ZUCKERABBAU UNTER DER EINWIRKUNG
DER INVERTIERENDEN FERMENTE IN PHARYNXDRÜSEN
UND MITTELDARM DER HONIGBIENE
(APIS MELLIFICA L.).
A. MAURIXIO
Station federale
d’Industrie laitiere, Se<iionapicole, Liebefeld-Berne
(Suisse)EINLEITUNG UND FRAGESTELLUNG
In einer früheren
Untersuchung
machte ich dieBeobachtung,
dass beigekä- figten
BienenZusammenhänge
zwischenErnährung
undphysiologischem
Zustandder Bienen und der Aktivität der invertierenden Fermente von
Pharynxdrüsen
und Mitteldarm bestehen
(M AURIZIO , z 957 ).
Es handelte sich dabei umqualitative Vorversuche,
die nur eineallgemeine Orientierung
erlaubten.In der
bisherigen Literatur
sind nurspärliche
und zum Teilwidersprechende Angaben
über dieseFrage
zu finden. Nach Kx!TKV und G!ux! verläuft die Ferment-wirkung (Diastase,
Invertase, Glukoseoxydierendes Ferment)
desPharynxdrü-
sensekretesparallel
zumEntwicklungszustand
der Drüsen. Siesteigt
in den ersten6-8
L ebenstagen,
bis zur vollenEntwicklung
derPharynxdrüsen
undsinkt,
mit derRückbildung
der Drüsen bei älteren Bienen wieder ab. ImGegensatz
dazustellten Kosntm und KOMARow einen
Anstieg
desInversionsvermögens
bei über1
8
Tage
alten Bienenfest,
deren Drüsen inRückbildung begriffen
waren. Weiterbewirkt nach
G AUHE , Eiweissfütterung
beigekäfigten
Bienen imVergleich
zu reinerZuckerdiät eine schwache
Aktivitätssteigerung
des Glukoseoxydierenden Ferments,
wobei
jedoch
die volle Fermentwirksamkeit von Stockbienen imfreifliegenden
Volknicht erreicht wird.
Da die
bisherigen Untersuchungen (K R A TIZ ’.7,
CAUHE Kosmi-.B- undK OMAROW )
inBezug
auf den zeitlichen Verlauf der Fermentwirksamkeitwidersprechende
Resultateergaben,
die Versuche von KOSMINund KAMAPo"v an einem schwachen Volk und gegen Ende der aktiven Saison(August-September) ausgeführt
wurden und heutein der
quantitativen Papierchromatographie
verfeinerteMöglichkeiten
zur Verfol-gung des fermentativen Zuckerabbaus zur
Verfügung stehen,
unternahmich,
mit Hilfe dieser Methode eine Reihe von Versuchen zurAbklärung
des Einflusses von Alter undErnährung
auf die Wirksamkeit der invertierenden Fermente in denPharynxdrüsen
derHonigbiene.
Die Resultate dieser Versuche werden imfolgenden
dargelegt.
BIENENMATERIAL UND METHODIK
Die Versuche wurden mit Bienen der Krainer-und der dunklen Landrasse
(hier
alsNigra bezeichnet) ausgeführt,
die im Thermostaten aus Brutwabengeschlüpft
waren. Ein Teil der Bienen wurde sofort nach demSchlüpfen
zurHerstellung
von Extrakten verwendet ; ein Teil wurdegezeichnet
und in einem Liebefelder
Pn g gevolk
zugesetzt ; der Rest wurde in I,iebefelderKäfigen eingeschlossen
und auf reiner Zuckerdiät
( 1 ) gehalten
oder mit einem aus Zucker und Pollen bestehenden Futter( 2 )
ernährt. Zum festen Futter erhielten die Bienen in den
Käfigen
frisches Wasser mit einem i p. 1000 Zusatz von Fumidil B(zur Verhütung
vonN J seinainfektionen).
Futter und Wasser standen inunbegrenzter Menge zur
Verfügung.
Da, nach früheren Untersuchungen das Mitteldarmferment der
Honigbiene geringeren
Akti- vitätsschwankungen unterworfen ist als dasPharynxdrüsenferment,
wurde in der vorliegendenArbeit vor allem das
Hydrolysierungsvermögen
vonPharynxdrüsenextrakten gegenüber
Saccharoseverfolgt. Geprüft
wurde der zeitliche Verlauf derHydrolyse,
anhand derquantitativen papierchro- matographischen
Bestimmung der Saccharose und der alsAbbauprodukte gebildeten
Hexosen(Glukose
undFruktose).
Wie aus denAbbidungen
2,4und 6 hervorgeht, erscheinen in den Chroma- togrammen neben dervorgelegten
Saccharose und den Hexosen nur noch schwache Flecke des Trisaccharids a a »(a-Maltosyl-β-D-fructofuranosid,
nach WHITE und MÄHER), auf dessenquanti-
tative Erfassung verzichtet wurde.
Die Herstellung der Extrakte und die
papierchromatographische
Verarbeitung entsprachenvöllig
den in früherenMitteilungen
beschriebenen (MAURIZIO, 1957, r959! 1961). Die Pharynx-drüsen wurden
herauspräpariert
und auf ihrenEntwrcklungsgrad emgeschätzt (Methodik
s. MAU-RIZIO
1954 ).
Sodann wurde daraus einwässriger
Extrakthergestellt (im
Verhältnis vonje
10Bienen = 20Drüsen pro 1 mlWasser) und
dieser mit einer20 -prozentigen Saccharoselösung (mit Beigabe
von i p. i oooNipagin),
im Verhältnis von o,5 ml Extrakt mit 1 ml Zuckerlösung gemischt.Die Extrakt-Zuckerlösungen wurden in
gewissen
Zeitabständen aufChromatographiepapier (W
H
nTMnrr i)gebracht.
Als
Trennungsmittel
verwendete ich dasn-Butanol-Eisessig-Wassergemisch ( 4 :
i :i)
im abstei-genden
Verfahren. Die Chromatogramme wurden mitp-Anisidin-I3ydrochlorid
in alkoholischerLösung (I p. 100)
besprüht
und in einem speziellen elektrischen Ofenent wickelt.Die Messung der
sichtbar gemachten Flecke erfolgte mit Hilfe einer
photometrischen
Methode(Leukometermethode
nach
S ULSER ).
Die Galvanometerablesungen der Zuckerflecke(Mittelwerte
ausje
8 Ablesungenvon 4
Flecken)
werden zunächst in }ig proPipettenvolumen
und daraus in mg pro ml der Lösungberechnet. In den
nachfolgenden
Tabellen sind die Resultate in Prozenten des Gesamtzuckers(d.
h. der Summe der gemessenen Zuckerarten)dargestellt.
Alle Einzelheiten derPapierchromato- graphie
s. Mnuxrzro 1957, 1961, SULSER.Bei den in den Tabellen angeführten Zahlen handelt es sich um Mittelwerte aus
je
zwei, imJuni
undJuli
1956ausgeführten
Versuchsserien.Allen, die mir bei der Ausführung der
voliegenden
Arbeit behilflich waren sei hier der beste Dankausgesprochen.
Vor allem Fräulein M. ZUBERBÜIILFR und Fräulein M. SCHMITZ für Ihre Mitarbeit bei derPapierchromatographie,
den Herren A. BRüGGER und II. SCHNEIDER für dieBeschaffung des Bienenmaterials und die damit
zusammenhängenden
bienenzüchterischen Arbeiten und Fräulein H. KoLtwnwN für diephotographischen
Aufnahmen derChromatogramme.
ERGEBNISSE
I. FERMENTAKTIVITAT BEI FRISCH GESCHLÜPFTEN BIENEN
In den Versuchen mit frisch
geschlüpften
Bienen wurden ausserPharynxdrü-
senextrakten auch Mitteldarmextrakte auf ihre
Fermentwirkung geprüft.
DieResultate sind aus Tabelle I und den
Abbildungen
i und 2 ersichtlich. Der Entwick-lungsgrad
derherauspräparierten
Futtersaftdrüsenbetrug
in beiden Parallelserie im Mittel 2,15(Tab. 2 ).
( 1
) Zuckerteig = ein aus 2 Gewichtsteilen Honig und 5 Gewichtsteilen Staubzucker gekneteter Teig.
( 2
) Zuckerteig mit 150. 100Pollenhöschen aus der Pollenfalle, zu einem gleichmässigen Teig verlrnetet.
Die Aktivität der
Pharyndrüsenextrakte
war sowohl bei denNigra-wie bei
den Krainerbienen
gering.
Die ersten Anzeichen einerAufspaltung
dervorgelegten
Saccharosezeigten
sich in den 10Tage
nachVersuchsbeginn angesetzten
Chroma-togrammen.
Der weitere Abbau verlief sehrlangsam.
DieLösungen
aus Bienen beider Stämme enthielten noch nach 70Tagen
rund 70°ö unabgebauter
Saccha-rose, und auch in den
letzten,
nach 100Tagen
entnommenen Proben war noch mehr als die Hälfte desvorgelegten
Zuckers vorhanden(Tab.
I, Abb.i).
In beidenLösungen
wurde etwas mehr Fruktose als Glukosegebildet ;
besonders bei denNigra-
bienen
ergaben
sich zum Teil ziemlich hohe Werte desFruktosejGlukose-Verhäl-
nisses
(Tab. i).
Als wesentlich aktiver erwiesen sich die Darmextrakte der
Jungbienen ( 1 )
unter deren
Wirkung
schonnach 4 Stunden
rund zwei Drittel dervorgelegten
Saccha-rose
abgebaut
waren. Nach 10 Stunden enthielt dieLösung
aus Krainerbienen keine messbarenSaccharosemengen mehr,
in derLösung
ausNigrabienen
war Saccharosezu dieser Zeit noch mit 10
%
vertreten.Die für Mitteldarmextrakte aus erwachsenen Bienen charakteristische Anrei-
cherung
von Fruktose während derSaccharosehydrolyse,
war auch in den Versuchen mitJungbienen
zubeobachten ;
es bildete sich in denLösungen 5 -8
mal mehr Fruktoseals Glukose
(Tab. i).
Das
Zuckerspektrum
derAbbauprodukte entsprach völlig
den in Versuchen mit erwachsenen Bienengemachten Beobachtungen.
In denDrüsenextraktlösungen
erschienen
gleichzeitig
mit den Hexosen(d.
h. in den Proben nach 10Stunden)
schwache Flecke des Trisaccharids « a »
(a-Maltosyl-β-D-fructofuranosid) ;
in denDarmextraktlösungen
war das Zuckerbild wesentlichmannigfaltiger
undzeigte
neben Hexosen, schwache Flecke in der
Maltosegruppe,
Flecke des Trisaccharids« a » und sehr schwache
Oligosaccharidflecke (Abb. 2 ).
Die Versuche
zeigen,
dass bei frischgeschlüpften
Bienen die Fermente derPharynxdrüsen
und des Mitteldarmes sichvöllig
andersverhalten,
als bei erwach-senen Bienen. Während das Mitteldarmferment beim
Schlüpfen
schon aktiv ist und in derWirkung
beinahedemjenigen
erwachsener Bienenentspricht,
ist dasPharynx-
drüsenferment noch sehr schwach wirksam und
knapp
imstande dievorgelegte
Saccharose
anzugreifen.
Die Futtersaftdrüsen der frischgeschlüpften
Biene sinddemnach
fermentphysiologisch
« unreif », während der Mitteldarm schon funktions-fähig ist,
ein Zustand dervöllig
mit demmorphologischen
Bild und denbiologischen
Funktionen der beiden
Organe
bei derJungbiene
übereinstimmt.2. FERMENTAKTIVIT.!T BEI BlENEN VERSCHIEDENEN ALTERS
IM FREIFLIEGENDEN VOI,K
Ein Teil der im Thermostaten
geschlüpften Nigra-
undKrainer-Jungbienen
wurde
gezeichnet
und im Alter von ca 24 Stunden imgleichen Pflegevolk zugesetzt .
( 1
) Wie in früheren Untersuchungen wurden diese Extrakte im Verhältnis von 2 tl2itteldärmen pro Iml Wasser angesetzt.
Nach 10, 2r und 28
Tagen
wurden von dengezeichneten
Bienen Proben entnommen, diePharynxdrüsen herauspräpariert
und zu F,xtrakten verarbeitet. Die Versuche beschränkten sich aufPharynxdrüsenextrakte,
weilvergleichende Untersuchungen
des
Hydrolysierungsvermögens
von Drüsen- und Darmextrakten erwachsener Sommerbienen schon früherausgeführt
worden waren(M AURIZIO
i<)57,m l f>2 ;
Kosm I
x und
Ko!z.!xo«-).
Der
Entwicklungszustand
derPharynx drÜsen
und der Verlauf der Saccharose-hydrolyse
in den einzelnen Versuchsserien sind aus den Tabellen 2 und 3 und denAbbildungen
3 und 4 ersichtlich.Nach
10 -tägigem
Aufenthalt im Volk besassen diezugesetzten Bienen,
ihren Funktionenentsprechend (Ammenbienen)
voll entwickelte Futtersaftdrüsen(Mittel-
wert 3,30 und 3,55, Tab.
2 ).
DasHydrolysierungsvermögen
der Drüsenextrakte dieser Bienen war bei beiden Stämmenverhältnismässig
schwach. Nach 24 Stunden enthielten dieLösuyaen
noch rund (io p. 100unabgebauter Saccharose ;
nach iooTagen
war dieHydrolyse
noch nichtabgeschlossen,
in denLösungen
fanden sich noch ca 20%
desvorgelegten
Zuckers(Tab.
3, Abb.3 ).
ZuBeginn
derSpaltung
erschien in den
Chromatogrammen
Glukose allein(Nigraserie),
oder ingrösseren Mengen
als Fruktose(Krainerserie),
imspäteren
Verlauflag
dasFruktose/Glukose-
Verhältnis meist
knapp
über 1,0(Tab. 3 ).
An weiterenAbbauprodukten
elschiei enin den
Chromatogrammen
nur schwache Flecke des ’1’risaccharids cc a» (a-lVlaltosyl- 3-I)-fructofuranosid).
Bei den nach 21
Tagen
aus dem Volk entnommenen Stockbienen waren diePharynxdrüsen
nochgut
entwickelt(Mittelwert
3,00 und2 ,6 5 ,
Tab.2 ).
Die Saccha-rosehydrolyse
verlief in dieser Serie wesentlichschneller ;
sie war bei denNigra-
bienen nach 24
Stunden,
bei den Krainer-Bienen nach 10Tagen abgeschlossen (Tab.
3, >Abb. 3,
4 ).
Das Fruktose-Glukose-Verhältniszeigte durchwegs
die fürPharynx-
drüsenextrakte
charakteristischen, knapp
über oder unter i,oliegenden
Werte(Tab. 3 ).
An weiterenAbbauprodukten
erschienen auchhier,
zuBeginn
derHydrolyse
nur schwache Flecke des Trisaccharids « a » in den
Chromatogrammen (Abb.
4).Diese Serie
entspricht
den in früheren Arbeiten beschriebenenVersuchen,
in welchcnstets 3 Wochen
alte,
inPflegevölkern zugesetzte
Bienen verarbeitet wurden(M AURIZIO ,
1 957,
1962).
Noch intensiver war die
Fermentwirkung
der Extrakte aus 28Tage
altenBienen,
deren
Pharynxdrüsen
einen deutlichenEntwicklungsrückgang zeigten (Mittelwert 1
,8
5
und1 ,6 0 ,
Tab.2 )
DieHydrolyse
warhier,
bei beiden Stämmen schon nach10 Stunden
abgeschlossen,
dervorgelegte
Zuckervöllig
verschwunden(Tab.
3, Abb.3! 4) !
Das Verhältnis der Hexosenlag
in derRegel knapp
über oder unter 1,0, nur zuBeginn
derHydrolyse
wurde mehr Fruktose als Glukosegebildet.
DieAbbaupro-
dukte beschränkten
sich,
wie in denübrigen
Serien auf Hexosen und schwache Flecke des Trisaccharids « a »(Abb. 4 ).
Die Versuche mit Bienen aus dem
freifliegenden
Volkzeigen
eineparallel
zumFunktionszustand der
Pharynxdrüsen
verlaufendeAbstufung
der Aktivität der Ex-trakte,
wobei zwischenNigra-
und Krainerbienen. keine messbaren Unterschiede vor-handen sind. Von der sehr
geringen
Fermentaktivität bei frischgeschlüpften Bienen, steigert
sich die Wirksamkeit der Extrakte beiio-tägigen
Ammenbienen und21
-tägigen Stockbienen,
und erreicht denHöhepunkt
bei den 28Tage
altenFlugbienen.
Ob dieser Zustand bis zum natürlichen Alterstod der Bienen andauert konnte nicht
festgestellt werden,
weil es sehr schwer ist im Sommer im normalen Volk nach mehr als 4 Wochengezeichnete
Bienen ingenügender
Zahl zu finden. Anhand der Chroma-togramme
lässt sich diephysiologische Umstellung
derPharyn Y drüsenfunktion
vonder Futtersaft- zur
Fermentabsonderung verfolgen.
MeineErgebnisse bestätigen
demnach die
Beobachtungen
von KOSMINund KOMAROW, diefanden,
dass die Wir-kung
vonPharynxdrüsenextrakten
bei 21 und 31Tage
alten Bienen am stärkstenist,
bei älteren Tieren etwasabsinkt, jedoch
bis zum 40.Lebenstag
stärker bleibt als beijüngeren
Stockbienen(bis
zum i8.Lebenstag).
3. — FERMENTAKTIVITAT BEI GEKAFIGTEN,
AUF VERSCHIEDENER DIAT GEHALTENEN BIENEN
Der Rest der
Jungbienen
wurde im Alter von ca 2q Stunden in LiebefelderKäfigen eingeschlossen
und im einen mit reinemZuckerteig,
im andern mit einerMischung
aus
Zuckerteig
und 15%
Pollenhöschengefüttert.
Dafermentphysiologische
Versuche mit
quantitativer papierchromatographischer Auswertung
sehr zeitrau-bend
sind,
und frühere Versucheweitgehende Uebereinstimmung
zwischen Bienen derNigra-und
Krainerrassegezeigt hatten,
beschränkten sich dieKäfigserien
auf Krainerbienen.
Die Bienen wurden nach 10- und
24 -tägigem
Aufenthalt aus denKäfigen
ent-nommen und die
herauspräparierten Pharyn l drüsen
zu Extrakten verarbeitet.Tabelle 4 und die
Abbildungen und
6zeigen
die Resultate dieser Versuchsserien.Schon bei den 10
Tage
nach dem Einschliessen aus denKäfigen
entnommenen Bienen sindgewisse
Unterschiede desEntwicklungszustandes
der Futtersaftdrüsen vorhanden. Die Drüsen der auf reiner Zuckerdiät lebenden Bienen sind imVergleich
zum Zustand beim
Schlüpfen
leichtrückgebildet (Mittelwert
1,35, gegen 2,y, Tab.2 )
1bei den mit Pollen ernährten Bienen haben sie sich
dagegen
weiter entwickelt(Mittelwert 2 ,85).
Die Drüsenextrakte der Bienen aus beiden
Käfigen
waren aktivergegenüber Saccharose,
als die sofort nach demSchlüpfen hergestellten.
Der Abbaubegann
schonnach einer Stunde und war
spätestens
nach 10Tagen abgeschlossen.
Dabeizeigte
der Extrakt aus « Pollenbienen » einen
gewissen Vorsprung,
indem dieHydrolyse
etwasschneller verlief und die
Lösungen
nach 3Tagen
keineunabgebaute
Saccharose mehr enthielten(Tab.
4, Abb. 5 und6).
DasFruktose/Glukose-Verhältnis
war mit Wertenum 1,0 in den
Parallellösungen
annäherndgleich.
Neben Hexosen erschienen in denChromatogrammen
nur noch schwache Flecke des Trisaccharids « a o(Abb. 6).
Noch deutlicher und ausserordentlich instruktiv ist der
Hydrolyseverlauf
inden nach 24
Tagen hergestellten I:xtraktlösungen.
Hier war die Aktivität der Ex- trakte aus « Pollenbienen » sostark,
dass dieLösungen
nach q Stunden keine Saccha-rose mehr enthielten. Die Extrakte aus « Zuckerbienen » waren
dagegen
so schwachwirksam,
dass dieHydrolyse
nach 10Stundenknapp begann
und erst nach 10Tagen abgeschlossen
war(Tab.
4, Abb. 5,6).
DasFruktose/Glukose-Verhältnis
bleibt mitWerten um 1,0 in beiden Serien unverändert. Das
Spektrum
derAbbauprodukte entspricht
denübrigen
Serien mitPharynxdrüsenextrakten,
d. h. es enthielt neben Hexosen nur noch schwache Flecke von«-Maltosyl-3-D-fructofuranosid (Abb. 6).
Dem Aktivitätsunterschied zwischen den Extrakten aus verschieden ernährten
Bienen, entsprechen
deutliche Unterschiede desEntwicklungsgrades
derPharynx-
drüsen. Während sich die Drüsen der a Zuckerbienen » weiter
rückgebildet
haben(Mit-
telwert
1 , 15 ),
bauten die cc Pollenbienen » ihre Drüsen weiterauf,
und erreichten annähernd die für Ammenbienen im Volk charakteristischen Werte(Mittelwert
3
,oS, Tab.
2 ).
Dabei werden offenbar beigekäfigten,
mit Pollen ernährten Bienen nichtnur Eiweissreserven in den Drüsen
angelegt,
sonderngleichzeitig
auch die invertie- renden Fermente aktiviert.Die
Ernährung
und der damit verbundenephysiologische
Zustand der Bienen übt demnach einen entscheidenden Einfluss auf dieAktivierung
des invertierenden Fermentes in denPharynxdrüsen
derHonigbiene
aus, wobei Pollen offenbar not-wen<lig
ist um das Ferment zur vollen Wirksamkeit zubringen.
Offen bleibt dieFrage,
welche Bestandteille des Pollens die
Fermentaktivierung
beeinflussen und ob Un- terschiede der Wirksamkeit zwischen verschiedenen Pollenarten vorhanden sind.ZUSAMMENFASSUNG UND DISKUSSION DER ERGEBNISSE
In der
vorliegenden
Arbeit wurde dasHydrolysierungsvermögen
desPharynx-
drüsenfermentes verschieden alter und verschieden ernährter Bienengegenüber Saccharose,
mit Hilfe derquantitativen Papierchromatographie geprüft.
Die Ver-suche wurden mit
Pharynxdrüsenextrakten (in
einer Serie ausserdem mit Mittel-darmextrakten)
aus Bienen derNigra-
und Krainerrasseausgeführt.
Die Bienen wur-den zum Teil sofort nach dem
Schlüpfen,
zum Teil nach 10-, 21- und2 8-tägigem
Au-fenthalt im
freifliegenden Volk,
und nach 10- und24 -tägigem
Aufenthalt imKäfig (bei
Zucker- undPollendiät)
verarbeitet. Untersucht wurde derEntwicklungszustand
der
l’harynxdrüsen,
der Verlauf derSaccharosehydrolyse
und dasmengenmässige
Verhältnis der
gebildeten
Hexosen.jE’!g’β&M;SM :
i. Bei
frisch gcschlÜpftcn
Bienen verhalten sichPharynxdrüsen-
und Mittel- darmefermentevöllig
anders als bei erwachsenen Bienen. Das Mitteldarmferment ist bei derschlüpfenden
Biene schon aktiv undhydrolysiert
dievorgelegte
Saccharoseinnerhalb
weniger Stunden ;
dasPharynxdrüsenferment
ist sehr schwach wirksam undknapp fähig
Saccharoseanzugreifen (Tab.
I, Abb.r,2).
Die Biene kommt dem- nach mit einem fermentativfunktionsfähigen
Darm,jedoch fermentphysiologisch
« unreifen »
Pharynxdrüsen
zur Welt.2
. Bei
frcifliegenden
Sommer bienen im normalen(weiselrichtigen
undbrütenden)
Volk bestehen alters- und
funktionsbedingte
Unterschiede der Aktivität der Pha-rvnxdrüsenfermente.
DieFermentwirkung steigert
sich von derJungbiene,
zur10
Tage
alten Ammenbiene und der 21Tage
altenStockbiene,
und erreicht ihrenHöhepunkt
bei der 28Tage
altenFlugbiene.
Bei dierse wird dievorgelegte
Saccha-rose durch die
Pharvnxdrüsenextrakte
innerhalb von 10 Stunden vollkommen ab-gebaut (Tab.
3, Abb.3 , 4 ).
DieseAktivitätssteigerung entspricht
dem Funktions- wechsel derPharynxdrüsen
von derFuttersaftproduktion (Ammenbiene
mit voll ent-wickelten
1)rüsen)
zurFermentabsonderung (Flugbiene
mitrückgebildeten Drüsen).
3
. Bei
äehäfigtera
Bienen lässt sich ein direkterZusammenhang
zwischen der Be- schaffenheit des Futters und der Aktivität desPharynxdrüsenfermentes verfolgen.
Die beim
Schlüpfen
sehrgeringe
Fermentaktivitätsteigt zunächst,
und ist nach 10-tägigem
Aufenthalt imKäfig
bei « Zucker- » und « Pollenbienen » sehr ähnlich. Dann abersteigert
sich dasHydrolysierungsvermögen
der Extrakte auspollenernährten
Bienen so
stark,
dass es dieWirkung
von Extrakten ausFlugbienen
im Volk erreicht(völliger
Saccharoseabbau innerhalb vonStunden).
Das Ferment der auf Zucker- diätgehaltenen
Bienen verliertdagegen
nachlängerem
Aufenthalt imKäfig
an Wirk-samkeit,
so dass dieSaccharosehydrolyse verspätet beginnt
und erst nach 10Tagen abgeschlossen
ist(Tab.
4, Abb. 5,6).
Es kann darausgeschlossen werden,
dass dieschlüpfende
Biene zwarfähig
ist bei reiner Zuckerdiät ihrePharynxdrüsenfermente
eine
Zeitlang
aktiv zuerhalten,
dass zur maximalenFermentaktivierung
aber Pollen-ernährung unbedingt notwendig
ist.Die
durchAlter, Ernährung
und!hysiologischen
Zustandbedingten
Unter-schiede wirken sich nur auf den zeitlichen
Hydrolyseablauf,
nicht aber auf dasSpek-
trum der
Abbauprodukte
und dasgegenseitige ::B1:engenverhältnis
dergebildeten
Hexosen aus.
5
. Zwischen Bienen der
Nigra-
und Krainerrasse waren in diesen Versuchen keine Unterschiede festzustellen.Re f
u pour
publication
en mai 1962.RÉSUMÉ
HYDROLYSE DU SACCHAROSE SOUS L’ACTION DE L’INVERTASE DES GLANDES PHARYNGIENNES ET DE L’INTESTIN MOYEN DE L’ABEILLE
(Apis
Mellifira L.)5. INFLUENCE DE L’ÂGE ET DE L’ALIMENTATION DES ABEILLES SUR L’ACTIVITÉ ENZYMATIQUE DES GLANDES PHARYNGIENNES
Le
présent
travail a pourobjet
l’étude au moyen de lachromatographie quantitative
surpapier
du
pouvoir hydrolysant
àl’égard
du saccharose des enzymes desglandes pharyngiennes
d’abeillesd’âge
divers et ayant reçu une alimentation variable. Desexpériences
ont été faites avec des extraits deglandes pharyngiennes (et
dans une série avec des extraits d’intestinmoyen)
provenant d’abeilles de races noire et carniolienne. Les abeilles ont été soumises aux essais enpartie
aussitôtaprès
l’éclosion, enpartie après
10, 21 et 28jours
deséjour
dans une colonie libre etaprès
unséjour
de10et
24 jours
en cagette, avec alimentation à base de sucre et de pollen. On a examiné l’état dedévelop-
pement des
glandes
pharyngiennes, l’hydrolyse du saccharose et laproportion
des différents hexoses formés.Résultats 1
° Les enzymes des
glandes pharyngiennes
et de l’intestin moyen se comportent d’unefaçon
totalement différente chez les abeilles naissantes et chez les abeilles adultes.
L’enzyme
de l’intestin moyen estdéjà
actif chez l’abeille naissante ethydrolyse
le saccharose enl’espace
dequelques
heures ;l’enzyme
desglandes pharyngiennes
est très peu actif et toutjuste capable d’attaquer
le saccharose
(tableau
i - fig. i et 2). L’abeille vient donc au monde avec un intestin fonctionnel dupoint
de vueenzymatique,
mais avec desglandes pharyngiennes physiologiquement
immatures.2
° Chez les abeilles volant librement et appartenant à une colonie normale
(pourvue
d’unereine et de couvain), il existe des différences d’activité des enzymes des
glandes pharyngiennes qui
sont sous ladépendance
de l’âge et des fonctions. L’activitéenzymatique
augmente de l’abeillejeune
à l’abeille nourriceâgée
de Ijours et à l’abeille d’intérieur de zjours;
elle atteint son maximum chez les butineuses âgées de 28jours.
Chez ces dernières, le saccharoseprésenté
esthydrolysé
par les extraits de glandespharyngiennes
en Io heures, de façon totale (tableau 3 -fig.
3 et4 ).
Cette augmentation d’activité
correspond
au changementde
fonction desglandes pharyngiennes qui
passent de laproduction
degelée royale
(abeille nourrice avecglandes pleinement développées),
à la production
d’enzymes
(butineuses avec glandes régressées.)3
°)
Chez les abeilles encagées, on peut observer une relation directe entre la nature de la nourri- ture et l’activité del’enzyme
desglandes pharyngiennes.
L’activitéenzymatique,
très faible à lanaissance,
commence par croître et elle est,après
dixjours
deséjour
en cagette,identique
chezles abeilles nourries au sucre et chez les abeilles nourries au
pollen.
Puis, lepouvoir hydrolysant
des extraits augmente chez les abeilles nourries au
pollen
avec une telle intensitéqu’il
atteint celui des extraits des abeilles butineuses libres(hydrolyse
totale du saccharose en ¢heures).
L’enzymedes abeilles maintenues à un
régime
sucréperd
par contre de son activitéaprès
un certain temps de séjour en cagette, de telle sorte quel’hydrolyse
du saccharose ne commencequ’avec
retard etne s’achève
qu’après
10jours (tableau
4 - fig. 5 et 6). On peut en conclureque’l’abeille
naissante,au
régime
purement sucré, est certescapable
de maintenir actives,pendant
un certain temps, sesglandes pharyngiennes,
mais que l’activation maximale del’enzyme exige
une alimentationpolli- nique.
4
°) Les différences d’activité
qui dépendent
del’âge,
de l’alimentation et de l’étatphysiolo- gique,
ont une action sur le temps nécessaire àl’hydrolyse,
mais non pas sur le spectre desproduits
de cette
hydrolyse,
ni sur lesproportions
des différents hexoses formés.5
°) Dans les
expériences
décrites, on n’a pu mettre en évidence aucune différence entre abeilles de race noire et abeilles de race carniolienne.SUMMARY
BREAKDOWN OF SCGARS T3Y INVERTING ENZYMES IN THE PHARYNGEAL GLANDS AND THE MIDGUT OF TIIE IIONEl’BEE
(Apis mellifica
L.)5 EFFECT OF THE BEES AGE AND FOOD ON THE ENZYME ACTIVITY OF THE PHARYNGEAL GLANDS
In the present
study,
thehydrolysing
effect on sucrose, of the ferment in thepharyngeal glands
of bees of different age and feeded
differently
was examined by means ofquantitative
paper chro-matography. The
experiments
were carried out with extracts from thepharyngeal
glands(in
one series, moreover, with extracts from themidgut)
of bees of theNigra
and Carniolan race. The beeswere examined
partly immediately
afteremerging, partly
after a 10-, 21- and2 8-day
stay in afreely flying colony
and after a 10- and24 -day
stay in the cage(sugar
andpollen diet).
The deve-lopment
state ofthe pharyngeal
glands, the course of the sucrosehydrolysis
and thequantitative proportion
of the hexoses formed were examined.The results of this
investigation
are contained in tables Ito 4,figures
Ito 6 and the discussionon page
z3o/z3 r...
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