Erleben und Erfahrungen von Patient-/ innen mit den Pflegekonsultationen CINA-CANCER : ein Studienprotokoll

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Texte intégral

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Erleben und Erfahrungen von

Pa-tient-/innen mit den

Pflegekonsul-tationen CINA-CANCER

Ein Studienprotokoll

Bachelorarbeit

von

Géraldine Bugnard, Marion Vez, Mirlinda Ahmeti

Promotion 2017 - 2020

Erstgutachterin: Marika Bana

Hochschule für Gesundheit, Freiburg

Studiengang Pflege

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Erarbeitung dieser Bachelorarbeit unterstützt haben.

Als erstes geht ihr Dank an Frau Marika Bana für die Begleitung und Unterstützung während der ganzen Arbeit. Mit ihrer ruhigen Art konnte sie die Absolventinnen auf den richtigen Weg führen.

Ein besonderer Dank geht an Frau Nicole Bugnard und Herrn Fritz Ganser für das Kor-rekturlesen und die hilfreichen Anmerkungen.

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Abstract / Zusammenfassung ... 1

 

1

 

Einleitung ... 1

 

2

 

Konzepte ... 4

 

2.1

 

Resilienz ... 4

 

2.2

 

Selbstpflege und Symptommanagement ... 7

 

2.2.1

 

Die Theorie der Selbstpflege ... 8

 

2.2.2

 

Die Theorie des Selbstpflegedefizits ... 8

 

2.2.3

 

Die Theorie der Pflegesysteme ... 9

 

2.2.4

 

Die fünf Methoden des Helfens ... 9

 

2.3

 

Pflegebedürfnisse ... 12

 

2.4

 

Patientenedukation ... 13

 

3

 

Fragestellung ... 15

 

4

 

Methode ... 16

 

4.1

 

Forschungsteam und Reflexivität ... 17

 

4.1.1

 

Persönliche Charakteristika ... 17

 

4.1.2

 

Beziehung zu Teilnehmenden ... 19

 

4.2

 

Studiendesign ... 19

 

4.2.1

 

Theoretischer Rahmen ... 19

 

4.2.2

 

Auswahl der Teilnehmenden ... 20

 

4.2.3

 

Setting ... 21

 

4.2.4

 

Datensammlung ... 21

 

4.3

 

Analyse und Resultate ... 23

 

4.3.1

 

Datenanalyse ... 23

 

4.3.2

 

Reporting ... 26

 

5

 

Erwartete Ergebnisse ... 26

 

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Diskussion ... 27

 

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8

 

Abkürzungsverzeichnis ... 32

 

9

 

Anhang ... 33

 

9.1

 

Selbständigkeitserklärung ... 33

 

9.2

 

Assessment Instrumente ... 34

 

9.3

 

Consolidated Criteria for Reporting Qualitative Research ... 41

 

9.4

 

Interviewleitfaden für TRACE CINA ... 42

 

9.5

 

Interview Transkriptionsvorlage ... 45

 

9.6

 

Tabellarische Übersichten ... 46

 

9.7

 

Kritische Beurteilungen ... 51

 

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Hintergrund: Krebspatient-inn-en erleben während des ganzen Krankheitsverlaufs

belastende Situationen, die sie manchmal nicht selber bewältigen können. CINA-CANCER sind Pflegekonsultationen, die im onkologischen Ambulatorium (C4) des Kantonsspitals Freiburg Krebspatienten angeboten werden. Gespräche mit speziali-sierten Pflegefachfrauen werden den Krebspatienten angeboten, in denen die Resili-enz, Probleme, Symptome und daraus folgende Belastungen erfasst werden. Gemein-sam mit den Patienten werden Ziele und Interventionen formuliert, damit die negativen Auswirkungen der Krebserkrankung und der Therapie bewältigt werden können.

Methode: Das Studienprotokoll wurde anhand der Checkliste "Consolidated Criteria for

Reporting Qualitative Research" (COREQ) geschrieben. Die Phänomenologie wird als theoretischer Rahmen verwendet, um die Bedeutung und Wichtigkeit von Patientener-fahrungen mit CINA-CANCER zu beschreiben und zu evaluieren. Um die ErPatientener-fahrungen zu sammeln, sollen halbstrukturierte Interviews durchgeführt werden, in denen der Pa-tient dazu angeregt wird, seine persönlichen Erfahrungen mitzuteilen. Die Interviews werden aufgenommen und wortwörtlich transkribiert. Die Datenanalyse erfolgt nach der Methode "Thematische Analyse".

Erwartete Ergebnisse: Das Ziel der Studie ist eine Rückmeldung ans Behandlungs-team von CINA-CANCER und ans Kantonsspital Freiburg in Bezug auf das Erleben und die Erfahrungen der Krebspatienten mit CINA-CANCER zur Weiterentwicklung und Qualitätssicherung der Pflegekonsultationen. Anhand der durchgeführten Interviews und deren Datenanalyse werden positive sowie negative Ergebnisse zum Vorschein kommen. Diese werden dem CINA-CANCER-Team vorgestellt, damit die Pflegekonsul-tationen verbessert werden können. Die Datenanalyse ermöglicht, unbekannte unerfüll-te Bedürfnisse von Patienunerfüll-ten zu erkennen. Die Erfahrungen und Verbesserungsvor-schläge werden zur Kenntnis genommen, damit sich CINA-CANCER weiterentwickeln kann. Die Ergebnisse könnten zu einem späteren Zeitpunkt als Grundlage für eine grössere Studie gebraucht werden.

Diskussion: Das Explorieren des Erlebens und der Erfahrungen mit CINA-CANCER

Pflegekonsultationen ermöglicht eine qualitative Einschätzung einer pflegerischen Un-terstützung der Resilienz im Umgang mit Belastungen aus der Sicht von Betroffenen.

Schlüsselbegriffe: CINA-CANCER, Onkologie, Krebs, Pflegekonsultationen,

Pflege-bedürfnisse, Resilienz, Patientenedukation, Symptommanagement, Selbstpflege, Er-fahrungen, Erleben.

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EINLEITUNG

Ungefähr 50 % der Krebserkrankten in der Schweiz, die ambulant betreut werden, äussern das Bedürfnis nach Unterstützung bei psychischen Belastungen und Sorgen (Dubey et al, 2015). Das Studienprotokoll TRACE CINA ist Teil der onkologischen Pflegekonsultationen von CINA-CANCER. CINA-CANCER bedeutet "Consultation IN-firmière pour des Adultes atteint-e-s d’une maladie CANCEReuse" (Szüts et al., 2019). Seit 2016 bietet das Kantonsspital Freiburg (HFR) in Zusammenarbeit mit der Hoch-schule für Gesundheit Freiburg (HedS-FR) Pflegekonsultationen für Patienten und Pa-tientinnen an, die an Krebs erkrankt sind (Casagrande-Caille, 2019). Diese Pflegekon-sultationen, die im onkologischen Ambulatorium des Kantonsspitals Freiburg stattfin-den, werden von Pflegefachfrauen aus dem Team des onkologischen Ambulatoriums oder einer Pflegefachperson aus der HEdS-FR durchgeführt. Halb-strukturierte Ge-spräche werden den Krebspatienten1 angeboten, in denen mit verschiedenen

validier-ten Assessment-Instrumenvalidier-ten die Resilienz, Probleme, Symptome und daraus folgen-de Belastungen erfasst werfolgen-den. Damit können gemeinsam mit folgen-den Patienten Ziele und Interventionen formuliert werden, um die negativen Auswirkungen der Krebserkran-kung und der Therapie zu bewältigen. Um Patienten vollständig betreuen zu können, werden ebenfalls Fachpersonen aus anderen Gesundheitsbereichen miteinbezogen (Bana et al., 2018).

Pflegefachpersonen und Onkologen bestimmen am Anfang der ambulanten Therapie den Einschluss von Patienten nach bestimmten Kriterien, die in der Methode später erklärt werden. Die Resilienz wird aufgrund der Connor Davidson Resilienz Skala (CD-RISC-Skala) eingeschätzt (Anhang; Punkt 9.2) und bei Verdacht auf verminderte Resi-lienz werden die Patienten dem Team CINA-CANCER zugewiesen. Danach werden die Patienten über die Pflegekonsultationen informiert und dürfen selber entscheiden, ob sie an diesen teilnehmen wollen oder nicht (Bana et al., 2018).

Mit dem Einverständnis des betroffenen Krebspatienten werden fünf Gespräche von ungefähr einer Stunde geplant, die ungefähr innerhalb von dreizehn Wochen stattfin-den sollen. Drei Gespräche werstattfin-den im Ambulatorium durchgeführt, um die Resilienz anhand der CD-RISC-Skala zu messen und um die auftretenden Probleme wie zum Beispiel Symptome und Belastungen im alltäglichen Leben zu erfahren. Diese werden

1Die gewählte männliche Form bezieht sich in der ganzen Arbeit immer zugleich auf weibliche und

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mit dem Belastungsthermometer erfasst (Anhang; Punkt 9.2) (Bana et al., 2018). Der Bedarf an unerfüllten Pflegebedürfnissen wird mithilfe des Supportive Care Needs Sur-vey (SCNS-10) ebenfalls eingeschätzt, (Anhang; Punkt 9.2) (Szüts et al., 2019). Die anderen zwei Gespräche werden je nach Wunsch des Patienten entweder telefonisch oder im Ambulatorium durchgeführt, um die Erreichung der Ziele zu evaluieren (Bana et al., 2018).

Die fünf Gespräche fangen so an, dass offene Fragen zum Befinden des Patienten gestellt werden. Die drei Assessment-Instrumente, die CD-RISC-Skala, die SCNS-10-Skala und das Belastungsthermometer dienen dazu, Prioritäten zu setzen, damit die Pflegekonsultationen die Bedürfnisse der Patienten erfüllen. Die Themen, die von Pati-enten angesprochen werden, sind sehr unterschiedlich. Es können familiäre, physi-sche, sexuelle, praktiphysi-sche, emotionelle oder spirituelle Fragen auftreten (Bana et al., 2018). Die Pflegefachperson stützt sich auf die CD-RISC-Skala und die SCNS-10-Skala, um dem Patienten evidenz-basierte Interventionen vorzuschlagen, und sorgt dafür, dass die Ressourcen des Patienten integriert werden. Die Interventionen werden passend zu den besprochenen Problemen vorgeschlagen und können durch schriftli-che Informationen ergänzt werden (Bana et al., 2018).

Das Belastungsthermometer dient dazu, die Kommunikation zwischen Pflegefachper-son und Patient zu unterstützen. Die Technik der motivierenden Gesprächsführung wird während der Pflegekonsultationen verwendet, um die Ressourcen, die Schutzfak-toren und die Resilienz zu stärken. Wenn das Belastungsthermometer einen Wert von weniger als vier angibt, werden andere Fachpersonen wie z.B. Seelsorge, Ernäh-rungsberatung, Psychologe oder Sozialdienst dem Patienten empfohlen (Bana et al., 2018).

2016 wurden 170 Patienten von CINA-CANCER begleitet und 300 Gespräche durch-geführt. Das Durchschnittsalter lag bei 62 Jahren. Der jüngste Patient war 26 und der älteste 83 Jahre alt. Die Mehrheit waren Männer (72%). Von den angefragten Patien-ten nahmen 53% an den Pflegekonsultationen teil. Nur 13% der PatienPatien-ten benötigPatien-ten fünf Gespräche. Die Probleme, die am häufigsten unterstützt wurden, sind Sorgen, Fatigue/Erschöpfung, Ernährung und Verstopfung (Bana et al., 2018).

Die fünf Pflegekonsultationen von CINA-CANCER laufen wie folgt ab (Szüts et al., 2019):

• Über die eigene Evaluation des Resilienzniveaus und den Bedarf an unerfüllten Pflegebedürfnissen diskutieren.

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• Sich auf den Bedarf an unerfüllten Pflegebedürfnissen, für die Hilfe benötigt wird, fokussieren.

• Patient ermutigen, mit seiner Krankheit zurecht zu kommen. • Patient bei Anpassungen/Änderungen in seinem Leben begleiten. • Schützende Faktoren der Resilienz aktivieren oder unterstützen.

• Patient in seiner Symptombehandlung durch Patientenedukation und praktische Empfehlungen unterstützen.

• Patient ermutigen, Ziele zu setzen, die in kurzer Zeit erreichbar sind. • Termin für die nächste Pflegekonsultation vereinbaren.

• Ziele und Kommentare mit dem Patienten auf dem Patientenblatt (Anhang; Punkt 9.2)dokumentieren.

1., 3. und 5. Pflegekonsultation:

Der Patient wird in einem geschützten Raum begleitet, damit er seine Resilienz und seinen Bedarf an unerfüllten Pflegebedürfnissen anhand verschiedener Assessment-Instrumenten (Anhang; Punkt 9.2) selbständig einschätzen kann. Dafür werden fünf-zehn Minuten geplant. Die restlichen 45 Minuten werden für das Gespräch zwischen der Pflegefachfrau und dem Patienten benötigt. Das Gespräch erfolgt ebenfalls in ei-nem geschützten Raum, um die Intimsphäre des Patienten zu schützen. Sie werden über die eigene Evaluation des Resilienzniveaus und den Bedarf an unerfüllten Pflege-bedürfnissen diskutieren. Sie werden zusammen erreichbare Ziele setzen und die Pflegefachfrau wird verschiedene Interventionen vorschlagen, damit der Patient seine Ziele erreichen kann. Nach der Konsultation braucht die Pflegefachfrau noch fünfzehn Minuten Zeit, um die Resilienz, den Bedarf an unerfüllten Pflegebedürfnissen, die Pati-entenziele und die vorgeschlagenen Interventionen auf das Patientenblatt zu übertra-gen. Nach Bedarf erfolgt noch eine mündliche Übermittlung an das interprofessionelle Team (Szüts et al., 2019).

2. und 4. Pflegekonsultation:

Für die zweite und vierte Pflegekonsultation werden 30 Minuten geplant. Diese finden entweder im onkologischen Ambulatorium des HFR oder per Telefon statt. Der Patient darf selber entscheiden, was ihm am besten passt. Die Ziele, die letzte Woche bespro-chen wurden, werden nochmals diskutiert. Die Ziele werden evaluiert, damit festgestellt werden kann, ob sie erreicht wurden oder nicht. Nach Bedarf werden sie angepasst. Die Pflegefachfrau plant für das Ergänzen des Patientenblattes und eine mündliche Rückmeldung ans interprofessionelle Team nach dem Gespräch fünfzehn Minuten ein (Szüts et al., 2019).

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Wenn der Patient die letzte Pflegekonsultation abgeschlossen hat, bekommt er einen Zufriedenheitsfragebogen nach Hause, den er ausfüllen kann, um dem Behandlungs-team von CINA-CANCER und dem HFR eine Rückmeldung zu machen.

Die Pflegekonsultationen von CINA-CANCER sollen die Patientenaufnahme in der am-bulanten Onkologie verbessern, indem durch spezifische Pflegeinterventionen die bio-logischen, persönlichen, umweltbedingten Schutzfaktoren der Resilienz gestärkt wer-den (Szüts et al., 2019). Krebspatienten werwer-den gezielt unterstützt, damit sie die Aus-wirkungen von Therapie und Krankheit selbständig bewältigen können (Bana et al., 2018).

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KONZEPTE

Um einen genaueren Überblick zu erhalten, werden in diesem Kapitel vier Konzepte beschrieben, welche für die Konsultationen von CINA-CANCER sehr wichtig sind. Die Resilienz, das Symptommanagement, die Selbstpflege, die Patientenedukation und die Pflegebedürfnisse sind bedeutungsvolle Begriffe, die verstanden werden müssen, um den Sinn der Pflegekonsultationen im onkologischen Ambulatorium des Kantonsspitals Freiburg erfassen zu können. All diese Konzepte beeinflussen sich gegenseitig und werden im onkologischen Pflegealltag sehr häufig erwähnt, verwendet und evaluiert (Szüts et al., 2019).

2.1

Resilienz

Die Resilienz ist ein dynamischer und lebenslanger Prozess, der die neuro-biologische und psychosoziale Widerstandsfähigkeit eines Menschen beschreibt. Sie sagt aus, wie Patienten auf eine belastende Situation reagieren oder wie sie sich dieser anpassen können (Bana et al., 2018). Nach Eicher et al. (2015), ist Resilienz ein Mechanismus, welcher vier Hauptprozesse hat: die Verminderung von negativen Kettenreaktionen und Risiko-Auswirkungen; die Aufrechterhaltung des Selbstwertgefühls; die Aufrecht-erhaltung der Selbstwirksamkeit sowie die Eröffnung von Möglichkeiten (Eicher et al., 2015).

Gewisse Faktoren haben einen positiven Einfluss auf die Resilienz (Bana et al., 2018). Dazu zählen persönliche Faktoren wie Hoffnung, Optimismus, aktives Coping, Selbst-wertgefühl, Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung, Spiritualität, Fähigkeit zum Rück-prall, Kohärenzgefühl, positive Emotionen, Flexibilität, Humor und Vertrauen. Andere wichtige Faktoren sind die systemischen Umweltfaktoren wie soziale Unterstützung durch Peers, Familie und Freunde, Umgebung und Kultur. Zum Schluss kommen noch die biologischen Faktoren wie die neurobiologischen Funktionen und Hormone. All

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se Faktoren haben eine schützende Wirkung auf den Menschen und beeinflussen sich gegenseitig. Die Pflegenden sollten sich auf diese Faktoren fokussieren, um damit ge-eignete Interventionen anzubieten, um die Resilienz von Patienten zu stärken (Eicher et al., 2015).

Die Resilienz ist ein wichtiges Konzept für die onkologische Pflege. Dazu gehört die physische und die psychologische Pflege (Eicher et al., 2015). Eine Krebserkrankung kann bei manchen Patienten die Resilienz erhöhen, bei anderen kann sich die Erkran-kung negativ auf die Resilienz auswirken (Bana et al., 2018). Resilienz ist mit physi-schen, emotionalen, kognitiven und sozialen Funktionen sowie der Selbstwirksamkeit und Lebensqualität positiv verbunden, aber negativ mit Angst und Depression belastet (Eicher et al., 2015).

Die Resilienz kann anhand der Connor-Davidson-Resilience-Skala (CD-RISC-10) ge-messen werden (Anhang; Punkt 9.2), welche mit einem Crohnbach’s von 0.88 vertrau-enswürdig ist. Sie zeigt, wie der Patient mit Veränderungen, Krankheit, Stress, persön-lichen Problemen, Misserfolgen und belastbaren Gefühlen umgeht. Die Pflegefachper-sonen von CINA-CANCER schätzen damit die Resilienz ihrer Patienten ein. Die Skala besteht aus zehn Aussagen, die mit fünf möglichen Antworten einzuschätzen sind: "überhaupt nicht wahr" (0), "selten wahr" (1), "manchmal wahr" (2), "oft wahr" (3), "fast immer wahr" (4). Der Patient kreuzt an, inwiefern die Aussagen im letzten Monat mit seinen Beobachtungen übereinstimmen. Die minimale Punktzahl beträgt null Punkte und die maximale 40. Ein Score zwischen null und 23 Punkten bedeutet, dass der Pa-tient eine tiefe Resilienz hat, ein Score zwischen 24 und 29 beschreibt eine mittlere Resilienz und ein Score von 30 bis 40 gilt als hohe Resilienz. Patienten mit einem Resilienzwert unter 35 sind geeignete Patienten für die Pflegkonsultationen von CINA-CANCER. Ein solches Assessment-Instrument bietet Sicherheit und Professionalität. Die beratende Pflegefachperson stützt sich auf diese Skala, um mit dem Einbezug von Patientenressourcen geeignete Interventionen empfehlen zu können. Durch motivie-rende Gesprächsführung und gemeinsame Zielsetzung können die Schutzfaktoren der Resilienz und die Patientenressourcen gestärkt werden (Bana et al., 2018).

Dieser Evaluationsbogen wird während den dreizehn Wochen der Behandlung mehr-mals zu verschiedenen Zeitpunkten gebraucht (erste, dritte und fünfte Behandlung), um zu evaluieren, ob sich der Resilienzwert durch die vorgeschlagenen Interventionen von CINA-CANCER erhöht hat. Patienten schätzen die CD-Risk-10-Skala sehr, weil sie ihnen hilft, Strategien in Umgang mit den Herausforderungen zu erkennen und zu re-flektieren. Sie haben sich auch dahingehend geäussert, dass es für sie wichtig ist, sich

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auf realistische und relevante Ziele zu fokussieren, weil damit die Resilienz und das Symptommanagement gestärkt werden (Bana et al., 2018).

Matzka et al. (2016) haben eine Studie durchgeführt, um herauszufinden, wie sich die Resilienz, der psychische Stress und die körperliche Aktivität bei Krebspatienten ge-genseitig beeinflussen. Psychischer Stress ist eine grosse Herausforderung für Krebs-patienten. Die psychologischen Symptome sind sehr komplex und benötigen ein gutes und vielseitiges Symptommanagement unter Einbezug von Patientencharakteristika und der aktiven Patientenbeteiligung. Schmerzen, Fatigue, Übelkeit, Appetitlosigkeit, usw. sind häufige Symptome, die bei der Krebstherapie auftreten. Sie können eine Verschlechterung der Lebensqualität und Stress verursachen. Jeder Patient erlebt die-se Symptome anders. Es ist die-sehr individuell, weil jeder über andere Charakteristika und andere Ressourcen verfügt. Die Symptome werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst wie z.B. demographische, soziokulturelle, psychologische und physiologi-sche Merkmale, aber auch durch das Entwicklungsstadium der Krankheit und die indi-viduellen Gesundheits- und Krankheitsfaktoren. Dies erklärt, warum Patienten mit glei-cher Diagnose und gleiglei-cher Behandlung die Symptome anders erleben. Diese Tatsa-che kann auf das Konzept der Resilienz zurückgeführt werden. Je höher die Resilienz ist, desto niedriger ist der psychische Stress und umso besser ist die körperliche Aktivi-tät. Patienten mit einem hohen Resilienzwert haben eine bessere psychische Gesund-heit, haben weniger Angst und sind weniger depressiv. Resilienz ist ein Schützfaktor vor den Einschränkungen in den Aktivitäten des täglichen Lebens (Matzka et al., 2016). Nach Matzka et al. (2016) spielt das Alter der Patienten eine besondere Rolle. Ältere Patienten weisen weniger psychischen Stress und einen besseren Resilienzwert als jüngere Patienten auf. Sie sind weniger gestresst und können sich besser anpassen. Resilienz ist eine Fähigkeit, die sich im Laufe der Zeit entwickelt. Sie ist eine Reaktion auf Stressoren und belastende Situationen. Aus dieser Sicht können ältere Patienten im Laufe ihres Lebens viele Fähigkeiten und Ressourcen erlangen und können diese im Umgang mit psychischem Stress, im Vergleich zu jüngeren, effizienter einsetzen. Daher brauchen jüngere Patienten während der Krebsbehandlung vermehrt Interven-tionen der Pflege, um die Resilienz zu fördern und den psychischen Stress zu verrin-gern (Matzka et al., 2016).

In der Studie Manne et al. (2016) wurden drei Bewältigungsstrategien in Bezug auf die Resilienz bei Frauen mit einem gynäkologischen Krebs untersucht: den Ausdruck posi-tiver Emotionen, das Gefühl von Frieden und Lebenssinn und die positive Umformung der Krebserfahrung. Die Autoren der Studie wollten untersuchen, ob diese

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gungsstrategien einen Einfluss auf die Resilienz haben und ob die Resilienz einen Ein-fluss auf die Lebensqualität hat (Manne et al., 2016).

In Manne et al. (2016) wurde herausgefunden, dass Patienten mit einem hohen Resili-enzwert eine bessere Lebensqualität haben. Die drei oben genannten Bewältigungs-strategien tragen dazu bei, die Resilienz von Patientinnen zu erhöhen und helfen ihnen, dabei eine gute Lebensqualität zu erhalten. Sie ermöglichen zudem eine besse-re psychologische Anpassung. Nicht zu unterschätzen ist, dass die Lebensqualität durch das Alter und vorhandene körperliche Beeinträchtigungen stark beeinflusst wird (Manne et al., 2016).

2.2

Selbstpflege und Symptommanagement

«Selfcare» leitet sich von den englischen Wörtern «self», was «selbst», und «care», was «pflegen», «sorgen», «sich kümmern» bedeutet ab. Damit gemeint ist folglich die Selbstpflege des Patienten, der motiviert ist, mehr über seine Krankheit zu erfahren und sich selber darum zu kümmern. Die Theorie wurde von Frau Dorothea Orem im Jahre 1971 entwickelt (Sager Tinguely & Weber, 2018).

Sie verfolgte das Ziel, die Pflege zu einer konsequenten und wissensbasierten Disziplin im Gesundheitswesen weiterzuentwickeln. Sie geht davon aus, dass jeder Mensch sich selber pflegen will und kann, also «Selbstpflege» betreibt. Orems Theorie basiert auf einer ganzheitlichen Vorstellung des Menschen, die psychische, physische, soziale und spirituelle Aspekte umfasst. Mehrere Annahmen liegen ihrer «Allgemeinen Pflege-theorie» zugrunde (Dietzel-Ströhla et al., 2011):

• Damit Menschen leben und ihren Alltag bewältigen können, benötigen sie einen ständigen Austausch mit anderen und ihrer Umwelt.

• In der Form von «für sich und andere Sorgen» wird die Fähigkeit zu gezieltem Handeln verdeutlicht.

• Ältere Menschen machen gelegentlich die Erfahrung, dass die Fähigkeit, sich selber oder andere Personen zu pflegen, eingeschränkt ist.

• Sie schaffen Möglichkeiten, um sich selber und andere zu pflegen.

• Menschengruppen übernehmen die Aufgabe und Verantwortung für die Betreu-ung von Menschen, welche EinschränkBetreu-ungen in der Selbstpflege erleben. Die «Allgemeine Theorie der Pflege» wird auch als «Selbstpflegedefizit-Theorie» be-zeichnet und enthält drei Teiltheorien, welche in vertauschbarer Wechselbeziehung zueinanderstehen (Dietzel-Ströhla et al., 2011):

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• Die Theorie des Selbstpflegedefizits • Die Theorie der Pflegesysteme

2.2.1 Die Theorie der Selbstpflege

Die Selbstpflege ist ein zielorientiertes Handeln, welches erlernt wird und dazu dient, das Leben, die Gesundheit und das Wohlbefinden aufrechtzuerhalten. Erwachsene gesunde Menschen sorgen für sich selber, Säuglinge, Kinder, Behinderte und kranke Menschen benötigen Hilfe bei der Ausübung der Selbstpflege den individuellen Selbst-pflegeerfordernissen entsprechend. Dependenzpflege bezeichnet diese Abhängig-keitspflege. Sie bezieht sich nicht nur auf die professionelle Pflegebeziehung, sondern setzt generell eine soziale Abhängigkeit voraus. Die Dependenzpflege beschreibt die Abhängigkeit eines Kindes oder eines Jugendlichen zu seiner sozialen Bezugsperson, welche wie beispielsweise Eltern oder Angehörige für die Gesundheit, Erziehung und Entwicklung sowie das Wohlbefinden verantwortlich ist. Es gibt Situationen, in denen es nicht um professionelle Pflege geht, auf welche die Autorin hinweist. Das bedeutet also, dass Eltern oder Angehörige die Selbstpflegekompetenz in bestimmten Lebenssi-tuationen beherrschen müssen. Die Selbstpflegekompetenz befähigt den Menschen, die Selbstpflege durchzuführen (Dietzel-Ströhla et al., 2011).

2.2.2 Die Theorie des Selbstpflegedefizits

In verschiedenen Lebensphasen besitzen Menschen nicht die Fähigkeit, die Selbst-pflege, welche für die Erhaltung des Lebens und der Gesundheit, für die Genesung von Verletzungen oder Krankheiten mit den diesbezüglichen Auswirkungen erforderlich sind, kontinuierlich von einer gewissen Qualität aufrechtzuerhalten (Dietzel-Ströhla et al., 2011).

Professionelle Pflege wird dann nötig, wenn auch nach Mobilisierung der eigenen Res-sourcen bei veränderten Selbstpflegeerfordernissen die Fähigkeit, Selbstpflege durch-zuführen, nicht ausreicht. Es wird nach Orem zwischen mehreren Arten von Selbst-pflegeerfordernissen unterschieden, nämlich zwischen den allgemeinen, den entwick-lungsbedingten und den gesundheitsbedingten Selbstpflegeerfordernissen, die auch den situativen Selbstpflegebedarf klar definieren. Wenn die Selbstpflegekompetenz einer Person in einer gewissen Situation nicht ausreicht, um den Selbstpflegebedarf zu erfüllen, wird dies als Selbstpflegedefizit bezeichnet. Unter Dependenzpflegedefizit versteht man veränderte Selbstpflegeerfordernisse der Eltern, welche nicht mehr in der Lage sind, Dependenzpflege im notwendigen Masse für ihr Kind zu leisten (Dietzel-Ströhla et al., 2011).

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9 2.2.3 Die Theorie der Pflegesysteme

Hierdurch wird klar, was professionelle Pflege ist. Die Pflege wird als ein sich selber organisierendes System verstanden. Das Wort „System“ bezeichnet Personen, Hand-lungen oder Dinge in deren wechselseitigen Beziehungen. Pflegesysteme werden als geplante Handlungsreihen definiert, welche von Pflegenden in Verbindung mit den Pa-tienten oder deren Angehörigen durchgeführt werden, um damit den situativen Selbst-pflegebedarf des Patienten zu erfüllen. Nach Orem dienen sie dazu, die Dependenz-pflegedefizite aufzuheben. Sie verdeutlicht die Aufgaben der Pflege mithilfe von Pfle-gesystemen. Ein sicheres Pflegesystem bestimmt Verhaltensweisen von Pflegenden und Patienten, so dass entsprechende pflegerische Ziele umgesetzt werden können. Es wird unterschieden zwischen drei Pflegesystemen entsprechend der Rollenverant-wortung und der Handlungen von Pflegefachpersonen, Patienten und deren Angehöri-gen. Es gibt das vollständig kompensatorische System, das teilweise kompensatori-sche System und das unterstützende-beratende-erzieherikompensatori-sche System (Dietzel-Ströhla et al., 2011). CINA-CANCER befindet sich im unterstützenden-beratenden-erziehendem System und es wird eine Patientenedukation durchgeführt. Somit wird der Patient dazu veranlasst, seine Selbstpflege zu praktizieren.

2.2.4 Die fünf Methoden des Helfens

Die Pflegekompetenz ist ein wesentliches Element der Theorie der Pflegesysteme. Pflegende brauchen bestimmte Fähigkeiten, um eine effektive Pflege leisten zu kön-nen. Professionelle Pflegende verfügen durch Aus- und Weiterbildungen über erwor-bene Handlungsfähigkeiten, welche in der Pflegepraxis bei Personen mit Selbstpflege-defiziten zur Anwendung kommen. Orem beschreibt fünf Methoden des Helfens, wel-che in spezifiswel-chen Situationen angewendet werden können (Dietzel-Ströhla et al., 2011).

• Für andere handeln

• Physische und psychische Unterstützung • Führen und anleiten

• Gewährleisten einer umweltbezogenen Umgebung • Unterrichten (Patientenedukation)

Die präventive Gesundheitspflege wird in der Theorie von Orem hervorgehoben. Nicht die Krankheit, sondern die Förderung der Gesundheit und der Entwicklung stehen im Mittelpunkt der Pflege. Der Schwerpunkt liegt in der Reaktivierung oder Aktivierung der Selbstpflegefähigkeit des Menschen und nicht in der ärztlich verordneten Therapie ei-ner Krankheit. Die professionelle Pflege verfügt über Fähigkeiten, welche

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schauend, unterstützend und fördernd für den Patienten und dessen Gesundheit sind. Sie dient der Gesundheitserhaltung und -förderung (Dietzel-Ströhla et al., 2011). Symptome spielen eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit der Gesundheit und der Krankheit. Sie deuten auf eine Veränderung der physiologischen, physischen oder psychischen Funktion hin und können auf einen akuten Wechsel des Gesundheitszu-stands oder einer Exazerbation des chronischen Zustandes hinweisen. Das Erleben von Symptomen (ob akut oder chronisch) veranlasst die Betroffenen dazu, einen Selbstpflegeprozess durchzuführen, um die Symptome wirksam bewältigen zu können. Selbstpflegestrategien werden von medizinischem Personal oder vom Betroffenen sel-ber entwickelt, um die Symptome zu behandeln oder zu lindern. Von Pflegefachperso-nen wird erwartet, dass sie die Symptome der BetroffePflegefachperso-nen verstehen und mit ihPflegefachperso-nen zusammen arbeiten, um jene möglichst wirksam und ohne Nebenwirkungen behandeln zu können. Ziel der Selbstpflegestrategien ist das Symptommanagement. Es bezieht sich auf die Beseitigung der vorliegenden Symptome oder der Milderung des Schwere-grades derselben und der Einschränkung des Wohlbefindens (Doran, 2011).

Die Krebserkrankung stellt neue Anforderungen an den Patienten und dessen Familie, denn sie müssen ihre Pflege selbst in die Hand nehmen. Als chronische Erkrankung erstreckt sich der Krebs auf einem Kontinuum von der Prävention aus bis zum Lebens-ende mit der Früherkennung, der Diagnose, der Behandlung und den Überlebens-chancen dazwischen (McCorkle et al., 2011).

In der Früherkennung, der Diagnose und der Behandlung von Krebserkrankungen wurden in den letzten zwei Jahrzehnten erhebliche Fortschritte erreicht. Daraus lässt sich schliessen, dass immer mehr Patienten von ihrem Krebs befreit werden können. Andere Betroffene können als chronisch Kranke langfristig überwacht oder behandelt werden. Aufgrund der Veränderungen bei den Versicherungen wird erwartet, dass der Patient mehr Verantwortung bei der Pflege und der Nachsorge übernimmt. Er steigert somit seine Selbstpflege. Pflegefachleute, Patienten und deren Angehörige müssen bedenken, dass die Fürsorge über die akute Phase hinausgeht und langfristig angebo-ten werden sollte. Kurzfristige und langfristige Ziele müssen festgelegt werden und werden soweit als möglich im medizinischen Rahmen realisiert. Dies erfordert eine lang anhaltende Beziehung zwischen der Pflege, dem Patienten und dessen Angehöri-ge. Durch diese Zusammenarbeit erhält der Patient die Möglichkeit, seine Ziele in allen Phasen des Krebsversorgungskontinuums zu erreichen (McCorkle et al., 2011).

In der Studie von Barlow et al. (2002) wird das Symptommanagement als eine Fähig-keit beschrieben, welche sich eine Person in der chronischen Phase aneignet, um die

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Symptome und die Folgen einschliesslich Änderungen in der Behandlung, am Körper oder im Lebensstil zu bewältigen. Lorig & Holman (2003) beschreiben das Symptom-management als Lebensaufgabe bei einem chronisch Erkrankten. Sie sehen den Vor-satz darin, das Wohlbefinden psychologisch im Vordergrund zu halten. Betroffene ha-ben nach Corbin und Strauss drei Aufgaha-ben: die medizinische Behandlung, die Verwal-tung der Rollenwechsel aufgrund der Krankheit und die Bewältigung der psychischen Folgen, welche durch die Krankheit verursacht werden. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, benötigen chronisch Erkrankte gewisse Fähigkeiten. Dazu gehören die Prob-lemlösung, die Entscheidungsfindung, das Nutzen der Ressourcen, die Bildung einer professionellen Beziehung zu Pflegefachpersonen sowie das Ergreifen von Massnah-men. Hauptaufgaben sind jedoch die Selbstüberwachung und Selbstbewertung der Symptome und der Nebenwirkungen (McCorkle et al., 2011).

Patienten mit einer Krebserkrankung erleben mehrere Nebenwirkungen der Therapie, wie Fatigue, Appetitlosigkeit, Angst oder Schmerzen und haben keine andere Möglich-keit, als sich mit der Krankheit und deren Symptome zu befassen. Ein angepasstes und individuelles Symptommanagement hilft den Patienten dabei, ein möglichst norma-les Leben zu führen und die Lebensqualität zu fördern. Jenes wird durch eine professi-onelle Edukation unterstützt. Das Ziel der Patientenedukation liegt darin, das Selbst-management der Erkrankten zu Hause zu verbessern. Daher sollte das Symptomman-agement nach Symptomen und Beschwerden orientiert werden (Kropf-Staub et al., 2019).

Betroffene und deren Angehörige in der Schweiz bekommen nicht ausreichend Unter-stützung und Informationen, die ein individuelles sicheres Symptom-Selbstmanagement in der häuslichen Umgebung gewährleisten könnten. Infolgedes-sen können Patienten ihre Symptome missverstehen und deshalb keine oder nur ver-zögerte Anpassungen des Symptommanagements vornehmen. Durch das Wissensde-fizit der Patienten kann es zu einer Symptomverschlechterung kommen oder die Le-bensqualität und das Wohlbefinden nehmen ab. So kann beispielsweise ein Appetitver-lust zu einer Kachexie führen (Kropf-Staub et al., 2019).

Vor allem in der Anfangsphase fühlen sich Betroffene bezüglich des Symptommana-gements stark herausgefordert. Sie bezeichnen diese Phase durch das Erfordernis, selbständig Entscheidungen treffen zu müssen, und wegen der Bewältigung von Ver-änderungen, die infolge der Therapie entstanden sind, als prägend. Diese Phase wird als psychisch und physisch schwer belastend beschrieben (Kropf-Staub et al., 2019).

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2.3

Pflegebedürfnisse

Pflegebedürfnisse sind wichtige Anhaltspunkte während der Krebsbehandlung. Die Sorgen, welche am meisten vorkommen, sind die Angst vor Ausbreitung der Krebser-krankung (48.5%), die Ungewissheit bezüglich der Zukunft (45.5%) sowie die Sorgen in Bezug auf die nächsten Angehörigen (43.9%) (Bana et al., 2018).

Nach Lehmann et al. (2012) ist es wichtig, nicht nur die Symptome und Funktionsfähig-keiten der Patienten zu messen, sondern auch die Pflegebedürfnisse wahrzunehmen. Die Symptome sagen nicht viel darüber aus, welche Unterstützung ein Patient braucht (Lehmann et al., 2012). Ein unerfülltes Pflegebedürfnis wird als erwünschte Akti-on/Ressource bezeichnet, die notwendig ist, um ein besseres Wohlbefinden zu errei-chen (Dubey et al., 2015). Pflegebedürfnisse können bei jeder Art von Krebs und in jedem Krebsstadium auftreten. Um effiziente und unterstützende Pflege anbieten zu können, sind angepasste Instrumente erforderlich, um die Bedürfnisse der Patienten richtig einschätzen zu können. Das Supportive Care Needs Survey (SCNS) ist das Instrument, womit das optimale Validitäts- und Reliabilitätsniveau erreicht werden könnte. Der Fragebogen ist anwendbar für alle Krebsarten und deckt einen breiten Bereich ab (Brédart et al., 2012).

Die Pflegefachfrauen von CINA-CANCER brauchen das Supportive Care Needs Sur-vey (SCNS-10), um die unerfüllten Pflegebedürfnisse von Krebspatienten einzuschät-zen (Anhang; Punkt 9.2). Der Fragebogen beinhaltet zehn Fragen und umfasst fünf verschiedene Bereiche (Szüts et al., 2019):

1. Psychologische Bedürfnisse

2. Körperliche Bedürfnisse und Aktivitäten des täglichen Lebens 3. Bedürfnisse an Pflege und Unterstützung

4. Bedürfnisse nach Informationen über das Gesundheitssystem 5. Sexuelle Bedürfnisse

Die Patienten haben fünf Antworten zur Auswahl: "kein Problem", "bereits unterstützt", "geringes Bedürfnis nach Unterstützung", "mittleres Bedürfnis nach Unterstützung" und "hohes Bedürfnis nach Unterstützung". Die Pflegefachfrauen stützen sich auf das Do-kument "Interventions infirmières selon le résultat du questionnaire SCNS-10", um ge-eignete Interventionen vorzuschlagen (Anhang; Punkt 9.2) (Szüts et al., 2019).

Der psychologische Bereich ist bei Krebserkrankung am stärksten betroffen. Die Pati-enten müssen mit starken Emotionen wie Angst, Unsicherheit, Wut, Traurigkeit, usw. umgehen. Aus diesem Grund brauchen Patienten eine gute emotionale Unterstützung.

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13

Im Bereich der körperlichen Bedürfnisse werden häufig die Müdigkeit (36.6 %) und die sexuellen Bedürfnisse (40.3 %) genannt. Wegen der Krankheit und der Nebenwirkun-gen der Therapie kann sich die Sexualität verändern. Patienten hätten gerne mehr In-formationen darüber. Patienten nennen auch einen Mangel an Information über den Umgang mit der Krankheit und den Nebenwirkungen der Therapie zu Hause (31.8 %). Es wurde festgestellt, dass Patienten mit einem höheren Resilienzwert weniger uner-füllte Pflegebedürfnisse haben als Patienten mit einem niedrigen Resilienzwert. (Dubey et al., 2015).

Die Medizin hat viele Fortschritte in der Krebsbehandlung gemacht. Aus diesem Grund haben sich der Krankheitsverlauf und die Prognose stark verändert. Dies bedeutet, dass Krebspatienten in einem fortgeschrittenen Stadium relativ lange leben können. Aufgrund der langen Krebsbehandlung und -erfahrung leiden Patienten unter einer Vielzahl von Problemen, die in den verschiedenen Krebsstadien unterschiedlich sind. Patienten haben Anrecht auf Pflege von hoher Qualität, die patienten- und familien-zentriert ist. Es ist wichtig, dass die Pflege und die Unterstützung mit den Bedürfnissen der Patienten und deren pflegenden Angehörigen übereinstimmen, damit ihre Lebens-qualität nicht beeinträchtigt wird (Wang et al., 2018).

2.4

Patientenedukation

Die therapeutische Edukation gestattet den Patienten, Fähigkeiten zu erlangen und beizubehalten, die ihnen die Möglichkeit gibt, ihre Behandlung optimal zu leiten, um ein Gleichgewicht zwischen ihrem Leben und der Krankheit zu schaffen. Dies ist ein fort-laufender Prozess, der für die medizinische Versorgung eine grosse Bedeutung hat. Die therapeutische Edukation umfasst die Sensibilisierung, Informationen, das Lernen von Therapiemöglichkeiten, eine psychosoziale Unterstützung, die alle in Bezug zur Krankheit und zur Behandlung stehen. Dies ermöglicht den Betroffenen und deren Fa-milien, besser mit den Pflegenden zusammenzuarbeiten. Die Edukation beginnt mit einem umfassenden Assessment, das sich auf das Wissen, die Motivation, die Fähig-keiten, die Ressourcen und Beeinträchtigungen, die prioritären Bedürfnisse und die Angehörigen des Patienten bezieht. Nicht nur im Spital, sondern auch im häuslichen Umfeld soll die Edukation sich im alltäglichen Leben des Patienten mit verschiedenen Aktivitäten zeigen, indem dieser jederzeit Massnahmen ergreifen kann, um zum Bei-spiel Nebenwirkungen oder Symptome zu lindern. Wichtig ist es, das Vorwissen und die Vorstellungen des Patienten bei der Datenerfassung mit einzubeziehen. Eine chro-nische Krankheit wie zum Beispiel Krebs hat keinen klaren Verlauf. Deshalb muss die Datenerfassung regelmässig aktualisiert und neu evaluiert werden (Sager Tinguely & Weber, 2018).

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14

Die Patientenedukation umfasst verschiedene Strategien:

• Die Information beinhaltet eine gezielte Mitteilung durch Bereitstellung ver-schiedener Medien und die Vermittlung relevanter Adressen in einem offenen Angebot.

• Die Schulung ist ein strukturiertes, geplantes und zielorientiertes Vermitteln von Wissen oder Fertigkeiten.

• Die Beratung ist ein dialogischer Prozess, in dem individuelle wie auch bedürf-nisgerechte Problemlösungen vorbereitet werden (Zegelin, 2002).

Die Notwendigkeit der Patientenedukation beruht auf mehreren Faktoren:

• Die Patienten möchten aktiv an ihrem Krankheitsverlauf teilnehmen, d.h. infor-mierte Entscheidungen treffen.

• Die soziodemografische Entwicklung zu einer älter werdenden Gesellschaft hat in der Regel mehrere langfristige Erkrankungen mit Einschränkungen zur Folge. • Die Politik und die Kostenträger erwarten von den Patienten mehr

Eigenver-antwortung, um kürzere Klinikaufenthalte zu ermöglichen. Dadurch steigt der Bedarf an Patientenedukation.

• Studien haben belegt, dass Patienten nach der Edukation selbständiger werden und damit auch weniger Arztbesuche benötigen. Zudem wurde nachgewiesen, dass weniger Komplikationen vorkommen und sich die Krankheitszeiten verkür-zen (Zegelin, 2002).

Patientenedukation ist ein Konzept, welches bei der Betreuung von Krebspatienten unvermeidbar ist. Nur 6,6 % der betroffenen Männer und 5 % der Frauen werden wäh-rend der Krebsbekämpfung bei verschiedenen Therapien hospitalisiert. Das heisst, dass viele sich zu Hause selbständig pflegen oder mit Hilfe von pflegenden Angehöri-gen pfleAngehöri-gen lassen müssen. Deshalb ist in diesem Fall die Patientenedukation primordial, damit die Betroffenen die Nebenwirkung der Therapie oder der Symptome selber managen können (Bana et al., 2018).

Im Artikel «Implementation of an Evidence-Based Education Practice Change for Pati-ents With Cancer» wird beschrieben, dass sich in vielen Fällen die Patienten nicht an viele Informationen zur Zeit der Diagnose erinnern können. 40 % - 80 % der medizini-schen Informationen, die von den Ärzten zur Verfügung gestellt werden, werden von den Patienten sofort vergessen. Für viele Betroffene ist eine Krebsdiagnose eine Kri-senzeit mit ausgeprägter Angst und mit der Unfähigkeit, klar zu denken. Die Aufgabe der Pflegefachpersonen, die Patientenedukation, kommt zu diesem Zeitpunkt ins Spiel (Portz & Johnston, 2014).

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15

Wenn der Patient bei CINA-CANCER im HFR seinen Bedarf an Patientenedukation anmeldet, bietet die konsultierende Pflegefachfrau diese therapeutische „Erziehung“ an.

Folgende Punkte sind wichtig, um eine patientenzentrierte Aufklärung durchzuführen: • Verstehen der individuellen Krankheitsbewältigung und ihrer Folgen (z.B

Schmerzen, Fatigue).

• Erfassen von Verhaltensweisen in bestimmten Situationen (z.B. Übelkeit, Durchfall).

• Verstehen der Koordination zwischen Behandlung und Alltagsleben. • Anfallende Probleme und vom Patienten wahrgenommene Ängste.

• Erfassung von Faktoren, die die Nichtbeachtung der Behandlung beeinflussen (Szüts et al., 2019).

Die Interventionen der Pflegeberaterin während ihrer Patientenschulung haben zum Ziel:

• Förderung eines Gefühls der Selbstwirksamkeit (Selbstwirksamkeit, Selbstma-nagement).

• Lernen, selbständig mit der Krankheit und ihren Behandlungen sowie mit deren Auswirkungen umzugehen.

• Bewältigung von Angst/Stress und ein selbstbewusster Umgang mit den Folgen der Krankheit.

• Aktiv an Entscheidungen teilnehmen.

• In der Lage sein, den Interventionsbedarf abzuschätzen und die Entschei-dungsfindung zu bewerten (Szüts et al., 2019).

3

FRAGESTELLUNG

Die Autorinnen wollen anhand von Interviews die Erfahrung der Patienten, die an CI-NA-CANCER teilgenommen haben, beschreiben und qualitativ evaluieren. Wichtig ist zu wissen, wie sie die Pflegekonsultationen erlebt haben und ob diese nützlich waren. Aufgrund der Analyse der Interviews wird entschieden, ob eine Anpas-sung/Verbesserung von CINA-CANCER notwendig ist, um die Pflegekonsultationen zu verbessern, damit den Pflegebedürfnissen der Patienten besser entsprochen werden kann.

Die Fragestellung wurde auf dem PICO-Format basierend entwickelt. Dieses be-schreibt die P(opulation), die I(ntervention) und den Co(ntext).

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16 P: Drei deutschsprachige erwachsene Krebspatient-inn-en, die im C4, im HFR, mit

einer Chemotherapie im ambulanten Setting behandelt werden.

I: Pflegekonsultationen von CINA-CANCER

Co: C4-HFR Ambulatorium, Patienten erhalten Pflegekonsultationen von

CINA-CANCER mit dem Ziel ihre eigenen Symptome selbständig zu managen.

Daraus ergab sich die Fragestellung: Wie erleben erwachsene deutschsprachige

Krebspatient-inn-en, die im C4, im HFR mit einer Chemotherapie im ambulanten Setting behandelt werden, Pflegekonsultationen von CINA-CANCER?

Das Ziel der Studie ist eine Rückmeldung ans Behandlungsteam von CINA-CANCER und ans HFR zu geben im Bezug auf das Erleben der Krebspatienten zur Weiterent-wicklung und Qualitätssicherung der Pflegekonsultationen.

4

METHODE

Für die Beantwortung der Forschungsfrage wurde ein qualitatives Design basierend auf der Phänomenologie gewählt. Qualitative Studien arbeiten mit nicht-quantitativen Methoden. Sie gewinnen so neue Erkenntnisse und eröffnen neue Perspektiven in der Gesundheitsversorgung. Meist verwenden qualitative Studien im Gesundheitsbereich Interviews oder Fokusgruppen. Es werden Tiefeninterviews oder halbstrukturierte In-terviews durchgeführt; damit werden die Erfahrung der Teilnehmer erforscht. Die Be-troffenen werden ermutigt, über Themen zu sprechen, welche für die Forschungsfrage relevant sind. Es werden offene Fragen, in der Regel in Einzelgesprächen, gestellt. Interviews werden oft eingesetzt, um die Erfahrungen und die Bedeutungen von Krankheiten zu erforschen (Tong et al., 2007).

Durch qualitative Studien komplexe Phänomene erforscht, mit denen Dienstleister aus dem Gesundheitsbereich, Politiker sowie die Gesundheitspolitik konfrontiert sind. Durch schlecht konzipierte Studien kann es zu Fehlentscheidungen infolge einer unan-gemessenen Anwendung der Gesundheitsversorgung oder der Gesundheitspolitik füh-ren. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Berichterstattung dem qualitativen Studien-design anzupassen und diese zu verbessern, um den Lesern Design, Ablauf, Analyse und Ergebnisse verständlich darzustellen. Durch die Entwicklung der Checkliste "Con-solidated Criteria for Reporting Qualitative Research" (COREQ) mit 32 Punkten (An-hang; Punkt 9.3) werden Forscher beim Verständnis des Forschungsteams, der Studi-enmethode, des Studienkontextes, der Analyse und der Ergebnisse unterstützt. In die-sem Studienprotokoll verwenden die Autorinnen diese Checkliste, um dem Leser einen klaren Überblick zu verschaffen. Auf diese Weise wird ersichtlich, wie die geplante

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17

Studie durchgeführt wird. Dadurch wird die Glaubwürdigkeit von Interviewstudien ver-bessert und die Berichterstattung transparent (Tong et al., 2007).

Die Checkliste von COREQ enthält drei Domäne: Forschungsteam und Reflexivität, das Studiendesign sowie die Analyse und Ergebnisse. Diese werden für die Berichter-stattung verwendet und erläutert (Tong et al., 2007).

Die Studie wurde der Ethikkommission des Kantons Waadt zur Begutachtung vorgelegt (Req-2020-00293) und mit einer Nicht- Zuständigkeitserklärung gutgeheissen (Anhang; Punkt 9.8).

4.1

Forschungsteam und Reflexivität

Das Forschungsteam steht in engem Kontakt mit den Teilnehmern. Persönliche Vorur-teile können somit nicht komplett vermieden werden. Das Forschungsteam soll den Lesern ein transparentes Bild des Teams vermitteln. Darum werden im Folgenden die Teammitglieder und deren Identität, deren Geschlecht, deren Ausbildung sowie deren Beruf und Zeugnisse präsentiert. Dadurch wird die Glaubwürdigkeit verbessert, da es dem Leser die Möglichkeit gibt, selber einzuschätzen, inwiefern diese Einflüsse die Interpretation der Forscher beeinflusst haben.

Die Beziehung zwischen der Forschungsgruppe und den Teilnehmern spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die Intensität sollte klar beschrieben werden, da sich diese auf die Reaktion der Teilnehmer wie auch auf die Auswertung der Forscher auswirken kann (Tong et al., 2007).

4.1.1 Persönliche Charakteristika

Das Forschungsteam in dieser Arbeit setzt sich aus drei weiblichen Studierenden zu-sammen, welche im letzten Semester der Fachhochschule Gesundheit in Freiburg sind. Alle drei sind Mitte zwanzig und Schweizer Staatsbürgerinnen. Eine der drei Auto-rinnen hat einen Migrationshintergrund und kommt ursprünglich aus dem Kosovo (Ex-Jugoslawien), ist aber in der Schweiz geboren. Alle drei Autorinnen sind zweisprachig und sprechen Deutsch und Französisch. Sie befinden sich am Ende ihrer dreijährigen Ausbildung zur Pflegefachperson FH, jedoch am Anfang ihrer Berufskarriere. Sie ha-ben verschiedene Praktika im Gesundheitsbereich mit Erfolg absolviert. Durch die ver-schiedenen Settings, die von der Schule angeboten werden, konnten sie sich in gewis-sen Bereichen spezialisieren.

Die erste Autorin ist 24 Jahre alt und ist im Kanton Freiburg geboren. Sie ist zweispra-chig aufgewachsen. Zu Hause wurde in ihrer Familie Französisch gesprochen, doch sie besuchte eine deutsche Schule. Nach der Orientierungsschule entschied sie sich,

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18

ein Austauschjahr in Australien zu absolvieren, um Ihre Englischkenntnisse zu verbes-sern. Später erhält sie nach vier Jahren Studium ihren Fachmittelschulausweis mit der Fachmaturität Gesundheit und tritt danach in die Fachhochschule für Gesundheit in Freiburg ein, um ihren Bachelor in der Pflege zu absolvieren. Während der Ausbildung macht die Autorin verschiedene Berufserfahrungen. Sie absolviert zwei Praktika in der Psychiatrie, eines in der Geriatrie und drei andere im akuten Setting. Das letzte Prakti-kum hat die Autorin auf einer Notfallstation und Tagesklinik absolviert, wo sie oftmals mit Krebspatienten, vor allem bei der Verabreichung der Chemotherapie, in Kontakt kam. Nebenbei arbeitet sie in einem Pflegeheim als Pflegehelferin.

Die zweite Autorin ist 25 Jahre alt. Sie ist Schweizerin und wurde in Freiburg geboren. Sie hat die obligatorische Schule auf Französisch, ihrer Muttersprache, besucht. Nach-her hat sie ein Austauschjahr in St. Gallen absolviert, um Deutsch zu lernen. Nach ei-nem Jahr kam sie zurück nach Freiburg, um ins Gymnasium St. Michael auf Deutsch einzutreten. Nach vier Jahren schliesst sie ihre gymnasiale Maturität erfolgreich ab. Ihr Wunsch war, Medizin zu studieren. Leider hat sie den Numerus Clausus nicht bestan-den. Sie ging ein Jahr lang an die Universität Freiburg, um biomedizinische Wissen-schaften zu studieren. Doch letztlich hat sie sich entschieden, Pflegefachfrau zu wer-den. Während ihrer vierjährigen Pflegeausbildung hat sie acht verschiedene Praktika absolviert, zwei in der Langzeitpflege, eines in der Psychiatrie und fünf im akuten Set-ting. Ihr gefallen die Pflegetechniken und das Arbeiten im Spital sehr, darum möchte sie sich im akuten Setting spezialisieren. Sie würde eventuell später gerne in der Gy-näkologie arbeiten. Sie arbeitet gegenwärtig als Aushilfe im häuslichen Setting. In die-sem Kontext hatte sie auch Kontakt mit onkologischen Patienten.

Die dritte Autorin ist 23 Jahre alt und ist in der Stadt Bern geboren. Wohnhaft ist sie in der Stadt Freiburg. Sie ist mit ihrer Muttersprache Albanisch aufgewachsen. Sie absol-vierte die obligatorische Schule auf Deutsch und entschied sich dazu, die Fachmittel-schule im Bereich der Gesundheit zu besuchen. Sie schloss diese mit Erfolg ab und absolvierte danach die Fachmatura Gesundheit. Durch die Erfahrungen, die sie wäh-rend der Fachmatura sammeln konnte, entschied sie sich, die Fachhochschule Ge-sundheit in Freiburg zu besuchen. Sie absolvierte das erste Praktikum im psychiatri-schen Setting in Basel, das zweite anschliessend in einem Alters- und Pflegeheim in Freiburg. Ihr erstes Praktikum im Akutsetting hatte sie in Biel, wo sie sehr viele onkolo-gische Patienten sowie Menschen in palliativen Situationen betreute. Um sich im Akut-setting zu spezialisieren, hat sie im vierten und fünften Praktikum in der Notfallstation in Bern und Freiburg gearbeitet. Nach der Ausbildung möchte sie den Nachdiplomstudi-engang in der Pflegeanästhesie absolvieren. Im Hinblick darauf schloss sie ihr letztes

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Praktikum ebenfalls im akuten Setting auf einer chirurgisch-orthopädischen Abteilung ab. Sie hat schon in frühen Jahren lernen müssen, wie jemand gepflegt wird, da bei ihr zuhause ein Angehörigen lebt, der aufgrund von verschiedenen Herzkreislauferkran-kungen Unterstützung in den Aktivitäten des täglichen Lebens benötigt.

Neben all diesen Erfahrungen haben die Autorinnen im zweiten Ausbildungsjahr ein Onkologiemodul besucht und in den unterschiedlichen Praktika mehrere Patienten, die an Krebs erkrankt waren, begleitet und gepflegt. Damit tragen die Autorinnen eine gute Grundlage mit sich. Jede der drei Autorinnen führt ein 60-minütiges Interview mit einem Patienten durch, welcher von CINA-CANCER betreut wird, und jede analysiert ihr In-terview selbständig.

4.1.2 Beziehung zu Teilnehmenden

Die drei Teilnehmenden werden während ihren Behandlungen von CINA-CANCER von der Erstgutachterin über die Studie informiert und gefragt, ob sie einverstanden sind, an dieser teilzunehmen. Falls der Patient zustimmt, muss er ein «Informed Consent» Dokument unterschreiben. Die Erstgutachterin der Arbeit erlangte ihr Diplom als Pfle-gefachfrau in Liestal. Nach ihrer Ausbildung fing sie im onkologischen Setting an zu arbeiten. Nach mehreren Jahren Berufserfahrungen spezialisierte sie sich als onkolo-gische Pflegeexpertin mit einem Master of Advanced Studies und erlangte zudem ein Certificate of Advanced Studies im Führen von Gesundheitsorganisationen. Zurzeit ist sie an der Fachhochschule Gesundheit in Freiburg als wissenschaftliche Mitarbeiterin und im Behandlungsteam bei CINA-CANCER tätig (HEdS-FR, 2020). Die Forscherin-nen könForscherin-nen im Voraus keine Beziehung zu den Teilnehmenden aufbauen, da sie diese erst kurz vor dem Interview kennenlernen. Die Erstgutachterin kennt die drei ausge-wählten Krebspatienten nicht, da sie die Patienten im Rahmen von CINA-CANCER nicht begleitet hat. Es ist für das Interview von Vorteil, dass sich Patienten und Autorin-nen nicht kenAutorin-nen, weil dies die Antworten beeinflussen und in dem Fall die Resultate der Studie verfälschen könnte.

4.2

Studiendesign

Damit die Leser verstehen, wie die Forscherinnen die Forschungsfrage sowie das For-schungsziel untersucht haben, wird der theoretische Rahmen näher erläutert. Dazu gehören die Ethnographie, die Phänomenologie, die Diskursanalyse sowie die Inhalts-analyse (Tong et al., 2007).

4.2.1 Theoretischer Rahmen

Die methodologische Orientierung, welche die Studie leitet, ist die Phänomenologie. Die Phänomenologie gehört zur Disziplin der Psychologie oder Philosophie und ihre

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20

Domäne ist die gelebte Erfahrung. Erfahrungen von Individuen werden innerhalb ihrer Lebenswelt untersucht. Auf Griechisch heisst „phainomena“ das, was sich zeigt oder was erscheint. Das Phänomen wird entdeckt und es wird analysiert, wie Krankheiten von betroffenen Menschen erlebt werden. Die Bedeutung bleibt offen aus Sicht der Betroffenen, weil das Phänomen intuitiv erfasst wird (Polit et al., 2004).

Die Autorinnen verfolgen einen pragmatischen Ansatz und verwenden die Phänomeno-logie als theoretischen Rahmen für ihre Studie, um die Bedeutung und Wichtigkeit von Patientenerfahrungen (Tong et al., 2007) mit CINA-CANCER zu beschreiben und zu evaluieren. Um die Erfahrungen zu sammeln, werden Interviews durchgeführt, in de-nen bestimmte Fragen gestellt werden, damit der Patient dazu angeregt wird, seine persönlichen Erfahrungen zu erzählen. Infolgedessen können die Autorinnen eine Rückmeldung dem Behandlungsteam und dem HFR zustellen. Nach dieser Rückmel-dung wird entschieden, ob eine Verbesserung/Änderung der Pflegekonsultationen nö-tig ist.

4.2.2 Auswahl der Teilnehmenden

Die Teilnehmenden werden aufgrund von bestimmten Ein- und Ausschlusskriterien ausgewählt:

Einschlusskriterien (Szüts et al., 2019):

• Onkologische Patienten, die im onkologischen Ambulatorium (C4) des HFR in einer ambulanten systemischen Tumortherapie behandelt werden.

• Volljährigkeit ≥ achtzehn Jahre alt.

• Das Einverständnis, an Pflegekonsultationen teilzunehmen.

• Verminderte Resilienz (eingeschätzt durch Onkologen oder Pflegefachfrauen) • Patienten müssen auf Deutsch, Französisch, Englisch, Spanisch oder

Portugie-sisch ein Gespräch führen können. Für die Studie müssen die Patienten auf Deutsch reden können, da die Autorinnen Deutsch reden.

• Patienten müssen kognitiv und emotionell in der Lage sein, Pflegekonsultatio-nen zu folgen (eingeschätzt durch Onkologen oder Pflegefachfrauen).

Ausschlusskriterien (Szüts et al., 2019):

• Minderjährigkeit <achtzehn Jahre alt.

• Patientinnen, die an Brustkrebs leiden. Sie werden von spezialisierten Pflege-fachfrauen von "Breast Care" unterstützt.

• Diagnostizierte Depression.

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Alle diese Kriterien sind wichtig, damit die Pflegekonsultationen gut ablaufen und die Patienten davon profitieren können. Weiter kann das Pflegeteam im C4 Patienten, wel-che sie beispielsweise aufgrund einer vorangeschrittenen Krebserkrankung als zu be-lastet einschätzen, aus der Studie ausschliessen.

Die Auswahl von Teilnehmenden erfolgt durch eine konsekutive Gelegenheitsstichpro-be. Das heisst, die Teilnehmenden, die während einer bestimmten Zeitspanne im on-kologischen Ambulatorium behandelt werden und die Einschlusskriterien erfüllen, wer-den angefragt, ob sie bei der Studie mitmachen möchten. Die Teilnehmenwer-den werwer-den von einer Pflegefachfrau von CINA-CANCER angesprochen. Sie werden persönlich während einer Pflegekonsultation im Ambulatorium des HFR über die Studie informiert und gefragt, ob sie teilnehmen wollen. Drei Patienten werden insgesamt ausgewählt, damit jede Autorin ein Interview und die dazugehörige Datenanalyse durchführen kann.

4.2.3 Setting

Die drei Interviews werden im Kantonsspital Freiburg im onkologischen Ambulatorium C4 stattfinden. Ein Raum mit einem Tisch und drei Stühlen wird für die Autorinnen zur Verfügung gestellt, um die Interviews in Ruhe durchführen zu können und um die In-timsphäre der Patienten zu schützen. Anwesend ist eine von den drei Studierenden in Pflege, der betroffene Krebspatient, der die Pflegekonsultationen von CINA-CANCER erhält und die Erstgutachterin. Sie kann während des Interviews, wenn nötig eingreifen und erhält somit auch die Antworten auf die Fragen, um die Autorinnen bei der Daten-analyse zu unterstützen.

4.2.4 Datensammlung

Die drei halbstrukturierten Interviews werden in sieben Phasen aufgeteilt. Die erste Phase beinhaltet die Begrüssung und die Vorbereitung des Interviews. Die anwesende Autorin begrüsst den Patienten und stellt sich vor, wie auch die anwesende Erstgutach-terin, die das Gespräch im Hintergrund verfolgt. Die Patienten wurden nicht von der Erstgutachterin im Ambulatorium begleitet, denn dies könnte die Antworten beeinflus-sen. Etwas zum Trinken wird den Anwesenden angeboten. Die Autorin klärt zunächst ab, ob die schriftlichen Informationen verstanden wurden, beantwortet offene Fragen des Patienten und prüft, ob das „Informed Consent“-Dokument unterschrieben wurde. Falls dies nicht der Fall ist, muss der Betroffene diese noch hinterlegen. Danach infor-miert die Autorin den Patienten über die Dauer des Gesprächs, welches maximal eine Stunde dauert. Das Wohlbefinden wird beachtet, indem dem Patienten erklärt wird, dass alle Aussagen willkommen sind und dass es keine falschen Antworten gibt. Wich-tig ist zu erklären, dass das Gespräch anhand eines Diktaphons aufgenommen und

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22

wortwörtlich transkribiert wird. Die Transkription erfolgt völlig anonym, da die Texte verschlüsselt werden. Falls der Patient den Wunsch äussert, die transkribierte Version einzusehen, wird ihm das Transkript zum Lesen zugestellt (Bana & Sager-Tinguely, 2020).

Der Einstieg ins Interview beginnt mit der Einschaltung des Aufnahmegerätes. Es wird kurz zusammengefasst, warum das Interview stattfindet und an was die Autorin zu er-fahren interessiert ist. Der Patient wird zum Erzählen eingeladen, indem er gefragt wird, wie er die Konsultationen erlebt und warum er dieses Angebot akzeptiert hat. Es wird darauf geachtet, dass der Patient eine parenterale oder orale Therapie erhält (Ba-na & Sager-Tinguely, 2020).

Da die methodologische Orientierung der Arbeit auf der Phänomenologie basiert, wird der Patient konkret gefragt, wie ihm das Konzept dieser Konsultationen vorgestellt wurde und wie er die erste Pflegekonsultation erlebte (Bana & Sager-Tinguely, 2020). In der nächsten Phase wird das Erleben von CINA-CANCER vertieft, indem Fragen über positive Erfahrungen und Nutzen der Konsultationen gestellt werden. Die Autorin versucht den Patienten dazu zu animieren, sich über seine Resilienz, das Symptom-management und weitere angesprochene Themen zu äussern. Anschliessend werden die negativen Erfahrungen angesprochen, die aus der Sicht des Patienten weniger gut gelaufen sind (Bana & Sager-Tinguely, 2020).

Damit die Pflegekonsultationen optimiert werden können, sind die Verbesserungsvor-schläge der Patienten wahrzunehmen, indem die Frage während des Interviews ge-stellt wird. Die Autorin findet heraus, ob die Konsultationen den Bedürfnissen der Pati-enten entsprechen, wie zum Beispiel der Ort, der Inhalt und die Anzahl der Gespräche, sowie die Abstände zwischen den fünf Gesprächen (Bana & Sager-Tinguely, 2020). Falls der Patient alle Konsultationen abgeschlossen hat, wird erforscht, was er gelernt hat, ob er die erlebten Erfahrungen weiterhin nutzt und ob er selbständig im häuslichen Kontext zurechtkommt (Bana & Sager-Tinguely, 2020).

Vor dem Abschluss des Interviews wird sichergestellt, dass der Patienten nichts mehr anfügen möchte. Falls der Patient später noch etwas anbringen möchte, kann er sich an die Erstgutachterin wenden. Eine Visitenkarte wird vorbereitet und abgegeben. Die Autorin bedankt sich ganz herzlich und begleitet den Patienten hinaus. Das unter-schriebene Dokument wird der Erstgutachterin übergeben (Bana & Sager-Tinguely, 2020). Der Interviewleitfaden befindet sich im Anhang (Anhang; Punkt 9.4).

(28)

23

4.3

Analyse und Resultate

Die Kodierung der Forscherinnen wird anhand der thematischen Analyse nach Braun & Clark (2006) sowie Elo & Kyngäs (2008) transparent gemacht. Damit wird die Glaub-würdigkeit der Ergebnisse besser eingeschätzt. So wird aufgezeigt, wie die Forsche-rinnen die Daten untersucht, wahrgenommen und verstanden haben (Tong et al., 2007).

4.3.1 Datenanalyse

Die Daten werden analysiert, nachdem das aufgenommene Interview transkribiert wor-den ist. Die Transkription erfolgt anhand verschiewor-dener Richtlinien. Die Autorinnen verwenden eine Transkriptionsvorlage, die im Voraus vorbereitet wurde (Anhang; Punkt 9.5). Verschiedene Angaben wie die ID, das Datum, der Ort und die Dauer des Interviews sowie der Name der Person, die die Transkription durchführt, werden auf der Vorlage ergänzt. Die Interviews werden wortwörtlich in deutscher Sprache transkri-biert. Der Buchstabe „I“ steht für die Interviewerin, der Buchstabe „P“ steht für den Pa-tienten; diese Abkürzungen werden jeweils vor den gesprochenen Text gesetzt. Falls mehrere Personen teilnehmen, können auch noch Zahlen hinzugefügt werden wie bei-spielsweise „P1“ oder „P2“. Zwischen den verschiedenen Äusserungen wird eine Leer-zeile eingefügt. Im Vordergrund steht der Inhalt. Darum werden Laute wie „äh“ wegge-lassen. Zustimmende Laute wie zum Beispiel „hmm“ werden hingegen transkribiert, weil dies für das Verständnis nötig ist. Wenn jemand stottert, werden die Laute nicht wortwörtlich aufgeschrieben, sondern nur einmal korrekt geschrieben. Die Dialektfär-bung der Mundart sprechenden Patienten wird eingedeutscht, Dialektausdrücke wer-den jedoch in Anführungs- und Schlusszeichen mit einer diesbezüglichen Übersetzung in Klammern ausgeschrieben. Unverständliche Aussagen werden im Text gelb markiert und mit genauen Zeitangaben der Interviewaufnahme versehen. Pausen, welche län-ger als fünf Sekunden dauern werden mit „(Pause)“ und Begründung gekennzeichnet. Wenn der Patient lacht, hustet oder weint wird dies in Klammern gesetzt. Namen, Ort-schaften oder Institutionen, die während dem Interview erwähnt werden, werden ano-nymisiert. Eine direkte Rede, - damit gemeint ist eine Aussage einer anderen Per-son - wird mit Anführungs- und Schlusszeichen zitiert. Unterbrechungen während des Gespräches werden mit drei Punkten am Ende notiert. Die fertiggestellten Transkripti-onen sind vertraulich und werden in keinem Fall an eine Dritte Person weitergeleitet (Mayring, 2010) (Mergenthaler, 1992).

Eine Transkription ist zeitaufwändig und braucht viel Konzentration. Eine Stunde Inter-view beansprucht ungefähr sechs Stunden Transkription. Am Schluss muss das auf-genommene Interview mit der Transkription verglichen werden, damit die Genauigkeit

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24

überprüft werden kann. Um die bestmögliche Qualität der Transkription zu gewährleis-ten, wird den Autorinnen vorgeschlagen, regelmässige Pausen zu machen (Mayring, 2010) (Mergenthaler, 1992).

Nach der Transkription führt jede Autorin mit der Unterstützung der Erstgutachterin eine Analyse der transkribierten Daten durch. Die Datenanalyse erfolgt nach der Me-thode "Thematische Analyse". Die Thematische Analyse ist eine MeMe-thode, um schrift-liche, verbale oder visuelle Kommunikationsdaten zu analysieren. Diese wird in der Pflege häufig gebraucht, vor allem in der Gerontologie, der Psychiatrie sowie in Public-Health Studien. Sie kann für qualitative und quantitative Daten gebraucht werden. Die-se Art von AnalyDie-se wird verwendet, um ein Phänomen zu beschreiben und zu quantifi-zieren. Wörter können in verschiedene Codes, Kategorien sowie Themen unterteilt werden. Nach diesem Verfahren wird es klar, dass ein paar Sätze und Wörter die glei-che Bedeutung haben. Darum werden sie in derselben Kategorie eingeordnet (Elo & Kyngäs, 2008).

Der Analyse-Prozess hat zwei verschiedene Vorgehensweisen: die induktive oder die deduktive Vorgehensweise. Die Auswahl wird im Hinblick auf den Zweck der Studie getroffen. Die Autorinnen haben sich für die induktive Vorgehensweise entschieden. Da nicht genug Wissen über das Phänomen vorhanden ist, eignet sich dieser Art von Analyse am besten. Eine induktive Analyse gelangt vom Spezifischen (Codes) zum Allgemeinen (Themen), d.h. einzelne Codes werden beobachtet und können dann zu einem Thema werden (Elo & Kyngäs, 2008). Eine Datenanalyse ist ein ständiges Hin und Her zwischen den gesamten Daten. Es ist kein linearer Prozess, sondern ein re-kursiver Prozess, der sich mit der Zeit entwickelt. Die ganze Analyse benötigt viel Fle-xibilität und Geduld (Braun & Clarke, 2006).

Nach Elo & Kyngäs (2008) wird die Analyse in drei Hauptphasen unterteilt: die Vorbe-reitung, die Organisation und die Berichterstattung. Sonst gibt es keine systematischen Regeln, um die Daten zu analysieren, was für die Autorinnen eine Herausforderung darstellt. Hauptsache ist, dass die Wörter des transkribierten Interviews in kleinere In-haltskategorien (Codes) eingeteilt werden. Die Vorbereitungsphase beginnt mit der Auswahl der übergeordneten Forschungsfrage, die die Studie antreibt (Elo & Kyngäs, 2008). Sie läutet:

Wie erleben erwachsene deutschsprachige Krebspatient-inn-en, die im C4 des HFR mit einer Chemotherapie im ambulanten Setting behandelt werden, Pflege-konsultationen von CINA-CANCER?

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Im nächsten Schritt der Vorbereitungsphase muss sich die Autorin mit ihren Daten ver-traut machen. Sie muss sich so weit wie möglich in die Daten vertiefen, bis sie komplett eintaucht. Dies benötigt ein wiederholtes Lesen der Daten, was zeitaufwändig ist (Elo & Kyngäs, 2008). Es wird abgeraten, diesen Punkt zu überspringen, da er die Meilenstei-ne für den Rest der Analyse bildet. Entscheidend ist dass jede Autorin sich vertraut macht mit allen Aspekten ihrer Daten. Ein aktives Lesen, bei dem Notizen gemacht werden, wird empfohlen, um nach den Bedeutungen und Codes zu suchen (Braun & Clarke, 2006).

Die Analyse folgt in der Organisationsphase. Die gesamten Daten werden codiert. Das Codieren ist ein Prozess, um die Daten in aussagekräftigen Gruppen zu organisieren. Das Codieren wird während der ganzen Analyse weiter entwickelt und vertieft (Braun & Clarke, 2006). Alle möglichen Codes, Kategorien und Themen werden während des Lesens direkt in den Text geschrieben, damit möglichst alle Aspekte des Inhalts be-schrieben werden. Diese müssen aussagekräftig sein. Danach werden die Codes, die am Rand des Textes aufgeschrieben wurden, gesammelt und auf dem Codierungsblatt aufgeschrieben. An diesem Punkt werden alle Codes in Kategorien unterteilt. Das Ziel der Unterteilung ist die Codes, die ähnlich sind oder die zusammen gehören, in einer breiteren Kategorie höherer Ordnung zu klassifizieren, um die Daten vergleichen zu können, um das Phänomen zu beschreiben, um das Verständnis zu erhöhen und um Wissen zu erzeugen. Danach werden die Kategorien in breiteren Themen zusammen-gefasst. Für diese Phase könnte die Verwendung einer visuellen Darstellung wie ein Mind-map hilfreich sein (Elo & Kyngäs, 2008).

In der letzten Phase des Analyseprozesses werden die Resultate detailliert aufge-zeichnet, dies beinhaltet die Beschreibung der Ergebnisse mit ihren Stärken und Limi-ten. Die Codes, Kategorien und Themen werden zu diesem Zeitpunkt erklärt, damit die Leser sich ein klares Bild machen können. Die Glaubwürdigkeit beruht vor allem auf der Fähigkeit der Autorinnen, die gesamten Daten in bedeutungsvollen Codes, Katego-rien und Themen zu unterteilen, die die Fragestellung gut reflektieren und die ganzen Daten abdecken. Ebenso ist es notwendig, einen Zusammenhang zwischen den Er-gebnissen und den Daten aufzuzeigen. Zitate der interviewten Patienten können dazu beitragen, die Glaubwürdigkeit der Studie zu erhöhen. Dank diesen können sich die Leser mit den originalen Daten vertraut machen. Die Fragestellung sollte während des ganzen Analyseprozesses beachtet werden, weil diese die Leitlinie der Studie ist (Elo & Kyngäs, 2008).

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