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Verfassung des Kantons Wallis vom 8 März 1907 : Stand vom 1. Dezember 1995

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Texte intégral

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Verfassung

des

Kantons Wallis

v o m 8. M ä r z 1 9 0 7

Stand vom 1. Dezember 1995

PA

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(3)

Verfassung

des

Kantons Wallis

v o m 8. M ä r z 1 9 0 7

Bibi. cant. US Kantonsbibi.

101020B797

(4)

Inhaltsverzeichnis

Seite A bkürzungen ...• • • • • : ... ^ Verfassungsgeschichtlicher Überblick ... 3 Teilrevisionen ... 7 V erfassungstext ... 11 S a c h r e g i s t e r ... 30

"

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J

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Dem

B6/IVZ24

Abkürzungen

ABI A mtsblatt des Kantons Wallis

AS Amtliche Sammlung der Bundesgesetze und Verord­ nungen der Schweizerischen Eidgenossenschaft. Neue Folge (seit 1874).

GS/VS Sammlung der Gesetze, Dekrete und Beschlüsse des Kantons Wallis (seit 1815).

BB1 Bundesblatt.

Bd. I, II usw. Band der amtlichen kantonalen G esetzessammlung (G S/ VS). Die römischen Zahlen bezeichnen den Band und die anderen Ziffern verweisen auf die Seitenzahlen.

BV Bundesverfassung.

BVers Bundesversammlung.

SR Systematische Sammlung des Bundesrechts (seit 1970). SGS/VS Systematische Gesetzessammlung der Republik und des

K antons Wallis (seit 1954).

Die römischen Zahlen bezeichnen den Band; Nr. 1, 2 usw. bezeichnen die O rdnungsnum m er des jeweiligen Erlasses.

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Verfassungsgeschichtlicher Überblick

Die Gesetzessam m lung des K antons Wallis beginnt mit d er Staatsverfas­ sung der Republik Wallis vom 30. A ugust 1802. Ihr ging jene vom Jahre 1798 voraus, die der vom Direktorium Frankreichs aufgestellten Vorlage ge­ treu entsprach. Das Volk w ar vom öffentlichen Leben ausgeschlossen und übte seine Rechte n u r d urch R epräsentanten aus. Diese Verfassung galt in­ dessen n u r kurze Zeit, da das Wallis im gleichen Jahre schon mit d er helve­ tischen Republik vereinigt wurde.

Die Verfassung von 1802, die ihm die helvetische, die französische und die zisalpine Republik auferlegten, w urde dem Walliser Volk nicht zu r G e­ nehm igung unterbreitet. Sie m achte aus dem Wallis einen freien und u n a b ­ hängigen Staat u n te r der Protektion d er drei Republiken und sicherte Fran­ kreich die freie B enutzung der Strasse von Saint-Gingolph bis zum Simplon zu. Das Land w ar in 12 Z en d en oder Bezirke eingeteilt. Als gesetzgebende Behörde am tete ein Landrat, der aus den D eputierten d er Z en d en zusam ­ mengesetzt war. Die A bgeordneten w urden vom Z e n d e n ra t gewählt, und zw ar ein D eputierter auf 2000 Seelen. Es konnten n u r Bürger, die öffentli­ che Ä m ter bekleidet hatten sowie Offiziere und N otare gewählt w erden. Als vollziehende Behörde am tete ein aus drei Mitgliedern b esteh en d er Staats­ rat, der vom Landrat ern a n n t wurde. Der Präsident trug den Titel Landes­ hauptm ann. Diese Verfassung gab das im Wallis seit undenklichen Zeiten ausgeübte Referendum preis. Dieses bestand darin, dass jeder Z enden das Recht hatte, Beschlüsse des Landrates an zunehm en oder abzulehnen. Auch das Initiativrecht w urde fallen gelassen. Im L andrat hatte der Bischof einen Sitz. Im Jahre 1810 w urde das Wallis dem französischen Kaiserreich einver­ leibt.

Die Verfassung von 1815, welche die neue Ä ra d er mit der Eidgenos­ senschaft vereinigten Republik Wallis eröffnet, führte das Referendum von ehemals w ieder ein. Die G esetze m ussten von der M ehrheit der Z endenräte sanktioniert sein. Finanzgesetz, M ilitärkapitulationen u nd N aturalisationen m ussten überdies den G em einderäten u n terbreitet werden. Die Zahl der Z enden w urde auf 13 festgesetzt. Der L andeshauptm ann führte den Vorsitz im L andrat und im S taatsrat.

Diese zuletzt genannte Bestimmung h atte eine O ppositionsbew egung zur Folge, die nach langen Wirren zu zwei aufeinanderfolgenden Verfassungen vom 30. Jan u ar und 3. A ugust 1839 führte. Nach beiden V erfassungen w u r­ den die D eputierten auf G rund der Bevölkerungszahl gewählt. An Stelle des Landrates trat der G rosse Rat; der Titel L andeshauptm ann w urde abges­ chafft. Sowohl der S taa tsrat als der Grosse Rat h atten einen eigenen Präsi­ denten. Das Referendum w urde beibehalten. Jede Verfassungsrevision musste vom Volke sanktioniert werden. Die politischen Wirren der Zeit führten bald zu einer n euen Verfassungsrevision. Die neue Verfassung vom 14. Septem ber 1844 b rachte ausser dem obligatorischen Referendum und der Bestimmung, dass eine Verfassungsrevision n u r stattfinden dürfe, wenn sämtliche Mitglieder des G rossen Rates ih r zustim men, keine n ennensw er­ ten Neuerungen.

Auch diese Verfassung w ar n u r von ku rzer Dauer. Sie w urde infolge der Ereignisse von 1847 durch jene vom 10. Jan u ar 1848 ersetzt, die folgende wesentliche N euerungen aufwies: Direkte Wahl des G rossen Rates durch die Urversammlungen und das Initiativrecht des Volkes für Verfassungsre­ visionen. Dagegen w urde das Referendum unterdrückt; auch die Z ehndten- oder Bezirksräte, die bis dahin eine b edeutende Rolle gespielt hatten,

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büss-ten an Bedeutung erheblich ein. Der Klerus w urde vom G rossen Rate aus­ geschlossen, un d die geistlichen Äm ter w urden nicht n u r mit den weltlichen Ä mtern, sondern auch mit der A usübung der politischen Rechte als unve­ reinbar erklärt.

Diese Verfassung m achte einer neuen vom 23. D ezember 1852 Platz, die das obligatorische Referendum für jede Erhöhung des Steuerfusses wieder einführte. Sie sah ein K onkordat zu r Regelung der Beziehungen zwischen Kirche und Staat vor, setzte die Zahl d er Mitglieder des Staatsrates, die im Jahre 1848 auf 7 erh ö h t w orden war, w ieder auf 5 herab und stellte den G rundsatz der M inderheitsvertretung auf, indem für Wahlen der A bgeord­ neten neben den Bezirken noch Kreise gebildet w erden konnten.

Nach der Revision der Bundesverfassung im Jahre 1874 kam eine neue K antonsverfassung zustande, die durch den G rossen Rat am 26. November 1875 angenom men wurde. Im Bestreben, den Kredit des Landes auf solide­ rer Grundlage w ieder herzustellen, schrieb die Verfassung die Tilgung der Staatsschuld vor. Die Tilgung erfolgte durch regelmässige, jährliche A bsch­ lagszahlungen, wozu '/2%o der K an to n ssteu er verw endet wurde. Der A nsatz dieser Steuer konnte n u r durch einen Volksentscheid erh ö h t werden. Jede ausserordentliche Ausgabe von Fr. 60 0 0 0 .- musste dem Volke zur G ene­ hmigung unterbreitet werden. Das Revisionsrecht w urde nicht abgeändert. Ein Gestzesreferendum gab es nicht.

Letztere Verfassung blieb bis zum Jahre 1907 unverändert. Im Jahre 1903 verlangte eine vom Oberwallis ausgehende Initiative die Revision der Ver­ fassung im Sinne d er Erw eiterung der Volksrechte. Diese Bewegung führte zu r A nnahm e der heute noch geltenden Verfassung vom 8. März 1907. Sie enthält neue Bestimmungen wirtschaftlicher und sozialer Natur, indem sie Werken von allgemeinem N utzen den Schutz des Staates zusichert, u. a. der Landwirtschaft, der Industrie, dem beruflichen Unterricht, den W ohltätig­ keitsanstalten. Sie führte das obligatorische Referendum für alle G esetze und für D ekrete von allgemeiner Tragweite ein. Neben der Verfassungsini­ tiative sieht sie auch die Gesetzesinitiative vor.

Diese jüngste Verfassung w urde bisher siebenmal teilweise abgeändert: In der V olksabstimmung vom 23. Juni 1912 w urde die R epräsentationszahl für die G rossratsw ahlen von 1000 auf 1100 erhöht, und zw ar berechnet nach der Schweizerbevölkerung, sta tt wie bisher nach d er G esamtbevölke­ rung.

Die Wahl der A bgeordneten in den G rossen Rat nach dem Proportional- Wahlverfahren an Stelle des Majorzsystems w urde in der V olksabstimmung vom 25. Jan u ar beschlossen.

Am 26. Dezember 1920 w urde eine Revision angenom men, die N eu eru n ­ gen im Finanzwesen und in politischer H insicht brachte: Für die Besteue­ rung führt sie den G rundsatz der Progression und jenen des Existenzm ini­ mums ein; der Steuerfuss wird durch G esetz bestim mt. Die Mitglieder des Staatsrates und die Ständeräte, die bisher vom G rossen Rate ern an n t w u r­ den, w erden durch das Volk gewählt. Die U nvereinbarkeit der geistlichen und weltlichen A mtsverrichtungen wird aufgehoben.

Nach einer am 11. März 1934 angenom m enen Revision w erden jetzt die A bgeordneten im S tänderat bei der ordentlichen G esam terneuerung des Nationalrates gewählt.

Anlässlich der Teiländerung vom 21. D ezember 1952 w urde für die Beset­ zung des G rossen Rates das bisherige System der auf 1100 festgesetzten Verteilungsziffern durch den G ru n d satz der festen Zahl der A bgeordneten ersetzt, die n un unabhängig vom Bevölkerungswachstum 130 beträgt.

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D urch V olksabstim mung vom 14. Septem ber 1969 w urde das bisherige für Gemeinde- un d Burgerwahlen in der Regel geltende Majorzverfahren durch das bereits in zahlreichen grösseren Gem einden eingeführte M inde­ rheitsvertretungen begünstigende Proporzwahlsystem ersetzt, jedoch u n te r A nerkennung des zu r Z eit der Revision geltenden Status quo und seiner Ä nderungsm öglichkeiten mittels Initiative u nd auf G rund einer Vs-Mehr- heit.

Am 12. April 1970 nahm en die Stimm berechtigten m it 26 263 gegen 9895 eine Revisionsvorlage an, die den Frauen die politischen Rechte auf K an­ tons- und G emeindeebene gewährte. Konsequenterweise w urde in der Abstimmung vom 24. Septem ber 1972 die Z ahl d er erforderlichen U nter­ schriften für Gesetzes- u nd V erfassungsinitiativen von 4000 auf 8000, bzw. von 6000 auf 12000 erhöht.

Eine grösserer Teilrevision erfuhr das Kapitel über die G em eindeord­ nung. So w urde die G em eindeautonom ie in d er Verfassung ausdrücklich ve­ rankert, das Initiativrecht auf G em eindeebene ermöglicht und, neben den Munizipal- u nd Burgergemeinden, die Kirchgemeinden vorgesehen. Die Bestimmungen w urden vom Volk am 28. Septem ber 1975 angenom m en und mit dem G esetz vom 13. November 1980 über die G em eindeordnung in Kraft gesetzt.

Der am 26. Septem ber 1976 abgeänderte Artikel 21 der KV ersetzte die subsidiäre Staatshaftung durch die Prim ärhaftung der öffentlichen Gem ein­ wesen für die H andlungen ihrer A mtsträger. Dieses System ist seit dem 1. Januar 1977 in Kraft, das entsprechende A nw endungsgesetz seit dem 1. Januar 1979.

Am 9. Juni 1985 h at das Walliser Volk den beiden H albbezirken von Ra- ron ihre eigenen O rgane und Behörden zugeteilt. Das bedeutet, dass seit 1987 die alten H albbezirke Östlich Raron und Westlich Raron gleichrangig mit den übrigen zwölf Bezirken sind. Sie bilden damit zwei separate Wahl­ kreise und jeder der beiden Halbbezirke h a t seinen eigenen Präfekten und Vizepräfekten. Diese Ä nderung von Artikel 84 KV regelt ebenfalls den neuen Verteilungsmodus der G rossratssitze in den Bezirken und Halbbezir­ ken.

Am 16. A ugust 1991 trat der n euen Artikel 88 in Kraft, der das Stimm- und W ahlrecht von 20 auf 18 Jahren herabsetzt. N achdem dieser Vorschlag 1982 einmal verworfen wurde, h at das Volk ihn am 2. Juni 1991 angenom ­ men; das B undesrecht h at die gleiche Regelung am 3. März 1991 eingeführt.

Die Beziehungen zwischen Kirche und S taat w aren G egenstand zweier Abstimm ungen 1974 und 1990; die neue O rdnung umfasst die Religionsfrei­ heit, die Unabhängigkeit der Kirchen, ih r S ta tu t sowie ihre Finanzierung und ist im A ugust 1993 mit dem A usführungsgesetz in Kraft getreten.

Nach einer A blehnung im Jahre 1986 u n te rn ah m das Volk am 24. O k to ­ ber 1993 einen entscheidenden Schritt in der Revision der V erfassungsord­ nung. Es beschloss den Übergang vom obligatorischen Gesetzes- und Finanz­ referendum zum fakultativen Referendum. In den Jahren 1953 und 1973 w urden entsprechende Vorschläge abgelehnt. Diese Erneuerung der politi­ schen Rechte w aren begleitet von einer R eduktion d er U nterschriftenzahlen für die Initiative (4000/6000) sowie einer Erweiterung des Fin anzreferen­ dums. Die Revision passte ebenfalls die Kom petenzen von S taa tsrat und G rossrat an und definierte die kantonalen gesetzlichen Formen. Die Revi­ sion trat am 1. Juni 1994 in Kraft und wird durch ein G esetz über die Bezie­ hungen zwischen den Räten und durch die Revision des W ahlgesetzes er­ gänzt.

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Sämtlichc Bestimmungen über die U nvereinbarkeiten w urden in einem einzigen Artikel 90 zusammengefasst, d er vom Volk am 24. O k to b er 1993 angenom men w urde und d er mit dem e ntsprechenden A usführungsgesetz in Kraft treten wird.

Im Jan u ar 1996 wird dem Volk eine V erfassungsänderung vorgelegt hat, welche die stille Wahl in den S taa tsrat und S tän d e rat einführen will.

Zudem sind Revisionen in V orbereitung über die Bezirksordnung, die all­ gemeinen G rundsätze sowie die persönlichen Freiheitsrechte wie den Fami­ lienschutz.

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© 23. Juni 1912

© 25. Januar 1920

® 26. Dez. 1920

Teilrevisionen

Art. 84, Abs. 1 + 2

(G rossratswahlen: Erhöhung der Repräsenta­ tio n sza h l a u f 1100).

(Aufgehoben d urch ©) Art. 84

(G rossratswahlen: E in fü h ru n g des Proportional- W ahlverfahrens).

(Aufgehoben d urch © ) Art. 24

(Besteuerung: E in fü h ru n g neuer G ru n d sä tze bzgl. Progression, E x is te n z m in im u m , S te u e rfu s s).

Ziffer 3, Buchst, c, + 4 un d 5

(Volksrechte: B eschlüsse über ausseror­ d en tlic h e Ausgaben (Fr. 2 00 0 00.-) u n ­ terliegen der V olksabstim m ung). (A ufhebung von Z iffer 5 betr. E rhöhung des Steuerfusses).

(W ahl des Staatsrates durch den Gros­ sen R a t a u fg e h o b en ).

(A ufhebung der Z iffern 8 u n d 9 bzgl. der W ahlbefugnisse des Grossen Rates). (E inführung der W a h l des Staatsrates durch das Volk).

bis (E inführung der W ahl der S tä n d e ­ räte durch das Volk).

Aufgehoben

(= U nvereinbarkeit der geistlichen und w eltlichen A m tsverrichtungen).

A ngenom m en in d er V olksabstimmung vom 26. D ezem ber 1920.

Bd. XXVII 110; ABI 1921 10. In Kraft seit dem 7. Jan u ar 1921. ABI 1921 Beilage zu Nr. 1 des ABI.

G ew ährleistungsbeschluss vom 17. F ebruar 1921. BB11921 I 141; AS 37 142.

Art. 85 bis

(W a h l der Ständeräte anlässlich der G esam ter­ neuerung des Nationalrates).

Ä nderung von Abs. 1

A ngenomm en in der Volksabstim mung vom 11. März 1934.

ABI 1934 454.

In Kraft seit dem 6. Juli 1934. Bd. XXXIV 55/56; ABI 1934 II 1094. G ew ährleistungsbeschluss vom 22. Juni 1934. BB11934 969; AS 50 493. Art. 30 Art. 43 Art. 44 Art. 52 Art. 85 bis Art. 90

(10)

© 14. Sept. 1969

© 12. April 1970

© 24. Sept. 1972

© 23. Sept. 1973

Art. 84

(G rossratswahlen: E in fü h ru n g der fe sten Abgeord­ netenzahl).

A ngenomm en in d er Volksabstim mung vom 21. De­ zem ber 1952.

ABI 1952 II 2111 und 1953 I 38. In Kraft seit dem 23. Januar 1953. Bd. XLVI 242, XLVII 22; ABI 1953 I 194. G ew ährleistungsbeschluss vom 17. Juni 1970. BB11970 1 1214 + 1970 II 54.

Art. 87

(E inführung des Proportionalw ahlsystem s fü r G e­ m einde- u n d B urgerw ahlen u nter Vorbehalten). A ngenomm en in d er Volksabstim mung vom 14. Septem ber 1969.

ABI 1969 659 und 817.

In Kraft seit dem 28. O ktober 1970. ABI 1970 921; Bd. LXIII 61; Bd LXIV 142. G ew ährleistungsbeschluss vom 17. Juni 1970. BB119701 1214 + 1970 II 54.

Art. 88 und 91

(E inführung des F ra u en stim m - u n d -Wahlrechts) A ngenomm en in d er Volksabstim mung vom 12. April 1970.

ABI 1970 173 und 301.

In Kraft seit dem 1. November 1970. ABI 1970 890; Bd. LXIV 18 u nd 141. G ew ährleistungsbeschluss vom 17. Juni 1970. BB119701 1214 + 1970 II 54.

Art. 31 et 101

(Gesetzes- u n d V e rfa ssu n g sin itia tive). ABI 1972, Seite 820. (Aufgehoben d urch ®) Art. 30, Ziffer 4 (Finanzreferendum ). ABI 1973 693. (Aufgehoben d urch ®) Art. 2. (G ew issensfreiheit) ABI 1974 84.

A ngenom m en in d er V olksabstimmung vom 17. März 1974. ABI 1974 197.

G ew ährleistungsbeschluss vom 12. D ezem ber 1974.

BB11974 II 973 und 1527. In Kraft gemäss ©

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® 26. Sept. 1976

@ 9. Juni 1985

® 2. Juni 1991

Art. 69 bis 83 und 89 (G em eindeordnung) ABI 1975 616 ff.

A ngenomm en in d er V olksabstimmung vom 28. Septem ber 1975.

ABI 1975 766.

In Kraft seit dem 1. F ebruar 1981. Bd. LXXV, Seite 228.

G ew ährleistungsbeschluss vom 24. Juni 1976. BB11976 II 585 und 1054.

Art. 21

(Verantw ortlichkeit der ö ffentliche n Körperschaf­ ten u n d ihrer A g e n te n ).

AS Bd. LXX 105.

A ngenomm en in d er Volksabstimmung vom 26. Septem ber 1976.

AS Bd. LXX 51.

In Kraft seit dem 1. Jan u a r 1977. AS Bd. LXX 106.

G ew ährleistungsbeschluss v o m 2 3 . Juni 1977. BB1 1977 II 1004.

Art. 84

(A ufteilung des B ezirkes Raron in z w e i Halb-Be- zirke u n d Verteilung der Sitze u nter den Bezirken u n d Halb- B ezirken durch den Grossen Rat). Bd. LXXIX, Seite 1.

A ngenomm en in d er V olksabstim mung vom 9. Juni 1985.

Inkrafttretung am 1. Jan u ar 1987. ABI 1986, Seite 767.

G enehm igt durch die Bundesversamm lung vom 10. und 21. März 1986;

BB1 19861 8. Art. 88

(H erabsetzung des S ti m m - u n d W ahlrechtsalters). Bd. LXXXV, Seite 1

A ngenomm en in der V olksabstim mung vom 2. Juni 1991. Inkrafttreten am 16. August 1991. ABL 1991, Seite 1254. G ew ährleistungsbeschluss vom 3. O k to b er 1991. BB11 9 9 1 IV 200. Art. 2, 76, 83 u nd 89

(Beziehungen K irche u n d Staat) Bd. LXXXVII, Seite 1.

A ngenomm en in d er V olksabstim mung vom 10. Juni 1990.

Inkrafttreten am 1. A ugust 1993. Bd. LXXXVII, Seite 116.

G ew ährleistungsbeschluss vom 3. O ktober 1991. BB11 9 9 1 IV 199.

(12)

® 24. Okt. 1993

Art. 30 bis 35, 37 bis 51, 53 bis 59, 100 bis 102, 1 04 ,1 0 8 und 109

(Volksrechte; gesetzgebende, a u s fü h re n d e u n d ver­ w a lte n d e G ew alt)

Bd. LXXXVIII, Seite 1

A ngenom m en in der V olksabstim mung vom 24. O k ­ tober 1993.

Inkrafttreten am 1. Juni 1994. Bd. LXXXVIII, Seite 96.

G ew ährleistungsbeschiuss vom 12. Juni 1995. BB11995 III.

Art. 90

(U nvereinbarkeiten)

1 Das G esetz regelt die U nvereinbarkeiten 2Es s u c h t nam entlich zu verhindern, dass:

1. ein Bürger gleichzeitig Funktionen von mehre­ ren öffentlichen G ewalten ausübt;

2. die gleiche Person zwei einander u ntergeordne­ ten O rganen angehört;

3. die Mitglieder derselben Familie in der gleichen Behörde sitzen;

4. d er Bürger, der eine öffentliche Beamtung inne hat, noch andere Tätigkeit ausübt, die sich bei der Erfüllung seiner Funktion nachteilig ausw irken könnten.

3 U nter V orbehalt gesetzlicher A usnahm en gelten die U nvereinbarkeiten auch für die Ersatzm änner und die Substituten.

4 Das G esetz k an n andere A usnahm en, namentlich für die G em eindeordnung vorsehen.

5 N ur ein einziges Mitglied des Staatsrates darf in den eidgenössischen Räten sitzen.

N och n icht in Kraft.

G ewährleistungsbeschluss vom 12. Juni 1995. BB1 1995 III.

(13)

Verfassung des Kantons Wallis

vom 8. März 1907'

Im N a m e n Gottes des A llm ächtigen!

I. Titel: Allgem eine Grundsätze

Art. 1

'Wallis bildet eine innert d er Schranken der Bundesverfassung2 souveräne und als K anton d er Schw eizerischen Eidgenossenschaft einver­ leibte dem okratische Republik.

2 Die Souveränität b e ru h t im Volke und wird unm ittelbar durch die A ktiv­ bürger und m ittelbar von den d urch die Verfassung eingesetzten Behörden ausgeübt.

Art. 2 ® ®

'Die G laubens- und Gewissensfreiheit und die freie A usübung gottes­ dienstlicher H andlungen sind gewährleistet.

2Die Religionsgemeinschaften entscheiden ü b er ihre Lehre und ihren Kultus frei und unabhängig. Sie befinden innert den Schranken des öffent­ lichen Rechts selbständig über ihre O rganisation und Verwaltung.

’Die römisch-katholische Kirche u nd die evangelisch-reformierte Kirche w erden als öffentlich-rechtliche In stitutionen mit eigener Rechtspersön­ lichkeit anerkannt. Die anderen K onfessionen u n te rsteh en den Vorschriften des Privatrechts, können aber nach Massgabe ihrer Bedeutung im Kanton durch G esetz öffentlich-rechtlich a n erk an n t werden.

‘Soweit die Pfarreien d er röm isch-katholischen Kirche und diejenigen der evangelisch-reformierten Kirche die orts-kirlichen K ultusausgaben nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können, kommen dafür u n te r W ahrung der Glaubens- und Gewissensfreiheit die Munizipalgemeinden auf. D er Kanton kann den öffentlich-rechtlich a n erk an n ten K irchen Beiträge gewähren.

’Das G esetz regelt die A nw endung dieser Bestimmungen. Art. 3 3

'Alle Bürger sind vor dem G esetze gleich.

2 Es gibt im Wallis kein V orrecht des Ortes, der G eburt, der Personen oder Familien.

Art. 4

'D ie persönliche Freiheit und die Unverletzlichkeit der W ohnung sind ge­ währleistet.

2 Niemand darf gerichtlich verfolgt oder verhaftet und keine H a u sd u rc h su ­ chung darf vorgenom men werden, ausser in den vom G esetze vorgesehenen Fällen, und in den von demselben vorgeschriebenen Formen.

’U ngesetzlich V erhaftete sowie unschuldig Verurteilte sind durch den Staat angem essen zu entschädigen. Das G esetz regelt die A nw endung dieses G rundsatzes.

Art. 5

Niemand darf seinem ordentlichen Richter entzogen w erden, Art. 6

' Das Eigentum ist unverletzlich.

2Von diesem G ru n d sätze kann n u r aus Rücksicht öffentlichen N utzens mittelst einer gerechten Entschädigung u nd in den vom G esetze vorge­ sehenen Formen abgewichen werden.

' Angenommen in der Volksabstimmung vom 12. Mai 1 9 0 7 (A S/V S, Bd. X XI11 75 2 0 5 und S G S I Nr. 1). Ge­ währleistet von der BVers am 30. M ärz 1 9 0 8 unter dem Vorbehalt, dass Artikel 2 , A bsatz 1 nur im Sinne der Artikel 4 9 , 5 0 und 55 BV ausgelegt und angew endet werden darf (AS 2 4 5 53; BBI 1 90 7 V 611 ; SR

1 0 1 ).

»SR 101.

’ Anmerkung: tin der Verfassung gilt jede Bezeichnung der Person, des S tatuts oder der Funktion in glei­ cher W eise für Mann oder Frau.» ®

(14)

’Das G esetz kann jedoch Fälle bestimmen, in welchen G rund u nd Boden d er Bürgerschaften oder Gemeinden, aus Rücksichten öffentlichen N utzens, unentgeltlich a b zutreten ist.

Art. 7

Kein G ru n d stü ck kann mit einem unloskäuflichen Bodenzins belastet werden.

Art. 8

Die Freiheit der M einungsäusserung in W ort und Schrift sowie dei Freiheit d er Presse sind gesichert. Das G esetz bestraft den M issbrauch derselben.

Art. 9

Das Petitionsrecht ist gewährleistet. Die A usübung desselben wird vom G esetz bestimmt.

Art. 10

'D as Recht der freien Niederlassung, das Vereins- und Versam mlungs­ recht, die freie A usübung jeder Berufsart in K unst und W issenschaft sowie die Freiheit des H andels und der G ewerbe sind gewährleistet.

2Die A usübung dieser Rechte wird d urch das G esetz geregelt. Art. 11

'Jeder Bürger ist wehrpflichtig.

2 Die A nw endung dieses G rundsatzes ist durch die Bundes- und K anto­ nalgesetzgebung geregelt.

Art. 12

'D ie französische und die deutsche Sprache sind als Landessprachen erklärt.

2D er G rundsatz d er Gleichberechtigung beider S prachen soll in der G e­ setzgebung und in d er Verwaltung durchgeführt werden.

Art. 13

'D e r öffentliche U nterricht sowie der private P rim arunterricht stehen u n te r der Leitung und der O beraufsicht des Staates.

2 D er P rim arunterricht ist obligatorisch u nd in den öffentlichen Schulen unentgeltlich.

’Die Lehrfreiheit ist, u n te r V orbehalt der G esetzesbestim m ungen betreffend die Primarschule, gewährleistet.

Art. 14

Der S taat erlässt Vorschriften betreffend A rbeiterschutz und Sicherung d er Arbeiterfreiheit.

Art. 15

Der Staat fördert und u n te rstü tz t nach Massgabe der ihm zu G ebote stehenden finanziellen Mittel:

1. die Landwirtschaft, die Industrie, den H andel un d im allgemeinen alle den K anton interessierenden Zweige der Staatswirtschaft;

2. den beruflichen U nterricht für Landwirtschaft, Handel, Industrie und Gewerbe;

3. die V iehzucht, die Milchwirtschaft, den Rebbau, den O bstbau, die Alpwirtschaft, die Bodenverbesserungen, die Forstwirtschaft und das landwirtschaftliche und berufliche G enossenschaftsw esen.

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Art. 16

' Der S taat organisiert und u n te rstü tz t die Viehversicherung.

2 Er kann auch andere Versicherungen und besonders die obligatorische Mobiliar- und Im mobiliar-Feuerversicherung einführen.

Art. 17

'D e r Staat fördert die Entwicklung des Strassennetzes und d er übrigen Verkehrsmittel.

2 Er ste h t ferner verm ittelst Beiträgen für die Däm m ung der Rhone sowie für die Dämmung und V erbauung d er Bäche und Wildbäche ein.

Art. 18

D er S taat g ründet oder u n te rs tü tz t durch Beiträge Erziehungsanstalten für verw ahrloste Kinder sowie andere W ohltätigkeitsanstalten.

Art. 19

'D e r S taat wird die Errichtung von Bezirks- oder Kreis-Spitälern, Kliniken und K rankenhäusern fördern und u n te rstützen.

2 Er kann auch eine gleichartige kantonale A nstalt errichten. Art. 20

Die finanzielle Beteiligung des Staates in den von den Artikeln 15, 16, 17, 18 und 19 vorgesehenen Fällen wird d urch Spezialgesetz bestim m t werden.

Art. 21 @

‘Der Staat, die G emeinden und die mit Rechtspersönlichkeit ausgestat­ teten Gem eindeverbände des öffentlichen Rechts haften gegenüber Dritten für die H andlungen ihrer Agenten.

2 D er Agent haftet gegenüber dem öffentlichen Gemeinwesen, in dessen Dienst er sich befindet, für den Schaden, den er ihm in A usübung seiner amtlichen Tätigkeit durch vorsätzliche o d er grobfahrlässige Verletzung seiner D ienstpflicht direkt oder indirekt zufügt.

’Das G esetz regelt die A nw endung dieser G rundsätze. Art. 22

Die A bberufung oder A bsetzung eines öffentlichen Beamten oder A nge­ stellten kann n u r nach seiner Einvernahme oder Vorladung und auf G rund eines motivierten Beschlusses derjenigen Behörde erfolgen, die ihn ern an n t hat.

Art. 23 Die Staatsausgaben w erden bestritten: a) aus den Einkünften des Staatsvermögens; b) aus dem Ertrag d er H oheitsrechte;

c) aus den Fiskalgebühren und den verschiedenen Einkünften; d) aus den Bundes-Entschädigungen, Beiträgen und Verteilungen; e) aus den Steuern.

Art. 24®

Die Staats- und G em eindesteuern w erden durch die G esetzgebung fest­ gesetzt u n te r W ahrung der G ru n d sätze der Progression und eines gewissen Existenzminim ums.

Art. 25

Die Tilgung der Staatsschuld mittelst regelmässigen jährlichen A b­ schlagszahlungen ist obligatorisch erklärt.

(16)

II. Titel: Einteilung des Kantons

Art. 26 1 D er K anton ist in Bezirke eingeteilt. 2Die Bezirke sind aus Gemeinden gebildet.

’D er G rosse Rat kann, nach A nhörung der Beteiligten, durch ein Gesetz die Zahl u nd U m grenzung der Bezirke und durch ein D ekret diejenigen der G emeinden a b ä n d e rn 1.

4Er bezeichnet auch die H a u p to rte derselben. Art. 27

'S itte n ist der H a u p to rt des K antons u nd d er Sitz des G rossen Rates, des Staatsrates u nd des Kantonsgerichtes.

!W enn wichtige U mstände es erfordern, k ö nnen diese Behörden anderswo tagen.

sDas D ekret vom 1. D ezem ber 1882 bestim mt die Leistungen des H auptortes.

‘Bei Errichtung von kantonalen A nstalten soll billige Rücksicht auf die verschiedenen Landesteile genom men werden.

’Die Gemeinde, welche als Sitz einer kantonalen A nstalt bezeichnet wird, kann zu gewissen Leistungen oder Beiträgen gehalten werden.

III. Titel: Politischer Stand der Bürger

Art. 28 'Walliser sind:

1. die einer G emeinde des Kantons auf G rund der G eb u rt angehörenden Burger;

2. diejenigen, w elchen das K antonsbürgerrecht d urch das G esetz oder den G rossen Rat erteilt w orden ist.

2Wenn das K antonsbürgerrecht durch den G rossen Rat erteilt wird, hat der Bewerber, sofern sein G esuch berücksichtigt w erden soll, eine Erklärung zu erbringen, w onach eine Gemeinde des Kantons ihm das B ür­ gerrecht zusichert, und die übrigen durch das G esetz über die Erteilung des K antonsbürgerrechtes vorgeschriebenen Bedingungen zu erfüllen.

’Kein Kantonsfrem der kann ein Bürgerrecht in einer G emeinde erwerben, ohne vorher vom G rossen Rate das K antonsbürgerrecht erhalten zu haben.

‘Die im Artikel 44 d er Bundesverfassung2 vorgesehene Bundesgesetz­ gebung ist Vorbehalten.

Art. 29

Jeder K antonsbürger kann, u n te r den vom G esetze bestim mten Bedin­ gungen, in a nderen G em einden das Bürgerrecht erwerben.

IV. Titel: Ausübung der Volksrechte

Art. 3 0 ®

'N e b s t ihren Befugnissen bei Wahlen und Abstim m ungen sowie beim ob­ ligatorischen V erfassungsreferendum besitzen die B ürger das Initiativ- und das fakultative Referendumsrecht.

2Das G esetz regelt die A usübung dieser Rechte sowie das Verfahren der V ernehm lassung und d er Inform ation der Bürger.

' Vgl. bezüglich der Grenzänderungen Art. 3 1, Abs. 3, Art. 3 2 . Abs. 2 und Art. 3 3 , des Dekretes vom 2 2. Mai 1 9 1 4 /2 1 . November 1 9 3 0 betreffend die Grundbuchvermessungen (Bd. X X V 5 9 und X X X I1 111 SGS N° 1 362).

(17)

Erstes Kapitel: Referendumsrecht

Art. 31 ®

■D reitausend Stimmberechtigte können in n e rt neunzig Tagen ab deren Veröffentlichung im A m tsblatt verlangen, dass d er V olksabstim mung u n te r­ breitet werden:

1. die G esetze und Dekrete;

2. die K onkordate, Verträge und Vereinbarungen, die R echtsnorm en enthalten;

3. die Beschlüsse des G rossen Rates, welche eine ausserordentliche Ausgabe zur Folge haben, die als einmalige 0,75% oder als w iederkeh­ rende Ausgabe 0,25% der Bruttogesam tausgaben der Verwaltungs- und In vestitionsrechnung des letzten V erwaltungsjahres übersteigt.

2 Das Referendum kann auch von der M ehrheit des G rossen Rates verlangt werden.

’N icht der V olksabstimmung unterliegen: 1. die A usführungsgesetze (Art. 42 Abs. 2);

2. die ordentlichen A usgaben u nd die übrigen Beschlüsse.

‘Der Grosse Rat stellt die Ungültigkeit von Referenden fest, welche die von V erfassung und G esetz gestellten Bedingungen n icht erfüllen.

Art. 32 ®

'D ie G esetze, Verträge, K onkordate, V ereinbarungen oder Beschlüsse, die dem Referendum unterstellt sind, dürfen w eder vor Ablauf der Referen­ dumsfrist noch, gegebenenfalls, vor d er V olksabstim mung in Kraft gesetzt werden.

2 Die D ekrete w erden sofort in Kraft gesetzt. Falls dreitausend Stimmbe­ rechtigte oder die M ehrheit des G rossen Rates es verlangen, sind sie im folgenden Jahr dem Volk z u r Abstimm ung zu unterbreiten. W erden sie nicht genehmigt, verlieren sie ihre Gültigkeit und können nicht m ehr erneuert werden.

II. Kapitel: Initiativrecht

Art. 33 ®

'V iertausend Stimmberechtigte können die A usarbeitung, die A nnahme, die A bänderung oder die A ufhebung eines dem Referendum unterliegenden Gesetzes, Dekretes oder anderen Beschlusses verlangen, mit A usnahm e der Gesetze, D ekrete und Beschlüsse, über die das Volk seit w eniger als vier Jahren abgestim mt hat, der bereits ausgeführten Beschlüsse und der D ekrete mit einer Gültigkeit u n te r einem Jahr.

2Mit A usnahm e der in den Artikeln 34 A bsatz 2 und 35 A bsatz 1 g enannten Fälle ist jede Volksinitiative innert drei Jahren nach deren Ein­ reichung dem Volk zu r A bstimmung zu unterbreiten. Diese Frist kann durch einen Beschluss des G rossen Rates höchstens um ein Jahr verlängert werden.

’D er G rosse Rat stellt die U ngültigkeit einer Initiative fest, die: 1. dem B undesrecht oder d er K antonsverfassung widerspricht; 2. m ehr als eine M aterie beinhaltet;

3. die Einheit der Form n icht beachtet; 4. nicht ausführbar ist;

5. nicht in den Bereich eines der Initiative unterliegenden Erlasses fällt. 4Wenn ein Initiativbegehren neue Staatsausgaben oder die A ufhebung be­ stehender Einnahm en z u r Folge hat, welche das finanzielle Gleichgewicht

(18)

gefährden, so wird der G rosse Rat die Initiative ergänzen, indem er neue Einnahmequellen, den Abbau staatlicher Aufgaben oder andere Sparmass- nahm en vorschlägt.

Art. 3 4 ®

'D ie Initiative kann, sofern sie nicht auf einen Beschluss abzielt, in der Form des ausgearbeiteten Entwurfes eingereicht werden.

2Stimmt der G rosse Rat der Initiative zu, findet eine V olksabstimmung n u r auf Begehren von dreitausend Stimm berechtigten oder der absoluten M ehrheit des G rossen Rates statt.

’ Lehnt der G rosse Rat die Initiative ab, h at er diese unverändert dem Volk zu r Abstimmung zu unterbreiten; er kann aber deren Verwerfung empfehlen oder ebenfalls einen G egenentw urf ausarbeiten.

4Nimmt der G rosse Rat einen G egenentw urf an, w erden die Stimmbe­ rechtigten eingeladen, sich auf dem gleichen Stimmzettel ü b er folgende drei Fragen auszusprechen:

a) Wollen Sie die Volksinitiative annehm en? b) Wollen Sie den G egenentw urf annehm en?

c) Falls beide Vorlagen die M ehrheit der gültig Stimm enden erhalten, soll die Initiative oder der G egenentw urf in Kraft treten?

Art. 35 ©

1 Der Initiative in Form d er allgemeinen Anregung wird vom G rossen Rat Folge gegeben, indem er entscheidet, ob die von ihm angenom m enen oder abgeänderten Bestimmungen in die Verfassung oder in einen Gesetzes- oder V erwaltungserlass aufzunehm en sind; wird die Initiative in einem Gesetz oder einem V erwaltungserlass verwirklicht, unterliegt sie n u r dann der Volksabstimmung, w enn dreitausend Stimmberechtige oder die Mehrheit des G rossen Rates es verlangen.

2Lehnt d er G rosse Rat die Initiative ab, unterbreitet er sie unverändert und mit seiner Stellungnahm e dem Volk z ur Abstimmung.

’Verwirft das Volk die Initiative, wird sie abgeschrieben.

'N im m t das Volk die Initiative an, ist der G rosse Rat verpflichtet, ihr u n ­ verzüglich Folge zu geben.

5Bei der A usarbeitung der von der Initiative in Form der allgemeinen A nregung verlangten Bestimmungen h at der G rosse Rat den A bsichten der Initianten zu entsprechen.

V. Titel: Öffentliche Gewalt

Art. 36 Die öffentlichen Gewalten sind: Die gesetzgebende Gewalt;

Die vollziehende und verwaltende Gewalt; Die richterliche Gewalt.

Erstes Kapitel: Gesetzgebende Gewalt

A. Befugnisse Art. 37®

‘U nter V orbehalt der dem Volk eingeräum ten Rechte wird die gesetzge­ bende G ewalt vom G rossen Rat ausgeübt.

2Er besitzt jede andere Befugnis, die ihm durch Verfassung oder G esetz eingeräum t ist.

(19)

Art. 38 ®

'D e r G rosse Rat arbeitet die V erfassungsbestim mungen, die G esetze und die Dekrete aus. V orbehalten bleiben die Artikel 31 bis 35 u nd 100 bis 106.

2U nter Vorbehalt d er Befugnisse des Volkes und Staatsrates genehmigt er die Verträge, K onkordate und Konventionen.

5 Er ü bt die Rechte aus, die den K antonen in den Artikeln 86, 89, 89bis und 93 der Bundesverfassung Vorbehalten sind und b eantw ortet die Ver­ nehm lassungen des Bundes über atom are Einrichtungen.

Art. 39 ®

'D e r G rosse Rat entscheidet ü b er die Gültigkeit der Wahl seiner Mitglieder.

2 Er w ählt das Kantonsgericht, dessen Präsidenten u nd V izepräsidenten sowie die Staatsanw altschaft.

Art. 40 ®

‘Der G rosse Rat hat die Oberaufsicht über die G eschäftsführung des S taatsrates, d er autonom en Körperschaften u nd A nstalten des öffentlichen Rechts, der G erichtsbehörden sowie ü b er die V ertreter des Staates in den Gesellschaften, an denen der K anton eine Mehrheitsbeteiligung besitzt. Er prüft die G eschäftsführung und berät ü b er deren Genehmigung.

2 Er kann jederzeit von d er ausführenden Gewalt Rechenschaft über eine H andlung ihrer Verwaltung verlangen.

3 Das G esetz kann gewisse Aufgaben des Staates autonom en Körper­ schaften oder A nstalten öffentlichen Rechts übertragen.

Art. 41 ®

Der G rosse Rat h at nam entlich folgende Befugnisse:

1. Er beschliesst den Voranschlag und genehmigt die Rechnung, die veröf­ fentlichtw erden.

2. Er beteiligt sich im Rahmen des G esetzes an der Planung.

3. Er beschliesst die ausserordentlichen Ausgaben, bewilligt die K onzes­ sionen und erteilt die Ermächtigung zu L iegenschaftstransaktionen, zur A ufnahm e von Darlehen sowie zu Bürgschaften und anderen analogen G arantien u n te r Vorbehalt der in d er Verfassung oder im G esetz vorge­ sehenen A usnahm en.

4. Er setzt die G ehälter der M agistraten, Beamten und Angestellten des Staates fest u n te r V orbehalt der im G esetz vorgesehenen A usnahm en. 5. Er übt das Begnadigungsrecht aus.

Art. 42 ®

‘Der G rosse Rat erlässt die R echtsnorm en in Form des Gesetzes, das grundsätzlich für eine unbegrenzte D auer in Kraft gesetzt wird. Er kann indessen auch eine Inkraftsetzung mit begrenzter D auer vorsehen.

2 Er erlässt in Form von A usführungsgesetzen die zum Vollzug des über­ geordneten Rechtes absolut notw endigen Bestimmungen.

’Erfordern es die Umstände, so kann er jedoch auf dem Dekretsweg dringliche Bestimmungen von begrenzter D auer erlassen (Art. 32 Abs. 2).

4 Der G rosse Rat behandelt alle übrigen Geschäfte in Form von Be­ schlüssen.

B. Organisation Art. 43 ®

'D as G esetz legt die G rundzüge der Organisation des G rossen Rates sowie seiner Beziehungen zum S taa tsrat und zu den G erichtsbehörden fest. Im übrigen organisiert sich d er G rosse Rat selbst.

(20)

2 Es regelt die T eilnahm e der Mitglieder des S taatsrates an den Sitzungen des G rossen Rates und d er parlam entarischen Kommissionen.

Art. 44 ®

1 Der G rosse Rat versamm elt sich von Rechts wegen:

1. z u r konstituierenden Session am vierten M ontag nach seiner G esam ter­ neuerung.

2. zu ordentlichen Sessionen viermal im Jahr.

2 Der Grosse Rat versamm elt sich zu ausserordentlichen Sessionen: 1. w enn e r es selber beschliesst.

2. auf Einladung des Staatsrates.

3. auf Begehren von zwanzig A bgeordneten u n te r Angabe d er zu b e h a n ­ delnden G egenstände.

Art. 45 ®

D er G rosse Rat w ählt für die D auer eines Jahres einen P räsidenten und zwei V izepräsidenten sowie für vier Jahre vier Stim m enzähler und zwei Schriftführer, den einen französischer, den a nderen d eu tsch er Sprache.

Art. 46 ©

1 Der Grosse Rat bezeichnet die ständigen und nicht ständigen Kommis­ sionen, welche seine Beratungen vorbereiten. Diese Befugnis kann an das Büro delegiert w erden.

2 Die A bgeordneten können politische G ruppen von m indestens fünf M it­ gliedern bilden.

’G rundsätzlich m üssen die politischen G ruppen in den Kommissionen angem essen vertreten sein.

Art. 47 ®

'D e r Grosse Rat kann nu r in A nw esenheit der absoluten M ehrheit seiner Mitglieder gültig beraten.

2 Er fasst seine Beschlüsse mit der absoluten M ehrheit. Art. 48 ®

'D ie Sitzungen des G rossen Rates sind öffentlich.

2 Sofern es die U m stände erfordern, kann er jedoch geheime V erhandlung

beschliessen. _

Art. 4 9 ®

'D ie G esetzesentw ürfe w erden in zwei Lesungen in verschiedenen Sessionen d urchberaten.

2Die D ekrete w erden in zwei Lesungen und grundsätzlich im Verlaufe der gleichen Session beraten.

’Die Beschlüsse bilden G egenstand einer einzigen Lesung.

4D er G rosse Rat kann in allen Fällen eine zusätzliche Lesung be­ schliessen. Das G esetz kann dies für wichtige A ngelegenheiten vor­ schreiben.

C. R ech te der Abgeordneten Art. 50 ®

1 Die A bgeordneten üben ihr M andat frei aus.

2Die A bgeordneten können ohne Erm ächtigung des G rossen Rates für die von ihnen vor der Versammlung oder in Kommissionen gem achten Ä usse­ rungen n icht strafrechtlich verfolgt werden.

’A usser bei Ertappen auf frischer T at können sie w ährend den Sessionen ohne Erm ächtigung d er V ersammlung nicht verhaftet w erden.

(21)

Art. 5 1 ®

‘Jedem Mitglied des G rossen Rates ste h t d as Recht auf Einreichung einer Initiative, einer Motion, eines Postulates, einer Interpellation, einer Resolution u nd einer einfachen Anfrage zu.

2 Das G esetz um schreibt inhaltlich diese Rechte u nd regelt ihre Ausübung.

II. Kapitel: Vollziehende Gewalt

A. W a h l Art. 52 <D

1 Die Vollziehungs- u nd V erwaltungsgewalt ist einem aus fünf Mitgliedern gebildeten Staa tsrate anvertraut.

2 Einer derselben wird aus den W ählern des K antonsteiles ernannt, w elcher die gegenwärtigen Bezirke Goms, Brig, Visp, Raron u nd Leuk umfasst; einer aus jenen d er Bezirke Siders, Sitten, Bring und G undis, und einer aus jenen d er Bezirke M artinach, Entrem ont, Saint-M aurice und Monthey.

’Die zwei ändern w erden aus den säm tlichen W ählern des K antons ern a n n t Jedoch darf nicht m ehr als ein S taa tsrat aus den W ählern des näm lichen Bezirkes e rn a n n t werden.

‘ Die Mitglieder des S taatsrates w erden am gleichen Tage wie die Mitglieder des G rossen Rates direkt vom Volke gew ählt u nd treten ih r Amt am darauffolgenden ersten Mai an. Ihre Wahl erfolgt nach dem M ehrheits­ system. Der S taa tsrat konstituiert sich alljährlich selbst. D er ausscheidende Präsident ist nic ht unm ittelbar w ieder w ählbar.

5 Die frei gewordene Stelle eines S taatsrates ist nach 60 Tagen w ieder zu besetzen, insofern die G esam terneuerung n icht in n e rt vier M onaten erfolgt.

‘ Die Wahl der Mitglieder des S taatsrates findet mittelst des gleichen Li- stenskrutinium s statt. W erden die W ahlverhandlungen am bestim m ten Tage nicht vollendet, so sind dieselben am darauffolgenden S onntag w ieder auf­ zunehm en. In diesem Falle wird das Ergebnis des ersten Wahlganges und die W iederaufnahm e der W ahlverhandlungen unverzüglich b ek an n t gegeben.

’H at sich im ersten Wahlgange die absolute M ehrheit nicht auf soviele Personen vereinigt, als zu w ählen sind, so findet ein zw eiter Wahlgang statt. In diesem zweiten Wahlgang gelten diejenigen als gewählt, welche die meisten Stimmen und w äre es auch nicht die absolute M ehrheit derselben, erhalten haben.

'I s t die Zahl derjenigen, welche die absolute M ehrheit auf sich vereinigt haben, grösser als die Z ahl d er zu W ählenden, so gelten diejenigen, die die meisten Stimmen auf sich vereinigt haben, als gewählt.

’H aben zwei oder m ehrere Bürger des näm lichen Bezirkes die absolute M ehrheit erhalten, so gilt nu r derjenige als gewählt, der die meisten Stimmen erhalten hat.

10Bei Stimmengleichheit entscheidet das Los. B. O rganisation u n d B efugnisse

Art. 53 ®

‘D er S taa tsrat ü b t die vollziehende und verw altende Gewalt aus und besitzt jede Befugnis, die ihm durch V erfassung oder Gesetz erteilt wird.

2Er handelt als Kollegialbehörde.

(22)

4 Er verteilt die G eschäfte u n te r die D epartem ente, deren Z ahl und Befugnisse durch eine V erordnung, die der G enehm igung des G rossen Rates unterliegt, festgelegt werden.

5 Im übrigen organisiert sich d er S taa tsrat selber. Art. 54 ®

In seinen Beziehungen zum G rossen Rat verfügt der S taa tsrat nam entlich über folgende Befugnisse:

1. Er legt die Verfassungs-, G esetzes-, D ekrets- und Beschlussentwürfe vor. 2. Er e rstattet Bericht über die Volksinitiativen, die Initiativen, M otionen,

Postulate und Resolutionen der A bgeordneten und an tw o rtet au f ihre In ­ terpellationen u nd Anfragen.

3. Er unte rbreitet dem G rossen Rat den Entw urf des V oranschlages, die Staatsrech n u n g und den V erwaltungsbericht.

4. Er k an n dem G rossen Rat Vorschläge unterbreiten.

5. Er u n te rb reitet dem G rossen Rat die K onkordats-, V ertrags- und V erein­ barungsentw ürfe, die R echtsnorm en enthalten oder die in seine Z u s tä n ­ digkeit fallende A usgaben z u r Folge haben.

Art. 55 ®

D er S taa tsrat ü b t nam entlich folgende V erwaltungsbefugnisse aus: 1. Er e rn en n t das S taatspersonal u n te r V orbehalt der im G esetz vorgese­

h enen A usnahm en.

2. Er überw acht die ihm unterstellten B ehörden sowie die öffentlich-recht­ lichen K örperschaften und A nstalten.

3. Er vertritt den Staat, schliesst die Verträge, K onkordate und V ereinba­ rungen öffentlichen Rechts ab und an tw o rtet auf die vom K anton verlangten V ernehm lassungen.

4. Er leitet die Verwaltung, plant und koordiniert ihre Tätigkeiten. Art. 56 ®

'D e r S taa tsrat gew ährleistet die öffentliche O rdnung und verfügt zu diesem Zw eck ü b er die Polizei und die k antonalen Truppen.

2 Er üb t im Falle grosser und unm ittelbar bevorstehender G efahr die a u s­ serordentliche Gewalt aus und benachrichtigt unverzüglich den G rossen Rat über die M assnahm en, die e r trifft.

Art. 57 ®

'D e r S taa tsrat erlässt in Reglementsform die z u r A nw endung kantonaler G esetze u nd D ekrete notw endigen Bestimmungen.

2 Das G esetz kann dem S taa tsrat die Befugnis zum Erlass von V erord­ nungen übertragen, indem es deren Zw eck und die ihren Inhalt bestim ­ menden G ru n d sätze festlegt. Die Delegation muss sich auf einen genau um ­ schriebenen Bereich beziehen. Die V erordnungen können der G en eh ­ migung des G rossen Rates u nterstellt w erden.

’D er S taa tsrat behandelt die anderen G eschäfte in Form von Beschlüssen und Entscheiden.

Art. 58 ®

‘D er S taa tsrat veröffentlicht die R echtsnorm en und setzt sie in Kraft, es sei denn, der G rosse Rat beschliesst darüber selber und sorgt für ihre Anwendung.

2 Er setzt die direkt anw endbaren V erfassungsbestim m ungen unm ittelbar nach ihrer Genehm igung d urch die Bundesversam m lung in Kraft.

(23)

Art. 59 ®

'D ie Regierung h a t in jedem Bezirk einen Regierungsstatthalter und einen Stellvertreter desselben.

2 Die Befugnisse des R egierungsstatthalters sind durch das Gesetz bestimmt.

III. Kapitel: Richterliche Gewalt

Art. 60 1 Die richterliche Gewalt ist unabhängig.

2Kein Staatsangestellter, der vom Staatsrate abberufen w erden kann, darf eine Richterstelle im K antonsgericht oder im Kreisgerichte bekleiden.

’Diese Bestimmung ist auf die E rsatzm änner nic ht anw endbar. Art. 61

Das K antonsgericht e rstattet alljährlich dem G rossen Rate d urch das O rgan des Staats rates Bericht ü b er alle Zweige d er Justizverwaltung.

Art. 62

1 Es b esteht in jeder G em einde oder in jedem A m tsbezirk ein Richter und ein Richterstatthalter:

für jeden Kreis ein Zivil-, ein K orrektions- un d ein K riminalgericht; und für den K anton ein Kantonsgericht.

2 Die Mitglieder des K antonsgerichtes sollen die K enntnisse der beiden L andessprachen besitzen.

Art. 63

'D ie A nzahl der Kreise, die K om petenz der G erichte, deren Z usam m en­ setzung, die Wahl un d Besoldungsweise d er Richter, sowie auch die Unver­ träglichkeit zwischen den richterlichen und ändern A m tsverrichtungen w erden durch das G esetz bestimmt.

2 Es können n u r vier Kreisgerichte bestehen.

’Die Richter der A mtsbezirke oder der G em einden und deren Ersatz­ m änner w erden d urch die W ähler des A mtsbezirkes d er Gemeinde gewählt.

'B ei d er Bildung der A mtsbezirke wird auf die Bevölkeruung und die to­ pographische Lage der G em einden gebührende Rücksicht genommen.

’Die Abstim m ung findet in jeder Gemeinde statt. Art. 64

Der G esetzgebung bleibt es V orb eh alten , ein H andelsgericht und ein oder mehrere gewerbliche Schiedsgerichte einzuführen.

Art. 65

1 Es besteht ein V erwaltungsgericht sowie ein G ericht das über Kompe­ tenzstreitigkeiten zwischen der vollziehenden und der richterlichen Gewalt zu erkennen hat.

2 Diese G erichte w erden durch eigene G esetze organisiert.

VI. Titel: Bezirks- und Gemeindeverwaltung

I. Kapitel: Bezirksrat

Art. 66

1 Es b esteht in jedem Bezirke ein auf vier Jahre gew ählter Bezirks rat. -’Der G em einderat w ählt seine Delegierten auf denselben im V erhältnis von einem auf 300 Seelen Bevölkeruung.

(24)

3Der Bruch von 151 wird für ein G anzes gerechnet.

4Jede Gemeinde, welches im mer ihre Bevölkerung sein mag, ernennt w enigstens einen A bgeordneten.

5 D er R egierungsstatthalter oder dessen S u b stitu t führt beim Bezirksrate den Vorsitz.

Art. 67

‘D er B ezirksrat schliesst die Rechnungen des Bezirkes ab und verteilt die dem selben zufallenden Lasten u n te r die Gemeinden, u n te r V orbehalt des Rekurses a n den Staatsrat.

2 Er nim mt alljährlich K enntnis von dem Berichte über die Finanzver­ w altung des Staates.

3 Er vertritt den Bezirk und w acht im besonderen über dessen ökono­ mische Entwicklung u nd die V erw ertung der landw irtschaftlichen Produkte desselben.

Art. 68

Das G esetz bestim m t die O rganisation und die w eiteren Amtsbefugnisse dieses Rates.

II. Kapitel: Gemeindeordnung ©

A. A llgem eine B e stim m u n g e n Art. 69 ®

Die G em einden ordnen innerhalb der S chranken d er Verfassung und der G esetze ihre A ngelegenheiten selbständig. Sie sind für die Aufgaben zuständig, die örtlicher N a tu r sind und jene, die sie allein oder zusam men mit anderen G em einden lösen können.

Art. 70 ®

'D ie G em einden üben ihre Tätigkeit so aus, dass sie mit dem G emeinwohl und dem Interesse der übrigen G emeinwesen vereinbar ist.

2 Sie führen ihre eigenen sowie die ihnen durch G esetz übertragenen Aufgaben aus.

’D as G emeindevermögen muss zweckmässig verw endet und sorgfältig verw altet w erden.

Art. 71 ®

'D ie G em einden können sich zu r gem einsam en Lösung öffentlicher Aufgaben zusam m enschliessen. Sie bilden zu diesem Zwecke öffentlich- rechtliche mit Rechtspersönlichkeit ausgestattete Verbände. Die G em einden können auch auf jede andere A rt Z u s a m m e n a r b e ite n . Die G ru n d sätze bezüglich dieser Z usam m enarbeit, sowie d er G ründung und der Tätigkeit dieser G em eindeverbände w erden durch das G esetz bestimmt.

2Der S taa tsrat kann u n te r gewissen vom G esetz zu bezeichneten Bedin­ gungen G em einden zwingen, zusam m enzuarbeiten oder sich zu öffentlich- rechtlichen V erbänden zusam m enzuschliessen.

Art. 72 ® 'I n jeder Gemeinde b estehen folgende Organe:

1. eine Versammlung d er in der Gemeinde stim mberechtigten Bürger; 2. ein G em einderat, der von der Gemeindeversam mlung gew ählt wird.

2Die Gemeindeversam mlung w ählt aus d er M itte der G em einderäte einen Präsidenten und einen V ize-Präsidenten.

sIm w eiteren bestim mt das G esetz die G rundsätze der G em einde­ organisation.

(25)

Art. 7 3 ®

'D ie Gemeindeversam mlung kann, sofern die G em einde ü b er 700 E inw ohner zählt, einen G eneralrat wählen, dessen O rganisation und Befugnisse vom G esetz bestim m t w erden.

2 Gegen die Beschlüsse, die der G eneralrat anstelle der Gem eindever­ sammlung fasst, ste h t den Bürgern das fakultative Referendum zu. Das G esetz regelt die A usübung dieses Rechtes.

’Diese B estimm ungen gelten nicht für die Burgergemeinde. Art. 74 ®

'D ie G em einden sind berechtigt, das Initiativrecht einzuführen. In den Gem einden, die dieses Recht besitzen, k ö nnen die Bürger an den G em ein­ derat Initiativbegehren stellen in Form einer allgemeinen A nregung über den Erlass oder die A bänderung von Regiementen, die in die Z uständigkeit der Gemeindeversam mlung fallen.

2Das G esetz regelt die E inführung und die A usübung dieses Rechtes. Art. 75 ®

‘Die G em einden sind innerhalb der S chranken des Artikels 69 der A ufsicht des S taatsrates unterstellt. Das G esetz bestim m t die A rt un d Weise dieser Aufsicht, insbesondere was die Verwaltung betrifft. Sofern die V erfassung und die G esetze nic ht ausdrücklich etwas gegenteiliges vorsehen, beschränkt sich die Überprüfungsbefugnis des S taatsrates auf die Gesetzmässigkeit.

2 Die von den G em einden ausgearbeiteten Regiemente m üssen vom S taa tsrat genehm igt werden.

’Dasselbe gilt für wichtige V orhaben betreffend Verkauf, Tausch, Ver­ pachtung, Teilung von Liegenschaften, V eräusserung von Ver­ mögenswerten, D arlehen, Leistung von Bürgschaften, Erteilung un d Über­ tragung von W asserkraftkonzessionen.

4 Das G enehm igungsverfahren wird durch das G esetz geregelt. Art. 7 6 ® ®

Als G em einden gelten: 1. die Einwohnergem einden; 2. die B urgergemeinden. 3. Aufgehoben.

B. E in w o h n erg em ein d en Art. 77 ®

'D ie Einwohnergem einde b esteht aus den auf dem Gemeindegebiet w ohnsässigen Personen.

2 Das Gebiet der Einw ohnergem einde ist u n te r V orbehalt des Artikels 26 gewährleistet.

Art. 7 8 ®

‘Die Urversammlung setzt sich zusam m en aus den in der Gemeinde stim m berechtigten Einwohnern.

2 Sie w ählt einen G em einderat von 3 bis 15 Mitgliedern, den Präsidenten und V ize-Präsidenten und gegebenenfalls den G eneralrat.

’In den G em einden ohne G eneralrat entscheidet die Urversammlung ins­ besondere:

1. über die G egenstände, die gemäss Artikel 75 der Genehm igung des S taatsrates unterliegen;

(26)

2. über die neuen nicht gebundenen Ausgaben, deren H öhe durch die G e­ setzgebung festzulegen ist und die nic ht d urch A nleihen gedeckt w erden müssen;

3. über die Rechnung.

4In den G em einden mit G eneralrat tritt dieser an die Stelle der Urver- sammlung u nd üb t m indestens deren Rechte aus, ausgenom m en in W ahlan­ gelegenheiten.

5 Das G esetz bestim m t in beiden Fällen die w e ite m Z uständigkeiten sowie die A ussübung dieser Rechte.

Art. 7 9 ® ‘Dem G em einderat obliegen folgende Aufgaben: 1. er besorgt die allgemeine V erwaltung d er Gemeinde;

2. er entwirft die G emeinderegiem ente u nd sorgt für deren A nwendung; 3. er sorgt für die Vollziehung der kantonalen Gesetzgebung;

4. er ern e n n t die Angestellten;

5. er erstellt das Budget u n te r V orbehalt von Artikel 78, A bsatz 2; 6. er erstellt die Rechnung.

2In den G em einden ohne Burgerrat, ü b t der G em einderat dessen F unktion aus.

C. Burgergem einden Art. 80 ®

Die Burgergemeinde ist eine K örperschaft des öffentlichen Rechtes und h at als solche die ihr von der G esetzgebung übertragenen Aufgaben im öf­ fentlichen Interesse zu erfüllen.

Art. 81 ®

'D ie Burgerversamm lung b esteh t aus den Burgern, welche im Gebiet der Burgergemeinde ihren W ohnsitz haben. Die G esetzgebung kann die A usübung bestim m ter Rechte auf die im K anton w ohnsässigen Burger ausdehnen.

2 Die Burgerversammlung h at in Burgerangelegenheiten die gleichen Befugnisse wie die Urversammlung. Sie entscheidet überdies über die A ufnahm e neuer Burger.

Art. 82 ®

'D ie Burgerversamm lung ist berechtigt, die Bildung eines getrennten Burgerrates zu verlangen. Dieses Begehren m uss gemäss den gesetzlichen V orschriften am Ende einer V erwaltungsperiode gestellt werden.

2 Der Burgerrat b esteht aus m indestens drei und höchstens neun M it­ gliedern.

D. D ie Kirchgem einden Art. 83 © Aufgehoben.

VII. Titel: Wahlmodus, Bedingungender Wahlfähigkeit

Dauer der öffentlichen Ämter

Art. 8 4 ® ®

'D e r G rosse Rat setzt sich aus 130, u n te r die Bezirke zu verteilenden A b­ geordneten und ebensovielen E rsatzm ännern zusam men, die direkt vom Volke gewählt w erden.

2 D er Bezirk Raron, der sich aus zwei Halb-Bezirken mit eigenen O rganen und Befugnissen z usam m ensetzt, bildet zwei Wahlkreise.

(27)

3 Die Sitze w erden wie folgt un te r die Bezirke und Halb-Bezirke verteilt; Die G esam tzahl d er schw eizerischen W ohnbevölkerung wird d urch 130 geteilt. D er so erhaltene Q u o tie n t wird auf die näch sth ö h ere Z ahl aufger­ u n d et und bildet dann die Verteilungszahl. Jeder Bezirk oder Halb-Bezirk erhält sovielmal einen A bgeordneten un d einen E rsatzm ann zugeteilt, als die V erteilungszahl in der Z ahl seiner schw eizerischen W ohnbevölkerung enthalten ist. W erden durch diese V erteilung nicht alle Sitze ermittelt, so fallen die verbliebenen Sitze den Bezirken und Halb-Bezirken zu, welche die grössten Z ahlenresten aufweisen.

4D er S taatsrat setzt nach jeder Volkszählung die jedem Bezirk u nd Halb- Bezirk zuzuteilende A nzahl Sitze fest.

'D ie Volksabstim mung findet in den G em einden statt.

‘Die W ahlen erfolgen bezirks- und halbbezirksweise und zw ar nach dem Proportional-W ahlverfahren. Die A nw endungsart dieses G rundsatzes ist durch das G esetz bestimmt.

Art. 85

‘D er Grosse Rat, d er Staatsrat, die G erichtsbeam ten, die G em einderäte und die Burgerräte sind für eine A m tsdauer von vier Jahren gewählt.

2 D er P räsident und d er V ize-Präsident des S taatsrates sind alljährlich einer N euwahl unterworfen. D er P räsident kann nicht unm ittelbar w ieder gewählt werden.

Art. 85 bis ®

'D ie A bgeordneten auf den S tä n d e rat w erden bei der ordentlichen G e­ sam terneuerung des N ätionalrates direkt vom Volke gewählt. Diese Wahlen erfolgen im ganzen K anton als einziger Wahlkreis nach dem M ehrheitssy­ stem. 0

2 Die Wahl des Ständerates findet m ittelst des gleichen Listenskrutinium s statt. W erden die Wahlen am bestim m ten Tag nicht vollendet, so sind dieselben am darauffolgenden Sonntag w ieder aufzunehm en. In diesem Falle wird das Ergebnis des ersten Wahlganges und die W iederaufnahm e d er W ahlverhandlungen unverzüglich b ek an n t gegeben.

’H a t sich im ersten W ahlgang die absolute M ehrheit nic ht auf soviele A b­ geordnete vereinigt, als zu w ählen sind, so findet ein zw eiter Wahlgang statt. In diesem zw eiten Wahlgang gelten diejenigen als gewählt, welche die meisten Stimmen, und w äre es auch nic ht die absolute M ehrheit derselben erhalten haben.

‘Ist die Zahl derjenigen, welche die absolute M ehrheit erhalten haben, grösser als die Zahl der zu W ählenden, so gelten diejenigen, die die meisten Stimmen auf sich vereinigt haben, als gewählt.

5Bei Stimm engleichheit entscheidet das Los. Art. 86

‘Die Wahl der M itglieder und der E rsatzm änner des G rossen Rates findet für jede neue A m tsperiode am ersten Sonntag März statt.

2 D er neugew ählte G rosse Rat tritt mit d er Eröffnung d er konstituierten Session in Amtstätigkeit.

Art. 87 ©

'D ie Gemeinde- und Burgerwahlen finden alle vier Jahre am ersten Sonntag D ezem ber statt. In der Regel w erden diese Wahlen nach dem P ro ­ porzsystem durchgeführt. W enn aber m indestens der Fünftel der W ähler die Wahl nach dem Majorzsystem verlangt, so entscheidet die Urversammlung oder die Burgerversammlung durch vier Fünftel M ehrheit, ob sie dieses Wahlsystem annehm en will.

(28)

2Ist das M ajorzsystem einmal eingeführt, so wird es beibehalten, bis m indestens ein Fünftel der W ähler die Einführung der W ahlen nach dem Proporzsystem verlangt.

’Das M ajorzsystem gilt als eingeführt im Sinne d er v orstehenden Bestim­ mungen für jene Gem einden, in w elchen es im Z e itp u n k t des Inkrafttretens dieser Verfassungsrevision angew andt wird.

’Die A nw endung dieser G ru n d sätze wird d urch das G esetz geregelt.

5 Die Gemeinde- und B urgerschaftsbehörden treten ih r A m t am ersten Tag des Jahres nach ihrer Wahl an.

6Im Falle von E insprachen entscheidet der S taa tsrat welche B ehörden zu am ten haben.

Art. 88 © ®

'D ie Bürger u nd Bürgerinnen üben ihre politischen Rechte mit der Erfüllung des a ch tze h n te n A ltersjahres aus.

2 Alle Stimmfähigen sind in die öffentlichen Ä m ter wählbar. Art. 8 9 ® ®

'N iem and kann gleichzeitig Ratsmitglied m ehrerer G em einden sein. Diese V orschrift gilt nicht im V erhältnis des K irchgem einderates zu den übrigen G em einderäten.

2Jeder Bürger kann n u r in einer Einwohner-, Burger- u nd K irch­ gemeinde das Stim m recht ausüben.

Art. 9 0 ' ©

'D ie Stelle eines A bgeordneten auf den Grossen Rat ist unvereinbar mit den B eam tungen u nd A nstellungen in den Büros des Staatsrates.

2 Diese U nverträglichkeit ist auch auf die B ezirkseinnehm er und die Be- treibungs- u nd K onkursbeam ten anw endbar.

Art. 9 0 a '

Es k ö nnen n icht gleichzeitig im G rossen Rate sitzen: der R egierungsstatt­ halter und sein S u b stitu t der Einleitungsrichter und sein E rsatzm ann, der H ypothekarverw alter und dessen Stellvertreter, der Einregistrierungs­ beam te u nd sein Stellvertreter, d er Zivilstandsbeam te und sein Stellver­ treter.

Art. 90b'

'D ie A m tsverrichtungen des S taatsrates sind unvereinbar mit der A usübung des M andates eines A bgeordneten auf den G rossen Rat.

2 Die S taa tsräte h aben bei den V erhandlungen des G rossen Rates beratende Stimme.

3 Die Am tsverrichtungen eines S taatsrates sind unvereinbar mit denjenigen eines V erw altungsrates einer Gesellschaft, welche finanzielle Zwecke verfolgt.

Art. 90c'

'D ie Mitglieder des S taatsrates können keine andere K antons- oder G e­ m eindeanstellung bekleiden.

2 Die A usübung freier Berufsarten ist ihnen ebenfalls untersagt. Art. 90d'

In den eidgenössischen Räten darf nicht m ehr als ein Mitglied des S taa ts­ rates sitzen.

Art. 91 © 'Es k ö nnen nicht zugleich im Staatsrate sitzen; 1. Ehegatten;

(29)

2. V erwandte o der V erschw ägerte in gerader Linie im ersten Grad; 3. V erw andte in d er Seitenlinie bis u n d mit dem dritten G rad und 4. V erschw ägerte in d er Seitenlinie im zw eiten Grad.

2 Diese U nverträglichkeit sind auch au f die Gemeinde- und Burgerräte sowie auf die G erichte u nd G erichtsschreiber anw endbar.

3 Ehegatten und V erw andte o der Verschw ägerte im ersten G rad in gerader Linie können nic ht zugleich im G eneralrat sitzen.

Art. 92

Die Fälle des Ausschlusses vom Stimm- und W ahlrecht sind durch die K antons- und Bundesgesetzgebung bestimmt.

A rt. 93

D er R egierungsstatthalter darf keine G erichtsbeam tungen bekleiden. Art. 94

Die nämliche Person kann nic ht zwei Ä m ter aus dem richterlichen oder dem Verwaltungsgebiet, deren eines dem ä n d e rn u ntergeordnet ist, au f sich vereinigen.

Art. 95

Niemand kann zugleich P räsident u nd R ichter derselben G em einde sein. Art. 96

Niemand darf zu gleicher Z eit in der näm lichen Gemeinde Mitglied des M unizipalrates u nd des Burgerrates sein.

Art. 97

Kein patentierter A dvokat darf Mitglied eines G erichtes sein, noch vor dem G erichte, bei dem er das Schreibam t versieht, einen H andel führen.

Art. 98

Das G esetz bestim m t die ändern Unverträglichkeiten u nd kan n die H äufung (Kumulation) gewisser Beam tungen verbieten.

Art. 99

Die in der gegenwärtigen V erfassung vorgesehenen U nverträglichkeits­ fälle sind auf die Substitution o der E rsatzm änner nicht anw endbar.

VIII. Titel: Revision der Verfassung

Art. 1 0 0 ®

'S ech stau sen d Stimm berechtigte können die Total- oder Teilrevision der Verfassung verlangen.

2Jede Volksinitiative ist innert drei Jahren nach deren Einreichung dem Volk zu r A bstimm ung zu unterbreiten. Diese Frist kann durch einen Be­ schluss des G rossen Rates höchstens um ein Jahr verlängert werden.

’D er Grosse Rat stellt die Ungültigkeit einer Initiative fest, die: 1. dem B undesrecht w iderspricht;

2. m ehr als eine M aterie beinhaltet; 3. die Einheit d er Form nicht beachtet; 4. nicht in den Bereich d er V erfassung fällt; 5. nicht ausführbar ist.

(30)

Art. 101 ®

1 Die Initiative in Form d er allgemeinen A nregung wird mit einer Stellung­ nahm e des G rossen Rates dem Volk z u r Abstim m ung unterbreitet.

2Verwirft das Volk die Initiative, wird sie abgeschrieben.

3Nimmt das Volk die Initiative an, ist der Grosse Rat verpflichtet, ihr u n ­ verzüglich Folge zu geben.

4Bei d er A usarbeitung der von der Initiative in Form d er allgemeinen A n­ regung verlangten Bestimm ungen h at der G rosse Rat den A bsichten der In ­ itianten zu entsprechen.

5Das Volk entscheidet gleichzeitig, ob im Falle d er A nnahm e der Initia­ tive die Totalrevision durch den G rossen Rat oder durch einen Verfassungs­ rat d u rchzuführen ist.

A rt. 1 0 2 ®

'D ie Teilrevision d er Verfassung kann in Form eines ausgearbeiteten E n t­ wurfes verlangt werden.

2 Der G rosse Rat kann die A blehnung oder die A nnahm e empfehlen oder einen G egenentw urf ausarbeiten.

3A rbeitet der G rosse Rat einen G egenentw urf aus, berät er d arüber in zwei ordentlichen Sessionen. Er kann eine zusätzliche Lesung beschliessen.

4 Nimmt d er G rosse Rat einen G egenentw urf an, w erden die Stim m be­ rechtigten eingeladen, sich au f dem gleichen Stimm zettel ü b er folgende drei Fragen auszusprechen:

a) Wollen Sie die Volksinitiative annehm en? b) Wollen Sie den G egenentw urf annehm en?

c) Falls beide Vorlagen die absolute M ehrheit der Stim m enden erhalten, soll die Initiative o der der G egenentw urf in Kraft treten?

Art. 103

■Findet die Revision zufolge des V olkentscheides durch den G rossen Rat statt, so wird dieselbe in zwei ordentlichen Sessionen beraten.

2 Findet dieselbe durch einen V erfassungsrat statt, so wird sie in zwei Le­ sungen beraten.

3 Die V erfassungsratsw ahlen erfolgen auf der gleichen G rundlage wie die Wahl der A bgeordneten auf den G rossen Rat. Auf dieselben ist keiner der für die letztere vorgesehenen Unverträglichkeitsfälle anw endbar.

Art. 104 ®

'D e r G rosse Rat kann auch von sich aus eine V erfassungsrevision d u rch ­ führen.

2 Die A bänderungen bilden zuerst G egenstand einer Lesung über die Zweckm ässigkeit, gefolgt von zwei Lesungen über den Text, und zw ar in o r­ dentlichen Sessionen.

3D er G rosse Rat k ann in jedem Fall eine zusätzliche Lesung beschliessen. Er kann auch verlangen, dass sich das Volk über verschiedene V arianten ausspricht.

Art. 105

Die durch den G rossen Rat oder durch einen V erfassungsrat revidierte V erfassung wird dem Volke zu r A nnahm e oder Verwerfung unterbreitet.

Art. 106

Bei den in Vollziehung der Artikel 102 und 105 angeordneten A bstim ­ mungen entscheidet die absolute M ehrheit der an der Abstim m ung teilneh­ m enden Bürger.

Références

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