Gillian Rowlands | Anita Trezona | Siân Russell | Maria Lopatina | Jürgen Pelikan | Michael Paasche-Orlow | Oxana Drapkina | Anna Kontsevaya | Kristine Sørensen
ZUSAMMENFASSENDER BERICHT 65 DES HEALTH EVIDENCE NETWORK Welche Erkenntnisse gibt es zu den Methoden, Rahmen und
Indikatoren für die Evaluation von Handlungskonzepten, Programmen und Interventionen zur Gesundheitskompetenz auf Landes-, Regions- und Organisationsebene?
verfügbaren Evidenz in deren eigenem Entscheidungsprozess; sein Ziel ist es, die erforderlichen Zusammenhänge zwischen Evidenz, Gesundheitspolitik und Verbesserungen in der öffentlichen Gesundheit sicherzustellen. Die zusammenfassenden Berichte des HEN geben einen Überblick über den jeweiligen Kenntnisstand zu einer bestimmten Thematik, den Lücken in der Evidenz und den zur Debatte stehenden Bereichen. Anhand dieser aufbereiteten Evidenz schlägt das HEN Konzeptoptionen, und nicht Empfehlungen, vor, die die Politiker bei der Formulierung ihrer eigenen Empfehlungen und Handlungskonzepte in ihrem nationalen Kontext prüfen können.
Die Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf
Die Abteilung arbeitet darauf hin, vorzeitige Todesfälle aufgrund nichtübertragbarer Krankheiten in der Europäischen Region der WHO zu verhindern und die Gesundheit im gesamten Lebensverlauf zu fördern, verbunden mit Aktivitäten zur Verringerung von Gewalt und Verletzungen. Sie ist bestrebt, gleichen Zugang zur Gesundheitsversorgung zu gewährleisten und eine gesunde Lebensweise zu fördern, indem sie zahlreiche gesundheitliche Herausforderungen in unterschiedlichen Lebensphasen in Angriff nimmt. Zudem bemüht sie sich, Instrumente für eine einschlägige epidemiologische Überwachung bereitzustellen, Evidenz zu gewinnen und fachliche Kapazitäten aufzubauen, um ein selbstbestimmtes Handeln zu ermöglichen und günstige Rahmenbedingungen auf Länderebene zu schaffen. Im Bereich der Gesundheitskompetenz leitet die Abteilung eine büroweite Initiative zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz und zur verstärkten Durchführung von Aktivitäten für mehr Gesundheitskompetenz in allen Programmbereichen und Ressorts. Darüber hinaus unterstützt die Abteilung das Aktionsnetzwerk der Europäischen Region der WHO zur Förderung von Gesundheitskompetenz für die Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten.
Zusammenfassender Bericht 65 des Health Evidence Network Welche Erkenntnisse gibt es zu den Methoden, Rahmen und
Indikatoren für die Evaluation von Handlungskonzepten, Programmen und Interventionen zur Gesundheitskompetenz
auf Landes-, Regions- und Organisationsebene?
Gillian Rowlands | Anita Trezona | Siân Russell | Maria Lopatina | Jürgen Pelikan | Michael Paasche-Orlow | Oxana Drapkina | Anna Kontsevaya | Kristine Sørensen
quantitativer, qualitativer und methodisch gemischter Ansätze analysiert. Grundsätzliche Überlegungen betreffen unter anderem die Entwicklung von Rahmenkonzepten und Indikatoren für eine Vielzahl von Bereichen, die eine in sich stimmige und vergleichbare Überwachung und Evaluation auf Ebene der Bevölkerung ermöglichen und so Rückschlüsse auf die Wirkung und Effektivität nationaler Handlungskonzepte und Programme zulassen.
Schlüsselbegriffe
HEALTH LITERACY, HEALTH LITERACY RESPONSIVENESS, HEALTH EDUCATION, HEALTH PROMOTION, HEALTH COMMUNICATION, PROGRAMME EVALUATION
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Publications
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DK-2100 Kopenhagen Ø, Dänemark
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ISSN 2227-4316 ISBN 978 92 890 5466 9
© Weltgesundheitsorganisation 2019
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Vorgeschlagene Zitierung: Zusammenfassender Bericht Nr. 65 des Health Evidence Network (HEN). Welche Erkenntnisse gibt es zu den Methoden, Rahmen und Indikatoren für die Evaluation von Handlungskonzepten, Programmen und Interventionen zur Gesundheitskompetenz auf Landes-, Regions- und Organisationsebene? Kopenhagen: WHO-Regionalbüro für Europa; 2019. Lizenz: CC BY-NC-SA 3.0 IGO.
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Die Erwähnung bestimmter Firmen oder Erzeugnisse bedeutet nicht, dass diese von der WHO unterstützt, empfohlen oder gegenüber ähnlichen, nicht erwähnten bevorzugt werden. Soweit nicht ein Fehler oder Versehen vorliegt, sind die Namen von Markenartikeln als solche kenntlich gemacht.
Die WHO hat alle angemessenen Vorkehrungen getroffen, um die in dieser Publikation enthaltenen Informationen zu überprüfen. Dennoch wird das veröffentlichte Material ohne irgendeine explizite oder implizite Gewähr herausgegeben. Die Verantwortung für die Deutung und den Gebrauch
INHALT
Abkürzungen ...iv
Mitwirkende an dieser Publikation ...v
Zusammenfassung ...viii
1. Einführung ...1
1.1 Hintergrund ...1
1.2 Methodik ...7
2. Ergebnisse ...9
2.1 Allgemeine Merkmale der Studien ...9
2.2 Evaluationsrahmen und Logikmodelle ...11
2.3 Methoden ...14
2.4 Messbereiche und Indikatoren ...26
2.5 Partnerschaften und Koordination zur Messung von Gesundheitskompetenz ...30
2.6 Begünstigende Faktoren und Hindernisse für die Messung von Gesundheitskompetenz ...32
2.7 Ressourcen und Skalierbarkeit ...36
2.8 Evaluation der Gesundheitskompetenz in der Europäischen Region der WHO ...36
3. Diskussion ...38
3.1 Stärken und Grenzen dieses Berichts ...38
3.2 Methodische Herausforderungen bei der Messung von Gesundheitskompetenz ...39
3.3 Nationale und regionsweite Evaluation und Überwachung ...40
3.4 Messung der Bedarfsgerechtigkeit der organisationalen Gesundheitskompetenz ...42
3.5 Grundsatzüberlegungen ...43
4. Schlussfolgerungen ...44
Quellenangaben ...45
Anhang 1: Suchstrategie ...60
Anhang 2: Einschlägige Konzepte für Gesundheitskompetenz...70
Anhang 3: Merkmale von Instrumenten zur Erfassung von Gesundheitskompetenz ...74
HEN Health Evidence Network HLQ Health Literacy Questionnaire HLS-EU European Health Literacy Survey
MiMi Mit Migranten für Migranten – Interkulturelle Gesundheit in Deutschland (Programm)
M-POHL-Netzwerk Aktionsnetzwerk der WHO zur Messung der Gesundheitskompetenz von Bevölkerung und Organisationen
ÖPGK Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz SILS Single Item Literacy Screener
STOFHLA Short Test of Functional Health Literacy in Adults
MITWIRKENDE AN DIESER PUBLIKATION
Dieser Bericht wurde mit der finanziellen Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit in Deutschland erstellt. Die hier vertretenen Ansichten sind jedoch in keiner Weise als offizielle Haltung des Bundesministeriums für Gesundheit zu verstehen.
Autoren Gillian Rowlands
Professorin für Primäre Gesundheitsversorgung, Newcastle University, Newcastle, Vereinigtes Königreich
Anita Trezona
Geschäftsführerin, Trezona Consulting Group, Melbourne, Australien Siân Russell
Promovierte wissenschaftliche Mitarbeiterin, Institute of Health and Society, Newcastle University, Vereinigtes Königreich
Maria Lopatina
Wissenschaftlerin, Nationales Medizinisches Forschungszentrum für Präventivmedizin beim Gesundheitsministerium der Russischen Föderation, Moskau, Russische Föderation
Jürgen Pelikan
Emeritierter Professor, Universität Wien, und Leiter des WHO-Kooperationszentrums für Gesundheitsförderung im Krankenhaus und Gesundheitswesen, Gesundheit Österreich GmbH, Wien, Österreich
Michael Paasche-Orlow
Professor für Medizin, Boston University School of Medicine, Boston Medical Centre, Boston, Vereinigte Staaten von Amerika
Oxana Drapkina
Direktorin, Nationales Medizinisches Forschungszentrum für Präventivmedizin beim Gesundheitsministerium der Russischen Föderation, Moskau, Russische Föderation
Sabrina Kurtz-Rossi
Hochschuldozentin, Tufts University School of Medicine, Leiterin, Kurtz-Rossi &
Associates, Direktorin des Health Literacy Leadership Institute und Generalsekretärin der International Health Literacy Association, Boston, Vereinigte Staaten von Amerika Kirsten McCaffery
Professorin, School of Public Health, Universität Sydney, Australien Danielle M. Muscat
Promovierte wissenschaftliche Mitarbeiterin, Sydney Health Literacy Laboratory, School of Public Health, Universität Sydney, Australien
Danksagung
Die Autoren möchten folgenden Personen dafür danken, dass sie ihr Wissen und ihren Sachverstand im Rahmen der Expertenbefragung bereitgestellt haben:
Wagida A. Anwar, Palle Bager, Anne Leonora Blaakilde, Shyam Sundar Budhathoki, Valeria Caponnetto, Claudia Cianfrocca, Xavier Debussche, Bodil Helbech Hansen, Sarah Hosking, Qaiser Iqbal, Hirono Ishikawa, Aulia Iskandarsyah, Zdeněk Kučera, Angela Y. M. Leung, Diane Levin-Zamir, Miroslava Líšková, Julien Mancini, Maria Mares, Katarinne Lima Moraes, Alicia O’Cathain, Orkan Okan, Pinar Okyay, Richard Osborne, Leena Paakkari, Adèle Perrin, Jany Rademakers, Alexandra Rouquette, Lidia Segura Garcia, Sandra Staffieri, Lærke Steenberg Olesen, Eric Van Ganse, Josefin Wångdahl, Anne Wingstrand und Ling Zhang.
Redaktionsteam des WHO-Regionalbüros für Europa
Abteilung Nichtübertragbare Krankheiten und Gesundheitsförderung im gesamten Lebensverlauf
Bente Mikkelsen, Direktorin Anastasia Koylyu, Fachreferentin
Redaktionsteam des Health Evidence Network (HEN) Kristina Mauer-Stender, Geschäftsführende Direktorin Tanja Kuchenmüller, Leitende Redakteurin
Ryoko Takahashi, Redakteurin Tyrone Reden Sy, Fachreferent Krista Kruja, Beraterin
Jane Ward, Technische Redakteurin
Das HEN-Sekretariat ist Teil der Abteilung Information, Evidenz, Forschung und Innovation des WHO-Regionalbüros für Europa. Bei den zusammenfassenden Berichten des HEN handelt es sich um Auftragsarbeiten, die einer Überprüfung durch internationale Fachkollegen unterzogen werden und inhaltlich in der Verantwortung der Autoren liegen. Sie spiegeln nicht zwangsläufig die offizielle Haltung des WHO-Regionalbüros für Europa wider.
fällen und Entscheidungen treffen zu können, welche die Lebensqualität erhalten oder verbessern. Eine geringe Gesundheitskompetenz geht mit einer schlechteren Gesundheit, häufigeren Erkrankungen und gesundheitlichen Ungleichheiten einher und kann die Kostenwirksamkeit von Gesundheitssystemen senken. Die Erhebung zur Gesundheitskompetenz von 2011 ließ erkennen, dass in acht Mitgliedstaaten der Europäischen Union nahezu die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung über eine suboptimale allgemeine Gesundheitskompetenz verfügt. Als Reaktion darauf wurden unter anderem Netzwerke, Politikkonzepte, Programme und Interventionen zur Förderung der Gesundheitskompetenz auf Regions-, Landes- und Organisationsebene auf den Weg gebracht. Diese Initiativen müssen unter Verwendung von Rahmenkonzepten und Indikatorensätzen überwacht werden, mit denen in sich stimmige und vergleichbare Bevölkerungsdaten und Evaluationen erstellt werden können, die Rückschlüsse auf die Wirksamkeit der Politikkonzepte und Interventionen zulassen.
Thema dieses zusammenfassenden Berichts
Zielsetzung dieses Berichts ist die Beantwortung der Frage „Welche Erkenntnisse gibt es zu den Methoden, Rahmen und Indikatoren für die Evaluation von Handlungskonzepten, Programmen und Interventionen zur Gesundheitskompetenz auf Landes-, Regions- und Organisationsebene?“
Arten von Evidenz
Für diesen Bericht wurden im Rahmen einer Bestandsaufnahme (Scoping Review) einschlägige Artikel ermittelt, die zwischen Januar 2013 und Dezember 2018 in deutscher, englischer, französischer, spanischer und russischer Sprache in der fachlich begutachteten und der „grauen“ Literatur veröffentlicht wurden. Um möglichst umfangreiche Erkenntnisse zu gewinnen, wurden eine internationale Literatursuche und darüber hinaus eine Befragung von Experten durchgeführt.
Ergebnisse
24 der 81 ermittelten Studien enthielten einen Evaluationsbericht über ein Programm oder eine Intervention, und in 57 Studien wurde anhand experimenteller Forschungsdesigns über die Auswirkungen einer Intervention auf die Gesundheitskompetenz berichtet. Es wurden weder Belege für die Verwendung nationaler oder internationaler Datensätze zur Evaluation von Handlungskonzepten, Programmen oder Interventionen noch für das Bestehen von internationalen, nationalen oder subnationalen Rahmenkonzepten zur Evaluation von Gesundheitskompetenz gefunden. Die Studien wurden überwiegend in Gesundheits- und Bildungsumfeldern durchgeführt, und in den meisten Fällen wurde die Gesundheitskompetenz auf persönlicher/individueller Ebene anhand der in den jeweiligen Studien verwendeten Datenquellen gemessen.
Bei den Studien, in denen die Auswirkungen einer Intervention auf die persönliche Gesundheitskompetenz bewertet wurden, kamen in der Regel quantitative Methoden, die auf bereits veröffentlichten Instrumenten zur Erfassung von Gesundheitskompetenz beruhten, oder maßgeschneiderte Umfragen/Fragebögen zum Einsatz, die Fragen zu den relevanten Resultaten, etwa Veränderungen hinsichtlich des Wissens, des Verhaltens oder der Fähigkeiten, enthielten.
Die Evaluation von Programmen und Interventionen zur Gesundheitskompetenz stützte sich auf qualitative Ansätze und methodisch gemischte Ansätze, darunter Umfragen, halbstrukturierte Interviews und Fokusgruppen. In nahezu allen Studien mit gemischter Methodik wurden qualitative Methoden als Grundlage für eine Prozessevaluation eines Programms oder einer Intervention herangezogen, etwa die Zufriedenheit der Teilnehmer mit einem Programm oder einer Intervention (Akzeptanz), wahrgenommene Vorteile, Stärken und Grenzen, begünstigende Faktoren und Hindernisse für die Umsetzung sowie die Nachhaltigkeit des Programms.
In vier Studien wurde zudem über die Durchführung einer wirtschaftlichen oder finanziellen Analyse im Rahmen der globalen Evaluation eines Programms oder einer Intervention berichtet.
Für Gesundheitskompetenz wurde eine breite Palette von Messbereichen ermittelt. Diese umfassten breit angelegte Bereiche wie Kompetenzen und Fähigkeiten im Bereich Gesundheitskompetenz, aber auch spezifischere Bereiche, etwa Rechnen und Verstehen, funktionale Gesundheitskompetenz, interaktive Gesundheitskompetenz und kritische Gesundheitskompetenz. Zu weiteren
hinsichtlich des Zugangs zu Leistungen, der Kontakt zu Leistungserbringern (einschließlich Kommunikation) und das Vertrauen in Leistungserbringer.
Für die organisationale Gesundheitskompetenz (Bedarfsgerechtigkeit) wurden unter anderem folgende Bereiche identifiziert: Veränderungen hinsichtlich des Vertrauens, der Verhaltensweisen und der mit Gesundheitskompetenz verbundenen Praktiken von Gesundheitsfachkräften; gesteigertes Wissen und Bewusstsein von Leistungserbringern; besseres Verständnis von Konzepten und Praktiken für Gesundheitskompetenz; verbesserte Kommunikation von Gesundheitsfachkräften;
höhere gesundheitliche Kompetenzen von Lehrkräften/Mitarbeitern; erhöhte Bedarfsgerechtigkeit der Schulen in Bezug auf Gesundheitskompetenz.
Für die Evaluation von Programmen und Interventionen zur Gesundheitskompetenz wurden häufig ressortübergreifende Partnerschaften eingegangen. Zumeist handelte es sich dabei um Partnerschaften zwischen Hochschulen und Schulen, zwischen Hochschulen und gesellschaftlichen Organisationen sowie zwischen Hochschulen und dem Gesundheitswesen. Auch über Partnerschaften zwischen akademischen Einrichtungen und Regierungsstellen oder -gremien wurde berichtet, und eine geringe Zahl von Studien befasste sich auch mit Partnerschaften mit Unternehmen/der Privatwirtschaft. Die Rollen und Zuständigkeiten der an diesen Studien beteiligten Mitarbeiter wurden in der Regel nicht beschrieben, wenngleich in einigen Fällen auf eine gemeinsame Verantwortung für die Datenerhebung hingewiesen wurde, etwa bei den Partnerschaften Schule-Hochschule oder Hochschule-Gesundheitswesen, wo die Datenerhebung von Lehrkräften bzw. Klinikern geleitet und die Datenanalyse von Forschern vorgenommen wurde.
Die begünstigenden Faktoren und Hindernisse, die Gegenstand der Evaluation waren, betrafen im Wesentlichen folgende Themen: Qualifikationen und Fähigkeiten der Mitarbeiter, Partnerschaften, zeitliche und finanzielle Beschränkungen sowie
Erhebungsmethoden und -design. Weitere wichtige begünstigende Faktoren, die sich aus dieser Bestandsaufnahme ergaben, waren die Verwendung konzeptioneller Rahmen für Gesundheitskompetenz als Orientierung für die Programmevaluation, die Entwicklung von Leitlinien für die Evaluation (einschließlich Schritt-für-Schritt- Anweisungen und standardisierte Evaluationsinstrumente), Klarheit hinsichtlich der Rollen und Zuständigkeiten bei den Evaluationsvorgängen, eine angemessene Zuweisung von Ressourcen, eine fortlaufende Überwachung im Hinblick auf frühzeitige Identifizierung von Bereichen mit Verbesserungsbedarf sowie staatliche Mittel zur Unterstützung der Evaluation nationaler Programme.
Die für diesen Bericht ermittelten Studien enthielten keine Angaben zum Bedarf an (finanziellen und personellen) Ressourcen für die Evaluation von Handlungskonzepten, Programmen und Interventionen; allerdings legten zwei Studien nahe, dass die Höhe der Investitionen auf den Umfang und die Komplexität des Programms abgestimmt und als Komponente der Planungs- und Designphase des Programms angesehen werden sollte. Zur Skalierbarkeit der verwendeten Maße und Instrumente wurden kaum Informationen gefunden, da die meisten Studien lokale Umfelder wie Kliniken oder eine Bevölkerungsgruppe betrafen.
Grundsatzüberlegungen
Ausgehend von den Ergebnissen dieser Bestandsaufnahme wird vorgeschlagen, die Evaluation und Überwachung von Handlungskonzepten und Programmen zur Gesundheitskompetenz in den Ländern der Europäischen Region der WHO durch folgende grundsätzlichen Überlegungen zu stärken:
•
Ausarbeitung von Indikatorensätzen für eine breite Palette von Gesundheitskompetenzbereichen, die auf subnationaler ebenso wie auf nationaler Ebene wirksam wären, Erleichterung der Messung von Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung und Bereitstellung vergleichbarer Daten für die gesamte Europäischen Region;•
Schaffung von Messinstrumenten, die in mehreren Umfeldern und auf mehreren Ebenen übergreifend einsetzbar sind, um eine in sich stimmige Erhebung von Daten zur Gesundheitskompetenz der Bevölkerung in der Europäischen Region zu unterstützen;•
Ausweitung der Nutzung qualitativer und methodisch gemischter Ansätze für die Evaluation von Handlungskonzepten, Programmen und Interventionen, um ein eingehendes Verständnis der Fähigkeit zur Gesundheitskompetenz und der sie beeinflussenden kulturellen und kontextuellen Faktoren zu ermöglichen;•
Einrichtung von Partnerschaften für die Überwachung und Evaluation von Handlungskonzepten und Programmen zur Gesundheitskompetenz, auch mit Forschungseinrichtungen und Organisationen, die an der Förderung der Forschung, Politik und Praxis in Bezug auf Gesundheitskompetenz beteiligt sind.1. EINFÜHRUNG
1.1 Hintergrund
1.1.1 Definition von Gesundheitskompetenz
2013 veröffentlichte das WHO-Regionalbüro für Europa den Bericht Gesundheitskompetenz: die Fakten, in dem Gesundheitskompetenz als stärkerer Prädiktor für den Gesundheitszustand einer Person als Einkommen, Beschäftigungsstatus, Bildungsstand und Zugehörigkeit zu einer bestimmten Rasse oder ethnischen Gruppe benannt wurde (1). Gesundheitskompetenz folgt auch einem sozialen Gefälle und kann bestehende gesundheitliche Ungleichheiten weiter verschärfen. Der Bericht stützte sich auf die integrierte und umfassende Definition persönlicher Gesundheitskompetenz, die im Rahmen des European Health Literacy Project (2009–2012) (2) erarbeitet wurde, das in die Erhebung über Gesundheitskompetenz in der Europäischen Union (HLS-EU) mündete:
Gesundheitskompetenz ist mit Bildung verknüpft und setzt voraus, dass Menschen über das Wissen, die Motivation und die Kompetenzen verfügen, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden, um im Alltag in den Bereichen Gesundheitsversorgung, Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung Urteile fällen und Entscheidungen treffen zu können, welche die Lebensqualität im gesamten Lebensverlauf erhalten oder verbessern.
In Gesundheitskompetenz: die Fakten wurde ein gesamtgesellschaftlicher, bereichsübergreifender Ansatz umrissen, der Gesundheitskompetenz im gesamten Lebensverlauf thematisiert und Gemeinde-, Bildungs- und betriebliche Einrichtungen, das Kontinuum der Gesundheitsversorgung sowie die Palette potenzieller Kommunikationsmittel (z. B. mündlich, gedruckt, traditionelle Medien, soziale Medien und mobile Gesundheitsplattformen) erfasst. Darüber hinaus wurde in dem Bericht das Konzept des gesundheitskompetenten Umfelds propagiert: Gesundheitskompetente Umfelder sind von einem Bewusstsein für Gesundheitskompetenz durchdrungen und ermöglichen Aktivitäten zur Stärkung der Gesundheitskompetenz bei sämtlichen darin angewandten Handlungskonzepten, Verfahren und Praktiken. Sie begreifen die Stärkung der Gesundheitskompetenz als Teil ihres Kerngeschäfts (1).
1.1.2 Gesundheitskompetenz in der Europäischen Region der WHO Die 53 Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO haben insgesamt 894 Mio. Einwohner, weisen jedoch vielfältige Gesundheits-, Sozial-, Kultur- und Wirtschaftssysteme auf. Vier von ihnen werden als Länder mit mittlerem Einkommen im unteren Bereich, fünf als Länder mit mittlerem Einkommen im oberen Bereich und 44 als Länder mit hohem Einkommen eingestuft (3).
Die HLS-EU von 2011 ergab, dass 47,6% der erwachsenen Bevölkerung in den acht teilnehmenden Mitgliedstaaten (Bulgarien, Deutschland (Nordrhein-Westfalen), Griechenland, Irland, Niederlande, Österreich, Polen und Spanien) über eine suboptimale allgemeine Gesundheitskompetenz (unzureichend oder problematisch) verfügen und dass dies mit einer geringeren Selbsteinschätzung der Gesundheit, höheren Raten chronischer (d. h. langfristiger) Erkrankungen, nachteiligeren Lebensgewohnheiten (körperliche Betätigung, Body-Mass-Index und Alkohol) und einer höheren Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen einhergeht (4).
Diese Erkenntnisse über die Bevölkerung haben in Verbindung mit einem besseren Verständnis des Zusammenhangs zwischen Gesundheitskompetenz und gesundheitlichen Resultaten dafür gesorgt, dass Gesundheitskompetenz einen höheren Stellenwert in der staatlichen Politik einnimmt. Auf globaler Ebene konstatierte die Erklärung der WHO von Shanghai über Gesundheitsförderung im Rahmen der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung (5), dass Gesundheitskompetenz eine entscheidende Determinante von Gesundheit darstellt. Diese Erklärung enthielt ein klares globales Mandat an die Regierungen, Gesundheitskompetenz zu einer Priorität der staatlichen Politik zu machen, und hat ihr den Charakter einer globalen Bewegung verliehen (6).
In der Europäischen Region der WHO ist Gesundheitskompetenz seit nahezu zwei Jahrzehnten ein politisches Thema, was dazu geführt hat, dass ausgedehnte Forschungsarbeiten durchgeführt, Netzwerke eingerichtet und Projekte zur Gesundheitskompetenz umgesetzt wurden. Um Gesundheitskompetenz in Europa nachzuweisen und zu messen, unterstützte die Europäische Kommission das European Health Literacy Project (2009–2012), das von Akteuren aus acht EU-Mitgliedstaaten konzipiert und ausgeführt wurde (2). Im Zuge des Projekts wurde ein neuer, detaillierterer Ansatz mit einer umfassenden Definition, einem konzeptionellen Modell und Messinstrument sowie einer vergleichenden Erhebung entwickelt. Das Projekt gab den Anstoß für verschiedenste Aktivitäten auf kommunaler und nationaler Ebene sowie europäische Kooperationen und Konferenzen. Es regte andere Länder der Europäischen Region der WHO (Belgien,
Dänemark, Deutschland, Italien, Malta, Portugal, Schweiz, Tschechische Republik und Ungarn) an, die Gesundheitskompetenz ihrer Bevölkerung zu messen.
In Anbetracht des globalen, vernetzten Charakters der Bewegung zur Stärkung von Gesundheitskompetenz wurde die der HLS-EU zugrunde liegende Methodik bei Umfragen in zahlreichen anderen Ländern der Europäischen Region der WHO und darüber hinaus herangezogen, etwa in Indonesien, Israel, Japan, Kasachstan, Malaysia und Myanmar (7).
Die Mitgliedstaaten in der Europäischen Region der WHO sind entschlossen, die Informationsgrundlage gesundheitspolitischer Konzepte zu verbessern.
Dies geschieht derzeit im Rahmen der Europäischen Gesundheitsinformations- Initiative der WHO (8). Im Jahr 2018 wurde ein neues Aktionsnetzwerk der WHO zur Messung der Gesundheitskompetenz von Bevölkerung und Organisationen (M-POHL-Netzwerk) mit dem Ziel eingerichtet, eine internationale Version der HLS-EU für die Erfolgskontrolle aufzubauen (9), und 2019 folgte die Einrichtung eines Aktionsnetzwerks, das die Anwendung von Gesundheitskompetenz zugunsten der Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten unterstützen soll. Das WHO-Regionalbüro für Europa gab 2018 einen Bericht in der Reihe Zusammenfassende Berichte des Health Evidence Network (HEN) (Bericht 57) in Auftrag, um Erkenntnisse über Handlungskonzepte zur Gesundheitskompetenz und damit verbundene Maßnahmen in der Europäischen Region zu ermitteln und aufzubereiten (10). In dem Bericht wurden 46 bestehende oder in Entwicklung befindliche Handlungskonzepte in 19 der 53 Mitgliedstaaten identifiziert. Er enthielt neue Belege für gelungene Aktivitäten auf individueller und gemeinschaftlicher Ebene, insbesondere in den gesellschaftsrelevanten Bereichen Gesundheit und Bildung, ließ jedoch auch einen Mangel an Evidenz für Aktivitäten auf Organisations- oder Systemebene oder die Wirksamkeit solcher Aktivitäten erkennen. Ausgehend von den vorliegenden Erkenntnissen wurde im HEN-Bericht 57 vorgeschlagen, die Evidenzbasis für Gesundheitskompetenz zu stärken, insbesondere in denjenigen gesellschaftsrelevanten Bereichen, in denen derzeit kaum oder nur wenige publizierte Aktivitäten stattfinden. Es wurde hervorgehoben, wie wichtig eine belastbare qualitative und quantitative Messung und Evaluation von Handlungskonzepten zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz und entsprechender Interventionen ist. Zudem wurde die Notwendigkeit unterstrichen, geeignete Evaluationsrahmen und Indikatoren für die Messung von Handlungskonzepten und Programmen zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz in den Mitgliedstaaten aufzuzeigen, damit regelmäßig hochwertige und international vergleichbare Daten und Erkenntnisse über die Gesundheitskompetenz gewonnen werden können, und der Nutzen betont, der mit dem Austausch von Fähigkeiten und Ressourcen und gegenseitigem Lernen in der gesamten Region potenziell verbunden wäre.
1.1.3 Konzeptionelle Ansätze für Gesundheitskompetenz
Gesundheitskompetenz wird als relationales, interaktives oder kontextuelles Konzept verstanden. Als eine grundlegende Kategorie wird demnach die Gesundheitskompetenz von Einzelpersonen oder Bevölkerungsgruppen abgegrenzt (hier als persönliche Gesundheitskompetenz bezeichnet). Gemeinschaftliche Gesundheitskompetenz bezieht sich in diesem Bericht auf Studien, bei denen die individuelle/persönliche Gesundheitskompetenz einer bestimmten Bevölkerungs- oder Zielgruppe gemessen wurde. Organisationale Gesundheitskompetenz umfasst die beruflichen und organisationalen Merkmale, die es Fachkräften, Organisationen oder Systemen ermöglichen, auf die Bedürfnisse der Menschen zu reagieren und Hemmnisse für Gesundheitskompetenz abzubauen.
Persönliche Gesundheitskompetenz
Für persönliche Gesundheitskompetenz gibt es eine Vielzahl von Definitionen, die teilweise gewisse Überschneidungen aufweisen. In Sørensen et al. wurde 2012 auf 17 Definitionen von Gesundheitskompetenz und 12 konzeptionelle Modelle verwiesen (11), und im Zuge der Weiterentwicklung der Wissenschaft bilden sich neue Definitionen heraus. Konzeptionelle Definitionen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Dimensionen (z. B. Gesundheitsinformationen finden, verstehen, beurteilen und entsprechend handeln und in verschiedenen Rollen und gesellschaftlichen Umfeldern interagieren). In generischen Modellen werden Bezugselemente oder Determinanten (d. h. Faktoren, die der Gesundheit zugrunde liegen oder Kompetenz bewirken) definiert und die Folgen abgeleitet, die sich aus Gesundheitskompetenz und damit zusammenhängenden Aktivitäten ergeben (z. B.
Lebensweise oder Gesundheitsverhalten, Indikatoren für den Gesundheitszustand sowie Inanspruchnahme und Resultate von Gesundheitsangeboten und damit verbundene Kosten). Die Definition und das Modell von Gesundheitskompetenz, die für ein Handlungskonzept zur Gesundheitskompetenz und die damit verbundenen Aktivitäten gewählt werden, sind wesentlich für die Messung und Evaluation. Die Wahl richtet sich nach dem Kontext und dem Umfeld; dabei werden die wichtigsten Akteure und voraussichtlichen Folgen bestimmt und nach Möglichkeit die optimalen Messwerkzeuge festgelegt, mit denen Erkenntnisse über diese Folgen gewonnen werden können. Eine detaillierte Betrachtung der Definitionen und Rahmenkonzepte für Gesundheitskompetenz geht über die Zwecke dieses Berichts hinaus, jedoch sollen an dieser Stelle einige wichtige Beispiele zur Veranschaulichung der oben genannten Punkte angeführt werden. Eine wichtige Unterscheidung innerhalb der persönlichen Gesundheitskompetenz ist die zwischen einer klinischen und einer Public-Health-Perspektive.
Klinische (bzw. medizinische) Perspektiven. Hier liegt ein Schwerpunkt auf den Lese-, Schreib-, Sprach- und Rechenfähigkeiten, die der Einzelne als Nutzer benötigt, um Aufgaben in einem Versorgungsumfeld auszuführen. Diese Perspektive weist insofern auch einen Aspekt organisationaler Gesundheitskompetenz auf, als sie impliziert, dass Einrichtungen und Fachkräfte in der Lage sein sollten, Hindernisse bei der Versorgung von Patienten mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen in Bezug auf Gesundheitskompetenz zu erkennen und zu beseitigen (12, 13). Bei diesem Ansatz finden die Mess- und Evaluationsaktivitäten in der Regel in einem medizinischen Umfeld statt und können nur spezifische Erkrankungen erfassen. Die angestrebten Resultate betreffen in erster Linie die Fähigkeit der Patienten, ärztliche Beratung und Behandlung zu befolgen und eigenverantwortlich mit ihren Erkrankungen umzugehen.
Public-Health-Perspektiven. Aus dieser Sicht ist Gesundheitskompetenz ein Aktivposten für eine gesunde Lebensweise, der durch Befähigung zu selbstbestimmtem Handeln in der Gemeinschaft, staatsbürgerliches Engagement und soziales Handeln aufgebaut werden kann; zudem ist sie eine Determinante von positiver Gesundheit und Wohlbefinden (14, 15). Aktivitäten im Sinne einer Public-Health-orientierten Gesundheitskompetenz können in einer Vielzahl von Umfeldern und im Kontext des täglichen Lebens stattfinden. Die angestrebten Resultate betreffen unter anderem die Fähigkeit, Gesundheitsinformationen zu verstehen, aber auch die Fähigkeit, sie zu evaluieren und Entscheidungen über individuelle und kollektive Maßnahmen zu treffen (16).
Da der Trend hin zu einer umfassenderen Auslegung der Begriffe Gesundheit und Kompetenz geht, haben sich die Definitionen und Maße für spezifische Aspekte der persönlichen Gesundheitskompetenz so weiterentwickelt, dass sie bestimmte Segmente der Bevölkerung (z. B. unterschiedliche Altersgruppen oder unterschiedliche Lebensweisen), spezifische Aspekte der Gesundheit (z. B. krankheits- oder themenspezifisch) und bestimmte Arten der Kommunikation (z. B. mündlich, schriftlich oder digital) erfassen (4). Die soll durch die zwei folgenden Beispiele veranschaulicht werden.
Digitale Gesundheitskompetenz. Dieses Konzept findet zunehmend Beachtung, da sich die Mittel der Kommunikation infolge der Weiterentwicklung der digitalen Technologie rasant verändern (d. h. über mündliche oder schriftliche Methoden hinausgehen). Elektronische bzw. im Internet angesiedelte Quellen sind heute eine wichtige Methode, Informationen aufzufinden, um im Alltag Urteile fällen und Entscheidungen (für die Gesundheit) treffen zu können (11). Eine weithin verwendete Definition besagt, dass digitale Gesundheitskompetenz die Fähigkeit
ist, Gesundheitsinformationen in elektronischen Quellen zu suchen, zu finden, zu verstehen und zu beurteilen und das erlangte Wissen anzuwenden, um ein Gesundheitsproblem anzugehen oder zu lösen (17).
Psychische Gesundheitskompetenz. Das Konzept der psychischen Gesundheitskompetenz hat sich getrennt vom allgemeineren Bereich der Gesundheitskompetenz herausgebildet. Die ersten Definitionen waren auf das Wissen, die Einstellungen und die Überzeugungen der Menschen zu psychischen Störungen ausgerichtet, die deren Erkennung, Steuerung oder Prävention unterstützen (18). In jüngster Zeit hat sich die Definition so weiterentwickelt, dass sie auch die Fähigkeit beinhaltet, psychische Gesundheit zu erreichen und zu erhalten und bei Bedarf Hilfe zu suchen (19). Daher können die Resultate der Aktivitäten im Bereich psychische Gesundheitskompetenz – und somit auch die untersuchten Indikatoren für Veränderungen und die zum Nachweis solcher Veränderungen eingesetzten Instrumente – je nach der Definition psychischer Gesundheitskompetenz, die der Studie zugrunde liegt, sehr unterschiedlich ausfallen.
Organisationale Gesundheitskompetenz
Die Modelle und Rahmenkonzepte für organisationale Gesundheitskompetenz setzen vor allem am Verhältnis zwischen der Gesundheitskompetenz des Einzelnen und der Komplexität der Gesundheitsversorgung und -systeme an (20, 21). Organisationale Gesundheitskompetenz bezieht sich auf die Fähigkeit von Einrichtungen und Fachkräften, Hindernisse bei der Versorgung von Patienten mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen in Bezug auf Gesundheitskompetenz zu erkennen und anzugehen (12, 13). Die hierbei untersuchten Bereiche betreffen vor allem Führungsaspekte und Organisationsprinzipien, die Kultur, die Systeme und die Prozesse. Die Terminologie wird auf diesem Gebiet nicht immer einheitlich gehandhabt (22); allerdings liegen bereits mehrere Bestandsaufnahmen vor, die konzeptionelle und operative Orientierungshilfe für diesen sich rasch entwickelnden Bereich der Forschung, Praxis und Politik liefern (22–27). Die umfassendsten Konzepte und Rahmen wurden in Australien (28, 29), Europa (27, 30) und den Vereinigten Staaten von Amerika (24, 31) entwickelt.
1.1.4 Zielsetzungen dieses Berichts
Im HEN-Bericht 57 wurde beleuchtet, welche Handlungskonzepte und Interventionen zur Gesundheitskompetenz in der Europäischen Region der WHO bestehen, und eine begrenzte Zahl von Evaluationsstudien zur Messung der Umsetzung derartiger Handlungskonzepte inhaltlich umrissen (10). Eine der wichtigsten
Grundsatzüberlegungen bestand in dem Vorschlag, die Handlungskonzepte, Programme und Interventionen zur Gesundheitskompetenz qualitativ und quantitativ zu evaluieren. Dies ist in Anbetracht dessen, dass die Regierungen zunehmend nationale Handlungskonzepte zur Gesundheitskompetenz entwickeln, besonders zweckmäßig.
Ziel des vorliegenden Berichts ist es, durch eine Bestandsaufnahme der besten verfügbaren Erkenntnisse für ein besseres Verständnis dieser Defizite zu sorgen, um folgende übergreifende Frage zu beantworten: „Welche Erkenntnisse gibt es zu den Methoden, Rahmen und Indikatoren für die Evaluation von Handlungskonzepten, Programmen und Interventionen zur Gesundheitskompetenz auf Landes-, Regions- und Organisationsebene?“
1.2 Methodik
Durch eine Bestandsaufnahme (Scoping Review) wurden die besten verfügbaren Erkenntnisse zu den Methoden, Rahmen und Indikatoren für die Evaluation von Handlungskonzepten, Programmen und Interventionen zur Gesundheitskompetenz ermittelt, die zwischen dem 1. Januar 2013 und dem 31. Dezember 2018 veröffentlicht wurden. Da es sich bei der Evaluation von Handlungskonzepten und Programmen zur Gesundheitskompetenz um eine relative neue wissenschaftliche Methode handelt, war zu erwarten, dass die eine bestimmte Region betreffenden Erkenntnisse begrenzt ausfallen würden. Aus diesem Grund wurde eine globale Suche nach den besten verfügbaren Erkenntnissen durchgeführt, die sich auf die Europäische Region der WHO anwenden ließen. Die Suche erfolgte in fachlich begutachteten Veröffentlichungen in englischer, französischer, deutscher, spanischer und russischer Sprache sowie mit der Suchmaschine Google – und nur in englischer Sprache – in der grauen Literatur. Einschlägige Dokumente wurden auch aus dem HEN-Bericht 57, der Erkenntnisse über Handlungskonzepte zur Gesundheitskompetenz (und damit verbundene Aktivitäten) in der gesamten Europäischen Region der WHO enthält (10), aus dem Health Literacy Toolshed1 (32) und durch Befragungen internationaler
1. Der Health Literacy Toolshed ist ein kuratiertes webbasiertes Archiv von Instrumenten zur Messung einer oder mehrerer Dimensionen der Gesundheitskompetenz auf persönlicher Ebene. Für die Aufnahme der Instrumente in das Archiv muss mindestens eine in der fachlich begutachteten Literatur veröffentlichte Validierungsstudie vorliegen, die die Berichtsstandards für einen Mindestkatalog von Validierungsmerkmalen erfüllt. Die Aufnahme kann nicht als pauschale Billigung gewertet werden.
Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Berichts sind dort 191 Instrumente aufgeführt.
Experten bezogen. Die Dokumente mussten den Begriff health literacy (oder die Entsprechung in der jeweiligen Sprache) enthalten.
Insgesamt wurden nach Entfernung von Duplikaten 2312 fachlich begutachtete Artikel gefunden. Aus der Sichtung der Volltextartikel ergaben sich 68 Artikel, die um fünf Artikel aus der Suche in der grauen Literatur, zwei Artikel aus der Expertenbefragung und sechs Artikel aus dem Bericht 57 ergänzt wurden. 24 der 81 identifizierten Studien enthielten einen Evaluationsbericht über ein Programm oder eine Intervention (d. h. Umsetzung, Akzeptanz oder Angemessenheit) (33–56), und in 57 Studien wurde über die Messung der Auswirkungen einer Intervention auf die Gesundheitskompetenz berichtet (d. h. keine Bewertung der Intervention oder des Programms selbst vorgenommen) (19, 57–112).
Anhang 1 enthält detaillierte Informationen zur Suchstrategie und zu den Einschlusskriterien.
2. ERGEBNISSE
Von den 81 Studien, die aus der Bestandsaufnahme hervorgingen, enthielten 24 einen Evaluationsbericht über ein Programm oder eine Intervention (33–56), und in 57 Studien wurde über die Auswirkungen einer Intervention auf die Gesundheitskompetenz unter Verwendung experimenteller Designs, etwa randomisierter kontrollierter Studien, gemeindebasierter Clusterstudien, kurzer Interventionen in der klinischen Versorgung oder anderer forschungsorientierter Studiendesigns, berichtet (19, 57–112).
Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme werden in den folgenden Abschnitten erläutert:
2.1: Allgemeine Merkmale der Studien;
2.2: Evaluationsrahmen und Logikmodelle;
2.3: Methoden (quantitative, qualitative, gemischte Methoden, ökonomische Evaluation, Instrumente zur Messung von Gesundheitskompetenz sowie Datenquellen und Periodizität der Erhebung);
2.4: Messbereiche und Indikatoren;
2.5: Partnerschaften und Koordination zur Messung von Gesundheitskompetenz;
2.6: Begünstigende Faktoren und Hindernisse für die Messung von Gesundheitskompetenz;
2.7: Ressourcen und Skalierbarkeit; und
2.8: Evaluation der Gesundheitskompetenz in der Europäischen Region der WHO.
Ansätze für die Messung von Gesundheitskompetenz in der Europäischen Region der WHO werden anhand von Fallstudien veranschaulicht.
2.1 Allgemeine Merkmale der Studien
Wie es bei einem neuen und sich entwickelnden Politik- und Praxisbereich wohl zu erwarten war, wurden in diesem Bericht keine öffentlich zugänglichen Evaluationen nationaler oder subnationaler Handlungskonzepte für Gesundheitskompetenz und nur wenige Evaluationen nationaler Programme ermittelt. Einige der ermittelten Studien wurden in mehr als einem Umfeld bzw. auf mehr als einer gesellschaftlichen Ebene durchgeführt. Ein Problem besteht darin, dass die Definitionen und Rahmenkonzepte für Gesundheitskompetenz sowohl in Bezug auf ihren Geltungsbereich als auch hinsichtlich der verwendeten Begrifflichkeiten sehr unterschiedlich sind. Die Behandlung dieser Frage würde den Rahmen des vorliegenden Berichts sprengen, doch wird in Anhang 2 ein Überblick über einschlägige Konzepte gegeben.
2.1.1 Messebenen
Die meisten Studien (n = 67) wurden auf kommunaler Ebene durchgeführt, wobei die Messungen an einem Standort oder an mehreren Standorten in einer Stadt oder Ortschaft vorgenommen wurden. Vier Studien wurden auf subnationaler Ebene unter Einbeziehung mehrerer Städte/Ortschaften, jedoch innerhalb eines einzelnen Bundesstaats, Gebiets oder Bezirks durchgeführt (33, 57–59). Auf nationaler Ebene wurden neun Studien vorgenommen, darunter Evaluationen von nationalen Regierungsprogrammen oder von Forschungsprojekten, die auf nationaler Ebene über mehrere Bundesstaaten, Gebiete oder Bezirke hinweg realisiert wurden (34–38, 60–63). Nur eine Studie war auf internationaler Ebene angesiedelt und diente der Messung der Wirkung einer Online-Intervention in mehreren Ländern (64).
2.1.2 Umfelder
Die Studien wurden überwiegend in Einrichtungen der Gesundheitsversorgung (n = 44) und des Bildungswesens (Schulen, Hochschulen und Erwachsenenbildungszentren;
n = 43), einige wenige am Arbeitsplatz (n = 8), im Gemeinde- (Lebens-)Umfeld (n = 18) und in digitalen/Medienumfeldern (n = 10) durchgeführt. 33 Studien befassten sich mit dem Aufbau und der Messung von Gesundheitskompetenz in zwei oder mehreren dieser Umfelder.
2.1.3 Gesellschaftliche Ebene
Nahezu alle Studien in diesem Bericht (n = 79) betrafen Gesundheitskompetenz auf individueller Ebene. Acht Studien befassten sich mit gemeinschaftlicher Gesundheitskompetenz („gemeinschaftlich“ bezieht sich in diesem Bericht auf Studien, bei denen die persönliche Gesundheitskompetenz einer bestimmten Bevölkerungs- oder Zielgruppe gemessen wurde (35, 36, 39–42, 65, 66). In fünf Studien ging es um Gesundheitskompetenz auf organisationaler Ebene (33, 36, 43, 44, 67), etwa um Verbesserungen des organisationalen Umfelds oder Verbesserungen hinsichtlich der Qualifikationen des Gesundheitspersonals. Nur eine Studie war der Gesundheitskompetenz auf systemischer bzw. gesetzgeberischer Ebene gewidmet (38); evaluiert wurde dabei eine nationale Partnerschaft für Gesundheitskompetenz mit dem Ziel, die Funktionen und Wirksamkeit der Partnerschaft bei der Regelung der Umsetzung und Überwachung der nationalen Gesundheitskompetenz-Ziele zu bestimmen.
2.1.4 Themen der Gesundheitskompetenz
In einer Vielzahl von Studien wurden die persönliche Gesundheitskompetenz im Allgemeinen (n = 30) und die psychische Gesundheitskompetenz (n = 28),
einschließlich spezifischer psychischer Erkrankungen, behandelt und gemessen.
Darüber hinaus wurde in einer Reihe von Studien krankheits- oder themenspezifische Gesundheitskompetenz thematisiert und bewertet, darunter Kompetenz in Bezug auf digitale Gesundheit (n = 5), chronische Krankheiten (und Risikofaktoren; n = 6), Ernährung (n = 2), Diabetes (n = 3), Tabakwerbung und Förderung des Rauchens (n = 1), Krebs (n = 1), medikamentöse Behandlung (n = 4), sexuelle Gesundheit (n = 2), Klimawandel/umweltbezogener Gesundheitsschutz (n = 3), Augengesundheit (n = 1), Mundgesundheit (n = 2) und Malaria (n = 1).
2.2 Evaluationsrahmen und Logikmodelle
Im Rahmen dieser Bestandsaufnahme wurden keine internationalen, nationalen oder subnationalen Rahmenkonzepte für die Evaluation von Gesundheitskompetenz identifiziert, und es gab nur begrenzte Hinweise auf die Verwendung von Evaluationsrahmen. In einigen Studien wurden Forschungsprojekte oder Programme unter Verwendung einschlägig bekannter konzeptioneller Modelle oder Rahmen für Gesundheitskompetenz evaluiert (11, 16, 45). In drei Studien wurden als Orientierung für die Durchführung und Evaluation programmspezifische Logikmodelle oder auf der Theorie des Wandels beruhende Rahmenkonzepte erarbeitet (35, 43, 44).
2.2.1 Konzeptionelle Modelle oder Rahmen für Gesundheitskompetenz Das integrierte Modell der Gesundheitskompetenz nach Sørensen et al. (11) kombiniert klinische und Public-Health-Perspektiven von Gesundheitskompetenz. Es stellt Gesundheitskompetenz als einen Prozess der Befähigung zu selbstbestimmtem Handeln dar und betont den Einfluss sozialer und situativer Determinanten auf die Gesundheitskompetenz. Zudem untermauert es das Konzept der Gesundheitskompetenz als Spektrum der Kenntnisse und Fähigkeiten, die über ein Kontinuum hinweg – von der Gesundheitsversorgung (individuelle Ebene) bis zur Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung (Bevölkerungsebene) – benötigt werden, wofür Maßnahmen außerhalb von Gesundheitseinrichtungen erforderlich sind. Demnach umfasst das Gesundheitskontinuum drei Aktionsbereiche: i) die Gesundheitsversorgung, ii) die Krankheitsprävention und iii) die Gesundheitsförderung. Es sind vier Arten von Kompetenz (Fähigkeitsbereiche) zu unterscheiden: i) Findung bzw. Erschließung gesundheitsrelevanter Informationen;
ii) Verstehen gesundheitsrelevanter Informationen; iii) Verarbeitung und Beurteilung gesundheitsrelevanter Informationen, um zu entscheiden, was relevant ist; und iv) Anwendung gesundheitsrelevanter Informationen, um zu kommunizieren und Entscheidungen zur Erhaltung und Verbesserung der Gesundheit zu treffen. Aus der Kombination von Aktions- und Kompetenzbereichen ergibt sich eine Matrix mit 12
Feldern. Das Modell beschreibt auch einige mit Gesundheitskompetenz verbundene Resultate, darunter Nutzung von Gesundheitsangeboten, Gesundheitskosten, Gesundheitsverhalten, gesundheitliche Resultate, Partizipation, Selbstbestimmung, Chancengleichheit und Nachhaltigkeit.
Das Stufenmodell von Nutbeam stellt Gesundheitskompetenz als Aktivposten für persönliche Selbstbestimmung und umfassenderen sozialen Wandel dar (16). Es beschreibt drei Stufen oder Bereiche von Gesundheitskompetenz: i) funktionale Gesundheitskompetenz, die sich auf die zur effektiven Bewältigung von Alltagssituationen erforderlichen Lese- und Schreibfähigkeiten bezieht; ii) interaktive Gesundheitskompetenz, welche die für eine aktive Beteiligung am Alltagsleben erforderlichen fortgeschrittenen kognitiven und schriftsprachlichen Fähigkeiten sowie sozialen Fähigkeiten umfasst; und iii) kritische Gesundheitskompetenz, wozu die fortgeschrittenen kognitiven und sozialen Fähigkeiten zählen, die für die kritische Analyse von Informationen und die Nutzung dieser Informationen im Hinblick auf mehr Kontrolle über Lebensereignisse und -situationen benötigt werden.
Interaktive Gesundheitskompetenz bedeutet auch, Gesundheitsinformationen zu erschließen, den Sinn verschiedener Kommunikationsformen zu erfassen und diese Informationen unter verschiedenen und sich ändernden Umständen anzuwenden.
Der Rahmen für umweltbezogene Gesundheitskompetenz beschreibt drei Dimensionen umweltbezogener Gesundheitskompetenz: i) Bewusstsein und Wissen, ii) Fähigkeiten und Selbstwirksamkeit und iii) (Maßnahmen für) gesellschaftlichen Wandel (45). Er wurde für die Bewertung von vier Gemeinden in Arizona (USA) mit bekannten gesundheitsbelastenden Umweltfaktoren herangezogen (45).
2.2.2 Evaluation auf der Grundlage von Logikmodellen oder Modellen im Sinne der Theorie des Wandels
In drei Studien – einer über ein nationales Programm im Vereinigten Königreich (35) und zweien über kommunale Projekte in Australien (43, 44) – wurden als Orientierung für die Durchführung und Evaluation programmspezifische Logikmodelle oder auf der Theorie des Wandels basierende Rahmenkonzepte erarbeitet. Logikmodelle und Theorien des Wandels helfen bei der Evaluation der Durchführung und der Resultate von Programmen insofern, als sie die Annahmen und Zusammenhänge zwischen den Inputs (d. h. den finanziellen und personellen Ressourcen) und Aktivitäten des Programms und den beabsichtigten Outputs (d. h.
den Produkten oder Leistungen) und Resultaten auf kurze, mittlere und lange Sicht
beschreiben. In jedem Rahmenkonzept wurden Resultate auf individueller und auf Organisations- oder Systemebene dargestellt.
In dem Programm „Skilled for Health“ im Vereinigten Königreich wurde ein auf der Theorie des Wandels basierender Rahmen verwendet, um Resultate auf individueller und auf organisationaler Ebene abzuleiten (35). Die Resultate für Einzelpersonen bestanden in besseren Lebensfertigkeiten, gestärktem Vertrauen, vermehrtem Interesse an Gesundheit, besseren beruflichen Chancen, einer gesünderen Lebensführung und besserer Gesundheit. Für Organisationen ergaben sich eine Verringerung krankheitsbedingter Fehlzeiten am Arbeitsplatz und eine verstärkte Inanspruchnahme von Bildungsprogrammen.
In einer randomisierten kontrollierten Studie wurde ein Logikmodell verwendet, um eine gemeindenahe präventive Gesundheitsintervention in Australien zu beschreiben (43). Auf individueller Ebene führte das zu verbessertem Wissen und Verständnis, verbesserter Gesundheitskompetenz und verbesserten gesundheitlichen Resultaten. Auch Resultate für Leistungserbringer wurden beschrieben, darunter bessere Bewertungen der Risikofaktoren für Patienten, ein gestiegenes Verständnis der Wirkung von Gesundheitskompetenz auf Patienten, eine bessere Fähigkeit, auf die Gesundheitskompetenz von Patienten einzugehen, und ein besserer Umgang der Patienten mit Risikofaktoren. Als Resultate auf Organisations- oder Systemebene waren bessere Systeme zur Erfassung und Beobachtung von Patienten zu verzeichnen.
Einstellungen und Verhaltensweisen in Bezug auf Gesundheit, die in der Kindheit geprägt werden, beeinflussen die Gesundheitsmuster Erwachsener stark, und in einer australischen Studie wurde ein schulisches Programm zur Förderung der Gesundheitskompetenz untersucht (44). Mithilfe eines Logikmodells wurden Resultate beschrieben, die überwiegend auf Organisations- oder Systemebene zu beobachten waren, unter anderem die Erarbeitung eines Aktionsplans für Gesundheitskompetenz, die Verankerung von Gesundheitskompetenz im Lehrplan, die Verbesserung von Führungsstrukturen, Qualifikationen und Partnerschaften für Gesundheitskompetenz, der Abbau von Kompetenzbarrieren für schwächere Gruppen, die bessere Nutzung von Ressourcen im Bereich Gesundheitskompetenz und die Gestaltung nachhaltiger, dem Bedarf an Gesundheitskompetenz gerecht werdender Schulen. Weitere Resultate, die beschrieben wurden, betrafen schulische Akteure, einschließlich Schülern und Lehrkräften: stärkere Sensibilisierung für Gesundheitskompetenz, gestiegene Gesundheitskompetenz (Fähigkeiten, Wissen und Praktiken) und bessere gesundheitliche Resultate.
2.3 Methoden
2.3.1 Quantitative Methoden
Eine Vielzahl der in diesem Bericht erfassten Studien stützte sich ausschließlich auf quantitative Methoden zur Messung der Gesundheitskompetenz (19, 57–60, 62–103). Dabei wurden überwiegend die Auswirkungen einer Intervention auf die Gesundheitskompetenz bewertet. In nahezu allen quantitativen Studien wurden als Methode der Datenerhebung Umfragen oder Fragebögen eingesetzt, viele davon in Papierform, bei denen die Antworten von den Befragten oder von den Interviewern oder mit deren Hilfe eingetragen wurden, wenngleich es auch einige wenige Online-Umfragen gab, die von den Teilnehmern selbstständig beantwortet wurden.
In quantitativen Studien wurde häufig auf bereits veröffentlichte Instrumente zur Messung von Gesundheitskompetenz, darunter auf Tests und Eigenangaben beruhende Maße (Abschnitte 2.3.5 und 2.3.6), oder in einigen Fällen auf eine kleinere Auswahl von Fragen aus diesen Instrumenten zurückgegriffen. Für einige Studien wurden auch maßgeschneiderte Umfragen oder Fragebögen entwickelt. In diesen Fällen erarbeiteten die Verfasser Fragen zur Messung relevanter individueller Resultate (z. B. Veränderungen hinsichtlich des Wissens, des Verhaltens oder der Fähigkeiten) oder zur Evaluation der Durchführung und der Resultate von Programmen (58, 59, 65, 66, 69, 71, 83–85, 94, 95, 97, 101, 104).
Bei einigen wenigen Studien wurde der Einsatz einer Umfrage oder eines Fragebogens zur Gesundheitskompetenz mit klinischen Maßen (z. B. Body-Mass-Index) (82), Beobachtungs-Checklisten (104) oder Wissens-Checklisten (85) kombiniert.
2.3.2 Qualitative Methoden
Rein qualitative Methoden wurden lediglich in vier Studien verwendet, die sämtlich eine Evaluation zum Gegenstand hatten: zwei kleinere Programme für Gesundheitserziehung in den Vereinigten Staaten (46) und Australien (47), ein nationales Programm für Gesundheitserziehung in Schweden (34) und eine nationale Partnerschaft/Allianz für Gesundheitskompetenz in Österreich (38).
Anhand von eingehenden, halbstrukturierten Interviews wurden die Auswirkungen eines in den Vereinigten Staaten durchgeführten Programms für das Leben nach einer Krebserkrankung auf die Gesundheitskompetenz von Jugendlichen
und jungen Erwachsenen und auf die Kommunikation zwischen Überlebenden und Leistungserbringern evaluiert (46). Befragt wurden vier Personengruppen:
Krebsüberlebende, Leistungserbringer im Gesundheitswesen, Mitarbeiter von Krankenhausverwaltungen und Fürsprecher von Krebsüberlebenden. In den Interviews wurden nicht nur die Auswirkungen des Programms auf die Gesundheitskompetenz und -kommunikation bewertet, sondern auch die Wahrnehmungen der Teilnehmer im Hinblick darauf erkundet, wie das Programm weitergeführt werden kann, was sie daran besonders schätzten, welche Elemente am wichtigsten waren und welche Faktoren die Teilnahme an Bildungsprogrammen behindern. Die Interviews wurden mit einer kleinen Stichprobe von Teilnehmern in einem auf die jeweilige Gruppe zugeschnittenen Format geführt.
In einer australischen Studie wurde zur Evaluation eines kleinen gemeindenahen Programms für Gesundheitskompetenz mit Fokusgruppen gearbeitet, um zu bestimmen, wie das Design, der Ansatz und die Durchführung bei den Teilnehmern zu mehr Gesundheitskompetenz und Verhaltensänderungen führten (47). Insgesamt 22 Personen und damit fast die Hälfte aller Programmteilnehmer beteiligten sich in vier Fokusgruppen. Die Gespräche in den Fokusgruppen wurden in Form von halbstrukturierten Interviews geführt und unter vier Gesichtspunkten analysiert: Autonomie, Kompetenz und Eingebundenheit (Komponenten der Selbstbestimmungstheorie) sowie Befähigung zu selbstbestimmtem Handeln als gesondertes, jedoch verwandtes Thema.
Im Rahmen einer Studie über ein schwedisches Programm für Gesundheitskompetenz im sexuellen Bereich wurde anhand eingehender, halbstrukturierter Interviews untersucht, wie die Teilnehmerinnen den Inhalt und die Umsetzung des Programms wahrnahmen und ob es ihre sexuelle Gesundheit sowie ihr Verständnis und ihre Fähigkeiten in Bezug auf sexuelle Gesundheit gestärkt hatte (34). Dabei wurde eine Zielstichprobe weiblicher Flüchtlinge aus den drei zu der Zeit größten Sprachgruppen – Arabisch, Dari und Somali – gebildet. Neun von 19 in dieser Schulungsreihe in Frage kommenden Frauen wurden für die Studie befragt. Für die Interviews wurde ein Leitfaden mit vier übergreifenden Themen erarbeitet. Unter dem ersten Thema wurden die Erfahrungen der Teilnehmerinnen mit dem Erhalt von Informationen über sexuelle Gesundheit im Kontext von Lebensumständen, Kultur und Vorerfahrungen erforscht. Die anderen drei Themen betrafen die Bereiche des Gesundheitskompetenzmodells nach Nutbeam (funktional, interaktiv, kritisch), darunter die Wahrnehmungen der Teilnehmerinnen zu Wissen und Einstellungen, Motivation und Überlegungen in Bezug auf sexuelle Gesundheit.
Eine Evaluation der Österreichischen Plattform für Gesundheitskompetenz (ÖPGK) (38) (Fallstudie 1) stützte sich auf Interviews mit wichtigen Auskunftgebern in Verbindung mit Auswertungen und Analysen von Dokumenten sowie Beobachtungen bei Treffen und Partnerschaftsveranstaltungen, um die Strukturen, Funktionen und Lenkungsmechanismen der Partnerschaft zu bewerten und Bereiche mit Verbesserungspotenzial zu identifizieren.
Fallstudie 1: Evaluation der ÖPGK
Die Österreichische Plattform Gesundheitskompetenz (ÖPGK) wurde auf Beschluss der Bundesgesundheitskommission als Lenkungsmechanismus zur Unterstützung der Umsetzung eines der zehn Rahmen-Gesundheitsziele Österreichs eingerichtet: „Gesundheitskompetenz der Bevölkerung stärken“.
Die ÖPGK besteht aus einer Koordinationsstelle und einem Kern-Team von Experten, unter anderem auch aus Durchführungsorganisationen und Bundesministerien.
Bei einer externen Evaluation der Partnerschaft wurde geprüft, inwieweit die Strukturen und Funktionen der ÖPGK wie geplant aufgebaut wurden und ob die ÖPGK effektiv arbeitet. Dabei sollten auch die Fortschritte bei der Verwirklichung ihrer Ziele und Vorgaben untersucht werden (38).
Bei der Evaluation wurden mehrere qualitative Methoden angewandt und verschiedene an der Plattform beteiligte Akteure einbezogen. Erstens wurden folgende Dokumente analysiert und ausgewertet: Strategiepapiere und Berichte, Sitzungsunterlagen und Jahresberichte, Konferenzdokumentation und die Website. Zweitens wurden eingehende, halbstrukturierte Interviews mit 17 Personen durchgeführt, darunter Vertreter des Kern-Teams (fachliche und operative Experten), der Koordinationsstelle, des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen, der ÖPGK-Mitglieder und des Kuratoriums des wichtigsten Geldgebers (Fonds Gesundes Österreich). Schließlich wurden Beobachtungen der Teilnehmer von Tagungen und Konferenzen der ÖPGK eingeholt.
Insgesamt wurden daraus die wichtigsten Stärken und Grenzen der Partnerschaft bei der Erfüllung ihrer Funktionen und Ziele aufgezeigt, ihre wichtigsten Erfolge herausgestellt und Empfehlungen zur künftigen Verbesserung der Plattform abgegeben.
2.3.3 Gemischte Methoden
Ein methodisch gemischter Ansatz wurde in 30 Studien genutzt (33, 35–37, 39–45, 48–56, 61, 104–112), wovon 20 eine Evaluation eines Programms oder einer Intervention beinhalteten (33, 35–37, 39–45, 48–56). Das gängigste Studiendesign bei diesem Ansatz war die Kombination einer quantitativen Umfrage mit halbstrukturierten Interviews (33, 35, 39–43, 46, 49, 50, 54–56, 61, 107). Die quantitative Komponente diente in der Regel dazu, eine formelle Bewertung der Gesundheitskompetenz mithilfe eines öffentlich zugänglichen Instruments zur Messung von Gesundheitskompetenz (siehe Abschnitte 2.3.5 und 2.3.6) oder einer speziell für die Ziele der Studie entwickelten Umfrage vorzunehmen. Die Interviews wurden in der Regel mit einer Stichprobe von Programmteilnehmern geführt, jedoch wurden bei einigen Studien auch andere Akteure eingebunden, die Interesse an der Intervention oder dem Programm hatten oder eine entsprechende Rolle wahrnahmen (z. B. Gesundheitsfachkräfte, Ausbilder).
In fünf Studien wurden quantitative Befragungen zusammen mit Fokusgruppen verwendet (44, 47, 52, 53, 106), und in drei Studien wurden quantitative Befragungen mit Interviews und Fokusgruppen kombiniert (36, 48, 51).
In nahezu allen Studien mit gemischter Methodik wurden die Interviews und Fokusgruppen als Grundlage für eine Prozessevaluation des Programms oder der Intervention genutzt. Dies umfasste etwa eine Bewertung der Zufriedenheit der Teilnehmer mit einem Programm oder einer Intervention (Akzeptanz), die wahrgenommenen Vorteile, Stärken und Grenzen, begünstigende Faktoren und Hindernisse für die Umsetzung sowie die Nachhaltigkeit des Programms (Einzelheiten siehe Abschnitt 2.4.3). Es gab jedoch eine Studie, in der eingehende Interviews geführt wurden, um die kritische Gesundheitskompetenz der Teilnehmer zu erkunden (48), und in einer weiteren Studie wurde mit Photovoice gearbeitet, um die Erfahrungen und Stärken der Teilnehmer im Bereich Gesundheitskompetenz und ihre Vorschläge für Systemverbesserungen zu untersuchen (40) (Fallstudie 2).
Fallstudie 2: Einsatz von Photovoice bei der Evaluation eines Programms zur Gesundheitskompetenz
Photovoice ist eine qualitative, partizipatorische Methode, bei der bestimmte Themen oder Probleme in Kombination mit Fotos beleuchtet werden.
Sie wird angewandt, um marginalisierte Bevölkerungsgruppen sowie kulturell und sprachlich vielfältige Gemeinschaften einzubinden und ihnen
zu mehr Selbstbestimmung zu verhelfen (113). Bei einem Programm für junge südasiatische Männer mit Diabetes in Stoke-on-Trent (Vereinigtes Königreich) wurde Photovoice genutzt, um die Erfahrungen und Stärken der Teilnehmer und ihre Anregungen für Systemverbesserungen im Rahmen einer Evaluation eines kommunalen Programms für Gesundheitskompetenz zu untersuchen (40).
Die Arbeit mit Photovoice bot den Teilnehmer Gelegenheit, ihre Erfahrungen bei der Navigation im Gesundheitssystem zu erkunden und ihnen Ausdruck zu verleihen, ihre individuellen Stärken in Bezug auf Gesundheitskompetenz zu erkennen, die Systemänderungen aufzuzeigen, die erforderlich waren, um sie bei der Bewältigung ihrer Krankheit zu unterstützen, und Politikgestalter und Entscheidungsträger über ihre Realitäten und Erfahrungen beim Leben mit der Krankheit zu informieren und aufzuklären.
Bei einer kleinen Zahl von Studien wurden quantitative mit qualitativen, frei zu beantwortenden Fragen kombiniert (37, 45, 104, 108, 109). Dabei wurde die qualitative Befragung entweder ergänzend zu einer quantitativen Bewertung der Gesundheitskompetenz (d. h. durch frei zu beantwortende Fragen) oder zur Bewertung der Erfahrungen und Zufriedenheit der Teilnehmer im Rahmen einer Prozessevaluation einer Intervention oder eines Programms verwendet. In einer Studie zur digitalen Gesundheitskompetenz wurde eine Befragung mit frei zu beantwortenden Fragen durchgeführt, um Gesundheitskompetenz qualitativ zu untersuchen und zu bewerten (108).
Weitere qualitative Methoden, die im Rahmen eines methodisch gemischten Ansatzes angewandt wurden, waren Beobachtungen (gestützt auf Aufzeichnungen von Teilnehmern und Forschern) (40, 105), Auswertungen von Dokumenten (Prüfungen von Sitzungsprotokollen und Projektunterlagen) (39–41, 112), Fallstudien (35), Veranstaltungen und Workshops im Rahmen von Lernnetzwerken (33, 44) und Feedback-Gespräche (111). Wie bereits erwähnt, dienten diese Methoden in der Regel als Grundlage für eine Prozessevaluation von Programmen und Maßnahmen.
Weitere quantitative Methoden, auf die im Rahmen eines methodisch gemischten Ansatzes zurückgegriffen wurde, waren eine Checkliste zur Selbstbewertung einer Organisation, mit der Veränderungen bei der Bedarfsgerechtigkeit von
Fallstudie 2: Einsatz von Photovoice bei der Evaluation eines Programms zur Gesundheitskompetenz (Forts.)
Schulen in Bezug auf Gesundheitskompetenz vor und nach der Durchführung eines gesamtschulischen Programms festgestellt werden sollten (Abschnitt 2.3.6) (44), und ein Selbstbewertungs-Instrument zur Erfassung von Änderungen im Gesundheitsverhalten und bei den Lernergebnissen (35).
2.3.4 Ökonomische Evaluationsmethoden
In vier Studien wurde über die Durchführung einer Art wirtschaftlicher oder finanzieller Analyse im Rahmen einer globalen Evaluation eines Programms oder einer Intervention berichtet. In einer Studie, die ein schulisches Bildungsprogramm im Vereinigten Königreich betraf, wurde eine Kosten-Nutzen-Analyse vorgenommen.
Dabei wurden auf der Basis von Änderungen der Messwerte vor und nach der Durchführung die Kosten pro Einheitsänderung bei den Resultaten zur Gesundheits- und Ernährungskompetenz geschätzt (105). Die Evaluation eines groß angelegten nationalen Programms in Deutschland (Mit Migranten für Migranten – Interkulturelle Gesundheit in Deutschland (MiMi)) wird jährlich vorgenommen und beinhaltet eine Kosten-Wirksamkeits-Analyse mit quantitativen und qualitativen Methoden zur Feststellung der Effizienz und Effektivität des Programms; zu den Modalitäten dieser Analyse wurden jedoch keine detaillierten Angaben gemacht (36).
Im Rahmen eines Programms zur Prävention chronischer Krankheiten in Australien wurden die Wirkungen und Resultate einer durch mobile Geräte unterstützten präventiven Intervention in der primären Gesundheitsversorgung evaluiert und Änderungen in Bezug auf Gesundheitskompetenz, Verhaltensergebnisse und klinische Ergebnisse bewertet (43). Bestandteil des Studienprotokolls war eine ökonomische Evaluation, bei der die Gesamtkosten für die Einrichtung und Durchführung der Intervention ermittelt und die Kosten für die Erbringung klinischer Leistungen im Vergleich zu den Kosten für die Überweisung an gemeindenahe Programme und die Inanspruchnahme solcher Programme geschätzt wurden (43). Für die Kostenbewertung wurden Daten von öffentlichen Krankenversicherungen und Krankenhäusern miteinander verknüpft.
Bei einer chinesischen Studie, in der es um eine digitale Intervention zur Verbesserung der Gesundheitskompetenz durch Übermittlung von Informationen zur gesundheitlichen Aufklärung per SMS ging, wurde eine Kosten-Wirksamkeits- Analyse durchgeführt (99). Zur Berechnung der Kostenwirksamkeit wurden die beim Versenden der Nachrichten anfallenden Kosten in Beziehung gesetzt zur Wirksamkeit der Intervention in Bezug auf Gesundheitskompetenz, die mit dem Test of Functional Health Literacy in Adults gemessen wurde (114).
2.3.5 Instrumente zur Messung von Gesundheitskompetenz: persönliche Gesundheitskompetenz
Die persönliche Gesundheitskompetenz bzw. Gesundheitskompetenz der Bevölkerung wird aus einer langjährigen Tradition heraus gemessen und tendenziell nach verschiedenen Aspekten persönlicher Gesundheitskompetenz (z. B. psychische Gesundheitskompetenz) differenziert. Demgegenüber liegen zu organisationaler Gesundheitskompetenz (Bedarfsgerechtigkeit) bzw. gesundheitskompetenten Organisationen (der Gesundheitsversorgung) weniger Studien vor (Abschnitt 2.3.6).
In den in diesen Bericht aufgenommenen Studien wurden 58 Instrumente für die Messung der persönlichen Gesundheitskompetenz herangezogen, darunter 31 öffentlich zugängliche (ihre Merkmale sind in Anhang 3 aufgelistet) und 27 speziell auf die Studie zugeschnittene Instrumente. Viele der in den Studien verwendeten publizierten Instrumente messen die persönliche Gesundheitskompetenz allgemein (40, 41, 47–49, 52, 53, 55, 67, 76, 77, 79, 81, 82, 96, 99, 100, 102, 103, 107, 108), einige die psychische Gesundheitskompetenz von Einzelpersonen (19, 37, 50, 51, 57, 62, 64, 68, 70, 72, 73, 78, 88–93, 109, 111) und einige wenige andere krankheits- oder themenspezifische Formen von Gesundheitskompetenz, etwa in Bezug auf digitale Gesundheit (43, 53, 74, 76, 77, 108), Ernährung (105), Diabetes (52), Tabakwerbung und Förderung des Rauchens (75, 98), Malaria (87) und Bluthochdruck (80). Instrumente zur Messung von Gesundheitskompetenz wurden häufig in Forschungsstudien eingesetzt, um die Auswirkungen einer Intervention auf die Gesundheitskompetenz zu bewerten.
Einige dieser Instrumente wurden auch in den hier erfassten Evaluationsstudien zur Messung von Gesundheitskompetenz verwendet und werden im Folgenden näher erläutert.
Die im Rahmen der Studien genutzten Instrumente zur Erfassung der allgemeinen Gesundheitskompetenz waren die All Aspects of Health Literacy Scale (AAHLS) (115), der Short Test of Functional Health Literacy in Adults (STOFHLA) (40, 116), der Health Literacy Questionnaire (HLQ) (41, 43, 54, 55, 117), die e-Health Literacy Scale (e-HEALS) (43, 53, 118), HLS-EU (49, 119), der Ishikawa Health Literacy Survey (120) und der Single Item Literacy Screener (SILS) (55, 121). Zur Erfassung der psychischen Gesundheitskompetenz wurde in den Evaluationsstudien auf folgende Instrumente zurückgegriffen: die Anxiety Literacy Scale (51, 122), die Depression Literacy Scale (51, 123), die Mental Health Literacy Scale (51, 124) und der Mental Health Knowledge Schedule (50, 125, 126).
Die Depression Literacy Scale, die Anxiety Literacy Scale und der STOFHLA sind sämtlich durch Tests ermittelte (objektive) Maße. Der STOFHLA wurde im