CHRONIQUES ET COMPTES RENDU S
À
propos de Bernard Silvestr eThe Commentary on the First Six Books of the Aeneid of Vergil
com-monly attributed to Bernardus Silvestris .
A New Critical Edition by Julian Ward JONES and Elizabeth Frances JONES . University o f Nebrasca Press . Lincoln 1977 .Dieser Aeneis-Kommentar ist früher von J . Riedel, Greifswal d 1924, herausgegeben worden . Er hat nur eine Handschrift gekannt , und dem Incipit dieser Handschrift folgend hat er das Werk dem Ber-nardus Silvestris zugeschrieben . Die Editoren Jones haben für ihre Neuausgabe 5 Handschriften benutzt . Da in den anderen vier Hand-schriften das Werk anonym überliefert ist und da die Ähnlichkeiten mi t der
Cosmographia
des Bernardus gering sind, zweifeln die Editore n Jones daran, dass er der Verfasser ist . Ihr Zweifel kommt durch die Worte "commonly attributed to " im Titel ihrer Ausgabe zum Aus -druck . Die Frage der Verfasserschaft ist m .E . noch nicht endgülti g gelöst : es ist nicht unmöglich, dass Bernardus Silvestris der Autor ist , aber es ist gar nicht sicher, und es ist wahrscheinlicher, dass ein ande-rer Bernardus, nämlich der Bernardus von Chartres (so A. Vernet, s . S . XI), den Kommentar verfasst hat.Die neue Ausgabe ist vorzüglich : man hat kaum je Anlass, di e Konstitution des Textes zu kritisieren, der kritische Apparat ist kurz und klar und der Quellenapparat rühmlich vollständig und in gute m Latein abgefasst . Da wir nun endlich eine solide Grundlage für philolo-gische Arbeit am diesem Vergil-Kommentar haben, möchte ich einige sprachliche Bemerkungen machen und zugleich einige Addenda zu m Quellenapparat hinzufügen .
Zuerst einige Quellen . S . 21,21 f.
Insula quasi in
saloposita
(auch Z . 1) : (Ps .) Bern . dürfte die Etymologie dem Mart . Cap . 6, 643 entnom-men haben, sie findet sich aber auch bei Paul. Fest . S . Ill, Cassiod .in psalm .
71,10 und Isid .etym .
14,6,1 (ThLL 7 : 1,2033,59 ff.) . — 59, 5f.
Ceres quasi creans res :
die Herleitung von creare findet sich auch beiServ . georg .
1,7Ceres a
creandodicta
und Isid .etym . 8,
11,59Cerere m
. . .
acreandis frugibus adserunt dictam . —
59,6Proserpina quasi iuxta
124
BENGT LÖFSTED T
serpens :
die Zusammenstellung des Namens mitserpens
ist seit Augus-tinund Fulgentius häufig, s . die Belege bei R . Klinck,Die lateinische
Etymologie des Mittelalters
(München 1970) 181 f. Anm . 69 . In de rCosmographia
8,24 heisst es . . . utproserpendo proferat ilia (Proserpina )
capud :
die etwas verschiedene Etymologie spricht nicht für die Identi-tät der Verfasser derCosmographia
und des Kommentars . — 64,5 f.dicuntur columbe quasi colentes lumbos :
dieselbe Etymologie findet sich bei Thomas Cisterciensisin Cant .
(PL 206) 271 D . — 80,11 f.Gigantes
quasi gegantes, id
estex terra geniti :
vgl . Isid .etym .
11,3,13 .Was die Orthographie betrifft, notiere ich die Schreibung
nostio
fü rnotio
53, 13 .14 ; da sie zweimal in mehreren Handschriften vorkommt, ist sie kein zufälliger Lapsus, sondern dürfte eine von(cog)noscere
beeinflusste Orthographie sein . 53,10 und 14 hat die Handschrift J dafürnotitio ;
andere Belege für diese Form (u .a . aus der Überlieferun g des Macrobius und des Isidor) verzeichne ich imCorp . Christ . cont.
med.
40 C S . XXXIV und in denActa Classica
27 (1984), 144.Ein eindeutiges Beispiel für den Komparativ statt des Superlativ s haben wir 8,16 f.
bis septem Bunt lunonis pedissece, quarum pulchrior
es tserenitas . —
29,7 f.corpus enim humanwn et
violentacollisione et morb o
et senectute interine potest, illud gutem collisione
necmorbo
necsenec-tute :
zur Auslassung von nec vor dem ersten Glied s . Hofmann-Szan-tyr,Lateinische Syntax
(1965) 517 . — Die für das mittelalterliche und humanistische Latein charakteristische Konstruktion vonpro
mit dein Gerundivum stattad
begegnet 87,1pro videndo patre venit, icl
estpro
agnoscendo creatore ;
ähnlich 89,12 ; vgl . Verf., Vetenskapssocieteten i Lund,Arsbok
1983 S . 31 .Von seltenen Zusammensetzungen erwähne ich 6,23
subpediseca . —
Die Zahl seltener Suffixableitungen ist grösser, z .B . auf-atio
21,1 2girovagatio'
(das Adjektivgyrovagus
begegnet in der Regula Bene- ' dicti) ; 9,17 und 10,3multivocatio
(nachaequivocatio ;
fürmultivocu s
gibt derThLL
8,1603,67 ff. einige Belege, denen Tatwine gramm .[Corp . Christ .
133]S .
10,1 hinzuzufügen ist) . Auf -itcts 63,18 .20 un d 112,14 .17irascibilitas
2;5,20
spiribilitas .
Auf-ivus 11,4 und 78,19con
-1. Ein Beleg bei Du Cange, Glossarium mediae et infirnae Latinitatis s .v . 2. Auchvon A . BARTAL, Glossarium mediae et infirnae Latinitatis regni
Hun-gariae belegt . Das Wort begegnet auch (nachden Sammlungen des Mittellatei-nischen Wörterbuchs in München) : Albert . M . anim . 1,2,7 (ed . Clemen s Stroick, 1968) S . 34, 32 ; cael. hier . 2,9 (ed . Borgnet S . 52a, 13) ; surnni . theol . II 5,25 (ed . Borgnet S . 279b, 41) ; David . compos . 2,10,2 (S . 93) ; Urso gloss . 83 (ed . Creutz S . 118,3) .
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
12 5
sumptivus 3 ; 6,7 und 62,13
divisivus(vom ThLL s .v . nur aus Boethius
belegt) ; 62,15 und 96,3 pungitivus ° . Auf -lis 35,5 carminalis ; 96,18
eti-calls
(für ethicus) . Auf -mentum
64,14erudinienta (vom ThLL s .v . nu r
aus Irenaeus belegt) 5 .
Bengt
LÖFSTEDT.The Commentary an
Martianus Capella's De Nuptiis Philologiae et
Mercurii
attributedto Bernardus Silvestris.
Edited by
Haijo Jan
WESTRA .
Pontifical
Institute of
Mediaeval Studies,
Toronto 198 6
(Studies and
Texts 80 . )
Oben S . 123 habe ich einen Aeneis-Kommentar "
commonly
attri-buted
to Bernardus Silvestris " besprochen ; wie dort erwähnt,
vermu-ten die Editoren jenes Kommentars, dass Bernardus Silvestris nicht de r
Verfasser ist. Ebenso bringt der Herausgaber der jetzt zu besprechen
-den Edition durch die Worte "
attributed
to " seinen Zweifel an Bernar
-dus Silvestris' Autorschaft zum Ausdruck . Andrerseits scheinen de r
Aeneis-Kommentar und der Martianus-Kommentar von demselbe n
Autor zu stammen : es gibt viele Parallelen zwischen den beiden
Kom-mentaren und im letzteren wird oft auf den ersteren verwiesen ; s . die
Einleitung S . 7 ff.
Der Martianus-Kommentar ist in nur einer Handschrift überliefert ,
und die betreffenden Folia stammen aus dem Anfang des 13 . Jhs . (S . 2)
Leider ist nur ein Fragment des ursprünglich sehr umfangreiche n
Kommentars erhalten ; der Text bricht mit S . 23,
14(Dick) ab .
Der Text ist sorgfältig konstituiert worden ; allerdings wurde die
Arbeit des Editors dadurch erleichtert, dass die Handschrift
verhältnis-mässig wenige offensichtliche Fehler enthält . Der Quellenapparat hat
viel Arbeit gekostet ; der Editor hat sich besonders auf das Auffinde n
von Parallelen im oben genannten Aeneis-Kommentar sowie in
Remi-gius' Martianus-Kommentar, im anonymen Martianus-Kommentar i n
der Berliner Hs . lat. fol . 25 6 und in der anonymen Ysagoge
intheolo-3. Auch u .a . von R . E. LATHAM, Dictionary of Medieval Latin from Britis h Sources, J. W .
Fucus
& O . WEIJERS,Lexicon Latinitatis Nederlandicae inedii aev isowie M . PLEZIA, Lexicon mediae et infimae Latinitatis Polonorum belegt.
4. Auch von R . E . LATHAM, Revised Medieval Latin Word-List, belegt .
Wei-tere Belege in meinem Aufsatz über Linnés Sprache, Svenska Linnesäilskapet s
ârsskrift 1986-87, S . 131 .
5. Auch von Fuchs & Weijers und Plezia Il . cc . belegt .
6. In der Staatsbibliothek Preussischer Kulturbesitz . Westra plant auch eine Ausgabe dieses Kommentars .
126
BENGT LÖFSTED T
giam'
konzentriert ; was ältere benutzte Autoren betrifft, erwähnt Westra u .a . Boethius, Macrobius und Chalcidius' Timaeus-Überset-zung . S . S . 10 ff.Bevor ich zum kritischen Teil dieser Besprechung übergehe, sei betont, dass jeder, der sich für die Kommentare aus dem 12 . Jh. inter-essiert, dem Editor für die gute Ausgabe eines interessanten Texte s dankbar sein wird . Um die Renaissance des 12 . Jhs . und die Schul e von
Chartres
besser würdigen zu können, brauchen wir noch viel meh r Ausgaben dieser Qualität ; allzu viele wichtige Kommentare aus diese r Zeit und dieser Schule sind immer noch nur in Handschriften zu lesen . An den folgenden Stellen möchte ich Westras Text ändern : S . 44,45 f. druckt W .Sermo . . . vel Mercurius masculum, ratio
verovel
discretio vel Philologia femina nuncupatur .
Natürlich istmasculus z u
drucken (odermasculinuns . . . femininum) .
62,407 und 103,302 hat W . vor
nisi
einnon
hinzugefügt . Der Gebrauch vonnisi
im Sinne vonnon nisi
ist aber in Texten aus ver-schiedenen Zeiten häufig (s . z .B . Rez .,Glotta 54,
1976, 144) und di ebeiden Stellen stützen einander .
97,109 ;
102,268 ; 103,292 u .a . ändert W . die überlieferte Formduum in
duarum .
Ich würde sie als einen Archaismus beibehalten ; unser Kommentator kann sie dem Chalcidius entnommen haben, w osie häufig ist (ThLL 5 : 1,2242,57 ff.) .
101,236 f. ist das Komma zu versetzen : illo (sc .
tempore) . . . terra
concipit <,> quarrt [,] dum ignis verno tempore . . . tangit, poros clausos
aperit .
112,562 ist wohl das überlieferte
obstrusa
fürabstrusa
beizubehal-ten . Die Präfixe oh- undab-
werden ja in späten Texten oft verwech-selt,144,458 f. ist zu interpungieren : Licet
nullos sit homo absque vita ,
nulla
autein vita absque anima, non
(statt .Non)
omnestarnen . . .
188,470 istabcedant
überliefert, was W . inabscedant
normalisiert . Die ungewöhnliche Form kann aber beibehalten werden, s . die Beleg e fürabcedere
im Mittellateinischen Wörterbuch (Mlat .Wb .)
1,43,34 f.198,759 f. ist als Erklärung des Lemmas
alter auf redderet rip e
(Mart. Cap.
1,15S .
13,7 f. Dick)prosperitati
(statt-e) zu
drucken . 253,258 und 260 ändert W . zweimal im Lemma (S . 23,11 Dick) überliefertesanormalum
inanomalum .
Aber die Wiederholung de r Form und die Erklärung Z. 259anormaul, id
estextra normam,
zeigt, dass die Überlieferung richtig ist . Im Mlat .Wb .
1,684,11 ff. werde n7 . Hrsg. v . A . LANDGRAF, Écrits théologiques
de
l'écoled'Abélard
(Löwe nCHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
127
andere Belege für
anormalus
verzeichnet ; dort wird es als ein neues Wort angeführt, aber ich möchte es lieber als eine durchnorma
veran-lasste Nebenform vonanomalus
betrachten .Obgleich, wie gesagt, W . auf den Quellenapparat viel Mühe verwen-det hat, gibt es viel hinzuzufügen, und zwar besonders bezüglich der Etymologien . Ich erwähne einige Ergänzungen, die ich mir bei de m ersten Durchlesen notiert habe .
43,22 f.
Mercurium quasi m.ediurn discurrentem
(auch 125, 962) : vgl . Isid . etym . 8,11,45 . — Die andere, Z. 26 notierte Etymologiemercato
-rum kirrion (d .h . kyrion)
findet sich auch bei Guillaume de Conches,Glosae in luvenalem
(ed . B . Wilson, Paris 1980) S . 97,10 ff. $ und bei Joannes Balbus,Catholicon s .v . 9 .
52,107
Jupiter,
quiaiuris
pater est (auch 98,144) : vgl . Bern . Silv .in
Aen.
(ed . Jones) 56,21 f. — Die Etymologie von Isidor, etym . 8,11,3 4Jupiter quasi iuvans
pater findet sich in unserem Text 98,143 : auch dor tlässt W . den Quellennachweis aus .
54,144
similibus gaudent similia .
Es wird auf Walthers Lateinisch e Sprichwörter verwiesen, aber das Sprichwort an sich, wenn auch nich t der exakte Wortlaut, ist antik, s . A . Otto,Die Sprichwörter der Römer
(Leipzig 1890) 264. Im 12 . Jh . wird es oft zitiert, so etwa bei Guill . d e Conches,Glosae super Platonem
(1965) 172,Glosae in luvenalem
133,33 f.
56,203
Gigantes quasi gegantes (e
terrageniti)
(auch 134,124 f.) : vgl . Isid . etym . 11,3,13 .58,263 ff.
Camena quasi ` canema ',
id estcanens
anime (W., die Hs.hat
amene) . Dicitur enim,
quiaanimabus et alüs spiritibus in
suanaturali
regione
cantusillos exhibet .
Die Herleitung auscadere
ist alt, vgl . Macr.somn .
2,3,4Camenas quasi canenas a canendo dixerunt ; s .
weiter ThL L Nominapropria
s .v . S . 116,71 ff . (mit Belegen aus Paul . Fest.,Servius,
Augustin u .a .) . Im
Catholicon
heisst es s .v . :Carnena . . . quasi canen s
amene ;
ebenso bei Papias,Vocabulista s .v . 10 .
Das spricht für die Rich-tigkeit der Überlieferung an unserer Stelle .62,409
Elementa . . . dicuntur a verbo
Greco 'elimo ' :
vgl. Ps . Primas .in Hebr .
(PL 68) Kol . 718 B .8. In der Pariser Version . Die in der Ausgabe fehlende Zeilenzählung hab e ich hinzugefügt . Es ist übrigens unwahrscheinlich, dass Guillaume de Conche s selbst für die Redaktion dieser Glossen verantwortlich ist . Wilsons Ausgabe is t so schlecht, dass eine neue notwendig ist ; meine Studentin Donna Kriger und ich arbeiten daran .
9. Ich benutze die Ausgabe Mainz 1460 im Neudruck von Gregg, 1971 . 10. Ich benutze die Ausgabe Mailand 1476 im Neudruck Mailand 1976 .
128
BENGT LÖFSTED T
69,621
f . sicut semina terre mandata prius moriuntur ut postmodum
vivant, sic anima torpori iuncta :
vgl . Ioh . 12,24, ICor .
15,36 ,89,157
f. Dicitur . . . antistes quasi ante statutus vel ante stans :
vgl . Isid .etym .
7,12,16 . — 161 f.a 've ' et 'stando ' dictum vestibulum quas i
non stabulurn,
quianon slatur diu in eo :
vgl . Guill . de Conches,Glosa e
in luv.
130,6,Catholicon s .v . —
175f. creperum,
iciest dubium, unde
cre-pusculum :
vgl . Varr .ling . 6,5,
Isid.etym .
5,31,7 u .a . (ThLL4,
1166 ,35 ff.) .
92,250
f.Ulixes . . . quasi ' olonxenon ', id est omnium sensus :
vgl . Guill . de Conches,Glosae in luv.
101,19ff.
94,19 ff.
heisst es über die lange Periode beiMart . Cap .
S . 5,1ff.
(Dick) :Est autem in hac pagina 'hirmos ', id est oratio servans tenorem
longum, quocirca sic legenda est, ut differatur coniunctio et mutetur
modus et pro subiunctivo indicativum ponamus sic . . .
In einer Anm. zu r Stelle wirdhirmos
durchclimax
undgradatio
wiedergegeben, und die angeführten Quellen beziehen sich auf die Redefigur der Klimax. Das ist ein Missverständnis . Der Terminushirmos
entstammt vielmehr demDonat
S.666,7
(Holtz)Hirnios est series orationis tenorem suum usqu e
ad ultimum servans .
Derselbe Ausdruck begegnet auch bei Guill . de Conches,Glosae in luv . 104, 8 Hucusque
fuithirmos
(Wilson, der den Ausdruck nicht kennt, druckt das sinnlosehironos), id est orationis
sus-pensio .
99,153 Saturnus quasi satur annis :
vgl . Isid .etym .
8,11,30 ; andere Etymologien119,775 .
104,310
Parce kata antifrasim,
quiaminime parcent :
vgl . Diom .gramm.
1,462,15,
Don . S .672,9
(Holtz), etc .120,784 Cibele . . . quasi cubele :
Guill . de Conches,Glosae in luv .
155,24 .129,1069
omnia tune
rident,tune formosissimus annus .
W . hat nich t bemerkt, dass dies ein Hexameter ist ; die letzten Worte stammen au s Verg .eel . 3,57' x .
136,193
ff. Mathesis — penultima aspirata et correpta — dottrina
est, et est nomen quadruvii ; penultima vero producta et non aspirata ,
matesis interpretatur vanitas :
vgl . Guill . de Conches,Glosae super Pla
tonem 61
und dazu Rez.,Arctos 20
(1986) .S . 94 .
137,216
auguriurn ab ' ave ' et ' garritu ' :
vgl . Isid .etym .
8,9,19 .--218
f. Auguriwn . . . aliud oblativum, aliud impetrativum . Oblativum es t
illud, de quo ibi Virgilius : Gemine cum forte columbe ipsa sub ora vir i
celo venere
volantes (Verg .Aen .
6,190 f.) : vgl .Serv .
ad loc .11 . Vgl . O. SCHUMANN,
Lateinisches Hexameter-Lexikon
2 (München 1980) , 332 .CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
12 9
138,244 divinatio, id est divina notio : Bern . SiIv . in Aen . S . 44,14.
148,592 f, Sub ratione vero est,
quiasolam singularita.tem capiens ad
illud universum quod intuetur ratio, ut
aitBoetius, non pervenit : vgl .
Boeth . cons . 5,4,34 (S . 97,92 f. Bieler) Ratio . . . cum quid universale
res-picit. . .
153,750 f. . . . cui nomen Delii congruit, id est clari . ` Delos ' enim
cla-ritas interpretatur . : vgl . Isid . etym .
14,6,21 .156,812 f. Vulcanus quasi volitans candor (auch Z. 824) : Guill, d e
Conches,Glosae in luv . 98,5 .
157,842 scire suum nil est nisi se scire hoc sciat alter. W . hat nicht
den Hexameter erkannt . Die Sentenz wird bei Walther, Lateinisch e
Sprichwörter Nr . 27633 verzeichnet und stammt ursprünglich aus Pers .
1,27 (mit tuum . . . te statt suum . . . se) .
161,973 f.
monilia . . .quasi munilia,
quiamuniunt pectus : vgl . Isid .
diff. 1,382 .
174,30 f. Congruere a gruibus sumptum est : vgl. Paul . Fest . p . 9 7
(M .) .
175,76 describitur orator vir bonus orationis peritus : vgl .
Catoad fil.
frg . 14 (S . 80 Jordan) .
177,129 f. per antifrasin dicuntur specus a 'speculor ' verbo : vgl . Isid .
etym . 14,9,1 .
221,336 f. sicut serpentis venenum, cum sit mors aliorum, cervi es t
renovatio . . . : vgl . Isid . etym, 12,1,18 .
230,162 f. phisici diffiniunt vocern esse aerem tenuissimum ictum : die s
ist die gewöhnliche Definition der Grammatiker, s . z .B . Don . 603, 2
(Holtz)
mit Lit .
248,123 'Andros ' enim vir, unde Andreas virilis : vgl . Isid . etym .
7,9,11 .
Ich habe mehrfach Parallelen aus dem Catholicon zitiert . Es gibt
viele andere . Die folgenden Etymologien finden sich s .
vv.im
Catholi-con wieder : 89,159 nictitare pernottare ; 98,145 f. Juno . . . quasi iuvan s
novas (auch 151,686) ; 106,396 f. aruspitium . . . in cris inspectio (auch
136,200) ; 117,705 Gradivum . . . quasi ' craton divoro ', id est potentem
deum ; 136,187 f. orge . . . est cultura, unde ' orgia ' dicuntur
quefrequen-tius coluntur ; 175,86 petasus quasi petens sursum ; 176,94 vaticinium
cantus
vatis (s .v . vaticinor) ; 176,114 Exta . . . dicuntur intestina,
quiape r
ea extamus ; 193,614 f. populus a Greco `polis ', quod est pluralitas .
Es wäre eine dankbare Forschungsaufgabe zu verfolgen, wie die fü r
die Kommentare und W orterbücher des 12 . Jhs . charakteristischen
Etymologien entstanden und gewandert sind . 134,131 ff. heisst es :
Minerva vero vel Athena immortalìs interpretatur . `Min ' enim idem es t
quod non ; ' erva ' mortalis. Der Ursprung dieser sonderbaren
Etymolo-130
BENGT LÖFSTEDT
gie dürfte Fulg . myth . 2,1 (S . 38,10 ff. Helm) sein :
Minerva . . .e t
Athene dicitur quasi athanate parthene,
idestinmortalis virgo . Während
bei Fulgentius die Etymologie verständlich (wenn auch falsch) ist, wir d
die Erklärung ` unsterblich' unsinnig, wenn sie nicht für das
griechi-sche Athene, sondern für das lateinigriechi-sche
Minervaverwendet wird .
Ich gehe zu einigen sprachlichen Bemerkungen über . 59,292 hat die
Hs . sigillatim für erwartetes singillatim . Als W . im Apparat diese
Ver-wechslung bemerkte, hätte er hinzufügen sollen, dass sie in anderen
Texten und Handschriften ganz geläufig ist ; vgl . meine Ausgabe vo n
Zenos Predigten (Corpus Christianorum 22) S . 72* ff. Dort schreibe
ich : " Vermutlich ist die Häufigkeit von sigillatim eben durch eine
mehr oder weniger bewusste Annäherung an sigillum zu erklären ".
Dass diese Erklärung richtig ist, obgleich die beiden Wörter einande r
semasiologisch fern stehen, wird nun dadurch bezeugt, dass in unsere m
Text 142,376 umgekehrt singillatim für sigillatim begegnet .
149,622 steht preciputia für precipitia . Die Schreibung wird durch
eine etymologische (und zwar ganz richtige) Annäherung an
caputzu
erklären sein .
110,497 steht ossuum für
ossurn(Gen . Plur .) . Zu dieser Form s .
zuletzt Rez., Mittellateinisches Jahrbuch 18 (1983), 358 .
Von ungewöhnlichen Wörtern (auch Zusammensetzungen und
Ableitungen) erwähne ich die folgenden : antecessivus 80, 962 (i m
ThLL nur 1mal, und zwar aus Tertullian belegt ; 1 Beleg bei
Latham '2) ; auscultabilis 223,410 ; dispensivus 79,939 ; fulgitura 154,766
(Ableitung von fulgur : Quedam
species estpiromantie,
idest fulgure,e t
dicitur fulgitura) ; interiunctura 65,484 ; irraditudo 192,576 ;
minorifica-tus 198,779 (1 Beleg bei Du Cange 13) ; succedenter 51,56 . Zu subtiliar e
s. Rez ., Arctos 20 (1986), S . 96 (auch bei Guill . de
Conches, Glos . sup .Plat .) . —
Zu multivocatio 46,93 .100 und pungitivus 57,250 und 76,840
s . Rez . oben S .
124f. —Das Wort crucibulum (-bolum), eine Ar t
Lampe, wird von verschiedenen mittellateinischen Wörterbüchern ver
-zeichnet, z.B . von Bartal 14 , Du Cange, Fuchs 15 und
Latham ;auch im
Catholicon . In unserem Text wird diese Bedeutung expressis verbis
bezeugt :
Lucerna,quarn crucibolum dicunt 91,236 .— Das Wort nepos
bedeutet ja im klassischen Latein `Enkel', während der französisch e
12. R . E . LATHAM, Dictionary of Medieval Latin from British Sources ,
London 1975 ff.
13. C. Du CANGE, Glossarium mediae et infimae Latinitatis, Paris 1883 ff.
14. A. BARTAL, Glossarium mediae et infimae Latinitatis regni Hunga•iae ,
Leipzig. 1901 .
15. J . W.FUCHS & O . WEILERS,Lexicon Latinitatis Nederlandicae medii aevi ,
CHRONIQUES ET COMPTES RENDUS
13 1
Ableger neveu den Sohn des Bruders oder der Schwester bezeichnet . In unserem Texte werden beide Bedeutungen bezeugt :