ÜBER DEN EINFLUSS VON METAMORPHOSE-
HÄUTUNGSSTÖRUNGEN UND LIGATUREN AUF DIE SPERMATOGENESE DER HONIGBIENE
(APIS MELLIFICA L.)
Sur l’influence des perturbations de la métamorphose nymphale
et
des ligatures sur la spermatogénèse de l’abeille (Apis mellifica L).
W. FYG
Bubenbergstrasse
273700
Spiez (Schweiz)
SUMMARY
THE INFLUENCE OF METAMORPHIC DISTURBANCES OF ECDYSIS AND OF LIGATURES ON THE SPERMATOGENESIS OF THE
HONEYBEE
(Apis mellifica L.!
Post
cephalic
and post thoracic disturbances of ecdysis, often occurring with male pre- pupae after elimination of the larval cocoon, frequently are causing an abnormal course of spermatogenesis. In the testes, giant spermatocytes and anomalousspermatids
are foundwhich only partly transform into sperm.
By original
drawings
the normal and the anomalous spermatogenesis are described.In the discussion the suppositionis expressed, saying that the anomalous
spermatogenesis
may
depend
on hormonal influences.ZUSAMMENFASSUNG
Postcephale
undpostthorakale
Unterbindungen beispinnenden
Drohnenlarven undMetamorphose-Häutungsstörungen,
wie sie bei Drohnenstreckmaden nach Elimination desLarvengespinstes häufig
auftreten, haben vielfach einenregelwidrigen
Verlauf derSpermato-
genese zur
Folge.
In den Hoden tretenRiesenspermatocyten
und abnormeSpermatiden
auf,Hern Prof. Dr. F. Baltzer in Bern danke ich für die Durchsicht des Manuskriptes und seine Ratschläge
recht herzlich.
welche sich nur zum kleinsten Teil in Spermien verwandeln. An Hand von
Originalzeichnungen
wird zunächst die normale und dann die anormale
Samenbildung
beschrieben. In der anschlies- senden Diskussion wird dieVermutung
geäussert, dass die abnormeSpermatogenese
der Honigbiene möglicherweise hormonbedingt sein könnte.EINLEITUNG
Die Arbeiterinnen- und Drohnenmaden der
Honigbiene
stellen gegen das Ende derLarvenperiode
dieNahrungsaufnahme
ein undfertigen
mitihrem
Spinndrüsensekret
einenallseitig geschlossenen
Kokon an, sobald ihreWabenzellen von den Stockbienen verdeckelt worden sind. Die
Entstehungs-
weise und der feinere Bau dieses
Gespinstkokons
wurden von v. BUTTEL-R
EEPEN
(1907),
ARNHART(1919),
PRELL(1924),
VELICH(1930)
undJ AY (1963)
genauer untersucht. Wenn die Larven ihren Kokon gesponnen und den Darm entleerthaben, legen
siesich,
denKopf
dem Zelldeckelzugewendet, ausgestreckt
auf den Rücken und werdenbewegungslos.
Offenbar handeltes sich dabei um eine
erregungs-symmetrische
taktileLageorientierung (G
ONTARSKI
, 1957; J AY , 1961).
Man bezeichnet diese Phase derpostembryo-
nalen
Entwicklung
als Streckmadenstadium. Sie dauert bei der Bienenarbei- terin durchschnittlich 2!2,
beim Drohndagegen
4Tage
und findet ihren Abschluss mit der letzten Larven- odersogenannten Metamorphosehäutung,
wobei sich die Streckmade in die
Puppe
verwandelt. Nach GONTARSKI(1957)
und
J AY (1962)
soll dieseHäutung
nur 15-35 Minutenbeanspruchen.
Experimentelle Untersuchungen (V ELICH , 1930; F YG , 1956, 1956a, 1957, 1958, 1961) ergaben,
dass dieMetamorphosehäutung
beim Fehlen des Larven-gespinstes
oder einerUnterlage
vongleichwertiger
Oberflächenbeschaffenheit oft ganz unterbleibt oder soregelwidrig verläuft,
dass nurverkrüppelte
undlebensunfähige
Bienen entstehen. Daszeigt
sich sehrschön,
wenn man nor-male Arbeiterinnen- und Drohnenlarven unmittelbar nach der
Beendigung
des
Spinnens
alsjunge
Streckmadenvorsichtig
und unverletzt aus ihren Wabenzellen nimmt und sie ohne Kokon im Brutschrank bei einerTempe-
ratur von 35 °C und einer relativen
Luftfeuchtigkeit
von 40-60%
in flachenGlasschalen aufzieht. Bei allen Larven
beginnt
in den nächsten 24-36 Stunden dieAbscheidung
einer wasserklarenHäutungsflüssigkeit
unter der sich allmäh- lich abhebenden Exuvie. Parallel mit der bald einsetzendenGliederung
desLarvenkörpers erfolgt
sie aber vielfach soreichlich,
dass derRumpf
schonnach kurzer Zeit von einem abnorm grossen,
transparenten Flüssigkeitssack
umhüllt wird
(Abb. 1).
Das weitereEntwicklungsgeschehen
ist bei den einzel-nen Versuchstieren verschieden. Viele von ihnen
vermögen
sich ohne dasLarvengespinst überhaupt
nicht zu häuten und stellen ihreWeiterentwicklung
ein. Nach
einigen Tagen
sind manche von diesen Maden schlaff undverfärbt,
um schliesslich
zugrunde
zugehen.
Bei den restlichen Streckmadenbeginnt
die
Metamorphosehäutung
am Vorderende zunächstnormal,
kommt dannaber früher oder
später plötzlich
zum Stillstand. DieExuvie,
die noch dengrössten
Teil des sich verwandelnden Tieresumgibt,
bleibt an den Antennen und denprognathen Mundgliedmassen hängen
und wird nichtabgestreift.
Die
Kopf-
undThoraxanhänge
werden dadurch in ihrerpräpupalen Lage festgehalten
und an der ordent lichenStreckung
verhindert. Viele dieserPup-
pen entwickeln sich trotz der
Häutungsstörung
weiter und färben sich aus;es entstehen
jedoch
keinenormalen,
sondern nur mehr oderweniger verkrüp- pelte
Bienen(Abb. 2),
die nichtlebensfähig
sind. Wie zahlreicheExperimente zeigten, reagieren
die Drohnenstreckmadenmerkwürdigerweise
auf denWeg-
fall des
Larvengespinstes
weitweniger empfindlich
als dieentsprechenden
ZEICHENERKLÄRUNGEN A
BB . 1-15 S
A : Anus Aut : Antenne Bi3 : verkrüppelte Beine Gys : Samenherde Ep : Epithel des Hoden- schlauches Fa : Komplexauge Fl : Flügel Fz : Follikelzellen G. ep : germinales Epithel K : Kern
L : Hämocyten Mg : mesodermales Hodengewebe Mgl : Mundgliedmassen n : Mitochondrienknäuel (« Nebenkern ») R : Polkörperchen Spc :
Spermatocyten
Spcl : Spermatocyten im RuhestadiumSpc z
Spermatocyten im vormeiotischen Stadium SpC3: Reifeteilungen Spg : Spermatogonien Spgl : sternförmig angeordnete Spermatogonien Spga : Spermatogonien-Mitosen Sp : Zwischenstufen der
Spermiogenese Spk : Kerne der Spermien Spm : Spermien Spt : Spermatiden Tu : Peritonealhülle des Hodens.
A BB . 16-25
Ep : Epithel des Hodenschlauches Fz : Follikelzellen Spci : normale Spermatocyten Spczheran-
wachsende Spermatocyten und Riesenspermatocyten Spm : Spermien Spt : Spermatiden Spte : &dquo;
scheinbar einkernige Spermatiden Spt2 : zweikernige Spermatiden.
A BB
. 26 UND 27
Ao : Aorta Ba : Beinanlagen G.a : Corpus allatum C.c : Corpus cardiacum Cgl : Oberschlundganglion (Gehirn) F : Fettkörpergewebe Fgl : Frontalganglion Hy : Hypocerbralganglion M : Mund Md : Mitteldarm Mep : Mitteldarmepithel Np : Nervus procurrens Nr : Nervus recurrens Nz : neuro-
sekretorische Zellen Oes : Oesophagus Pdr : Prothorakaldrüsen Spd : Spinndrüsen Sgl : Unter- schlundganglion T : Corpotentorium Thgl, Thg. : erstes und zweites Thorakalganglion Tr : erste Brust-
trachee Zd : Zwischendarm.
ABRE‘VIATIONS
F IG . 1 A 15
A : anus Ant : antenne Bl-3 : patte malform6e Cys : cyste Ep : 6pith61ium du tube 96minifere Fa :
ceil compose Fl : aile Fz : cellules folliculaires G.ep : épithélium germinal K : noyau L : hémocytes Mg : tissu testiculaire mésodercaique Mgl : pièces buccales n : paquet de mitochondries (« noyau
accessoire ») R : globule polaire Spc : spermatocytes Spcl : spermatocytes au repos Spczaperma- tocytes au stade pré-meiotique Spcl : divisions de maturation Spg : spermatogonies Spgzsperma- togonies disposees en étoile Spg3: mitoses de spermatogonies Sp : etapes intercaédiaires de la spermio- genese Spk : noyaux des spermies Spm : spermies Spt : spermatides Tu : enveloppe peritoneale
du testicule.
FiG. 16 A 25
Ep : 6pith61ium du tube seminifere Fz : cellules folliculaires Spcl : spermatocytes normaux Spcs : spermatocytes en croissance et spermatocytes g6ants Spm : spermies Spt : spermatides Sptl : sper- matides apparemment uninucléées Spt.: spermatides bi-nuel66es.
F IG
. 26 ET 27
Ao : aorte Ba : 6bauche de patte C.a. : corpus allatum C.c. : corpus cardiacum Cgl : ganglion sus- cesophagien (Cerveau) F : tissu adipeux Fgl : ganglion frontal Hy : ganglion hypo-eir6bral M :
bouche Md : intestin moyen Mep : 6pith61ium de l’intestin moyen Np : nervus procurrens Nr :
nervus recurrens Nz : cellules neuro-sder6toires Oes : cesophage Pdr : glande pro-thoracique Spd : i glandes sericigenes Sgl : ganglion sous-cesophagien T : corpotentorium Thgl, Thg$ : premier et second ganglions thoraciques. Tr : première trachee thoracique Zd : proventricule.
Entwicklungsstadien
der Bienenarbeiterinnen. Aus nochungenügend
bekann-ten Gründen verwandelt sich zuweilen rund die Hälfte von ihnen auch ohne
Gespinstunterlage
normal. Ob dabei dasjeweilige
Alter der Streckmaden oder hormonelle Einflüsse eine entscheidende Rollespielen,
sollspäter
diskutiert werden.
Jedenfalls
stehtfest,
dass dietypischen Drohnenkrüppel
fast
ausnahmslos ausältern, verwandlungsbereiten
Streckmadenhervorgehen.
Dass die hier beschriebenen
Häutungsstörungen
tatsächlich auf das Fehlen desLarvengespinstes
und nicht etwa auf andere Aussenfaktoren zurückzuführensind,
lässt sichexperimentell
leicht nachweisen. Wiederholtman nämlich den oben skizzierten Versuch unter den genau
gleichen
Bedin-gunagn mit
spinnreifen
oderspinnenden
Arbeiterinnen- undDrohnenlarven,
welche den
gläsernen
Boden der Zuchtschalen alsbald mit einemfeinen,
dichtenGespinst überziehen,
so treten bei den Testtieren keineEntwicklungs-
störungen
auf. Alle auf demGespinst liegenden
Maden verpuppen sich im Brutschrank vielmehr ganz normal und es entstehen aus ihnengut
entwi-ckelte, lebensfähige
Bienen. Dieseeigenen Versuchsergebnisse,
die sowohlmit den Befunden von VELICH
(1930)
als auch mit denanalogen Beobachtun-
gen von CHURCH(1955)
bei derHalmwespe Cephus
cinctus Nort. überein-stimmen, sprechen
meiner Ansicht nachdafür,
dass dasLarvengespinst
aufdie
verpuppungsbereite
Streckmade offenbar einen Reizansübt,
welcher für dieAuslösung
und den normalen Verlauf derMetamorphosehäutung nötig
ist. Vermutlich haben wir es dabei mit
Berührungsreizen
zu tun, die vonbestimmten larvalen
Hautsinnesorganen perzipiert
werden. Wie LUKOSCHUS(1955) festgestellt hat,
besitzen die Bienenlarven zahlreiche kurzeTasthaare,
die als
Mechanorezeptoren
dienen dürften. Sie finden sich in kleinern undgrösseren Gruppen
ausschliesslich auf der Dorsalseite derRumpfsegmente,
also
gerade
anjenen Körperstellen,
mit welchen die Streckmade in ihrer Wabenzelle dem Kokonanliegt (F YG , 1956, 1966).
Man
frägt
sich natürlichsogleich,
was der vomLarvengespinst ausgehende
Reiz
eigentlich
bewirkt.Spielt
er während derMetamorphosehäutung
allfäl-lig
nur beim Abstreifen der Exuvie eine Rolle oder beeinflusst dieser Reiz vielleicht auch dassonstige Entwicklungsgeschehen Folgende
Beobachtun- gen, welche dieAuswirkungen
derMetamorphose-Häutungsstörungen
aufdie
Spermatogenese betreffen, mögen
zurAbklärung
dieserFrage
etwasbeitragen.
Diehistologische Untersuchung
vonDrohnenstreckmaden,
welcheim Brutschrank ohne
Gespinst aufgezogen
wurden und sich entweder gar nicht oder nurunvollständig verpuppten,
hatergeben,
dass bei ihnen die Samenbil-dung
ganz abnorm verläuft. Diegleichen Regelwidrigkeiten
treten aber auchdann
auf,
wenn die normalen inkretorischen Verhältnisse imspäten
Larven- oder frühen Streckmadenstadiumexperimentell
durchpostcephale
oderpost-
thorakaleLigaturen gestört
werden. DieseFeststellung
scheint mir für eine kausaleErklärung
der abnormenSamenbildung
bei der Drohne immerhinrecht beachtenswert zu sein und dürfte vielleicht die
Anregung
zuweitern, eingehenderen Untersuchungen
an diesem leicht zu beschaffendenObjekt geben.
MATERIAL UND TECHNISCHES
Die
nachfolgend
beschriebenenexperimentellen
undhistologischen
Untersuchungenführte ich in den Jahren 1953-1963 an der
Bienenabteilung
der Eidgenössischen milchwirt-schaftlichen
Forschungsanstalt
Liebefeld bei Bern durch. Die benötigtenDrohnen-Entwicklungs-
stadien konnten jeweils in den Monaten Mai bis Juli geeigneten Brutwaben aus gesunden
Völkern des Anstaltsbienenstandes entnommen werden. Um
jede Verletzung
der sehr empfind-lichen ältern Larven und Streckmaden zu vermeiden, wurden die Wände der Wabenzellen mit einer
stumpfen
Pinzetteweitgehend abgetragen
und die Versuchstiere sodannmöglichst
rasch mittelst eines kleinen
Spatels
ingläserne
Petrischalenübertragen.
Injeder
Schale fanden 6-9 Maden in Seiten- oderRückenlage
Platz, ohne sichgegenseitig
zu berühren. Vor dem Aufle- gen des Deckels wurden auf den Schalenrand dreiU-förmige,
etwa 1 mm dicke Metallreiteraufgesetzt,
um der Luft den Zutritt zuermöglichem.
Die mit einem dünnen Nylonfadenoder Frauenhaar
geschnürten
Drohnenlarven setzte ichdagegen
einzeln in zweckdienliche,aus Bienenwachs
angefertigte
flache Becher ein, die sich dafür besser eigneten als Glasschalen.Sämtliche Versuchstiere wurden im Brutschrank bei 35°C und einer
Luftfeuchtigkeit
von40-60
% gehalten.
Für die
histologische Untersuchung
wurden die Versuchs-und Kontrolltieregrösstenteils
inV AN
LEEUWEN’S
Pikrinsäuregemisch ’
und vereinzelt in CARNOY fixiert. Die Einbettung1. Zusammensetzung : 1 % Pikrinsäure in abs.
Äthylalkohol
12 Teile. 40 % iges Formalin 2 Teile, Chloroform 2 Teile, Eisessig 1 Teil.2. Zusammensetzung : abs.
Äthylalkohol
60 ccm, Chloroform 30 ccm, Eisessig 10 ccm.erfolgte
überMethylbenzoat
und Benzol in Paraffin. ZurFärbung
der 6-8 li dicken Schnitte benützte ichvorwiegend
WEIGERT’SEisenhämatoxylin
und Eosin oder die Azokarmin-Methodevon HEIDENHAIN-MALLORY
(ROMEIS, 1948).
DER NORMALE VERLAUF DER SPERMATOGENESE BEI DER HONIGBIENE Wie
allgemein
bekanntist,
entstehen die Drohnen normalerweise par-thenogenetisch
aus unbefruchteten und die weiblichen Bienen(Königinnen
und
Arbeiterinnen) biparental
aus befruchteten Eiern. Während diediploi-
den
Oogonien
in den Eierstöcken derBienenkönigin
32 Chromosomen(2 n)
aufweisen und eine
regelrechte
Meiosedurchlaufen,
wobei die Chromosomen- zahl auf dieHälfte,
also 16(n)
reduziertwird 1 ,
unterbleibt bei den reifenden Samenzellen eine solchezahlenmässige Reduktion;
aus denhaploiden Sper- matogonien
undSpermatocyten
entstehen durch eineAequationsteilung
undnach der
Abschnürung
derRichtungs-
oderPolkörperchen Spermatiden
undSpermien
mit dergleichen
Chromosomenzahl2. DieHaploidie gilt allerdings
nur für die männlichen Keim- und
Blastodermzellen,
denn wie RISLER(1954) festgestellt hat,
treten bei der Drohnenlarve schonfrühzeitig
in vielenGeweben,
so
beispielsweise
imMitteldarmepithel,
in denHarngefässen
undOenocyten,
sowie in den
Muskeln,
imFettkörper
und in den Labialdrüsen di- undpoly- ploide
Zellen auf. Sehr wahrscheinlichhängt
diese somatischePolyploidi- sierung
mit dem raschen Wachstum und dergesteigerten Tätigkeit
der erwähn-ten
Organe
zusammen.Die
Abbildungen
3-15 veranschaulichen nacheigenen Untersuchungen
verschiedene Phasen der
Spermatocytogenese
undSpermiogenese. Sie eignen sich,
wie ich ausdrücklich bemerkenmöchte,
nicht zurAuszählung
der Chro-mosomen, sondern dienen als
histologische
Schnittbilderlediglich
zum Ver-gleich
der normalen mit der abnormenSamenbildung,
wie siespäter
beschrie- ben wird. Wenn wir von der sehr früherfolgenden
und fast noch unerforsch-ten
Einwanderung
der Urkeimzellen in die mesodermalenHodenanlagen
desDrohnenembryos (N ELSON , 1915; Z ANDER , 1916; S NODGRASS , 1956) absehen,
so
spielt
sich die ganzeSpermatogenese
im Verlaufe derPostembryogenese
ab und findet mit Ausnahme einer
gewissen physiologischen Nachreifung
derSpermien
in denimaginalen
Vesiculae seminales(B l saor, 1920; R UTTNER , 1966, 1968)
bereits in der zweiten Hälfte derPuppenperiode
ihren Abschluss.In den larvalen und
pupalen
Hodenschläuchen sind nicht alle aufeinander-folgenden Spermatogenesestadien gleichzeitig
vorhanden. Wie die Tabelle 1zeigt,
sind für die einzelnenEntwicklungsstufen
des Drohns vielmehr bestimmte Stadien derSamenbildung
kennzeichnend.1. Literatur: NACHTSHEIM, 1913; SANDERSON et HALL, 1048, 1951, 1951a; WOLF, 1960; RUTTNER. 1968a.
2. Literatur : MEVES, 1903, 1907; GIGLIO-TOS, 1905; DONCASTER, 1906,1907; MARK et COPELAND 1907; NACHTSHEIM, 1913; SANDERSON et HALL, 1948, 1951, 1951a; HACHINOHE et ONISHI, 1952; WOLF.
1960; RUTTNER, 1968.
Bei den Rundmaden finden wir am
blindgeschlossenen apikalen
Endeeines
jeden
Hodenschlauches dasGerminalepithel (Abb.
3 und Abb.4,
G.ep),
aus dem die zahlreichen
Spermatogonien (Spg)
und dieanfänglich
kleinerenFollikelzellen
(Fz) hervorgehen.
Es bildet einen deutlichbegrenzten,
zusam-menhängenden
undkuppenförmigen Zellkomplex.
Beijüngeren
und älteren Drohnenlarven kann man imgerminalen Epithel
recht ofttypische
Mitosenbeobachten
(Abb. 3);
die sich teilenden Zellen fallen durch ihre Grösse und ihr lichteresCytoplasma
auf. Seltsamerweise istgerade
diesesKeimepithel
des Drohns meines Wissens in der bienenkundlichen Literatur bis
jetzt
nienäher beschrieben oder bildlich
dargestellt
worden. Proximal vom Germariumfolgen
in allen Testiolen die mitspärlichen
Follikelzellen untermischtenpri-
mären
Spermatogonien (Spg),
die vorerst noch keine bestimmteAnordnung zeigen,
sondern mehr oderweniger dichtgedrängt
dieLichtung
der Hoden- schläuche ausfüllen. Die Ursamenzellen besitzen einkörniges Cytoplasma
undeinen
rundlichen,
scharfkonturierten Kern mit feinemGerüstwerk,
welcherneben vielen kleineren meist auch ein oder zwei
grössere
Chromatinbrocken enthält. Zahlreiche Mitosen(Abb. 4)
deuten auf eine rascheVermehrung
hin.Aus den
primären Spermatogonien
entstehen auf diese Weise die sekundärenSpermatogonien (Abb. 5, Spg 1 ),
welche nun nicht mehrregellos
im Lumender Testiolen
liegen;
sie werden vielmehr durch die starkherangewachsenen
Follikelzellrn
(Fz) gruppenweise
inkugeligen
Samenherdenvereinigt
undbilden in diesen
Spermatocysten gewissermassen Rosetten,
welche für alleetwas älteren Larvenstadien sehr charakteristisch sind. Diese
Gruppierung
kommt
augenscheinlich
dadurchzustande,
dass sich die inzwischenkegel- förmig gewordenen Spermatogonien
in den Samenherden radial anordnen und zwar so, dass ihrezugespitzten
Enden dem Zentrumzugewendet
sindund hier durch eine
homogene
Klebmasse(Spindelrestkörper
nachBucaNEx, 1915)
verbunden werden. In dieser Phase derSpermatogenese
findet offenbar noch eine weitereVermehrung
der sekundärenSpermatogonien
statt. Dafürscheinen mir
jedenfalls
die rechthäufigen
und in derRegel synchron
verlau-fenden Mitosen
(Abb. 5, Spg 2 )
zusprechen,
welche man in vielenSpermato-
cysten
feststellen kann. Bei denreifen,
d.h.ausgewachsenen
Rundmadenbeginnen
die nunmehr wiederkugeligen Spermatogonien
sichtlichgrösser
zu werden und verwandeln sich schliesslich in
Spermatocyten (Abb. 6, Spc),
wie sie für die Streckmaden und unmittelbar nach der
Metamorphose
für diejüngsten Puppen typisch
sind. In dieserEntwicklungsperiode
des Drohns sind sämtliche Samenherde in allen Hodenschläuchen mitderartigen Sperma-
tocyten
mehr oderweniger prall gefüllt.
Nur im obersten Abschnitt der Te- stiolen verbleiben noch diegerminalen Epithelzellen (Abb. 7,
G.ep)
undeinige primäre Spermatogonien (Spg)
mit oft stark vakuolisiertemCytoplasma,
diejedoch
keine Anzeichen einerVermehrung
mehr erkennen lassen. Ein weiterer Nachschub vonjüngern Spermatogenesestadien
fehlt also. In diesem Zusam-menhang
sind noch die losen Zellen(Abb. 7, L)
zuerwähnen,
welche sich beiden
Drohnenpuppen
im ganzen Verlaufe derHodenschläuche,
besonders reichlich aber in ihrem distalen Endabschnitt zwischen derdünnen,
einschich-tigen
Testiolenwand(Ep)
und demSamenzellenstrang
vorfinden. Es handelt sich dabei umHämocyten,
wie sie auch in den larvalen undpupalen
Ovariolender
Bienenköniginnen
und Arbeitsbienen vorkommen(L OTMAR , 1945; F y G ,
Publikation in
Vorbereitung).
Sie dürften einetrophische
Funktionhaben,
da sie nachweislich viel
Glykogen
enthalten und wahrscheinlich schon frühzei-tig
in die Gonadeneinwandern,
wo sie sich auch mitotisch vermehren.Kurz nach der
Metamorphose beginnen
bei denjüngsten,
nochvöllig
unpigmentierten Drohnenpuppen
dieReifeteilungen
derSpermatocyten
(Abb. 8-10),
alsojene
Prozesse derSamenbildung,
welche seitjeher
besondersgründlich
untersucht worden sind. Dasgeschah
nicht nur zurAbklärung
derchromosomalen
Verhältnisse,
sondern wohl auchdeshalb,
weil dieReifung
der männlichen Keimzellen der
Honigbiene
imVergleich
mit verwandtenInsekten
gewisse
Besonderheitenzeigt (B UCHNER , 1915; M ORGAN , 1921;
KÜ HN
, 1965; W HITE , 1957);
zudem konnten dabeieinzelne,
von früherenAutoren
mitgeteilte
Befundespäter berichtigt
undergänzt
oder andersgedeu-
tet werden
(S ANDERSON
etHALL, 1948, 1951; WOLF, 1960).
Als erstes Anzei-chen der bevorstehenden
Reifeteilungen
ist in den Ruhekernen derSperma-
tocyten (Abb. 8, Spe,)
einediakineseartige Kondensierung
des Chromatins(Spc 2
)
festzustellen. Die meistpaarweise vereinigten
Chromosomenliegen
dann dicht unter der Kernmembran und sollen in diesem
Stadium,
wie WOLF(1960) hervorhebt,
besonders leicht zu zählen sein. Schon hier fälltauf,
dassin der
Regel
alleSpermatocyten
eines Samenherdes die verschiedenen pro-gressiven Entwicklungsstufen
fastgleichzeitig
erreichen und vollenden. Dasgilt
nicht nur für dieProphase,
sondern auch für die nunfolgenden
Reifeteilun- gen(Abb. 8, Sps 3 ,
Abb. 9 und10),
welche nach deneingehenden
Untersuchun- gen von WOLF(1960)
offenbarweniger kompliziert verlaufen,
alsbislang
angenommen und in der Fachliteratur
gemeinhin dargestellt
wurde. Gestütztauf die Befunde von MEVES
(1907)
und NACHTSHEIM(1913)
war man nämlichbis vor kurzem ganz
allgemein
derAnsicht,
dass beim Drohn trotz des Fehlens einerzahlenmässigen
Reduktion der Chromosomen ebenfalls zwei Reifetei-lungen stattfinden,
wobei die ersteallerdings
abortivverlaufe,
d.h. nach derAusbildung
einer intranukleärenbipolaren Spindel
ohneeigentliche
Kern-teilung
wiederrückgängig gemacht
werde undlediglich
zurEntstehung
einerperipheren,
kernlosenPlasmaknospe führe,
welche mit derSpermatocyte
lose verbunden bleibe. Obwohl bereits DOP1CASTER
(1906)
daraufhingewiesen hat,
dass er in seinenPräparaten
keine solcheKnospenbildung
und nur eineeinzige, äquationelle Reifeteilung
beobachtenkonnte, vergingen
immerhinnoch mehr als 50
Jahre,
bis WOLF(1960)
durch einesorgfältige Nachprüfung
die
Richtigkeit
dieser Befunde von DOPTCASTERbestätigte.
WOLF beschreibt die einzelnen Phasen desReifungsprozesses
sehr ausführlich und kommt zumSchluss,
dass eine abortiveReifeteilung
derSpermatocyten
im Sinne vonM EVES
nicht existiert. In Wirklichkeit
erfolgt
nur eineAequationsteilung
ohne
vorgängige
Reduktion derChromosomenzahl,
so dass man in diesemFalle
eigentlich
gar nicht von einerrichtigen
Meiosesprechen
kann. DieReifeteilungen
in den männlichen Gonaden derHonigbiene (Abb.
9 und10),
welche offenbar ziemlich rasch verlaufen und nach HACHINOHE et OrrISHI
(1952)
wahrscheinlichweniger
als 10 Studenbeanspruchen, zeigen
noch eineweitere Besonderheit. Aus
jeder Spermatocyte
entstehen nicht wiegewöhn-
lich vier oder wie bei der Hornisse zwei
Spermatiden (M EVES
etD UESBERG ,
1908),
sondern nur eine grosseSpermatide (Abb. 11, Spt)
und einkleiner,
kern-haltiger Richtungs-
oderPolkörper (Abb. 11, R).
Obschon dieseplasmaarmen,
aber hinsichtlich der Chromosomenzahl
äquivalenten Polkörperchen
rudimen-tären Zellen
gleichen,
wachsen sie nach derAbschnürung anfänglich
doch nochetwas
heran;
siegehen
dannjedoch
im weitern Verlaufe derSpermienbildung zugrunde
und werdenjedenfalls nicht,
wieJ EGEN (1919) behauptet hat,
bei derBegattung
derBienenkönigin
mit dem Samen in die weiblichen Geschlechts- wegeübertragen.
Bei den etwa 3 bis
3! Tage
altenDrohnenpuppen,
welche an ihren blass-rötlichen bis
purpurfarbigen Komplexaugen
zu erkennensind, beginnt
inder
Regel
dieSpermiogenese,
d.h. dieUmwandlung
derSpermatiden
inSper-
mien. Soweit ich beurteilen
kann,
sindgerade
dieseVorgänge
der Samenbil-dung
bei derHonigbiene
bisjetzt
noch nicht sogründlich
studiert und be- schrieben worden wie dievorausgehende Spermatocytogenese.
Aus diesemGrunde dürfte es
angezeigt sein,
hierwenigstens einige Abbildungen
beizu-fügen,
welche fünf charakteristiche Stadien derSpermiogenese (Abb. 11-15)
darstellen. Sie veranschaulichen die
tiefgreifenden
Form- und Struktur-änderungen,
welche dieSpermatiden
bei derUmwandlung
in Samenfädendurchmachen und bedürfen kaum einer nähern
Erklärung.
Im Rahmen dervorliegenden Mitteilung genügt
es, daraufhinzuweisen,
dass sich diese Umfor- mung normalerweise inungefähr
2 bis 3Tagen
vollzieht. Bei den fünf- bissechstägigen Puppen
ist dieSpermiogenese
meist beendet und sämtliche Hoden- schläuche sind dann mitgebündelten
Samenfäden(Abb. 15) prall gefüllt. Später
wandern die
Spermien
aus den Gonaden durch die Samenleiter(Vasa
deferen-tia)
in die Samenblasen(Vesiculae seminales)
des männlichenFortpflanzungs-
apparates,
wo sie bis zumAugenblick
derEjakulation
verbleiben. Die Aus-wanderung
der Samenfäden aus den Hoden soll nach BrsAOr(1920)
schonzwei
Tage
vor demAusschlüpfen
der Drohnen aus ihren Wabenzellenbegin-
nen. In
Uebereinstimmung
mit denBeobachtungen
von KURENNOI(1953)
und MINDT
(1962)
konnte ich diesenVorgang dagegen
erst bei den etwa 2 bis3
Tage
altenImagines
feststellen. Die Drohnen sindjedoch
zu dieser Zeit noch nichtgeschlechtsreif.
Das ist frühestens 8-12Tage
nach demSchlüpfen
der Fall
(K URE1V P10 I , 1953; S NODCRASS , 1956; M INDT , 1962; R UTTNER , 1966,
1968).
DieSpermien
müssen nämlich in den Vesiculae seminales vorerst noch einephysioloyische Nachreifung durchmachen,
indem sie aus dem sezernie-renden
Samenblasenepithel
vermutlichgewisse
Stoffeaufnehmen,
welche ihre Aktivitätsteigern.
Dieser Prozess istallerdings
biochemisch nochvöllig unabgeklärt.
DER ABNORME VERLAUF DER SPERMATOGENESE
A. -
Verlauf
Bei der
histologischen Untersuchung
von 19 unmittelbar hinter demKopf
oderpostthorakal geschnürten
und bei 44gesunden,
im Thermostataufgezogenen Drohnenstreckmaden,
welche sich imZeitpunkt
der Metamor-phose infolge
des fehlendenGespinstes
entweder gar nicht oder nur unvollkom-men häuten und verpuppen
konnten,
stellteich,
wie bereitserwähnt,
einengleichartig
abnormen Verlauf derSpermatogenese
fest. In allen diesen Fällen wuchsen in vielen Samenherden einzelne oder mehrereSpermatocyten
auffal-lend rasch und stark heran
(Abb. 16-18, Spe,).
Wie die drei Schnittbilder deut- lich erkennenlassen,
beruht das Wachstum dieserRiesenspermatocyten
inerster Linie auf einer oft enormen Volumzunahme des
Cytoplasmas,
währendder Kerndurchmesser kaum merklich zunimmt. Das
geht
auch aus der Tabelle 2hervor,
welcher 158Messungen zugrunde liegen.
Das Durchmesserverhältnis von Kern und Zelle verschiebt sich also in
wenigen Tagen
von 1 : 1.85 auf maximal 1 : 5.75 oder mit andern Worten : während der Kerndurchmesser durchschnittlich nur um etwa 17% zunimmt,
kann diese
Steigerung
beim Zellendurchmesser bis 258% betragen.
Dadurchwird der Unterschied zwischen den
Riesenspermatocyten (Abb. 17, S P e 2 )
mitihrem
anfänglich homogenen, später
mehr fibrillär strukturiertenProtoplasma
und den
übrigen
Samenzellen(Abb.
16 und17, Spc l )
ausserordentlichprägnant
und man
gewinnt
denEindruck,
dass die letzteren im verbleibenden Raum derSpermatocysten
immer dichterzusammengedrängt
werden. Trotz dieserDivergenz
der beidenZelltypen zeigen
ihre Kerne in derFolge
ganzanaloge Veränderungen,
welche mindestens imPrinzip
an dieentsprechenden Vorgänge
bei der ordentlichen
Samenbildung
erinnern. Wie in derProphase
der norma-len
Reifeteilung (Abb. 8, Spe.) erfolgt
in den Kernen zuerst eineKondensierung
des Chromatins in Form von kleinen
Kügelchen (Abb. 17).
In einzelnen Riesen-spermatocyten
treten sodann Mitosen mit deutlich sichtbarenSpindeln
auf(Abb. 19, a).
Obwohl sie nichthäufig
zu beobachtensind, sprechen
diese indi- rektenKernteilungen
dochdafür,
dass auch die abnorm grossen Samenzellen dieFähigkeit
zurKaryokinese
besitzen. Eine anschliessendeZellteilung
odereine
Abschnürung
einesRichtungskörpers
konnte ich aber bisjetzt
nie mitabsoluter Sicherheit feststellen. Es entstehen vielmehr zwei - bis
vierkernige
Riesenzellen
(Abb. 19,
b und Abb.20, b, c),
derenCytoplasma
mehr oder weni-ger vakuolisiert ist und vielfach
fädige
Strukturenaufweist,
die oft wie Ueber-bleibsel von uni - und
bipolaren Spindeln
aussehen. Aehnlichesgeschieht
meist
synchron
auch in den normal — undmittelgrossen Spermatocyten (Abb. 21, Spe,
undSpe&dquo;).
In ihrem Zelleib treten zunächst ebenfalls Vakuolenauf,
welche diesen Samenzellen einenungewöhnlichen Aspekt
verleihen. Esfolgt
dann ein Stadium(Abb. 22),
das sich hinsichtlich der Kernstruktur kaumvon der
Prophase
dertypischen Reifeteilungen (Abb. 8, S P e 2 )
unterscheidet.Für das weitere Geschehen triff’t das
jedoch
nicht mehr zu. Gewissspielen
sichin vielen dieser Zellen auch noch
richtige
Mitosen ab(Abb. 23, a).
Die dabeientstehenden,
auffallend kleinen Tochterkerne verbleiben aber stets im Zelleib. Wie bei denRiesenspermatocyten
kommt es also nicht oder doch nurselten zur
Bildung
undAbschnürung
vonkernhaltigen Polkörperchen (Abb.
23, b).
Trotzdem dürfte es sich bei den nunvorliegenden
Samenzellen(Abb. 24)
um
Spermatiden handeln,
welcheallerdings
in ihrem Bau erheblich von derNorm abweichen. Um das zu
erkennen, genügt
es, dieAbbildungen
11 und 24 zuvergleichen.
Die normalenSpermatiden
derHonigbiene (Abb. 11, Spt)
besitzennur einen
einzigen,
relativ grossen Kern. Ausserdem finden wir in einer Vakuole des fasthomogenen Cytoplasmas
immer einen dichten Mitochondrienknäuel(n),
densogenannten
« Nebenkern »(M EVES , 1900),
welcher inguten
Eisenhä-matoxylinpräparaten
meist auch ohneSpezialfärbung
deutlich zu sehen ist.Zwischen den
Spermatiden liegen
dieabgeschnürten, plasmaarmen Polkörper-
chen
(R),
die sich öfters zu kurzenSträngen
verbinden. Die abnormenSperma-
tiden
(Abb. 24),
die aus denursprünglich
kleinbleibendenSpermatocyten (Abb. 16, Spc l ) hervorgehen,
fallen schon bei schwächererVergrösserung
durchbesonders grosse Vakuolen in ihrem Plasma auf. Sie unterscheiden sich von
den normalen
Spermatiden (Abb. 11, Spt)
aber vor allemdadurch,
dass sienicht nur einen
Kern,
sondern mindestens deren zwei besitzen und zwardeshalb,
weil bei ihnen im Verlaufe derReifeteilung (Abb. 23)
ordentlicher- weise kein Tochterkern alsRichtungskörper abgestossen
wird. Gewiss beob- achtet man inSchnittpräparaten häufig derartige Spermatiden,
welche schein- bar nur einen Kern enthalten(Abb. 24, Spt l ).
In lückenlosen Schnittseriengelingt
esjedoch
fastimmer,
bei dervergleichenden
Durchsicht der benach- barten Schnitte denangeblich
fehlenden zweiten Kern aufzufinden. Auchmehrkernige
abnormeSpermatiden
sind gar nicht soselten,
was darauf hin-deutet,
dass in diesen Samenzellen - ähnlich wie in denRiesenspermatocyten
(Abb. 20, c)
- zuweilen ebenfalls mehr als eineKernteilung erfolgt.
Unab-geklärt
ist dieFrage
des Nebenkerns der abnormenSpermatiden.
InPräpara-
ten, welche mit WEIGERT’ schem
Eisenhämatoxylin
und Eosin oder mitAzokarmin nach HEIDENHAIN-MALLORY
tingiert werden,
ist er nicht zu sehen.Das will aber nicht viel
besagen,
denn man müsste auchspezifische
Mitochon-drienfärbungen anwenden,
um über die Existenz oder das Fehlen eines solchen Nebenkerns sichern Aufschluss zu erhalten.Ueber den weitern
Fortgang
der abnormenSpermatogenese
kann ichleider nur sehr
wenig mitteilen,
da die meisten meiner Versuchstiere vor demBeginn
derSpermiogenese
fixiert wurden und sich deshalb für das Studium dieser zweitenHauptphase
derSamenbildung
nichteigneten.
Aus diesem Grunde ist nichtbekannt,
ob aus denRiesenspermatocyten (Abb. 17, S P e 2 )
schliesslich
irgendwelche Spermien
entstehen oder ob sie auf dieser Entwick-lungsstufe
unverändert stehen bleiben.Dagegen
konnte ineinigen mikroskopi-
schen
Präparaten festgestellt werden,
dass sich die abnormenSpermatiden
(Abb.
24 und25, Spt)
offenbar nochweiterentwickeln,
aberaugenscheinlich
nur zum kleinsten Teil in
Spermien (Abb. 25, Spm)
verwandeln. Zwischensta-dien,
wie sie in den Abb. 12 und 13dargestellt
und für die normaleSpermato-
genese
typisch sind,
fanden sichallerdings
keine. Diespärlichen Samenfäden,
welche in einzelnen Hodenschläuchen mehr oder
weniger
verstreutauftreten,
sind nichtgebündelt
undzeigen
eine interessantemorphologische Eigen-
tümlichkeit. Während die
stäbchenförmigen Köpfe
der ordentlichenSpermien (Abb. 15, Spk)
eineLänge
von etwa 5.6 wbesitzen,
sinddiejenigen
der abnor-men Samenfäden im Mittel 9.5 w und in einzelnen Fällen sogar bis
13 w lang.
Da der
Kopf
derfertigen
Samenzellen aus demSpermatidenkern hervorgeht,
könnte dieses absonderliche
Längenwachstum
vielleichtirgendwie
mit demVorhandensein von zwei und mehr Kernen in den anormalen
Spermatiden
inBezeihung
stehen. Ob dieseVermutung berechtig ist,
bleibedahingestellt.
Die
vorliegenden Ausführungen
bedürfen noch einerkleinen,
aber wesent-lichen
Ergänzung.
Bei derhistologischen Untersuchung
der Drohnenstreckma-den,
die entwedergeschnürt
wurden oder bei welchen imZeitpunkt
der Meta-morphose Häutungs —
oderEntwicklungs
-störungen auftraten,
hat sichnämlich
gezeigt,
dass dieSamenbildung
bei diesen Tieren nicht immer insämtlichen Hodenschläuchen
regelwidrig
verläuft. Wohlgibt
es bei ihnenGonaden,
die ausschliesslich abnormeSpermatogenesestadien
enthalten. Es kommt aber auch vor, dass dies nur fürgewisse,
oftherdförmige
Hodenbe-zirke von sehr variabler Grösse zutrifft. Nicht selten beschränkt sich die Ano- malie auf die distalen und mittleren Abschnitte der Testiolen. In solchen Fällen findet man dann im
proximalen
Teil der Hodenschläuche noch normale Samen- zellen. Diese recht oft zu beobachtende Lokalisation derregelwidrigen
Samen-bildung
muss bei einemErklärungsversuch
der abnormenSpermatogenese berücksichtigt
werden.B. -
Häufigkeit
derSpermatogenese-Anomalien
Die Tabelle 3
gibt
Aufschluss über den Verlauf derMetamorphose
undSpermatogenese
bei 121Versuchstieren,
die im Thermostat teils mit und teils ohneGespinst aufgezogen
wurden.Wie diese
Übersicht zeigt, verpuppten
sich von den 14Drohnenlarven,
welche den Boden der
gläsernen
Zuchtschalen mit einem feinenGespinst beleg-
ten, alle normal und wiesen keine
Störung
derSpermatogenese
auf. Diese Befundebezeugen,
dass die künstliche Aufzucht der Larven im Brutschrank beimVorhandensein
einesGespinstes
weder dieMetamorphose
noch dieSamenbildung irgendwie nachteilig
beeinflusst.Ein anderes Resultat
ergaben
indessen die Versuche mit 107gesunden Drohnenstreckmaden,
welche beigleichen experimentellen Bedingungen,
aberohne
Gespinst aufgezogen
wurden. Von ihnen entwickelten sich trotz des Fehlens einerGespinstunterlage
immerhin55,
also etwas mehr als die Hälfte ebenfalls zurichtigen Puppen
mit normalerSamenbildung.
Von denübrigen
52 Drohnenstreckmaden konnten sich
dagegen
37 oder 71%
nicht verwandeln und blieben deshalb auf diesem oder einem mehr oderweniger präpupalen Entwicklungsstadium stehen;
bei allen wurde eintypisch
abnormerSpermato- geneseverlauf festgestellt.
Aus den restlichen 15 Streckmadengingen
schliess-lich nur
Krüppelpuppen (Abb. 2)
hervor und zwar 8 mit normaler und 7 mitregelwidriger Samenbildung.
DieseExperimente
mitDrohnenstreckmaden
bestätigen,
dassHäutungsstörungen
zur Zeit derMetamorphose
tatsächlichhäufig
einen abnormen Verlauf derSpermatogenese
zurFolge
haben können.Wie der Tabelle 4 zu entnehmen
ist, gilt
das nämliche auch fürgewisse Ligaturen,
welche im Streckmadenstadium vorgenommen werden.Diese
Schnürungsversuche,
die ich imFrühjahr
und Sommer 1953 imZusammenhang
mit anderenentwicklungsphysiologischen Untersuchungen
durchführte
(F YG , 1956), ergaben,
dass dieSamenbildung
nach einer Unter-bindung
hinter demKopf
in rund 58%
der Fälle und nachpostthorakaler
Ligatur
sogar bei sämtlichen Versuchstieren anormal verlief. Da durch solcheEingriffe bestimmte,
für dasMetamorphosegeschehen
sehrwichtige
Inkret-drüsen
ausgeschaltet werden, liegt
dieVermutung nahe,
dass dieregelwidrige Spermatogenese
vielleicht hormonellbedingt
sein könnte. Was für einen solchenZusammenhang spricht,
wird imfolgenden
Abschnitt erörtert.DISKUSSION
Die
postembryonale Entwicklung
und dieMetamorphose
derHonigbiene
werden wie bei anderen Insekten durch die Hormone eines endokrinen
Sy-
stems
1 gesteuert,
dessen einzelne Glieder untereinander und mit demNervensy-
stem in enger
Wechselwirkung
stehen. Zu diesen inkretorischenOrganen gehö-
ren die neurosekretorischen Zellen des Gehirns und der
Bauchganglienkette,
die
Corpora cardiaca,
dieCorpora
allata und während derPostembryogenese
die Prothorakaldrüsen.
Bei der Biene
liegen
die zerebralen, von WEYER (1935) entdeckten neurosekretorischen Zellen (Abb. 26,Nz)
in der Pars intercerebralis desOberschlundganglions
(Cgl). Es handeltsich dabei um eine
Gruppe
von grossen, unipolarenGanglienzellen,
welche im endokrinen System die Rolle einesübergeordneten
Zentrumsspielen
und sich vontypischen
Neuren nurdurch ihre inkretorische
Tätigkeit
unterscheiden. Ihre teilweise gekreuzten Axone durchziehen das Protocerebrum und verlassen das Gehirn auf der Rückseite als die beiden Nervi corporis cardiaci, um nach kurzem Verlauf in die paarigenCorpora
cardiaca(C.c)
einzutreten. Weitere,meist isolierte neurosekretorische Zellen finden sich im Unterschlundganglion (Sgl) und in
den Nervenknoten des Bauchmarkes (DÖHMER, 1958; BIEDERMArtN, 1964). Die länglich-
ovalen Corpora cardiaca (C.c) und die
kugeligen
Corpora allata(C.a)
liegen dicht hinter demGehirn zu beiden Seiten der Aorta
(Ao)
und desOesophagus (Oes)
und bilden zusammen das retrocerebraleHormondrüsensystem.
Abgesehen von einer feinen Hülle kann man in denCorpora
cardiaca drei verschiedene Bauelemente unterscheiden, nämlich an den Dorsolateral- seiten grosse,chromophile Ganglienzellen,
mehr zentral und ventral viele kleine Zellen und dazwischen zahlreiche Nervenfasern, welche sich teilsgebündelt
als Nervi corporis allati bis in dieCorpora
allata fortsetzen. Die Corpora cardiaca stehen ausserdem über das Hypo-cerebralganglion
(Hy) mit dem die Mundregion und die vorderen Darmabschnitte innervie- renden stomatogastrischenNervensystem
(Nr, Fgl, Np) in Verbindung. Dieanfänglich
fla- chen, der Aortawand anliegenden Corpora cardiaca werden im letzten Larvenstadiun sichtlich grösser und erreichen in der Puppenzeit ein Volumenmaximum (LuKoscHus, 1956). DieCorpora
allata(C.a)
sind schon in den jüngsten Bienenlarven sehr gut entwickelt und bestehenaus ziemlich grossen,
gleichartigen
Zellen mit chromatinreichen Kernen. Ein Lumen fehlt diesen Inkretdrüsen. In jedem Corpus allatum ist lediglich ein dorsomedialer Hilus als Nerven- eintrittstelle vorhanden. Das Volumen der Corpora allata nimmt in der Larvenzeit sowohl bei der Arbeitsbiene als auch besonders bei derKönigin ständig
zu und erreicht im 5. Larven- stadium ein Maximum. In der Streckmade werden dann die Drüsen in beiden Kasten wieder kleiner. Nach derMetamorphose erfolgt
bei derKönigin
imPuppenstadium
neuerdings einstarker
Volumenanstieg,
welcher bei der Arbeitsbiene unterbleibt. LuKoscHus(1956)
vermu-tet, dass dieses unterschiedliche Verhalten der
Corpora
allata mit derAusbildung
der Eier-stöcke
zusammenhängt,
denn zu dieser Zeitbeginnen
sich die Ovarien der Bienenköniginbeträchtlich zu entwickeln, während bei der Arbeiterin eine
Rückbildung
der Ovariolen statt- findet. Die Prothorakaldrüsen(Abb.
26 und 27,Pdr)
befinden sich im vorderstenRumpfseg-
ment, aus welchem der Prothorax
hervorgeht.
Diese Hormondrüsen, die vom Unterschlund-ganglion
oder erstenThorakalganglion (Thg l )
innerviert werden, setzen sich aus losen und öftersverzweigten Zellsträngen
und einzelnenZellgruppen
zusammen. IhreHauptmasse
1. Literatur : NABERT, 1913; NELSON, 1915, 1924; HANSTRÖM, 1942; CAZAL, 1948; PFLUGFELDER, 1948. 1958; L’HELIAS, 1950, 1951; SCHALLER, 1951; LUKOSCHUS, 1952, 1955a, 1956; MüsSBKHLER. 1952;
THOMSO N
, 1954; HANAN, 1955; FORMIGONI, 1956; SNODGRASS, 1956; DÖHMER, 1958; FYG, 1963;
BI E D E RMAN N
, 1964; GAST, 1967; HÜSING, 1968; CHAUVIN, 1968; HERRMANN, 1969; LAMOTKE, 1969.