Physikalische
Osmose
anpermeablen
Membranen
IL* Anomale Osmosen an ionenfreien Membranen**
Von
Hans-GeorgElias***
Institut für ChemischeTechnologie derTechnischenHochschuleMünchen und Technisch-Chemisches Laboratorium der
Eidgenössischen
Technischen Hochschule Zürich Mit3
Abbildungen
im Text(Eingegangen
am 10. Oktober 1960)Some observations on the occurance of anomalous osmotic pressures at
cellophane
600 and glass membranesduring measurements on poly (ethyleneoxides) with molecular weights of 4000 and 20000 in different solvents are
reported. Anomalous
positive
osmosis was found at cellophane membranes(cellulose hydrate) in methanole, anomalous negative osmosis at glass
mem-branesinmethanole and acetone. The measured osmotic pressures in dioxane, water, dimethyl formamide and benzene are influenced in part byanomalous
negative osmosis as demonstrated bymeasurements under different pressures.
Themagnitudeof this effect dependson thepolarity ofthe solvents, constant
viscosities assumed. The observations are
explained by
electro kinetic effects.Einleitung
Staverman2 konnte vor
einiger
Zeit theoretischzeigen,
daß derosmotische Druck an
permeablen
Membranen auch dann zuniedrig
gefunden
wird,
wennimAugenblick
derMessung
noch keine Substanzdurch die Membran
permeiert
ist,
dieursprüngliche
Konzentrations-Differenz also noch vorhandenist. BeiVersuchen,
diesen Effekt exakt* I.
vgl.1.
**Aus der Habilitationsschrift „Osmotische
Messungen
anpermeablen
Membranen", ETHZürich, 1960. Die Arbeit kann bei der Bibliothek der ETH
eingesehen
werden.***Neue Anschrift: Technisch-Chemisches Laboratorium,
Eidgenössische
Technische Hochschule, Zürich, Schweiz.
1H.-G.Elias,Z.
physik.
ChemNeueFolge,
siehevorstehende Arbeit.experimentell
zu beweisen und seineAbhängigkeit
vonMembran1-3,
Konzentration3,
Molekulargewichts-Verteilung4'5,
Zusätzen5 undvomLösungsmittel1
zuprüfen,
wurde esnotwendig,
dieFehlerquellen
derosmotischen Meßmethodik
eingehend
zu studieren6'7.Wie schon an anderer Stelle7 ausführlich
gezeigt
wurde,
gibt
esfolgende
Methoden,
um den anpermeablen
Membranen auftretendenosmotischen Druck ns unbeeinflußt von
Verdrängungs-Gleich-gewichten
und Trivialfehlern zu erhalten:I. Aus der
Rückextrapolation
desSteighöhen-Abfalles
nachDurchlaufen einesMaximums
(Anfangsbedingung
AhA
<Amax)
auf die Zeitnull,
Auftragen
der so erhaltenenAhexv-Werte
gegen die Zeit A
ímax
zum Erreichen desSteighöhenmaximums
und
Extrapolation
aufd£max
= 0. Die so erhaltenen Wertewerdenmit
(A
hexp)0
bezeichnet.II. Aus der
Einstellgeschwindigkeit
ohne Fremddruck(Anfangs-bedingungen
AhA<Ahmax,
pman =0).
Die Meßwerte nachdieser Methode werden mit dem Index v
gekennzeichnet
(Ahv,nv).
III. Aus der
Durchtritts-Geschwindigkeit
desLösungsmittels
durch die Membran unter derWirkung
einesüberlagerten
Fremddruckes pman bei der
Steighöhendifferenz
Ah = 0.Die Meßwerte nach diesem Verfahren werden mit einem *
indiziert
(*h, *n).
Die osmotischen Drucke können aus den Meßwerten der
Ver-fahren II und III über
n =Ah gLM +
hLsg
-Aq
+
pman
+
KEv
g/cm2
(1)
berechnet werden. Hierbei sind: Ah die
Steighöhendifferenz
zwischenLösungs-
undLösungsmittel-Säule,
hLsg
dieSteighöhe
derLösung
über derMembranmitte,
qlm die Dichte desLösungsmittels,
Aq dieDichte-Differenz zwischen
Lösung
undLösungsmittel,
pman derüber-lagerte
Fremddruck,
v dieDurchtrittsgeschwindigkeit
desLösungs-3Th. A. Ritscher und H.-G.
Elias,MakromolekulareChem. 30 (1959) 48.
4H.-G.Elias,
Kurzmitteilung
auf dem InternationalenSymposium
überMakromoleküle, Wiesbaden, 12. bis 17.Oktober 1959.
5H.-G. Elias und E.Männer, Makromolekulare Chem. 40
(1960) 207.
6H.-G.
Elias, Th. A. Ritscher und F.Patat, Makromolekulare Chem. 27 (1958) 1.
7H.-G.
Elias,
Chemie-Ing.-Techn.,
im Druck.mittels durch dieMembran indie
Lösung
undKE
eineEichkonstante,
die ausMessungen
mit dem reinenLösungsmittel
erhalten werdenkann
(vgl.7).
BeimArbeitenmit den Meßverfahren I und III wurden unter be-stimmten
experimentellen
Bedingungen
Anomalienbeobachtet,
überdie nachstehend berichtetwird.
2.Experimentelle Durchführung
Die untersuchten Substanzen waren ein
Polyäthylenglykol
AG 4000(Mw = 4300, Mn= 3900) und ein
Polyäthylenglykol
AG 20000(M„
= 26000,M,D = 23800, M„ = 16000). Die Gewichtsmittel des
Molekulargewichtes
wurden über Lichtstreuungs- (-M„) bzw. Sedimentations- und Diffusions-Messungen (MsD) ermittelt, die Zahlenmittel M„ über
Endgruppen-Bestim-mungen. Für dieexperimentelle
Durchführung vgl.3.
Die rektifizierten Lösungsmittelwurden auf ihre Reinheit durch
Vergleich
ihrerBrechungsindex-Werte
mit Literaturdaten8überprüft,
die Meßwerte stimmtenjeweils auf ± (1—2) • 10~4mit den dort angegebenen Daten überein.Für die
Messungen
anCellophan
600wurde einZweikammer-Metall-Osmo-meter9,für die an den Glasmembranen ein Glas-Membran-Osmometer10 *
ver-wendet. Die
Cellophan-Membranen**
zeigten keinelektronenmikroskopisch
erkennbares Porensystem6, sie dürften nach den Ergebnissen derLösungs-mittel-Messungen1
alspraktisch
reine Lösungsmembranenanzusprechen
sein. Die Glasmembranen besitzen nach der BET-Methode Porenweitenvon 30 bis40 Á11.
3.
Ergebnisse
3.1.
Messungen
anCellophan-Membranen
Wie an anderer Stelle
gezeigt
wurde7,
lassen sich die AAexp-Werte
in der
Regel
gut
aufAímax
= 0 und damit aufunendlich schnelleEin-stellung extrapolieren.
DieseExtrapolation
warjedoch
nicht bei allenuntersuchten
Systemen möglich.
Besonders starkeAbweichungen
traten bei denMessungen
in Methanol auf.Abb.1
gibt
einen besonders extremen Fallwieder,
Messungen
amPolyäthylenglykol
AG4000bei derKonzentrationc =2,04
10~4g/ml
*
Wagner
& Münz, München, Luisenstr. 25.** Kalle & Co., Wiesbaden-Biebrich.
8A.Weissberger, E. S.Proskauer, J. A. Riddick und E. E.Toops
jr.,
„Organic
Solvents" (=Vol. VII von„Techniques
inOrganic Chemistry"),
IntersciencePubl., NewYork, N.Y., 1955.
9H.-G.Elias, Chemie-Ing.-Techn. 29 (1957) 19.
10H.-G. Elias und Th. A.Ritscher, J.
Polymer
Sei. 28(1958)
648; Rev.gén.
Caoutchouc 35 (1958) 1073.11 M. E.
bei zwei verschiedenen
Kapillarweiten.
Man entnimmt der Abb.1,
daß bei sehr kleinen A
fmax-Werten
eine starke Zunahme derAhexp-Werteauftritt. Das
gleiche gilt
für die AAmax-Werte.
DieAbweichun-gen
beginnen
beium sogrößeren
Zeiten,
je größer
die Kapillardurch-messer sind.Bei all diesen
Messungen
war dieFlüssigkeitsbilanz
konstant,
so daß Fehler durchTemperaturausgleich
oderNachlauf,
dieer-fahrungsgemäß
selbst beisorgfältigem
Arbeiten nur schwer zuver-meiden
sind,
auszuschließen sind. Eineigenartiges Ergebnis
liefert1000
Abb. 1. Anomale osmotische Drucke beim
Polyäthylenglykol
AG 4000 in Methanol(c
= 2,044• 10~4g/ml)
anCellophan
600die
Extrapolation
der dreiAnfangswerte
bei derKapillarweite
1,2
mmauf die Zeit A
ímax
= 0. Man erhält nämlich eineSteighöhendifferenz
von
Ahexp
=4,8
cm, was einem reduzierten osmotischen Druck von17,8
Atm • ml •g_1 entsprechen
würde. BeiAnwendung
des van'tHoFFschen Gesetzes berechnet sich daraus ein
Molekulargewicht
von1370,
wobei derEinflußdes2. Virialkoeffizienten*B = 87Atm •mPg"2
(vgl.3)
vernachlässigt
werden konnte.Nun
liegt
aber das überEndgruppen-Bestimmungen
gewonneneMolekulargewicht
bei 3900. Es handelt sich bei diesen Meßwerten also offenbar um einen Fallanomal-positiver
Osmose,
wie erbislang
nur angeladenen
Membranen undionenhaltigen Flüssigkeiten
be-kannt war.
Die aus der
Extrapolation
derzlAexp-Werte
von höheren AQuer-schnittsflächen
gleichgroß
(1,25 cm).
Nur diese Werte wurden daherbei der
Untersuchung
des STAVERMAN-Effektesxberücksichtigt.
3.2.
Messungen
an GlasmembranenBeim Arbeiten mit Glasmembranenmit
überlagertem
Fremddruck wurdegefunden,
daß der nachGl.(l)
berechnete osmotische Druck *n mit zunehmendem Fremddruckabsinkt,
bei nicht vorhandenemFremddruck
jedoch
den von der Theoriegeforderten
Wert erreicht(vgl.7).
Es konntegezeigt
werden,
daß dieser Abfall kaum durch-200 -100 0 +100 +200
-*
P™„
[g/cm2]
Abb.2.
Druckabhängigkeit
osmotischer Drucke beimPolyäthylenglykol
AG 4000inverschiedenenLösungsmittelnan Glasmembranen bei25°C örtlicheKonzentrations-Erniedrigungen
im Sinne derAbleitungen
von W. Kuhn12
hervorgerufen
sein kann. DieMessungen
wurden amPolyäthylenglykol
AG 20000 inDimethylformamid durchgeführt,
einepräparativ
feststellbare Permeation konnte für dasSystem
nichtgefunden
werden.Ein weiterer
Hinweis,
daß nicht örtlicheKonzentrations-Ver-schiebungen
der Grund für diesen Fremddruck-Effekt seinkönnen,
ergab
sich,
als beiMessungen
amPolyäthylenglykol
AG 4000 inMethanol und Aceton ohne Fremddruck
(Verfahren II)
zum Teilnegative
Geschwindigkeiten
und damit nach Gl.(1)
negative
osmoti-sche Druckegefunden
wurden1. ZurAufklärung
des Effektes wurdendaher verschiedene Meßreihen an ca.
2°/0igen Lösungen
von AG 4000in verschiedenen
Lösungsmitteln durchgeführt.
DieErgebnisse
sindin Tab.1
zusammengestellt
und in Abb.2wiedergegeben.
Aus Abb.2
geht
hervor,
daß die berechneten osmotischen Druckekeineswegs
konstantsind,
sondern mit dem Fremddruck linearzu-nehmen. Bei ein- und derselben Meßreihe können dabei
positive
undnegative
osmotische Drucke auftreten. Der Effekt scheint dabeietwaskonzentrationsabhängig
zusein,
wie Tab.1zeigt.
Tabelle 1. Druckeinfluß aufdiegemessenenosmotischenDrucke
(Polyäthylenglykol
AG 4000, 1 mm dicke Glasmembran, 25°C) Lösungs-mittel cg/ml
KE 10-3 g min cm-3 Pmang/cm2
v 103cm/min
*7Ig/cm2
Dioxan Aceton Methanol Wasser Benzol 0,0182 0,0316 0,01011 0,01985 0,01922 0,02219 20,6 5,58 5,56 5,56 14,6 6,91 + 163,0 0 — 88,7 + 161,5 + 117,7 0 -116,0 -161,0 + 131,0 + 98,9 + 51,4 + 156,2 + 136,6 4- 85,0 + 70,5 + 163,0 + 151,2 0 — 109,2 — 152,5 + 152,2 0 -53,6 -161,1 — 2,40 + 6,0 4- 10,6 — 19,2 — 16,2 — 3,24 + 8,9 + 12,8 — 25,0 — 22,2 — 15,8 -32,8 -30,8 -23,7 -23,1 — 3,52 — 3,20 + 5,54 + 11,2 + 12,8 — 4,39 + 12,0 + 18,9 31,2 + + 113,5 + 123,6 + 129,6 + 54,4 + 27,3 -18,1 — 66,3 -89,6 -8,0 -24,6 — 36,4 -26,2 — 34,6 — 46,8 — 57,9 + 111,6 + 104,5 + 80,9 + 54,3 + 34,4 + 121,9 + 82,9 + 77,0 + 54,2 Das Auftretennegativer
osmotischer Drucke und diegegenüber
den anderen
Lösungsmitteln
an derDioxan-Lösung gefundene
Einfluß örtlicher
Konzentrations-Verschiebungen,
wennüberhaupt
vorhanden,
gering
sein mußgegenüber
einemanderen,
bisher nichtbeachteten Effekt. Ein Einfluß der Rührintensität konnte ebenfalls nicht
gefunden
werden(<
100U/min).
Tabelle2.
Abhängigkeit
des Fremddruck-ParametersqvonLösungsmittel,Konzentration undMolekulargewicht Substanz
Lösungsmittel
Konzentrationg/ml
VlmcP AG 4000 AG 4000 AG20000 AG 4000 AG 4000 AG 4000 Dioxan Wasser Dimethyl-formamid Benzol Methanol Aceton 0,0182 0,0182 0,0237 0,0192 0,0199 0,0101 0,0316 1,190 0,897 0,804 0,603 0,545 0,545 0,303 — 0,063 + 0,220 +0,060 4- 0,205 +0,310 +0,350 + 0,440Eine Durchsicht
der
Neigungen
der Kurven in Abb.2ergibt
nun, daß offenbar eineKorrelation zwischen dieserFremddruck-Abhängig-keit osmotischer Drucke und der Viskosität des
Lösungsmittels
be-stehen muß. In Tab.2 sind dazu dieNeigungskoeffizienten
q der Funktion(nber
= m-f-
q •pman)
und die Viskositätangegeben.
Eineentsprechende
Auftragung
von qgegen die Viskositätzeigt,
daßüber-raschenderweise die
Neigungskoeffizienten
q bei denunpolaren
Lö-sungsmitteln
Benzol und Dioxan beivergleichbarer
Viskosität deut-lichgeringer
als bei denpolaren
Lösungsmitteln
Aceton,
Methanol und Wasser sind(Abb.
3).
Wäre eine örtlicheKonzentrationsverschie-bung
alleinmaßgebend,
dann müßte der Effektüberhaupt
nicht vonderViskosität
abhängen,
da in ersterNäherung
sowohl diespezifische
Durchlässigkeit
G r¡ als auch dieEigendiffusions-Konstante D0
r¡ konstant sind. G ist dabei dieDurchlässigkeit
einer Membran für dasLösungsmittel
nach Kuhn12 undD0
die Diffusionskonstante bei un-endlicherVerdünnung.
Das Auftreten dieser Anomalien könnte vermuten
lassen,
daß die berichteten1'3experimentellen
Beweise des STAVERMAN-Effektes2fraglich
wären und diegegenüber
dem theoretischen osmotischen Druck als zugering
gefundenen
Druckensnurdurch den zusätzlichenEffekt der anomalen Osmosen zustandekämen. EineKontrolle
ergibt
sichjedoch
durch einenVergleich
der bei derGeschwindigkeit
v = 0und der beim Fremddruck pman = 0 gemessenen bzw. berechneten
osmotischen Drucke mit den theoretischen Werten.
Eine solche
Gegenüberstellung
ist in der Tab.3 für die Daten der Tab.2 und Abb.2 vorgenommen worden. Der theoretische osmotischeDruck wurde dabei aus dem Zahlenmittel des
Molekulargewichtes
Mn
= 32001 unterVernachlässigung
derjeweiligen
2.Virialkoeffi-Abb.3.
Viskositäts-Abhängigkeit
des Fremddruck-Parameters qTabelle 3. Vergleich gemessener und berechneter osmotischer Drucke
(in g/cm?)
für
Polyäthylenglykol
AG 4000 anGlasmembranen Lösungs-mittel Konzentration g/ml theoretisch Dioxan Benzol Wasser Aceton Methanol Methanol 0,0182 0,0192 0,0192 0,0316 0,0199 0,0101 200 211 211 348 219 111zienten
berechnet,
da der dadurch entstandene Fehlergeringer
als dz5%
ist.Man entnimmt der Tab.
3,
daß zwar einesystematische
Differenzzwischen den *7i-Werten für pman = 0 und für v = 0
besteht,
aberDer STAVERMAN-Effekt kann daher höchstens in seiner absoluten
Höheetwas durch dieMeßmethoden verfälscht
sein,
anseiner Existenzist
jedoch
nicht zu zweifeln.4. Diskussion
Die auffallende
Abhängigkeit
des Fremddruck-Parameters q vonderPolaritätdes
Lösungsmittels
legt
nahe,
daß diegefundenen
Fremd-druck-Abhängigkeiten
durch elektrokinetische Effektebedingt
sind.BeimFließen einer
reinen,
polaren Flüssigkeit
durch eine Membran wird eine Potentialdifferenzerzeugt
(Strömungsstrom).
Andererseitsführt die
Bewegung
einesFestkörpers
odergelösten
Teilchens durchsehr enge Poren oder
Kapillaren
zum Auftreten einessogenannten
Bewegungsstromes.
Zum Auftreten des letzterengenügt
esselbst-verständlich,
daß sichnur so kleineMengen
des Gelösten in der Mem-branbewegen,
daß eine Konzentrations-Abnahmemakroskopisch
nicht feststellbar ist.
Strömungsströme
undBewegungsströme
sindum so
größer, je
schneller dieFlüssigkeiten
bzw. Teilchen durch einegegebene
Membranströmen,
d. h. beigleichen
osmotischenDrucken,
je niedriger
die Viskosität ist.Die Größe und
Richtung
der Effektehängt
vom untersuchtenSystem
ab. So istz. B. für die denStrömungsströmen
entsprechende
Erscheinung
der Elektro-Osmose(Auftreten
einerSteighöhen-Dif-ferenz bei
Anlegen
einerPotential-Differenz)
bekannt,
daß unter sonstgleichen Bedingungen
bei verschiedenenLösungsmitteln
eineRich-tungsumkehr
auftritt13. Da bei dergleichen
Modellsubstanz(Poly-äthylenglykol
AG4000)
im selbenLösungsmittel
(Methanol)
an derGlasmembran eine
anomal-negative,
an derCellophan
600-Membraneine
anomal-positive
Osmose beobachtetwurde,
ist zuschließen,
daßPolyäthylenglykol
in derSpannungsreihe
der Nichtleiter zwischenGlasund
Cellophan
steht.Strömungsströme
können bei denunpolaren
Lösungsmitteln
Benzol und Dioxan selbstverständlich nicht auf-treten.Der Effekt der
anomalen,
positiven
odernegativen
Osmosen ist seit über hundert Jahren bekannt(vgl.
dazu14),
wurde aber bishernur an
geladenen
Membranen undionenfreienFlüssigkeiten gefunden.
Zu seiner
Erklärung
sind viele Theorienaufgestellt
worden. Die 13 K.L. Wolf und E.modernste und am besten fundierte stammt von Schlögl14'15. Nach
Schlögl kann bei verschwindendem elektrischem Feld durch die in
der Membran herrschende osmotische Druckdifferenz stets nur eine
positive
Osmose auftreten. Sofern ein elektrischer Stromauftritt,
dominiert
jedoch
bei bereits sehrgeringen
Stromdichten der vondiesem Term herrührende
Beitrag
zum gemessenen osmotischenDruck. Eine
anomal-positive
Osmose,
d. h.Steighöhe
über dentheoretischen Wert
hinaus,
wirdgefunden,
wenn dieGegenionen
beweglicher
als die Coionensind,
eineanomal-negative
Osmosedann,
wenn die Coionen
beweglicher
als dieGegenionen
sind. Unter„Gegen-ionen" werden dabei die sich in der Nähe der Membranwand auf-haltenden Ionen
verstanden,
dieentgegengesetztes
Vorzeichen wie dieander Wandbevorzugt
adsorbierten odereingebauten
sogenannten
Festionen
haben,
unter„Coionen"
die Ionen in derPorenflüssigkeit,
die dasgleiche
Vorzeichenwie die Festionen aufweisen.Die
Ergebnisse
dieser Arbeitzeigen jedoch,
daß zum Auftreten von anomalen Osmosen nichtnotwendigerweise
Ionen vorhandensein
müssen,
es seidenn,
man schriebe dieOberflächenladungen
auchin
nichtwäßrigen Flüssigkeiten
Ionen aus der Gefäßwand zu16. Wieschon Wolf und Bischof13
bemerken,
istüberhaupt
zuprüfen,
obeine
Ladungstrennung Voraussetzung
der elektrokinetischenVor-gänge
sein muß. Die Tatsachejedenfalls,
daß bei ionenfreienFlüssig-keiten solcheanomalen Osmosen
gefunden
wurden,
zeigt,
daß es wohlkaum auf die
Beweglichkeiten
von Coionenankommt,
sondern eher auf diePolarisierbarkeiten
vonMembran,
Lösungsmittel
undGe-löstem.
Die Arbeit wurde durch Mittel der Deutschen
Forschungsgemein-schaft
unterstützt,
wofür auch an dieser Stellegedankt
sei.14R. Schlögl, Z.
physik.
Chem. Neue Folge 3 (1955) 73.15 R.
Schlögl,Faraday Soc.Disc.Nr. 21 (1956)46.
16P. B. Lorenz, J.