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Maturité gymnasiale Session 2015 EXAMEN D’HISTOIRE pour les classes bilingues

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Academic year: 2022

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Texte intégral

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Maturité gymnasiale Session 2015

EXAMEN D’HISTOIRE pour les classes bilingues

Durée : 3 heures Matériel autorisé :

• Dictionnaire Français-Allemand ( mis à disposition) Anweisungen:

• Die Prüfung besteht aus zwei Themen, für das erreichen der Maximalnote müssen beide behandelt werden.

• Die Themen unterscheiden sich in Arbeitsaufwand und Gewichtung.

• Das 1. Thema ist grösser und zählt 2/3, maximal sind hier 40 Punkte zu erreichen.

• Das 2. Thema ist kleiner und zählt 1/3, hier sind maximal 20 Punkte möglich.

Formales:

• Beantworten Sie die Fragen in ganzen Sätzen und in deutscher Sprache.

• Benutzen Sie die linierten Blätter für die Antworten und die Karierten für die Notizen.

• Lassen Sie auf jedem Blatt rechts einen drei Zentimeter breiten Rand frei.

• Schreiben Sie auf den linierten Antwortblättern nicht mit Bleistift.

• Nummerieren Sie die Blätter durchgehend.

• Geben Sie am Schluss die Aufgabenblätter und ihren Notizen ebenfalls ab.

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1.Thema: Deutschland zwischen 1919 und 1933

Aufgabenstellung

Im Jahr 1919 trat die Weimarer Republik das Erbe des deutschen Kaiserreichs an. Diese erste Demokratie in Deutschland durchlebte schwierige Zeiten und fand bereits 1933 mit der Macht- übernahme Hitlers und seiner Nationalsozialisten ein jähes Ende. Entwickeln und diskutieren Sie die Gründe für das Versagen und den Untergang der Weimarer Republik. Beziehen Sie sich in Ihrer Argumentation auf die Dokumente 1a bis 1e. Verlieren Sie bei Ihrer Bearbeitung nicht die zentrale Frage aus dem Blick: «Wieso scheiterte die Weimarer Republik nach nur knapp 15 Jahren Bestehen?»

Dokument 1a: John Maynard Keynes, 1919

Der Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes war Mitglied der britischen Delegation in Versailles, verliess diese aber aus Protest. 1919 schrieb er in einem Aufsehen erregenden Buch (Auszug):

Der Friedensvertrag enthält keine Bestimmungen zur wirtschaftlichen Wiederherstellung Euro- pas, nichts, um die geschlagenen Mittelmächte wieder zu guten Nachbarn zu machen, nichts, um die neuen Staaten Europas zu festigen, nichts, um Russland zu retten.[…]

Der Vertrag setzt für Deutschlands Schulden keine bestimmte Summe fest. Es wäre vernünftig gewesen, wenn sich beide Parteien ohne Prüfung von Einzelheiten auf eine runde Summe geei- nigt halten. Aber das war aus zwei Gründen unmöglich. Über zwei Dinge war die Öffentlichkeit allgemein irregeführt worden: über Deutschlands Zahlungsfähigkeit und über den Umfang der gerechten Forderungen der Alliierten für die verwüsteten Gebiete. Eine feste Summe für Deutschlands voraussichtliche Zahlungsfähigkeit wäre hinter den Erwartungen der großen Men- ge in England wie in Frankreich hoffnungslos zurückgeblieben. Auf der anderen Seite hätte die Richtigkeit einer bestimmten Ziffer für die Höhe des Schadens auf Verlangen kaum nachgewie- sen werden können. Es war der weitaus sicherste Weg für die Staatsmänner, überhaupt keine Zif- fer festzulegen. […]

Es ist eine bemerkenswerte Tatsache, dass das wirtschaftliche Grundproblem eines vor ihren Au- gen verhungernden und verfallenden Europa die einzige Frage war, für die es nicht möglich war, die Teilnahme der Vier [Siegermächte] zu wecken. Wiedergutmachung war ihr Hauptinteresse auf wirtschaftlichem Gebiet, und sie behandelten sie als eine Frage der Theologie, der Politik, der Wahltaktik, kurz, von jedem anderen Gesichtspunkt als dem der wirtschaftlichen Zukunft der Staaten, deren Schicksal in ihrer Hand lag. […]

John Maynard Keynes, Die wirtschaftlichen Folgen des Friedensvertrages, München/Leipzig 1920, S.128f., 184f., gekürzt

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Dokument 1b: Auszüge aus der Weimarer Reichsverfassung von 1919

Art. 1. Das Deutsche Reich ist eine Republik. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus. […]

Art. 20. Der Reichstag besteht aus den Abgeordneten des deutschen Volkes.

Art. 22. Die Abgeordneten werden in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl von den über zwanzig Jahre alten Männern und Frauen nach den Grundsätzen der Verhältniswahl gewählt. […]

Art. 25. Der Reichspräsident kann den Reichstag auflösen, jedoch nur einmal aus dem gleichen Anlass. Die Neuwahl findet spätestens am sechzigsten Tag nach der Auflösung statt. […]

Art. 41. Der Reichspräsident wird vom ganzen deutschen Volke gewählt. […]

Art. 48. […] Der Reichspräsident kann, wenn im Deutschen Reiche die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet wird, die zur Wiederherstellung der öffentlichen Si- cherheit und Ordnung nötigen Massnahmen treffen, erforderlichenfalls mithilfe der bewaffneten Macht einschreiten. Zu diesem Zwecke darf er vorübergehend die […] Grundrechte ganz oder teilweise ausser Kraft setzten. […]

Art. 53. Der Reichskanzler und auf seinen Vorschlag die Reichsminister werden vom Reichsprä- sidenten ernannt und entlassen.

Art. 54. Der Reichskanzler und die Reichsminister bedürfen zu ihrer Amtsführung des Vertrau- ens des Reichstags. Jeder von ihnen muss zurücktreten, wenn ihm der Reichstag durch ausdrück- lichen Beschluss sein Vertrauen entzieht. […]

Art. 109. Alle Deutschen sind vor dem Gesetze gleich. Männer und Frauen haben grundsätzlich die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten. Öffentlich rechtliche Vorrechte oder Nach- teile der Geburt oder des Standes sind aufzuheben. […]

Zit. nach: Rudolf Berg et al.: Kursbuch Geschichte – Oberstufe Baden-Würtemberg – Gesamtband, Berlin 2010, S.240.

Dokument 1c: Ergebnisse der Reichstagswahlen 1920 -1932

Aus: Bernhard Askani und Elmar Wagener (Hrsg.): Anno 4, Das 20. Jahrhundert, Braunschweig 1997, S.62.

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Dokument 1d: Aus einer Rede des deutschen Reichskanzlers Heinrich Brüning, 1932

«Sechs Millionen Arbeitslose, deren Geschick die gleiche Zahl von Angehörigen trifft, also rund ein Fünftel unseres Volkes! Unter diesen sechs Millionen Arbeitslosen zwei Millionen unter 25 Jahren, Von diesen zwei Millionen ist eine Million unter 21 Jahren. Eine Million junger Menschen also, die das Leben vor sich haben, ohne eine Arbeitsstätte zu finden […] Wundert Sie, dass in den Herzen und Sinnen dieser Million Jugendlicher ein Radikalismus aufquillt, der nur vom Un- tergang und von der Zerschlagung alles Bestehenden Besserung erwartet und auf ihn seine Hoffnungen setzt?»

Zit. nach: Helmut Meyer und Peter Schneller: Durch Geschichte zur Gegenwart 3, Zürich 2008, S.45.

Dokument 1e: Thomas Theodor Heine 1927

Die folgende Karikatur von Thomas Theodore Heine erschien am 21. März 1927 in der deutschen satirischen Zeitschrift Simplicissimus. Die Unterschrift lautet: «Sie tragen die Buchstaben der Firma – aber wer trägt den Geist?!»

Aus: Rudolf Berg et al.: Kursbuch Geschichte – Oberstufe Baden-Würtemberg – Gesamtband, Berlin 2010, S.224.

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2.Thema: Entstehungsgeschichte der USA

Aufgabenstellung

Entwickeln und diskutieren Sie anhand der beiden Dokumente die Bedeutung der Sklavenfrage für die amerikanische Geschichte, insbesondere im Hinblick auf den Bürgerkrieg 1861-1865.

Dokument 2a: Karikatur aus der Londoner Satire-Zeitschrift „Punch“ aus dem Jahr 1856:

Aus: Rudolf Berg et al.: Kursbuch Geschichte – Oberstufe Baden-Würtemberg – Gesamtband, Berlin 2010, S.35.

Dokument 2b: Abraham Lincoln an einen Journalisten über seine Ziele, 22. August 1862:

Mein Hauptziel in diesem Kampf ist die Rettung der Union und nicht die Erhaltung oder Auf- hebung der Sklaverei. Wenn ich die Union bewahren könnte, ohne einen einzigen Sklaven zu be- freien, so täte ich dies, und wenn es nur durch die Befreiung aller Sklaven möglich wäre, würde ich es auch tun. Was ich für die Sklaven und die Farbigen tue, tue ich nur für die Union, und was ich unangetastet lasse, lasse ich, weil es meiner Überzeugung nach nicht zur Aufrechterhaltung der Union beitragen würde. Ich unterlasse alles, was der Sache schaden könnte, und ich unter- nehme alles, was der Sache dienen könnte. Ich versuche, Fehler zu korrigieren, die sich als Fehler erwiesen haben, und ich akzeptiere neue Meinungen, sobald sie sich als richtig herausgestellt ha- ben. Das ist meine Zielsetzung, wie sie mir mein Amt meiner Meinung nach auferlegt, und davon ist mein persönlicher, oft geäußerte Wunsch, dass alle Menschen frei sind, nicht betroffen. An einem gewissen Punkt habe ich erkannt, dass die Sklaverei sterben muss, damit die Nation leben kann.

Zit. nach: Giampiero Carocci: Kurze Geschichte des amerikanischenBürgerkriegs, Berlin 1998, S.99.

Références

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