care-Abonnenten generalisierbar. Weiter k6nnte der Einfluss der Kampagne durch methodologische Einschr~nkungen, wie die be- schrgnkte Zahl von zehn dokumen- tierten Raucherberatungen und das Ungleichgewicht zwischen den Gruppen vor und w~hrend der Aktion, untersch~itzt worden sein. Die vorliegenden Daten zeigen eine im Vergleich zur Baseline deutliche Steigerung der Quantitfit und der Qualit~it der Raucherbe- ratungen w~ihrend der Kampagne. Auf die individuellen Vorausset- zungen der Rauchenden wurde in mehr als der H~ilfte der F~lle durch Abklfirung der Motivation einge- gangen. Dies kann im Gespr~ich am Ladentisch ohne weitere Hilfsmit- tel geschehen. Aufw~indigere Ab- kl~irungen wie der Fagerstr6m-Test oder die CO-Messung wurden in je knapp einem Viertel aller Ffille durchgeftihrt. Ein Viertel der Kon- takte wurde mit dem Beratungs- schema dokumentiert und so die Idee des PatientInnendossiers um- gesetzt. Die Begleitung dutch die bzw. den ApothekerIn im EntwOh- nungsprozess, ein zentrales Ele- ment von Pharmaceutical Care, wtinschte ein Viertel aller Ratsu- chenden. In 17% aller dokumen- tierten Beratungen sind Nachfolge- termine festgelegt worden. Bei 9 % handelt es sich bereits um solche. Zwar ist proportional zur Gesamt- heit aller Beratungen, eine Ab- nahme der Weiterverweisungen an die J~rztin bzw. den Arzt und der Abgabe von Nikotinersatzproduk-

ten (einschliesslich HomOopathika o.a.) zu verzeichnen. In absoluten Zahlen kann jedoch, im Vergleich zur Woche vor der Kampagne, ein Anstieg beobachtet werden. Die- ser Befund ist in Obereinstimmung mit den zum Zeitpunkt der Ak- tion beobachteten, gestiegenen Ver- kaufszahlen yon Nicorette | (Rau- cherentwOhnungsmittel der Firma Pharmacia & Upjohn). Die Ab- nahme der relativen Zahlen erklgrt sich wahrscheinlich durch die star- ke Zunahme der Kontakte, welche Motivation, Sensibilisierung und pers6nliche Begleitung zum Ziel batten. W~hrend der Kampagne wurde durchschnittlich lfinger be- raten, als in der Woche vor der Kampagne. Ein besonders markan- ter Anstieg ist bei der Hfiufigkeit langer Beratungen (16-30 Minu- ten) zu beobachten, was far eine Intensivierung der Beratungstfitig- keit spricht. Dieser Befund deckt sich mit den Resultaten anderer Untersuchungen 7.13.

Der Einfluss verschiedener Fak- toren auf die Beratungsh~iufigkeit und -intensitfit konnte bei einem Drittel der Apotheken, nfimlich jenen mit vollst~indiger Studienteil- nahme, untersucht werden. Trotz der Selektion des untersuchten Kollektivs k6nnen mit der vorlie- genden Untersuchung valide Aus- sagen tiber Pr~diktoren der Be- ratungstfitigkeit in Self Care-Apo- theken gemacht werden. Stfirk- ster Prfidiktor der Beratungshfiu- figkeit ist die Variable ,,Apotheke mit mehrheitlich Passantenkund- schaft", was nahelegt, dass eine gewisse Anonymit~it den Einstieg ins Gesprfich fiber Tabakabhfingig- keit erleichtert. Das Angebot der CO-Messung und in einem etwas geringerem Mass das Gefahl, fur die Raucherberatung gut ausge- bildet zu sein, haben ebenfalls einen Einfluss auf die Beratungs- hfiufigkeit. Was die CO-Messung betrifft, deckt sich dieser Befund mit der Studie von Gschwend 7. Hier nannten vier Fanftel der RaucherInnen die CO-Messung als

Grund fur den Besuch der Apo- theke. FUr die Beratungsintensit~it spieten hauptsfichlich die Art der Weiterbildung und die Erfahrung des erfolgreichen Nikotinentzugs seitens der beratenden Personen eine Rolle. Je besser die Weiterbil- dung des/der in der Apotheke far Self Care-Verantwortlichen, desto besser die Umsetzung von Pharma- ceutical Care. Die interne Wei- terbildung, d.h. die Schulung des Apothekenteams, ist ebenfalls yon zentraler Bedeutung. Zu diesem Schluss kommt auch eine schwedi- sche Studie 13. Besuch des Self Care- Workshops allein, ohne Weiter- gabe des Wissens an das Team, hat keinen Einfluss auf die Beratungs- intensitfit. Die Einstellung gegent~- bet der Tabakpr~ivention und der Kampagne seitens der Self Care- Verantwortlichen ist abh~ingig yon der Art der Beratungst~itigkeit in der Apotheke. Die positivste Ein- schfitzung geben Verantwortliche, in deren Apotheken nicht nur hfiufig, sondern auch mehrheitlich intensiv beraten wurde. Apothe- ken, aktiv hinsichtlich Beratungs- intensit~it allein, beurteilen ihre Er- fahrungen zwar mehrheitlich posi- tiver als jene mit hoher Beratungs- hfiufigkeit allein oder jene ohne Merkmale der Beratungsaktivitfit. Ein signifikanter Unterschied im Vergleich zur letztgenannten Grup- pe zeigt sich jedoch nur im Interes- se an einer weiteren Raucherent- w6hnungskampagne.

Ausblick

Mit der vorliegenden Studie, welche zum ersten Mal die Umsetzung von Pharmaceutical Care in Schweizer Apotheken dokumentiert, kann tibereinstimmend mit anderen Un- tersuchungen 9-17 gezeigt werden, dass Raucherentw6hnung in Apo- theken durchftJhrbar ist. Der Er- folg des niederschwelligen Ent- w0hnungsangebots bei den Rau- cherInnen konnte aufgrund der knappen zur Verft~gung stehenden

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Mittel nicht evaluiert werden. D i e Best~tigung der Resultate der vor- liegenden explorativen Studie so- wie die U n t e r s u c h u n g der A u f - h 6 r r a t e sollten G e g e n s t a n d einer r a n d o m i s i e r t e n Studie mit Lang- zeitfollow-up sein, i n s b e s o n d e r e da auslfindische U n t e r s u c h u n g e n 11,12 tiber e r m u t i g e n d e Resultate be- richteten.

Literaturverzeichnis

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23 SAS Institute Inc. SAS/STAT User's Guide, Version 6, Fourth Edition, Volume 2, Cary, NC: SAS Institute Inc., 1989.

Danksagung

Diese Arbeit wurde finanziert vom Bundesamt ftir Gesundheit, vom Schweizerischen Apothekerverband und von Pharmacia & Upjohn.

Korrespondenzadresse

Madeleine Wick, Dipl. Pharm. Institut ffir Sozial- und Prfiventiv- medizin der Universitfit Basel Steinengraben 49

CH-4051 Basel

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A p p e n d i x

Aktivit~tsstatisti k

Studiennummer:

Evaluation der Kampagne Self Care 97 "KiJnftige Nichtraucher"

Bitte dokumentieren Sie die ersten I0 Kundenkontakte mit aufh5rwilligen Raucherinnen/Rauchem in dieser Woche.

Kreuzen Sie jede Aussage an (+ wenn zutreffend, - wenn nicht zutreffend).

IWoche vom 13.10. bis 19.10.97

Geschlecht weiblich Geschlecht m~nnlich

Raucherin I Raucher Nr.:

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Motivationslage zum Aufh6ren abgekl~irt

I I I I I I I I I I I

Auswertung des Zustandes mittels: Rauchertest nach Fagerstr0m* CO-Messung

Abgabe Nikotinersatzprodukt (einschliesslich Hom0opathika oder anderes Auf ~rztliches Rezept

Ohne ~rztliches Rezept

Anwendungsbezogene Beratung

Intensivere, verhaltensbezogene Raucherberatung: Beratungsschema* benutzt

Terrain f0r Rauchstop mit deddem Raucherin/Raucher festgelegt

Durch die Apotheke begleiteter Ausstieg erw0nscht Nachfolgetermin,,vereinbart

Weiterweisung an den Arzt Abgabe von Informationsmaterial

Handelt es sich bei der heutigen Beratung um einen Nachfolgetermin

Durchf(ihrung: Apothekerln allein

Apothekerln und Pharma-Assistentin oder Lehrling Pharma-Assistentin oder Lehrling allein

Zeitdauer der DiensUeistung(en) insgesamt

Figure

Tabelle  2.  Aktivit~tsstatistik:  HJufigkeit  der  DurchfiJhrung  einzelner  Elemente der  Raucherberatung ,/or und  w~hrend der Kampagne und mittlere  Ver~nderung pro Kampagnenwoche
Tabelle 4.  Aktivit~tsstatistik:  H~ufigkeit der Raucherberatungen  nach Dau-  er der Beratung vor und w~hrend der Kampagne
Tabelle  5.  Determinanten der Beratungsh~ufigkeit und der Beratungsintensitgt in Apotheken
Tabelle 6.  Einstellung gegenElber der Kampagne und der  Tabakpr~vention: Vergleich der Antworten  von Self  Care-Verantwortlichen aus Apotheken mit einem oder zwei Merkmalen der BeratungsaktiviNt mit jenen ohne ein  solches MerkmaL

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