Originalartikel
Zelluläre Abwehrmechanismen in der Hämolymphe
und der Nachweis spezifischer Zelltypen im Seminalplasma bei Apis mellifera L
S Mitro
Zentrum für kontinentale
Agrar-
undWirtschaftsforschung
derJustus-Liebig
Universität Gießen,Otto-Behaghel
Str 10, D-35394 Gießen, Deutschland(Eingegangen
20 Mai 1993;Angenommen
10Dezember 1993)
Zusammenfassung — Mikroskopische Untersuchungen
derBienenhämolymphe
nach Inkubationmit Hühner- bzw
Schweineerytrozyten zeigen,
daß bestimmteZelltypen (granuläre
Zellen und Plas-matozyten)
in derLage
sind, die als fremd erkannten Zellen mit Hilfe von Zellschleiern, Zellausläufern oder Scheinfüßchenanzugreifen
und zu verändern. Die in derHämolymphe
vorkommenden gra- nulären Zellen undPlasmatozyten
wurden auch inAusstrichpräparaten
desSeminalplasmas
vonDrohnen
nachgewiesen.
Daneben wurden imSeminalplasma
Riesenzellen undspindelförmige
Zellen beobachtet, die in derHämolymphe
nicht nachzuweisen waren.Apis
mellifera / Abwehrmechanismen /Hämozyten
/Seminalplasma
EINLEITUNG
Bei Insekten in der
Hämolymphe
vorkom-mende
Hämozyten
sindwichtige
Abwehr-faktoren
gegenüber
schädlichen Substan-zen. Ihnen wird nach Anheften an fremde Substanzen die
Ausschüttung
chemotak-tisch wirksamer Substanzen
zugeschrie- ben,
die zelluläreAbwehrvorgänge
vermit-teln und einleiten. Bisher wurden bei verschiedenen Insekten
vielfältige
Hämo-zyten-Typen
beschrieben(Götz
undBoman, 1985; Dunn, 1986;
Boman undHultmark, 1987; Lackie, 1988).
Zum Grundmuster der Insektenzellengehören
nachbisherigen
Erkenntnissen undifferenzierte Prohämo-
zyten, phagozytosefähige Plasmatozyten
und
granuläre Zellen, Oenocyten,
Adi-pohämozyten
undKoagulozyten.
Immuno-logische Fragestellungen
bei Bienen set- zen Kenntnisse über das Vorkommen und dieBedeutung
von Zellen voraus.Über
Zellen in derBienen-Hämolymphe
berichten Wille
(1973)
und Wille und Vecchi(1974).
Nach Kontakt mitkörperfremden
Substanzen
(Varroa-Parasitierung)
könnenim Blutbild
Veränderungen
auftreten(Glinski
und
Jarosz, 1988).
Da neben der Hämo-lymphe
weitereOrgansysteme
der Biene(Darmtrakt, Genitalorgane)
einer dauern-den Gefahr der
Schädigung
durch fremde Substanzenausgesetzt sind,
übernehmenvermutlich auch hier bestimmte Zellen bzw andere aktive Substanzen
wichtige
Schutz-funktionen. Qualitative oder
quantitative
Ver-änderungen
desphysiologischen
Zellbildesin der
Hämolymphe
bzw in anderen Kör-perflüssigkeiten
können Hinweise auf den Gesundheitszustand des untersuchtenOrganismus geben.
In der Arbeit wird über
vorläufige
Unter-suchungen
an Zellelementen der Bienen-hämolymphe
und desSeminalplasmas
vonDrohnen berichtet. Mit Hilfe von
Agglutina-
tionsversuchen wurde das Verhalten der
Bienenhämozyten gegenüber Erytrozyten
vom Huhn und Schwein
getestet.
Weiter-hin wurden
Seminalplasma-Ausstriche
vonDrohnen auf das Vorkommen bestimmter Zellen untersucht.
MATERIAL UND METHODEN
Probenentnahme
Die
Hämolymphe-Entnahme erfolgte
aus demAbdomen der Bienen. Dabei wurde mittels einer
Spritze
dorsal in denIntersegmentalbereich
zwi-schen den zweiten und dritten
Tergiten einge-
stochen.
Die
Gewinnung
desSeminalplasmas erfolgte
nach
Zentrifugation
derSpermaproben
bei 2000U/min während einer Zeit von 20 min.
Färbung
Die
Bienenhämolymphe
und dasSeminalplasma
wurden in einer
Menge
vonje 2 μl
auf Objektträ- gernausgestrichen
und nachPappenheim gefärbt.
Agglutinationsversuche
Frisch gewonnene
Hämolymphe
wurde mit gewa- schenenErytrozyten (Ec)
von Huhn bzw Schweinbei
Zimmertemperatur
7 Stunden inkubiert. DieÜberprüfung
derAgglutinationsfähigkeit
derErytrozyten erfolgte
durchVerdünnungsreihen
der
Hämolymphe
mit0,9%iger Kochsalzlösung.
Die Versuchsansätze zur
Überprüfung
derAgglutinationsfähigkeit
sowie die Ausstriche desSeminalplasmas
von Drohnen wurden im Licht-mikroskop
bei tausendfacherVergrößerung
aus- gewertet.ERGEBNISSE
Eine
Lysis
der imAgglutinationsversuch
ein-gesetzten Erytrozyten
durch Bestandteile derHämolymphe
wurde nachbisherigen Ergebnissen
nichtfestgestellt.
Die
panoptische Färbung
nachPappen-
heim ist für die
Darstellung
von Bienenzel-len in der
Hämolymphe
und im Seminal-plasma geeignet.
Bei der
mikroskopischen Auswertung
derdurchgeführten Agglutinationsversuche
derHämolymphe
mitErytrozyten
von Huhn undSchwein werden zwei
Hämozytentypen beobachtet,
die den bei anderen Insekten beschriebenenphagozytosefähigen
Plas-matozyten
undgranulären
Zellenentspre-
chen.
Diese Zellen der
Bienenhämolymphe
sind in der
Lage,
Huhn und Schweine-Erytrozyten
als fremd zu erkennen. DieHämozyten
besitzen dieFähigkeit,
dieFremdzellen mit Hilfe von
Zellschleiem,
Zell- ausläufern oder Scheinfüßchenanzugrei-
fen und zu verändern.
Die
Plasmatozyten
und diegranulären
Zellen haben zahlreiche Einschlüsse in ihrem
Zytoplasma (Abb 1-3).
Die in der
Hämolymphe
vorkommendengranulären
Zellen undPlasmatozyten
wur-den auch in mehreren untersuchten Aus- strichen des
Seminalplasmas
von Drohnennachgewiesen.
ImVergleich
zurHämolym-
phe
kommen diegranulären
Zellen häufi- ger als diePlasmatozyten
vor. Riesenzel-len und
spindelförmige
Zellen wurdendage-
gen nur im
Seminalplasma nachgewiesen (Abb 4-6).
DISKUSSION
Es kann
eingeschätzt werden,
daßgefärbte Hämolymphe-Ausstriche
in Hinsicht auf das Vorkommen einzelnerZelltypen
nicht mitden
Seminalplasma-Ausstrichen gleichge-
setzt werden können. Aus den ersten Unter-
suchungen geht
weiterhervor,
daß in dasSeminalplasma
Zellengelangen können,
die den
granulären
Zellen und Plasmato-zyten
derHämolymphe entsprechen.
In der
Hämolymphe
übernehmen solche Zellenwichtige
Abwehrfunktionen. Für andereArthropoden
sindgranuläre
Zellenund
Plasmatozyten
alswichtige Phagozyten
beschrieben worden
(Rahmet-Alla
undRowley, 1990).
Das Vorkommen der gra- nulären Zellen undPlasmatozyten
im Semi-nalplasma
deutet daraufhin,
daß auch inKörpersekreten
durch Zellen vermittelte lokaleAbwehrvorgänge
eine Rollespielen
könnten.
Daneben wurden im
Seminalplasma sogenannte
Riesenzellen undspindelför- mige
Zellenbeobachtet,
die in der Hämo-lymphe
nicht vorkamen.Über
die Herkunft undBedeutung
dieser Zellen können nachbisherigen Untersuchungen
keine Aussa- gengetroffen
werden.Gegenstand
weite-rer
Untersuchungen
wird zunächst die exaktequalitative
undquantitative
Bewer-tung
einzelner Zellelemente im Blut und in denKörpersekreten
der Biene sein.Résumé — Mécanismes cellulaires de défense de
l’hémolymphe
etdescription
de cellules
spécifiques
dans leplasma
séminald’Apis
mellifera L. On a mis àincuber de
l’hémolymphe
d’abeille avec desérythrocytes
depoule
et de porc.Après
colo-ration selon
Pappenheim, l’analyse
enmicroscopie optique
a montré 2types d’hémocytes présentant
des réactions de défense : des cellulesgranulaires
et desplasmocytes, qui
ontréagi
aux cellulesétrangères
par des adhésions cellulairescomme les
pseudopodes
ou les voiles cel- lulaires(figs 1-3).
On aégalement
trouvédes cellules
granulaires
et desplasmocytes
dans le
plasma
séminal des mâles(fig 4),
ainsi que d’autres cellules
géantes
et descellules
fusiformes, qui
n’étaient paspré-
sentes dans
l’hémolymphe.
Laprésence
deces diverses cellules dans le
plasma
sémi-nal
indique qu’il
existe au niveau cellulairelocal des réactions de défense.
réaction de défense
/ hémocyte / plasma
séminal / réaction immuneSummary —
Cellular defence reaction of thehemolymph
anddescription
of spe- cific cells in the seminalplasma
ofApis
mellifera L.Hemolymph
ofhoney
bees wasincubated with
erythrocytes
of hens andpigs.
Afterstaining according
toPappen- heim, microscopic analysis
revealed twotypes
ofhemocytes
with defence reactions:granular
cells andplasmocytes
reacted withforeign
cells with cellular adhesions suchas
pseudopodia
or cellular veils(figs 1-3).
Granular cells and
plasmocytes
were alsofound in the seminal
plasma (fig 4).
Furthergiant
cells andspindle shaped
cells werefound which were not
present
in thehemolymph.
The occurrence of various cells in the seminalplasma
indicates the pres-ence of local cellular defence reactions there.
Apis
mellifera / defence reactions / hemo-cytes
/ seminalplasma
LITERATUR
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