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Stoppacci P. (éd.) Cassiodoro, Expositio psalmorum

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Academic year: 2021

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en partie due à la valeur des exemplaires que Martino Corvo pouvait avoir à sa disposi-tion, a été assez peu étudié, et encore moins utilisé, par les éditeurs modernes des œuvres d’Ambroise. On imagine que son intégration dans la recensio codicum présenterait aux éditeurs l’avantage, au moins, d’étayer certains choix de variantes.

C’est, pour finir, le point de vue du médiéviste qu’offre Paolo Chiesa (« Filologia patristica e filologia mediolatina, una collaborazione inevitabile. Il caso della Regula

pastoralis di Gregorio Magno », p. 315-330) en étudiant de nouveau, après le chapitre

qu’il avait consacré en 2005 dans les volumes dirigés par Luigi G. G. Ricci et Armando Petrucci, l’apport du Codex Trecensis du Pastorale à notre approche de la tradition des textes et du problème des variantes d’auteur. Le manuscrit Troyes, BM, 504, défini comme manuscrit d’auteur, retouché par Grégoire lui-même et dont les deux états (ante et post correctionem) ont donné lieu à des traditions contaminées dès la plus haute époque, présente ainsi un cas paradigmatique pour le problème central de ces Actes. Paolo Chiesa démontre, entre autres choses, par une étude approfondie de quelques

loci critici, combien la variante d’auteur est difficilement appréhensible : quand,

d’ordi-naire, on craindrait de surévaluer certaines variantes de tradition, l’exemple de Grégoire montre que beaucoup de variantes remontant assurément à l’auteur se seraient, au contraire, perdues au milieu de denses apparats si le Trecensis ne nous était pas parvenu.

Il n’est pas difficile de tirer, même grosso modo, les conclusions générales de ces Actes. L’approche stemmatique, née de l’étude des textes classiques, se révèle à l’évi-dence inadéquate, insuffisante, et même contre-productive, lorsqu’il s’agit de s’intéresser à la tradition et de préparer l’édition de textes patristiques ou, plus généralement, tardo-antiques. Les limites de la méthode lachmanienne sont particulièrement flagrantes lorsqu’on observe le problème, récurrent dans les textes ici pris en considération, de la variante d’auteur. Chacune des contributions a pu étayer, s’il en était besoin, les théories de Giorgio Pasquali en la matière, en les appliquant à tous les types de textes possibles – peut-être serait-il souhaitable d’en ajouter un dernier, qui appartient en propre à la sphère patristique : celui des textes réputés hérétiques ou suspectés d’hétérodoxie, dont la transmission, pour des raisons idéologiques évidentes, ne s’est pas faite sans heurt. Mais ce volume a évidemment sa pars construens : la lecture de ces contributions, qui forment comme les différents chapitres de ce que l’on aurait avantage à lire comme un manuel d’ecdotique patristique (ou de textes tardoantiques), offre aux spécialistes des textes des réflexions de la plus grande utilité et dessine les linéaments d’une méthode de philologie patristique, qui ne demandent qu’à être mises en application, confirmées ou infirmées.

Jérémy Delmulle KU Leuven / IRHT

Cassiodoro, Expositio psalmorum. Tradizione manoscritta, fortuna, edizione critica,

a cura di Patrizia Stoppacci. Volume I, Firenze, SISMEL, Edizioni del Galluzzo, 2012 (Edizione nazionale dei testi mediolatini d’Italia, 28/1, Serie I, 17/1), XIV et 453 pages.

Cassiodors Expositio psalmorum (im Folgenden : EP) ist nächst den Enarrationes in

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lateinischen Kirche gewesen. Das Besondere an ihr ist, dass darin das Instrumentarium der rhetorischen Begrifflichkeit für die Bibelexegese nutzbar gemacht ist. Die EP diente denn auch nicht allein dem Bibelstudium, sondern fand auch in der Schule Verwendung. Das Werk war weit verbreitet : Die insgesamt 155 gebuchten Textzeugen, von denen sehr viele aus der Zeit vor 1000 stammen, dürften nur einen geringen Bruchteil der einst im Umlauf befindlichen Handschriften darstellen. Cassiodor hat sein Werk, abgesehen von den Paratexten am Anfang, in die drei Quinquagenae des Psalters gegliedert, die in der Überlieferung von Anfang an ein Eigenleben geführt haben.

Bis zur Stunde ist der Text nach der Ausgabe zu benützen, die Marc Adriaen 1958 – im Gefolge der Maurinerausgabe, bearbeitet von Jean Garet (Rouen, 1679) – in der

Series Latina des Corpus christianorum (Bände 97/98) vorgelegt hatte. Weil sie auf einer

viel zu schmalen und zudem einseitigen handschriftlichen Basis beruht, kann sie nicht eigentlich als Kritische Ausgabe bezeichnet werden. Da ist es zu begrüßen, dass Patrizia Stoppacci – die bereits vier kleinere Arbeiten dem Thema gewidmet hat – sich der Mühe unterzieht, dieses bedeutende Werk unter Einbezug der gesamten greifbaren Überlie-ferung neu herauszugeben. Der erste Band enthält die ausführliche Einleitung hierzu : Behandelt werden die Entstehungsgeschichte und der Aufbau der EP, ihre bisherigen Editionen, sodann ein erster Überblick über ihre handschriftliche Bezeugung. Es folgt die eingehende, einem bestimmten Strukturschema folgende Beschreibung von rund 100 Handschriften nebst kurzen Angaben zu einigen minder wichtigen Handschriften (hinzu kommen die Listen der Fragmente, der Auszüge sowie der bezeugten Deperdita und der Exzerptenhandschriften). Die meisten Codices enthalten nur jeweils eine der drei Quinquagenae. Auf der Grundlage von 13 ausgewählten Perikopen wird sodann die Klassifikation der Handschriften vorgenommen ; daraus ergibt sich ein Stemma für die Frühzeit der Textentwicklung. Was den Hauptharst der Textzeugen betrifft, sind dessen feinere Verästelungen für jede der drei Quinquagenae getrennt zu behandeln. Als Ergebnis ihrer höchst komplexen Untersuchungen entwirft die Herausgeberin ein Pano-rama der Überlieferung und Textgeschichte der EP. Es folgt die ausführliche Biblio-graphie und schließlich die Edition der Praefatio, d. h. der verschiedenen Paratexte im Eingangsbereich. Der Inhalt des Bandes wird durch fünf Indices gut erschlossen. Dies ist erst der Anfang : jeder der drei Quinquagenae wird ein eigener Band zugedacht sein, der jeweils noch einmal eine spezifische Einleitung erfordert.

Mit der Psalmenkommentierung beschäftigte sich Cassiodor wahrscheinlich während längerer Zeit : Eine erste, nicht unmittelbar belegbare Arbeitsphase dürfte in die Jahre seines Exils in Konstantinopel (546/554) fallen. Fortgesetzt und vollendet wurde die Arbeit im Zeitraum 555/580 in Vivarium. Bereits 547/548 scheint eine erste Fassung unter Gelehrten am Hofe Justinians zirkuliert zu haben. Die zweite Fassung zeichnet sich aus durch stärkeren Einbezug der Artes und durch den Rückgriff auf Texte, die inzwischen beschafft worden waren. Anders als Augustins Enarrationes, die als Predigten konzi-piert sind, sollte Cassiodors EP der privaten Lektüre dienen. Gewidmet hat der Verfasser sie einem ungenannten pater apostolicus (Agapitus ?). Das von Cassiodor in Vivarium Aufgebaute überlebte seinen Tod nicht. Ungewiss ist, ob nach Vollendung des Werkes, vom Verfasser selber oder doch in seiner Umgebung, noch einzelne Nachbesserungen vorgenommen wurde. Jedenfalls deutet die Über lieferung daraufhin, dass der Arche-typus (Ω) alsbald überarbeitet worden ist (Ω+) : vielleicht dass ein Exemplar in der Kloster bibliothek lag, während Cassiodor das andere bei sich zurückbehielt.

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Aus der Textgeschichte, wie sie die Herausgeberin kenntnisreich und überzeu-gend rekonstruiert, können hier nur wenige Grundzüge hervorgehoben werden : In der Gegend, wo die EP entstand, in Mittel- und Süditalien, hat sie zunächst kaum Spuren hinterlassen. Im Wesentlichen hat das Werk im Frühmittelalter auf den Britischen Inseln überlebt ; von dort hat es sich auf dem Kontinent ausgebreitet, zunächst im nördlichen Frankreich und im südlichen Deutschland, dazu treten andere Zweige, so ein burgun-disch-bairischer. Erst später hat sich die Überlieferung nach Nord- und Mittelitalien und (ganz schwach) nach Spanien fortgepflanzt. Früh spaltete sich die Überlieferung in drei Hyparchetypen auf : π, vielleicht auf Montecassino zurückgehend, durch nur ganz wenige Textzeugen vertreten – darunter die großformatige (aus Italien [Rom?] stam-mende) Bamberger Hs. Bibl. 56 (Ba), alle drei Quinquagenae enthaltend – repräsentiert noch die ältere Archetypform Ω. Die definitive (schon früh nach England gelangte) Form Ω+ wird erschlossen einerseits durch einen wohl aus Northumbrien stammenden, früh untergegangenen Zweig λ – vertreten namentlich durch Du, die Epitome in der Hand-schrift Durham, Chapter B.II.30 (wohl aus Jarrow, 1. Hälfte oder Mitte 8. Jh. ; die dortige David-Abbildung ziert den Schutzumschlag des Bandes) – und durch die riesige Gruppe φ, deren Ursprünge gleichfalls in England liegen, und die sich dann auf dem Kontinent mannigfach verzweigt hat. Zu nennen sind eine französische Gruppe (α / υ / ξ für die drei Quinquagenae) und eine weitere Gruppe, γ für die erste Quinquagena (Frankreich / Deutschland, durch die kontaminierte Untergruppe θ bald verdrängt), der für die beiden folgenden Quinquagenae die Gruppen κ / χ gegenüberstehen. Genannt seien noch die burgundisch-bairischen Untergruppen δ / σ / ψ. Auf die weitergehenden Verzweigungen von φ kann und muss an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden.

Wohl überall war man bemüht, sich alle drei Teile der EP zu beschaffen. Doch heute liegen nur mehr wenig ursprüngliche Corpora vor. Vielfach ging ein oder gingen gar zwei der drei Bände eines Corpus verloren, und es wurde für Ersatz gesorgt, wie es sich eben machen ließ, im allgemeinen wohl, ohne dass die Unterschiede des textli-chen Charakters innerhalb eines so zustande gekommenen sekundären Corpus bemerkt worden wären.

Die Edition der Paratexte (Praefatio) umfasst folgende Bestandteile : Cassiodors Verzeichnis der verschiedenen (insgesamt 13) am Rande beigegebenen graphischen Symbole (notae), mit denen einzelne Stellen einem bestimmten Sachbereich zugeordnet werden (Interpretatio notarum). Es folgt seine Vorrede zu der eigentlichen Einführung : über den Wert der Psalmen, über Augustins Enarrationes als Quelle, Einzelheiten zur eigenen Arbeit, eine Betrachtung über den hohen Wert der Psalmen und schließlich das Verzeichnis der 17 einzelnen Gesichtspunkte, die im Hauptteil der Einführung behan-delt sind. Dabei geht es zum Teil um die Klärung von Begriffen, dann aber auch um die Charakterisierung der rhetorischen Qualitäten der Bibel und insbesondere des Psal-ters, bis hin zu einem hoch rhetorischen, fast hymnischen Lobpreis der Kirche. Den Abschluss bildet Cassiodors Versuch, den Psalter, so wie er vorliegt, in zwölf verschie-dene Themenkreise zu gliedern. Anhangsweise mit ediert wird die ausführliche Form der Interpretatio notarum in der burgundisch-bairischen Hss.-Familie δ : hier werden die einzelnen Gesichtspunkte je durch bestimmte Bibelstellen veranschaulicht. Voraus geht der Textausgabe eine ausführliche Erörterung der Editionsgrundsätze, mit einem detaillierten Stemma speziell für diese Einleitungspartie. Für jede Handschriftengruppe werden ein oder zwei Textzeugen herangezogen. Die einzelnen Texteinheiten erfahren

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eine feine Binnengliederung durch Paragraphen, welche auch die Organisation des Kritischen Apparates erleichtert.

Die vorliegende Arbeit zeichnet sich insgesamt durch große Umsicht, Sorgfalt und Gewissenhaftigkeit aus. Gründlich und geduldig erkundet die Herausgeberin die frühe Textgeschichte der EP, wie sie sich aus den handschriftlichen Befunden ergibt, sodann die spezifischen Entstehensumstände der einzelnen Handschriften und Corpora, ihre Verwandtschaften, ihre Wanderungen und wechselseitigen Beeinflussungen. Sie setzt sich intensiv mit der bisherigen Forschungsliteratur aller Sparten auseinander. Die – wenig umfangreiche – Edition der einführenden Paratexte ist gewissermaßen ein

Specimen der Edition des Gesamtwerks, welche mit Spannung erwartet wird. Denn

schon jetzt ist offensichtlich : die Gestalt der EP wird dadurch auf eine völlig neue Text-grundlage gestellt werden. Der textkritische Apparat ist recht detailliert. Das bedeutet, dass er auch als Quelle für die Realität mittelalterlicher Sprachhandhabung (Anomalien, alternative Normen) nutzbar sein wird, etwa wenn (für Hss. des 9. Jh’s aus Regensburg und Freising) storiae für normales historiae dokumentiert ist (XVI 5).

Nur selten begegnen kleinere Versehen, Unstimmigkeiten oder Versäumnisse. Einige von ihnen mögen nachstehend behoben werden (zur Editionspartie siehe weiter unten).

Nach den Forschungen der Herausgeberin geht π auf das frühere Stadium des Arch-etypus (Ω) zurück, φ auf das spätere (Ω+). Andererseits bezieht sie sich bei der Zusam-menstellung der Unterschiede (S. 183–202 passim) wohl oder übel auf die Adriaensche, von φ geprägte Textfassung. Die historisch älteren Lesarten sind also dieser gegenüber eine « Neuigkeit ». Oft finden sich hier nun Formulierungen, die sich unmittelbar auf diese heuristische Augenblickssituation statt auf das wirkliche Alter beziehen : die π-Lesart stehe anstelle (« per ») der φ-Lesart. Oder es heißt (S. 186), dass « il sostantivo

natura, usato in φ in riferimento a Gesù Cristo, nel testo di π è stato sistematicamente

sostituito con substantia » – aber chronologisch gesehen war’s doch gerade umgekehrt. Auch nur schon der Gebrauch von om(ittit) kann verwirrend sein : Beispielsweise dort, wo von acht Stellen die Rede ist, welche in φ den Charakter von « aggiunte posteriori » haben (S. 190). In der nachfolgenden Tabelle wird dann aber jedesmal gesagt, dass die π-Tradition diese Stellen auslasse, om(ittit)! (Ganz allgemein dürfte die mechanische Verwendung des Kürzels om. in textkritischen Apparaten oft ein Angebinde einer [sonst überwundenen] positivistischen Haltung sein : unterschwellig wird damit suggeriert, der umfangreichere Text sei der richtigere, und wenn andere Textzeugen weniger hätten, dann mangle diesen etwas.) Noch ein Beispiel hierzu : Im 7. der analysierten Unter-schiede der gennanten beiden Zweige (S. 197) ist von « la perdita di ben due passi » in π gegenüber φ die Rede. Für die erste Stelle, eine klassische Gleichschlusslücke (saut du même au même) stimmt das zwar, aber an der zweiten Stelle handelt es sich in φ um einen deutlichen Zusatz, da lässt sich schwerlich von einer « perdita » in π sprechen.

Beim Zitieren von Titeln und Textstellen fremdsprachlicher Literatur begegnen nicht selten Fehler : wenige in englischsprachigen, etwas mehr in französischen und recht viele in deutschen Werken ; die meisten von ihnen wird aber der Leser selber berichtigen können.

Was die wenigen spanischen Handschriften angeht, fehlt Sp1-2-3 (behandelt auf S.  302) im Conspectus codicum (S.  141) ; andererseits ist Sm1-2-3 (beschrieben S.  66) unter den spanischen Hss. (S. 302) nicht aufgeführt. Um eine einfache Verwechslung der Signaturen kann es sich nicht handeln.

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Einige weitere Einzelheiten : S. 56 (und öfter) : doch wohl cum additionibus (nicht

-ict-) – S.  59 (unten) : Essen (nicht -ner) – S.  88 : doch wohl furatus fuerit – S.  212

(Mitte) : Wu1 (nicht W1) – S. 228 (Mitte, bei Sd1) : debeat] poterit – S. 244f. (und passim, wo nur eine Position) : Trasposizione / Omissione / Aggiunta peculiare – S. 281, Anm. 43 : perizie paleografiche – S. 291, « della riforma culturale voluta da Alcuino e Carlo Magno » : Hier (u. ö.) erscheint Alkuin vielleicht etwas gar zu exklusiv als Träger der Karolingischen Erneuerung. – S. 319 : Aug. doctr. christ. ist nach CCSL 32 oder CSEL 80 zu zitieren. – S. 326, Bruckner : Der Untertitel lautet : Denkmäler schweizerischer Schreibkunst des Mittelalters. – S.  332, Daniel : Der Reihentitel lautet : Die Hand-schriften der Universitätsbibliothek München. – S.  336, Fellers : Der Eintrag ist zu ersetzen durch : Fellerer, Karl Gustav. Beiträge zur Musikgeschichte Freisings, Freising 1926.

Im Folgenden nun noch Bemerkungen zu einigen Einzelheiten der Edition.

In Cassiodors Notae (§ 3) begegnet als sprachliche Eigenheit von Ω / Ω+ die Dat./ abl. pl.-Form idiomatis, von der Herausgeberin (S. 160. 311) als Fehler eingestuft. Doch entspricht dies einer alten heteroklitischen Tradition bei etlichen Lehnwörtern auf

-ma/-matis (Beispiele bei Stotz, HLSMA 4, VIII § 10.8), hätte also im Text beibehalten

werden sollen.

Ein echter Fehler im Archetypus scheint hingegen in prol. § 11 vorliegen (vgl. S. 161). Hier nun könnte die Epitome Du hilfreich sein. Sie steht ja Ω+ sehr nahe, wird jedoch, weil unvollständig, zur Textherstellung allgemein nicht herangezogen. Gemäß diesem Textzeugen lautet die Stelle : post multiplicia praeconia, quae modo a deitate, modo ab

humanitate ipsius (sc. Christi) fiunt … (fiunt über der Zeile nachgetragen). Dieses fiunt a entspricht der Phraseologie rhetorischer Topik bestens. In allen andern Textzeugen

fehlt das Verb nach ipsius ; in einer Hs. des 12. Jh’s ist die Lücke mit einem – in diesem Kontext wenig überzeugenden – incipiunt ausgefüllt. Die Herausgeberin vervollständigt (deswegen?) den Satz mit <incipiunt> ; das fiunt von Du wird nicht einmal im Apparat verzeichnet. Dem lässt sich entgegenhalten : Wohl sind in der Epitome Du manche Partien weggekürzt. Aber sofern ein bestimmter Satz dasteht, gibt es eigentlich keinen Grund dafür, dessen – hier deutlich besseren – Wortlaut nicht zu Rate zu ziehen.

praef. 21, apocalypsin : Die stereotype – hier ablativwertige – Form auf -in (einerlei ob mit -lyp- oder -lip-) stand nach Ausweis der Textzeugen wohl im Archetypus, auch entspricht sie einer recht geläufigen Sprachtatsache ; vgl. Stotz, HLSMA 4, VIII § 40.2 (mit Anm. 592) und § 50.2. In einer modernen Edition, die den sprachlichen Gegeben-heiten der Abfassungszeit des Textes Rechnung trägt, gibt es hier nichts zu « verbes-sern ».

I 23 : Nach Ausweis des Archetypus (Ω / Ω+) schreibt Cassiodor : Est autem

prophe-tiae magnificum nimis et ueriloquum dicendi genus : « Der Prophetie eignet eine höchst

erhabene und von Wahrhaftigkeit bestimmte Redeweise ». Alle Herausgeber seit dem 15. Jh. haben die Dativform prophetiae durch die Nominativform ersetzt, weil sie in den Satz zu Unrecht eine Definition (« Die Prophetie ist … ») hineinlasen.

III 1.2 : Nach dem Archetyp (Ω / Ω+) lautet die Stelle : Finem duobus dicimus modis :

Primus est iste communis atque mortalis – quando res aliqua ad extremum deducta peruenerit nec ulterius potest prodire – ; qui motus sui terminum probatur accipere :

« … Die erste (Verwendungsweise von finis) ist jene verbreitete und menschliche …, welche erweist, dass ihre Bewegung ein Ende nimmt ». Dieses qui ist entweder nach

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modus oder aber nach finis selber ausgerichtet. (Vgl. nachher : Secundus dicitur finis …, qui …) In lediglich zwei der herangezogenen Handschriften, jedoch in allen Ausgaben,

liest man nun aber quae. Demnach wird dieser Satzteil mit dem eingeschalteten Neben-satz quando … prodire gekoppelt, worin das Femininum res Subjekt ist. Dass jemand hierauf hat verfallen können, ist zwar einfühlbar, aber wahrscheinlich ist das qui, das die erdrückende Mehrheit der Textzeugen bietet, doch zu halten.

IV 7 (mit S. 312) : ebenina ist eine gewiss unnötige Korrektur für das großmehrheit-lich überlieferte ebelina (euel[l]-, euil-) ; dieses als Ergebnis regressiver Ferndissimila-tion vom Typus it. veleno venenum (hierzu Stotz, HLSMA 3, VII § 259). Zu ebelinus selber : ThLL 5, 2, Sp. 3, 79 ; vgl. ferner MLW 3, Sp. 1074, 47f.

XVII 15. 18 : Die von allen Herausgebern vorgenommene Abänderung von fraglat bzw. fraglantia zu dem – zwar normengerechten, jedoch in keinem benützten Textzeugen überlieferten – fragr- ist angesichts der Verbreitung dieser dissimilatorischen Form (vgl. Stotz, HLSMA 3, VII § 292.7 mit Anm. 25) schwerlich am Platze. Ebenso wenig ist die (auf den Archetypus zurückgehende) Schreibung quod für quot ‘wieviel’ (XV 15) ein einfacher Schreibfehler, vielmehr ist auch sie Reflex einer Sprachtatsache (vgl. Stotz,

HLSMA 3, VII § 184.9 mit Anm. 91), hätte also vielleicht respektiert werden können.

(Ein einfaches « i. e. quot » im Apparat hätte für Klarheit gesorgt.) – Aber zumindest derart allgemein übliche Namensformen wie das in XVII 5 einhellig überlieferte Arrius hätte man in den Text setzen und nicht durch Arius « verbessern » sollen.

Zur Gestaltung des Apparats : Da und dort wird eine Lesart geboten, bei welcher der Leser nur mit Mühe erkennt, zu welchem Textwort sie gehört. Einige Beispiele : I 23 : in K1 ein (angeblich zwischen uoluntate und compositum, aber erst nach ait stehendes)

sed. – XVI 13 : est introitus gehört wohl zu § 14. – XVII 1 : interferis gehört zu § 2.

– Bisweilen stimmt lediglich die Reihenfolge innerhalb eines Paragraphen nicht, so in XVII 5 bei fidei und deuotionem. – Einige Male steht im Apparat anstelle einer Variante versehentlich nochmals die Textlesart. So in praef. 6 bei mirabiliter (für Bg1), in praef. 17 bei elemosinis (S1 hat [gemäß Digitalisat] elimosinis) ; praef. 35 bei apostolus (für C1) ; XI 3 bei Augustinus (für C1).

Von diesen Hinweisen könnten allenfalls einige für die bevorstehende Edition des großen Hauptteils von Cassiodors Psalmenkommentar nutzbar gemacht werden : dies ein editorisches opus maximum, zu dessen baldiger Fertigstellung die kompetente Herausgeberin unsere besten Wünsche begleiten mögen.

Peter Stotz Universität Zürich Anne Grondeux, À l’école de Cassiodore. Les figures « extravagantes » dans la

tradi-tion occidentale, Turnhout, Brepols, 2013 (Lingua Patrum, VII), 388 p.

Ce nouveau volume de la collection Lingua Patrum, qui fait preuve ces dernières années d’un remarquable dynamisme, abrite une version remaniée du mémoire d’habi-litation d’Anne Grondeux, une étude des figures « extravagantes » dans la tradition occi-dentale. Le syntagme « figures extravagantes », que l’auteur a emprunté aux

Références

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