Ungenügender Früchte- und Gemüsekonsum in der Schweiz: Resultate der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 1992/93 = Inadequate consumption of fruit and vegetables in Switzerland: Results of the 1992/93 Swiss Health Survey

Texte intégral

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Soz.- Pr~ventivmed. 44 (1999) 143-151 0303-8408/99/040143-09 $1.50 + 0.20/0 9 Birkh~user Verlag, Basel, 1999

Sozial, und Pr~ventivmedizin

Monika Eichholzer 1,2, Brigitte Bisig 2

Bundesamt for Gesundheit, Fachstelle Ernghrung, Bern 2 Institut for Sozial- und Prgventivmedizin der Universitgt ZOrich

Ungen gender

Fr chte- und Gem sekonsum

in der Schweiz: Resultate der Schweizerischen

Gesundheitsbefragung 1992/93

Zusammenfassung

Da ungenOgender FrOchte- und GemOsekonsum das Risiko verschie- dener (chronischer) Krankheiten erhdht, wird empfohlen, t~glich min- destens drei Portionen GemOse und zwei Portionen FrOchte zu essen. Ziel der vorliegenden Studie ist es, die Pr~valenz des ungenOgenden FrOchte- und GemOse-/Salatekonsums (Kartoffeln gelten in der Schweiz nicht als GemOse) in der Schweiz insgesamt und nach soziodemogra- phischen und Lebensstilfaktoren zu bestimmen. Die Daten stammen aus der for die Schweiz reprgsentativen ,,Schweizerischen Gesundheitsbefra- gung" die 1992/93 vom Bundesamt for Statistik durchgefOhrt wurde. 7930 Mgnner und 7358 Frauen (Teilnehmerquote 71%) ab 15 Jahren wurden (mehrheitlich) telefonisch befragt. FrOchte- und GemOse-/Salate- konsum wurden anhand von ,, Food-Frequency-Fragen" erhoben. Nicht- tgglicher Konsum wurde als ungenOgender Konsum definiert. 30% der Befragten weisen einen ungenOgenden FrOchtekonsum auf, beim GemOse-/Salatekonsum sind dies 16,5%. Rund ein Viertef der Studien- teitnehmer essen entweder zu selten FrOchte oder zu selten GemOse/ Salate. FOr zus~tzliche 11% ist sowohl der FrOchte- wie der GemOse- konsum ungenugend. Wie multivariate Analysen zeigen, verhalten sich M~nner, Junge, Leute mit niedrigem Bildungsmveau, Westschweizer- und Tessiner/-innen, Raucher/-innen und sportlich Inaktive unerwOnsch- ter als Frauen, Altere, besser Gebildete, Deutschschweizer/-innen, Nicht- raucher und sportlich Aktive. Dieser welt verbreitete, ungen@ende Konsum weist auf die dringende Notwendigkeit von 6ffentlichen Er- n~hrungskampagnen hin.

Ungent~gender Frachte- und Ge- mt~sekonsum erh/Sht das Risiko verschiedener (chronischer) Krank- heiten 1. So konnte, basierend auf m e h r als 200 Fall-Kontroll- und Kohortenstudien, z.B. gezeigt wer- den, dass Personen, die wenig

Frtichte und Gemtise konsumier- ten o d e r tiefe Karotinoidblutwerte aufwiesen, ein h6heres Risiko hat- ten an Krebs verschiedener Loka- lisation zu e r k r a n k e n oder zu sterben, als besser Versorgte 2. Bis heute k o n n t e n keine bestimmten

Frt~chte oder Gemtise ft~r die pro- tektive Wirkung verantwortlich ge- macht werden 3 u n d e s ist auch

nicht klar, welche Inhaltsstoffe yon B e d e u t u n g sind 4. Bei den letzteren k o m m e n z.B. die antioxidativen Vitamine C, E, oder gewisse Karo- tinoide (Lykopin etc.) in Frage 5. Zusfitzlich hat sich in den letzten Jahren gezeigt, dass nicht nur Nfihrstoffe sondern auch andere Substanzen in F r a c h t e n und Ge- mfisen zellulfire Stoffwechselpro- zesse regulieren k/Snnen s,6. Die- se sogenannten ,,Phytochemicals" werden yon den Pflanzen, z.B. zum Schutz vor Schgdlingen, als Wachs- tumsregulatoren o d e r als Duft- und Geschmacksstoffe syntheti- siert. Ft~r die Krebsprfivention sind z.Z. vor allem die Flavonoide, Phyto6strogene und Indole yon Interesse 5,6. Die Resultate n e u e r e r Interventionsstudien zu antioxi- dativen Vitaminen 7-9 lassen den Schluss zu, dass die R e d u k t i o n des Krebsrisikos eher durch einen viel- seitigen und abwechslungsreichen K o n s u m von Frt~chten und Ge- mt~sen reich an Antioxidantien und anderen m~Sglichen Wirkstoffen erreicht werden kann, als durch

den K o n s u m yon einzelnen Nfihr- stoffen oder Nichtnfihrstoffen z.B. in F o r m yon Supplementen. Eine m6gliche protektive Wirkung von h o h e m Frt~chte- und G e m a s e -

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Soz~- Pr~ventivmed. 1999, 44:143-151

konsum bzw. yon deren Inhalts- stoffen zeichnet sich auch im Zu- sammenhang mit anderen (chro- nischen) Krankheiten wie z.B. koronarer Herzkrankheit, Schlag- anfalU ~ Katarakt und Spina bifida ab. Zu diesen Krankheiten liegen allerdings z.T. noch deutlich we- niger Studien vor als ffir Krebs. In einer neueren fdbersichtsarbeit von Ness und Powles 11 war in neun yon 10 6kologischen, zwei yon drei Fall-Kontroll- und sechs von 16 Kohortenstudien ein inverser Zu- sammenhang zwischen Friachte- und Gemfisekonsum bzw. Konsum yon Nahrstoffen, die auf einen hohen Frfichte- und Gemtisekon- sum hinwiesen, und koronarer Herzkrankheit zu beobachten. Was den grauen Star betrifft, war in mehreren Fall-Kontrolt- und Ko- hortenstudien die Versorgung der Studienteilnehmer mit Antioxi- dantien (Karotinoide, Vitamin C, etc.) invers mit dem Katarakt- risiko ~,12 assoziiert, wahrscheinlich bedingt durch eine Reduktion der Anhaufung von Oxidationsproduk- ten bzw. von denaturierten Pro- teinen in der Linse. Wie Inter- ventionsstudien zeigen, reduziert Folsaure das Risiko ffir Spina bi- fida 1,13. Zwar sind gewisse Gemiise und Salate gute Folsaurelieferan- ten; eine adaquate Zufuhr kann aber nur durch zusatzliche Supple- mentierung/Anreicherung mit Fol- saure erreicht werden 13.

Weil hoher Frt~chte- und Gemfise- konsum das Risiko einer Reihe von chronischen Krankheiten ver- mindert, empfiehlt z.B. das ,,US Department of Health and Human Services" 14 taglich mindestens drei Portionen Gemfise und zwei Por- tionen Frtichte zu essen (minde- stens 400 g). Das ,,American Na- tional Cancer Institute" hat 1991 eine entsprechende landesweite Kampagne gestartet, um den Kon- sum von Frfichten und Gemfise in der amerikanischen Bev01kerung auf mindestens ffinf Portionen pro Tag zu steigern (,,5-a-day-for better health") 15. In Australien 16

und in Europa 17 bestehen ebenfalls Anstrengungen, den Frfichte- und Gemfisekonsum der Bev61kerung auf mindestens ffinf Portionen pro Tag zu erhOhen. Nach einer 1990 in 16 Bundesstaaten der USA durch- geffihrten Befragung befolgen nur 20% der US-BevOlkerung diese Ernahrungsempfehlung 18. Frauen, Altere und besser Gebildete ver- halten sich erwfinschter als Man- ner, JOngere und schlechter Ge- bildete. Es sind auch regionale Unterschiede und geringe Unter- schiede zwischen Weissen und Schwarzen und verheirateten und nicht verheirateten Mannern zu verzeichnen is.

Ffir die Schweiz liegt bis heute keine Studie vor, die den Konsum von Frfichten und Gemfisen um- fassend erhoben hatte. Gute, wenn auch nicht optimale Hinweise ge- ben jedoch die Resultate der ,,Schweizerischen Gesundheitsbe- fragung 1992/93" (SGB 1992/93), der ersten, ffir die Gesamtschweiz reprasentativen Studie, die u.a. den Frfichte- und Gemfise-/Salate- konsum erhoben hat. Diese Re- sultate werden hier beschrieben. Die GrOsse der Studie erlaubt, den Konsum in Bezug auf eine Reihe von soziodemographischen und Lebensstilfaktoren zu analysieren bzw. Risikogruppen mit niedri- gem Konsum naher zu definieren. Dies ist eine wichtige Vorausset- zung um zielgerecht intervenieren zu kOnnen 19

Methodik

Studienpopulation

Die ,,Schweizerische Gesundheits- befragung", die 1992/93 vom Bun- desamt fiir Statistik durchgefiahrt wurde, basiert auf einer repr~i- sentativen Stichprobe von 23000 Privathaushalten mit Telefonan- schluss aus der ganzen Schweiz. 15 288 fiber 15jahrige Personen, d. h. 7930 M~inner und 7358 Frauen nah- men an der Befragung teil (Teil-

nehmerquote 71%). Interview- fahige Personen vom 15. bis zum 74. Altersjahr wurden telefonisch interviewt, fiber 75jahrige wurden persOnlich befragt. FUr nichtin- terview-fahige Personen wurde ein sogenanntes ,,Proxy-Interview" durchgeft~hrt, d.h. ein anderes Haushaltsmitglied wurde zum Frtichte- und Gemfise-/Salate- konsum etc. der nichtinterview- fahigen Person befragt. Vorausset- zung ffir die Teilnahme an der Befragung war die Kenntnis einer Landessprache (deutsch, franzO- sisch, italienisch) 2o.

Studienvariablen und Datenanalyse Der Konsum von Friichten und von Gemtisen/Salaten wurde an- hand von sogenannten ,,Food-Fre- quency"-Fragen erhoben, d.h. es wurde gefragt ,,An wievielen Ta- gen pro Woche essen Sie Gemfise oder Salat, im Durchschnitt?" und ,,An wievielen Tagen pro Woche essen Sie Frfichte, im Durch- schnitt?" Folgende Antwortkate- gorien standen zur Verffigung: nie, selten, ein Tag pro Woche, zwei Tage pro Woche, drei Tage pro Woche, vier Tage pro Woche, ffinf Tage pro Woche, sechs Tage pro Woche, sieben Tage pro Woche. In dieser Auswertung wurde ein Konsum, seltener als taglich, als ungenfigend eingestuft. Der Frtich- te- und der Gemfise-/Salatekon- sum wurden separat und zusam- men (eines oder beides ungenfi- gend) analysiert. Zusatzlich wur- den diese Fragen nach Geschlecht, Alter (15-34, 35-49, 50-64 und 65+j ahrig), Bildungsniveau, Sprach- region, Nationalitat, Raucher/ Nichtraucher, Body Mass Index (= BMI = K6rpergewicht (kg)/K6r- pergr6sse (m 2) > 25 vs. BMI < 25) und kOrperlicher Aktivit~it (min- destens einmal pro Woche durch k6rperliche Betatigung in der Frei- zeit zum Schwitzen kommen) bi- variat analysiert (Tabelle 1) (ffir Details vgl.2~ Die Auswertungen wurden mit dem SPSS Software-

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programm (SPSS-4.1. Michigan; 1994) durchgeftihrt. Die Signifi- kanzen wurden mit Hilfe des Chi- Quadrat-Tests gepriJft. Anhand logistischer Regressionsanalysen wurden die Zusammenhange zwi- schen Frtichte- und GemUse-/Sala- tekonsum und soziodemographi- schen Variablen zushtzlich auf ihre gegenseitige Unabhangigkeit hin iiberprtfft (Tabelle 2). Das Gleiche wurde ftir Lebensstilfaktoren tiber- prtift, wobei auch die sozio-demo- graphischen Faktoren berticksich- tigt wurden (Tabelle 3). Multiva- riate ,,Odds ratios" und 95 %-Kon- fidenzintervalle wurden berechnet. Die Daten wurden mit dem Ge- wichtungsfaktor POIDS gewichtet. Die Ergebnisse zur Gesamtschweiz lassen sich aufgrund dieses Ge- wichtungsfaktors in Bezug auf Alter, Geschlecht und Nationalitat yon der Stichprobe auf die Ge- samtbev61kerung der Schweiz ver- allgemeinern. Bei der Verallge- meinerung der Resultate anderer Untergruppen k/annten die Resul- tate durch die fehlenden Angaben der Nichtbeantworter beeintrach- tigt sein. Die Literatur zeigt, dass Nichtbeantworter yon Gesund- heitsbefragungen u. a. eher tieferen Sozialschichten angehOren als die Beantworter 21. Eine weitere Selek- tion der Teilnehmer ist denkbar, da Kenntnis der deutschen, franz6si- schen oder italienischen Sprache Voraussetzung ftir die Teilnahme war 20.

Resultate

Bivariate Analysen

Tabelle 1 zeigt die prozentualen Anteile der Schweizer BevNke- rung mit ungentigendem, d.h. nicht taglichem, FrUchte- und Gemiase-/ Salatekonsum nach soziodemogra- phischen und Lebensstilfaktoren. Da sich ftir den Frtichte- und den Gemtise-/Salatekonsum z.T. unter- schiedliche Muster ergeben, wer- den sie einerseits separat, anderer-

seits zusammen (eines oder beides ungentigend) beschrieben.

Rund 30% der Befragten weisen einen ungentigenden Fri~chtekon- s u m auf (Tabelle 1). Bei den Man- nern sind h/3here Prozentsatze zu verzeichnen als bei den Frauen. Mit zunehmendem Alter nimmt der Anteil derjenigen mit ungent~- gendem Konsum graduell und deutlich ab. Hingegen zeigen sich praktisch keine Unterschiede nach Bildungsniveau. In der Deutsch- schweiz liegt der ungentigende FrUchtekonsum tiefer als in den anderen Regionen. Zwischen Schweizer/-innen und Auslander/- innen sind keine Unterschiede zu verzeichnen. Raucher/-innen wei- sen deutlich haufiger einen un- gentigenden Frt~chtekonsum auf als Nichtraucher/-innen. Hingegen zeigt sich kein signifikanter Zu- sammenhang mit dem K/~rper- gewicht. Der Frtichtekonsum von sportlich inaktiven Personen ist hfiufiger ungentigend als von sport- lich aktiven. Alle beschriebenen Unterschiede sind statistisch signi- fikant.

Einen ungentigenden, d.h. nicht taglichen, Gemi~se-/Salatekonsum

weisen insgesamt 16,5% der Be- fragten auf (Tabelle 1). Bei den Frauen sind dies 13%, bei den Mannern 20%. In Bezug auf das Alter verhalten sich die 15-34jah- rigen am unerwtinschtesten. In die- ser Alterskategorie isst jeder ftinfte nicht taglich Gemtise-/Salate. Der ungentigende Gemfise-/Salatekon- sum ist auch mit dem Bildungs- niveau der Befragten korreliert; Leute mit tiefem Bildungsniveau weisen deutlich haufiger einen ungenagenden Konsum auf, Stu- dienteilnehmer mit hohem Bil- dungsniveau. Es sind auch regio- nale Unterschiede zu verzeichnen. In der Deutschschweiz liegt der prozentuale Anteil derjenigen, die nicht taglich Gemtise/Salate essen, bei 14,6%, in der franz6sischen Schweiz bei 20,2% und in der italienischen Schweiz bei 28%. Der Gemt~se-/Salatekonsum von

Schweizer/-innen ist seltener als ungeniagend einzustufen als der- jenige der Auslander/-innen. Rau- cher/-innen weisen etwas haufiger einen ungeniigenden Konsum auf als Nichtraucher/-innen. Das Glei- che gilt far sportlich inaktive bzw. sportlich aktive Personen. Ftir das K6rpergewicht hingegen zeigt sich kein Zusammenhang.

Weiter ist von Interesse, wieviele Studienteilnehmer entweder zu selten Frtichte oder zu selten Ge- miise/Salate, oder yon beidem zu selten essen. Insgesamt sind dies 35,4% der Befragten (Tabelle 1). Prozentual mehr Manner, Junge, Ausl~inder/-innen, Westschweizer- und Tessiner/-innen, Raucher/- innen und sportlich Inaktive wei- sen einen ungentigenden Konsum auf als Frauen, Altere, Schweizer/- innen, Deutschschweizer/-innen, Nichtraucher und sportlich Aktive. Fiir den Body Mass Index und das Bildungsniveau ergeben sich hin- gegen praktisch keine Zusammen- hange. Besonders unerwtinscht verhalten sich im iibrigen die 10,7% der Befragten, die sowohl ftir Friachte wie fiar Gemtise/Salate einen ungeniigenden Konsum auf- weisen.

Logistische Regressionsanalysen

Anhand logistischer Regressions- analysen werden die unabhangigen Effekte yon soziodemographi- schen (Tabelle 2) und Lebensstil- faktoren (Tabelle 3 inklusive so- ziodemographische Variablen) auf den Frtichte- und Gemtise-/Salate- konsum evaluiert. Wie Tabelle 2 zeigt, werden die in den bivariaten Analysen beobachteten Zusam- menhange zwischen ungentigen- dem Friachtekonsum und Ge- schlecht, Alter und Sprachregion bestatigt. Hingegen erweist sich tiefes Bildungsniveau, unabh~ingig von den anderen untersuchten soziodemographischen Variablen, neu als schwaches Risiko ftir ungentigenden Konsum und die Auslander/-innen verhalten sich

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Soz.- PravenSvmed 1999:44 143=:151

+ GemiJse b,c

% p-Wert

Tabelle 1. Anteil (in %) der Schweizer Bev61kerung mit ungendgendem Fr(Jchte- und Gem(Jsekonsum nach soziodemographischen und Lebensstilfaktoren.

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Tabelle

2. Logistische Regressionsanalyse: Zusammenhange zwischen soziodemographischen Faktoren und

ungen@endem FrOchte- und GemElsekonsum.

eher erwtinschter als die Schwei- zer/-innen. In Bezug auf den Ge- mtise-/Salatekonsum k/Snnen die multivariaten Analysen alle Zu- sammenh~inge, die in den bivaria- ten Analysen mit den untersuchten soziodemographischen Faktoren beobachtet worden sind, best~i- tigen. F t ~ r den kombinierten Fr~ichte-/Gemt~se-/Salatekonsum gilt dasselbe, ausser, dass das un- erwt~nschtere Verhalten der Aus- lfinder/-innen im Vergleich zu den Schweizer/-innen verschwindet. In den multivariaten Analysen er- weisen sich auch alle in den biva- riaten Analysen beobachteten Zu-

sammenhfinge zwischen Fr~ichte- und Gemt~se-/Salatekonsum und Rauchen, sportlicher Aktivit~it und Body Mass Index, als voneinander und von den untersuchten sozio- demographischen Variablen unab- hfingig (Tabelle 3).

Diskussion

Wie die vorliegende Studie zeigt, konsumiert ein betr~ichtlicher Teil der Schweizer BevOlkerung zu sel- ten Frachte (30%) und Gemase-/ Salate (17%), und dies obwohl ungent~gender Konsum mit ,,nicht

tfiglicher Konsum" im Vergleich z.B. zu den amerikanischen Emp- fehlungen TM grossztigig definiert wurde. Mfinner, Junge, Leute mit niedrigem Bildungsniveau, West- schweizer- und Tessiner/-innen, Raucher/-innen und sportlich In- aktive verhalten sich unerwtinsch- ter ats Frauen, )~ltere, besser Ge- bildete, Deutschschweizer/-innen, Nichtraucher und sportlich Aktive. Andere Schweizer Studien

In der MONICA-Studie Schweiz yon 1984/85 22 gaben 20,5 % der be- fragten Frauen an, in den 24 Stun-

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FriJchten und Gem~ise b, a multivariate 95 % CI Odds Ratio 1,37-1,60 0,87-1,03 1,45-1,70 19s BFS

Tabelle 3. Logistische Regressionsanalyse: Zusammenh~nge zwischen Lebensstilfaktoren und ungenOgendem

FrOchte- und GemOsekonsum.

den vor der Befragung keine FfiJchte/Beeren gegessen zu ha- ben, die M~inner lagen bei 36,1%. Kein Salat/rohes Gemttse assert 45,8 % bzw. 52 %. Auch im Schwei- zer Teil der EURONUT-Studie 23 lag der durchschnittliche Frttchte- konsum der untersuchten 70-75- j~ihrigen Frauen h6her als derje- nige der Mfinner (224 g bzw. 196 g/ Tag); der Gemttsekonsum war gleich (176 g bzw. 171 g/Tag). In emer Erhebung an Besuchern der ,,Heureka" batten die fiber 50j~ih- rigen M~inner und Frauen in den 24 Stunden vor der Befragung mengenm~issig mehr Frttchte bzw. Gemttse gegessen als jangere M~in- ner und Frauen 24. Insgesamt va- riierte der Konsum je nach Alters- klasse fiir Frttchte bei den Mfin- nern zwischen 155-218 Gramm, bei den Frauen zwischen 165 und 292 Gramm. Die Zahlen fttr Ge- mtise (inkl. Kartoffeln) lagen fttr Mfinner zwischen 228 und 382 Gramm, fttr Frauen zwischen 258 bis 386 Gramm. In Bezug auf re-

gionale Unterschiede wurde in der EURONUT-Studie, im Gegensatz zur vorliegenden Studie, der hOch- ste Verbrauch an Frttchten in Bel- linzona beobachtet, in Yverdon fanden sich die h6chsten Mittel- werte fitr Gemttse 23. Hingegen bestfitigt die multivariate Analyse der vorliegenden Studie die Re- sultate der MONICA-Studie, die zeigte, dass schlechter Ausgebil- dete seltener Frttchte/Beeren kon- sumieren als besser Ausgebilde- te 22. Auch in einer fitr die Genfer Bev61kerung ab 35 Jahren re- pr~isentativen Erhebung wurde dies fiir M~inner festgestellt 25. Ein Lfingsvergleich der MONICA Er- hebungen 1984/85 und 1992/93 ergab insgesamt far die Region Vaud/Fribourg kaum Konsum- ver~inderungen fttr Frttchte und fiir rohes Gemttse-/Salat 26. Die Schweizerische Gesundheitsbefra- gung 1997 wird solche Vergleiche auf nationaler Ebene m6glich machen.

Ausl~ndische Studien

Auch ausl~indische Studien weisen darauf hin, dass ein betr~ichtlicher Teil der Bev61kerung die empfoh- lenen tgglichen Mengen an Frttch- ten und Gemttsen 19.27-3~ nicht kon- sumiert. Zu nennen ist die bereits eingangs diskutierte Studie yon Serdula et al., die in 16 amerika- nischen Staaten durchgeffthrt wur- de 18. Auch der ,,Second National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES II)", eine Er- hebung an 12000 amerikanischen Erwachsenen, stellte lest, dass 17 % von ihnen am Tag vor der Befra- gung kein Gemttse gegessen hat- ten und 41% keine FrOchte oder Fruchtsgfte 27. Nut 9 % konsumier- ten fttnf Portionen Frttchte oder Gemttse pro Tag. Studien an Kin- dern und Jugendlichen ergaben ~ihnliche Resultate 19,27-3~ Unge- nt~gender Frtichte- und Gemtise- konsum war u.a. assoziiert mit niedriger Sozialschicht, ethnischer Zugeh6rigkeit (Indianer, Schwar-

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ze), Unzufriedenheit mit dem K6r- pergewicht, zu hohem K6rper- gewicht, Rauchen und mit geringer k6rperlicher Aktivit~it. James et al. konnten auch ffir England feststel- len, dass Leute mit niedrigem Ein- kommen weniger frisches Gemtise und Frtichte konsumierten als Leute mit h6herem Einkommen. Zwar kauften die 10% mit dem niedrigsten Einkommen effizienter ein, d.h. sie gaben weniger Geld far Alkohol und Stissigkeiten aus. Sie kauften dann aber eher energierei- che (fetthaltige, zuckerreiche) Le- bensmittel, als kalorienarme, n~ihr- stoffreiche Frtichte und Gemtise3L

Qualit~t der Studienresultate

Zur Zeit liegt ftir die Schweiz noch keine Studie vor, die ein vollst~in- diges Bild zur H/~ufigkeit des Kon- sums yon Frachten und Gemiisen/ Salaten, zu den verzehrten Mengen bzw. zur Vielseitigkeit abgeben wtirde. In der Schweizerischen Ge- sundheitsbefragung 1992/93 wurde zwar eine reprfisentative Zufalls- stichprobe der gesamten, in der Schweiz wohnhaften, Bev61kerung ab 15 Jahren (rund 15300 Perso- nen) befragt. Der Konsum yon Frtichten und Gemtisen/Salaten wurde aber nur anhand von Hfiu- figkeitsangaben (ohne Berticksich- tigung von Sorten) und ohne Sch~it-

zung der Menge erhoben. Auch gibt es keine Angaben dar~ber, wieviele Portionen bei t~glichem Konsum verzehrt werden. Bei der Interpretation der Resultate der vorliegenden Studie muss weiter berticksichtigt werden, dass es schwierig ist, den Konsum yon Frtichten und Gemtisen korrekt zu erheben. Zus~tzlich ist denkbar, dass je nach Sozialschicht oder ethnischer Zugeh6rigkeit die Be- griffe Frtichte und Gemtise unter- schiedlich definiert werden. In der vorliegenden Studie wurde z.B. in der Fragestellung nicht festgelegt, ob Kartoffeln oder Htilsenfrtichte zum Gemtise gerechnet werden oder nicht. Kartoffeln gelten zwar in der Schweiz nicht als Gemtise, aber in der Schweiz wohnhafte Auslfinder rechnen evt. Kartoffeln zum Gemtise. Dies kann auch Ver- gleiche mit anderen Studien er- schweren. Zus~itzlich beruhen die Angaben zum Frtichte- und Ge- mtise-/Salatekonsum auf Eigenan- gaben der Befragten und nicht auf konkreten Messungen, was zu weiteren Ungenauigkeiten geftihrt haben k6nnte. Es ist z.B. denkbar, dass Studienteilnehmer, die sich aufgrund der vorliegenden Resul- tate erwtinschter verhalten als an- dere (Frauen, oberes Bildungsni- veau etc.), mit den heutigen Er- n~ihrungsempfehlungen vertrauter

sind. Damit k0nnten sie die Fra- gen eher entsprechend beantwor- tet haben, ohne sich auch so zu ver- halten, als Studienteilnehmer mit weniger guten Kenntnissen. Welter haben 29 % der Befragten bei der Befragung nicht mitgemacht. Die- se Nichtbeantworter k6nnten zu einer Untersch~tzung des unge- ntigenden Frachte- und Gemt~se- konsums geft~hrt haben, da aus der Literatur bekannt ist, dass Nicht- beantworter von Gesundheitsbe- fragungen u. a. eher unteren Sozial- schiehten angeh6ren 21.

Schlussfolgerungen

Trotz dieser Vorbehalte geben die Resultate der vorliegenden Studie, im Hinblick auf die Bedeutung von hohem Frt~chte- und Gemt~se- konsum in der Pr~ivention, einer Reihe von (chronischen) Krank- heiten, Grund zur Besorgnis. Rund ein Viertel der Studienteilnehmer weisen entweder einen zu seltenen Konsum yon Frt~chten oder von GemtiserdSalaten auf. Ft~r zus~tz- liche 11% ist sowohl der Frt~chte- wie der Gemt~sekonsum unge- nt~gend. Diese Resultate weisen auf die dringende Notwendigkeit von 6ffenttichen Ern~hrungskam- pagnen hin.

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Soz,, ~r~ven,ti:vmed !999; ~ : 143~i5t

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Danksagung

Diese Arbeit wurde durch das Bundes- amt ftir Gesundheit nntersttitzt. D e m Bundesamt for Statistik (Sektion Gesundheit) wird for die Bereitstel- lung des hier verwendeten Datensatzes bestens gedankt.

Korrespondenzadresse

Dr. med. Monika Eichholzer Bundesamt fiir Gesundheit Fachstelle Ern~ihrung Postfach

CH-3003 Bern oder

Institut ftir Sozial- und Pr~iventiv- medizin der Universitfit Ziirich Sumatrastrasse 30

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